Hautpflege und Medikamente zum Auftragen

Foto vom Frau bei der äußerlichen Behandlung mit Salbe
PantherMedia / innovatedcaptures

Bei leichter Schuppenflechte reichen meist Medikamente zum Auftragen. Wirksam und gut verträglich sind Salben, Cremes und Lösungen mit oder Vitamin-D3-Abkömmlingen. Außerdem ist die tägliche Hautpflege sehr wichtig.

Die Grundlage einer Psoriasis-Behandlung ist eine gute Hautpflege. Sie kann die Haut durch tägliches Eincremen geschmeidig halten und schützen. Wichtig ist, die Haut auch in beschwerdefreien Phasen sorgfältig zu pflegen.

Die typischen Hautveränderungen (Psoriasis-Plaque) können mit Medikamenten zum Auftragen auf die Haut, mit einer Lichttherapie oder Medikamenten zum Einnehmen oder Spritzen behandelt werden. Bei leichter bis mittelschwerer Schuppenflechte reicht eine äußerliche (topische) Behandlung oft aus. Dabei werden die Wirkstoffe zum Beispiel als Salbe, Creme, Lösung oder Schaum auf die veränderten Hautstellen aufgetragen.

Woraus besteht eine gute Hautpflege?

Menschen mit Schuppenflechte wird empfohlen, die Haut täglich mit rückfettenden oder feuchtigkeitsbindenden Mitteln (Emollentien) zu pflegen. Diese Basistherapie hat verschiedene Ziele. Sie soll

  • die Haut vor dem Austrocknen bewahren,
  • vor Rissen und Hautreizungen schützen und
  • Juckreiz lindern.

Die Haut zu schützen gilt als wichtig, weil Hautverletzungen dazu führen können, dass sich neue Psoriasis-Plaque bildet. Dem soll eine gute Hautpflege vorbeugen. Es kommen verschiedene Produkte infrage:

  • Salben enthalten reichlich Fett und bilden einen dicken, lange anhaltenden Schutzfilm. Sie lassen sich nicht so gut auftragen und können an der Kleidung oder Bettwäsche Spuren hinterlassen.
  • Cremes enthalten weniger Fett und sind einfacher aufzutragen als Salben. Außerdem ziehen sie schneller ein und sind auf der Haut weniger sichtbar.
  • Lotionen haben einen hohen Wasseranteil und verdunsten schnell. Dies hat einen kühlenden, aber auch leicht austrocknenden Effekt.

Aussagekräftige Studien, die unterschiedliche Pflegemittel vergleichen, gibt es nicht. Wichtig ist, dass man im Alltag gut mit den Mitteln zurechtkommt. Salben, Cremes und Lotionen können je nach Bedarf und Jahreszeit verwendet werden:

  • zum Beispiel Salben eher im Winter, an sehr trockenen oder nicht sichtbaren Hautstellen,
  • Cremes und Lotionen eher bei warmen Temperaturen, im Gesicht und an den Händen.

Beim Duschen oder Baden ist es besser, die Mittel erst danach aufzutragen, damit das Wasser, das dabei in die Haut gelangt, nicht wieder verdunstet. Falls die Haut zusätzlich mit Kortisonsalbe behandelt wird, sollte damit mindestens 15 Minuten abgewartet werden, um den Wirkstoff nicht zu verdünnen. Ob zuerst die Hautpflege oder das Medikament aufgetragen wird, spielt keine Rolle.

Wie wirken Kortisonpräparate?

ist ein Hormon, das in der Nebennierenrinde gebildet wird. Umgangssprachlich wird der Begriff „“ auch für Medikamente aus der Gruppe der Glukokortikoide verwendet. Sie haben eine ähnliche Wirkung wie das körpereigene .

hemmt die Entzündungsreaktionen in der Haut. Sie sind dafür verantwortlich, dass sich die Haut rötet und die Hautzellen viel schneller vermehren. Kortisonpräparate wirken, indem sie die Bildung entzündungsfördernder Gewebshormone und Botenstoffe hemmen, zum Beispiel der Prostaglandine und Zytokine.

Welche unterschiedlichen Kortisonpräparate gibt es?

Kortisonpräparate sind als Creme, Lösung oder Salbe erhältlich – zur Behandlung der Kopfhaut auch als Schaum oder Shampoo. Sie unterscheiden sich in ihrer Stärke deutlich und werden in vier Klassen unterteilt:

  • schwache Kortisonpräparate (Klasse I) wie Hydrokortison und Prednisolon
  • mittelstarke Kortisonpräparate (Klasse II) wie Prednicarbat
  • starke Kortisonpräparate (Klasse III) wie Mometason oder Methylprednisolon
  • sehr starke Kortisonpräparate (Klasse IV) wie Clobetasol

Hautstellen mit starker Schuppung sowie Psoriasis an der behaarten Kopfhaut benötigen oft eine Behandlung mit einem starken oder sehr starken Kortisonpräparat. An empfindlichen Körperstellen wie dem Gesicht oder in Hautfalten werden schwächere Kortisonpräparate oder andere Wirkstoffe eingesetzt.

Wie werden Kortisonpräparate angewendet?

In den ersten drei Wochen werden die Mittel in der Regel ein- oder 2-mal täglich auf die veränderten Hautstellen aufgetragen, danach allmählich seltener: in der vierten Woche beispielsweise nur noch jeden zweiten, in der fünften Woche nur noch jeden dritten Tag. Die Beschwerden bessern sich in der Regel ein bis 2 Wochen nach Beginn der .

Bei häufigen Rückfällen kommt eine vorbeugende Behandlung infrage. Dabei werden die betroffenen Hautstellen auch in Zeiten behandelt, in denen die Schuppenflechte kaum Beschwerden verursacht. Um Nebenwirkungen zu vermeiden, werden die Mittel dann an zwei aufeinanderfolgenden Tagen einer Woche aufgetragen – zum Beispiel immer samstags und sonntags.

Wie wirksam sind Kortisonpräparate?

In Studien haben sich starke Kortisonpräparate als wirksam erwiesen. Einige Wochen nach Beginn der Behandlung zeigte sich:

  • Ohne Kortisonpräparat hatten etwa 9 von 100 Personen keine oder kaum sichtbare Psoriasis-Plaques.
  • Mit Kortisonpräparat hatten ungefähr 41 von 100 Personen keine oder kaum sichtbare Psoriasis-Plaques.

Das bedeutet, dass das Kortisonpräparat die Psoriasis bei 32 von 100 Menschen deutlich linderte.

Wenn die Behandlung mit einem starken Kortisonpräparat nicht ausreicht, kann das sehr starke Clobetasol ausprobiert werden. Es half in Studien noch besser als starke Kortisonpräparate der Klasse III.

Wie oft kommt es zu Nebenwirkungen?

Viele Menschen sind misstrauisch gegenüber Kortisonpräparaten und haben Angst vor Nebenwirkungen wie zum Beispiel dünner werdender Haut. Bei äußerlicher Anwendung sind Nebenwirkungen aber selten: In Studien brach weniger als eine von 100 Personen, die starke oder sehr starke Kortisonpräparate anwendeten, die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab.

Manche Menschen haben Angst vor schwerwiegenden Nebenwirkungen wie Stoffwechselstörungen oder Bluthochdruck und wenden die Kortisonsalbe oder -creme nicht in ausreichender Menge oder nicht lange genug an. Wer nur äußerlich anwendet und die Hinweise in der Packungsbeilage beachtet, hat aber nur ein sehr geringes Risiko für ernsthafte Nebenwirkungen.

Welche anderen Mittel zum Auftragen kommen infrage?

Calcipotriol

Calcipotriol ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Vitamin-D3-Abkömmlinge. Andere Mittel aus dieser Gruppe sind Calcitriol und Tacalcitol. Sie werden aber eher selten eingesetzt.

Chemisch ist Calcipotriol mit dem Vitamin D3 verwandt und den Kortisonpräparaten ähnlich. Er wird ein- oder 2-mal pro Tag als Creme, Gel, Salbe oder Lösung auf die Haut aufgetragen. Dabei sollen nicht mehr als 30 % der Körperoberfläche behandelt werden.

Auch Calcipotriol konnte in Studien die Beschwerden lindern. Auf der Kopfhaut ist es nach aktuellem Wissen jedoch etwas weniger wirksam als starke Kortisonpräparate. Außerdem löst es häufiger Nebenwirkungen wie Brennen oder Juckreiz aus.

Vitamin-D3-Abkömmling und können auch miteinander kombiniert werden, falls die Behandlung mit einem einzelnen Wirkstoff nicht ausreicht. Es gibt auch Medikamente, die bereits beides enthalten.

Dithranol und Steinkohleteer

Ältere Mittel zur äußerlichen Behandlung von Schuppenflechte wie Dithranol und Steinkohleteer werden nur noch selten eingesetzt. Ein Grund dafür ist, dass sie weniger anwendungsfreundlich sind als und Calcipotriol: Zum einen können sich Haut und Kleidung verfärben, zum anderen finden viele Menschen den Geruch von Steinkohleteer sehr unangenehm. Dithranol wird vor allem im Krankenhaus noch angewendet.

Calcineurin-Inhibitoren: Pimecrolimus und Tacrolimus

Tritt die Schuppenflechte an empfindlichen Stellen auf – etwa im Gesicht, in den Leisten oder unter den Achseln –, werden als Alternative zu Kortisonpräparaten manchmal sogenannte Calcineurin-Inhibitoren eingesetzt. Zu dieser Medikamentengruppe gehören Cremes und Salben mit den Wirkstoffen Pimecrolimus und Tacrolimus. Tacrolimus ist der stärkere der beiden Wirkstoffe.

Calcineurin-Inhibitoren wurden zur Behandlung von entwickelt und sind nicht zur von Schuppenflechte zugelassen. Daher müssen bei der Anwendung besondere Bedingungen beachtet werden. Zudem ist es wichtig, vor der Behandlung zu klären, ob die Krankenkasse die Kosten übernimmt.

Die Wirksamkeit von Calcineurin-Inhibitoren bei Psoriasis ist wissenschaftlich noch nicht gut untersucht. Ob sie ähnlich gut helfen wie Kortisonpräparate, lässt sich daher nicht sagen.

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Aktualisiert am 10. März 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2024

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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