Einleitung

Foto von Frau mit Halsschmerzen (Martin Allinger / iStock / Thinkstock) Halsschmerzen können viele Ursachen haben. Meist sind sie Folge einer Rachenentzündung durch Erkältungs-Viren. Seltener ist eine Entzündung der Gaumenmandeln der Grund für Halsschmerzen. Mandelentzündungen werden oft durch Bakterien, manchmal auch durch Viren verursacht. Welcher Erreger die Entzündung ausgelöst hat, ist allerdings nicht leicht zu erkennen. Kinder und Jugendliche erkranken sehr viel häufiger an einer Mandelentzündung als Erwachsene.

Eine akute Entzündung der Mandeln (Tonsillitis) tritt plötzlich auf und heilt meist innerhalb von ein bis zwei Wochen wieder ab. Eine Mandelentzündung kann jedoch innerhalb eines Jahres mehrmals wiederkehren und chronisch werden. Dabei haben sich dauerhaft Bakterien in den Mandeln angesiedelt, sodass sie ständig leicht entzündet sind. Akute Entzündungen mit stärkeren Beschwerden können immer wieder hinzukommen. Eine chronische Mandelentzündung kann sehr belastend sein und selten auch zu Komplikationen führen.

Symptome

Typische Symptome einer akuten bakteriellen Mandelentzündung sind:

  • Halsschmerzen
  • geschwollene und stark gerötete Mandeln mit gelblichem Belag
  • Schluckbeschwerden
  • Fieber über 38° C
  • Kopfschmerzen
  • Abgeschlagenheit und Müdigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Mundgeruch
  • geschwollene und schmerzende Halslymphknoten

Wenn Viren die Ursache der Entzündung sind, wird sie zudem häufig von Erkältungsbeschwerden wie Husten und Schnupfen begleitet.

Oft ist außer den Mandeln auch der Rachen entzündet (Pharyngitis). Von einer Mandelentzündung spricht man, wenn die Entzündung vorwiegend die Mandeln betrifft.

Besonders bei Kindern kann sich die Erkrankung auch durch untypische Zeichen wie Bauchschmerzen äußern. Manchmal ist ihnen zudem übel und sie müssen sich übergeben.

Ursachen

Bakterien und Viren können durch Tröpfcheninfektion übertragen werden – das heißt, sie werden beim Sprechen oder Niesen in winzigen Tröpfchen in die Luft gesprüht und gelangen so auf die Schleimhäute eines anderen Menschen, wo sie sich vermehren.

Bei bakteriellen Mandelentzündungen sind meist bestimmte Streptokokken die Ursache. Aber nicht jeder, der die Bakterien im Körper hat, bekommt eine Mandelentzündung.

Eine Mandelentzündung kann im Rahmen einer Scharlach-Infektion auftreten, die ebenfalls von Bakterien verursacht wird. Auch Virusinfektionen wie das Pfeiffersche Drüsenfieber können mit einer Entzündung der Mandeln einhergehen.

Verlauf

Bei einer akuten Mandelentzündung klingen Beschwerden wie Halsschmerzen und Fieber meist auch ohne Behandlung innerhalb von ein bis zwei Wochen ab. Das Fieber lässt etwas eher nach als die Halsschmerzen. Es kann aber länger dauern, bis die Mandeln abgeschwollen sind.

Folgen

Komplikationen sind selten. Die häufigste Komplikation ist eine Eiteransammlung um die Mandeln herum – ein sogenannter Peritonsillarabszess. Dieser kann im Rahmen einer bakteriellen Mandelentzündung entstehen und von selbst wieder abheilen. Es besteht aber das Risiko, dass sich die Entzündung in das umliegende Gewebe im Hals- und Brustbereich ausbreitet. Das kann zu schweren Komplikationen führen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass ein Abszess behandelt wird.

Folgende Symptome können auf einen Peritonsillarabszess hinweisen:

  • sehr starke einseitige Beschwerden beim Schlucken
  • allgemeine Schwäche und Fieber
  • Ohrenschmerzen
  • das Gefühl, beim Sprechen einen Kloß im Hals zu haben
  • Schwierigkeiten, den Mund zu öffnen

Schätzungen gehen davon aus, dass sich bei höchstens 1 bis 10 von 1000 Menschen, die wegen Beschwerden wie Halsschmerzen ärztlich behandelt wurden, ein Abszess bildet. Ähnlich selten entsteht aus einer Mandelentzündung eine Mittelohrentzündung.

Eine andere Komplikation ist das rheumatische Fieber. Dabei handelt es sich um schmerzhafte Entzündungen mehrerer Gelenke, des Herzmuskels und der Herzklappen. Rheumatisches Fieber war früher deutlich häufiger als heute. Zumindest in den Industrieländern ist es mittlerweile eine Ausnahme. Es wird geschätzt, dass in Deutschland pro Jahr weniger als eins von 100.000 Kindern daran erkrankt. Auch Nierenentzündungen sind sehr seltene Komplikationen einer Mandelentzündung – laut Schätzungen erkranken pro Jahr 6 von 100.000 Kindern daran.

Diagnose

Bei Halsschmerzen kann eine ärztliche Untersuchung helfen, folgende Fragen zu beantworten:

  • Wie stark ist die Entzündung?
  • Wird sie voraussichtlich auch ohne Behandlung rasch abklingen?
  • Ist eine Mandelentzündung die Ursache der Beschwerden?
  • Handelt es sich um eine bakterielle Mandelentzündung?
  • Ist das Risiko für Komplikationen erhöht, sodass eine Antibiotikatherapie nötig ist?

Meist wird die Ärztin oder der Arzt nur den Rachen untersuchen und nach den genauen Beschwerden fragen. Für eine bakterielle Mandelentzündung spricht es, wenn die Mandeln geschwollen und belegt sind und man Fieber hat, aber keinen Husten.

Zusätzlich kann ein sogenannter Schnelltest gemacht werden. Er wird von den Krankenkassen bis zum 16. Lebensjahr bezahlt. Dabei wird ein Abstrich von den Mandeln genommen und auf Streptokokken untersucht. Innerhalb weniger Minuten gibt es ein Ergebnis, das jedoch nicht sehr genau ist. Es fällt genauer aus, wenn der Abstrich ins Labor geschickt und dort auf Bakterien untersucht wird. Das Testergebnis liegt dann aber erst nach zwei bis drei Tagen vor.

Nur in Ausnahmen wird Blut abgenommen und untersucht, beispielsweise um andere Erkrankungen auszuschließen.

Behandlung

Die Behandlung zielt in erster Linie darauf, die Beschwerden zu lindern und Komplikationen vorzubeugen. Bei einer akuten Mandelentzündung kommen folgende Medikamente infrage:

Antibiotika können die Krankheitsdauer etwas verkürzen. Sie können auch das Risiko von Komplikationen reduzieren. Allerdings haben sie Nebenwirkungen.

Viele Menschen empfinden es als wohltuend, Halsbonbons zu lutschen oder die Beschwerden mit Hausmitteln zu lindern, etwa mit Halswickeln und Gurgeln mit Salzwasser oder Tee.

Wiederkehrende Mandelentzündungen können ebenfalls mit Schmerzmitteln oder Antibiotika behandelt werden. Bei häufigen Beschwerden ist es auch möglich, die Mandeln operativ entfernen zu lassen.

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Schlagwörter: Atemwege, Immunsystem und Infektionen, J02, J03, J04, J35, Kind und Familie, Mandelentzündung, Pharyngitis, Rachenentzündung, Tonsillitis