Welche Rolle spielen Medikamente bei unspezifischen Rückenschmerzen?

Foto von Frau bei der Tabletteneinnahme (Andrew Howe / iStock / Thinkstock) Schmerzmittel werden bei Rückenschmerzen nur ergänzend zu aktiven Behandlungen wie Bewegungstherapien empfohlen – zum Beispiel bei starken Schmerzen oder um wieder in Bewegung zu kommen. Wegen ihrer Risiken sollten sie möglichst nicht dauerhaft eingesetzt werden.

Meist verschwinden Kreuzschmerzen nach einiger Zeit auch ohne Behandlung von allein. Ihre Ursachen sind meist unklar, weshalb sie dann auch „unspezifisch“ genannt werden. Wenn Kreuzschmerzen länger bestehen bleiben oder immer wiederkehren, sind sie oft schwierig zu behandeln. Gute wissenschaftliche Studien haben bisher nur für wenige Therapien gezeigt, dass sie helfen. Aktiv zu bleiben und sich regelmäßig zu bewegen, gehört zu den wirksamsten Dingen, die man selbst tun kann.

Zur medikamentösen Behandlung stehen rezeptfreie und rezeptpflichtige Schmerzmittel, muskelentspannende Medikamente sowie Antidepressiva zur Verfügung. Da Medikamente gerade bei längerer Einnahme Nebenwirkungen haben können, sollten sie nicht dauerhaft, sondern nur vorübergehend eingesetzt werden – etwa, wenn die Schmerzen besonders stark sind. Zudem wirken Schmerzmittel bei unspezifischen Kreuzschmerzen nur begrenzt.

Rezeptfreie Schmerzmittel

Bei Kreuzschmerzen kommen vor allem sogenannte nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen infrage. Sie können die Beschwerden oft etwas lindern. Diese Schmerzmittel sind in niedriger Dosis nicht verschreibungspflichtig. NSAR können eingenommen oder in einen Muskel gespritzt werden. Letzteres wird heute nicht mehr empfohlen, da Spritzen Blutungen oder Entzündungen im Bereich der Einstichstelle verursachen können. Selten kommt es auch zu ernsthaften Komplikationen wie Abszessen oder Nervenschädigungen.

NSAR-Tabletten können Magenschmerzen auslösen und bei längerfristiger Anwendung Magengeschwüre begünstigen. Außerdem erhöhen sie geringfügig das Risiko für bestimmte Herzerkrankungen. Menschen mit einer Nierenschwäche sprechen vor einer NSAR-Einnahme am besten mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt. Wegen der möglichen Nebenwirkungen ist es sinnvoll, die Vor- und Nachteile der Mittel gut abzuwägen, sie nicht dauerhaft zu nehmen und die richtige Anwendung zu beachten.

Zwei weitere entzündungshemmende Schmerzmittel mit ähnlicher Wirkung sind Celecoxib und Etoricoxib aus der Gruppe der Cox-2-Hemmer. Sie werden auch Coxibe genannt. Diese Mittel sind zur Behandlung von Kreuzschmerzen nicht zugelassen und werden daher nur selten eingesetzt – zum Beispiel, wenn ansonsten nur eine Behandlung mit Opioiden infrage käme.

Paracetamol

Manchmal wird auch das Schmerzmittel Paracetamol zur Behandlung von Kreuzschmerzen eingesetzt. In Studien half es allerdings nicht besser als ein Scheinmedikament (Placebo). Medizinische Fachgesellschaften raten bei Rückenschmerzen daher von dem Mittel ab.

Wenn man dennoch Paracetamol einnimmt, ist es wichtig, auf die Dosis zu achten: Zu hoch dosiert kann Paracetamol die Leber schädigen und zu Leberversagen führen. Die tägliche Höchstdosis liegt bei 4 Gramm (4000 Milligramm). Dies entspricht zum Beispiel 8 Tabletten mit je 500 Milligramm Paracetamol. Bei richtiger Dosierung ist Paracetamol gut verträglich. Für Menschen mit Lebererkrankungen ist es jedoch nicht geeignet.

Metamizol („Novalgin“)

Metamizol ist ein fiebersenkendes und entzündungshemmendes Schmerzmittel, das den NSAR ähnelt. Es gibt keine Studien zu seiner Wirksamkeit bei Kreuzschmerzen, obwohl es hier oft eingesetzt wird. Medizinische Fachgesellschaften sehen es als eine Alternative zu Opioiden bei Menschen mit starken Kreuzschmerzen.

Die Anwendung von Metamizol ist umstritten, da das Mittel eine zwar seltene, aber sehr schwere Nebenwirkung haben kann, die sogenannte Agranulozytose. Dabei nimmt die Zahl bestimmter weißer Blutkörperchen im Körper stark ab, was lebensbedrohlich werden kann. Mögliche Anzeichen für eine Agranulozytose sind Fieber, Halsschmerzen und entzündete Schleimhäute. Das Risiko für diese Nebenwirkung wird auf deutlich weniger als 0,1 % geschätzt. Metamizol ist verschreibungspflichtig.

Opioide

Wenn andere Behandlungen nicht ausreichen, können Kreuzschmerzen auch mit stärkeren, verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln behandelt werden, den sogenannten Opioiden. Der bekannteste Vertreter dieser Wirkstoffgruppe ist das Morphin. Andere Opioide sind Buprenorphin, Codein, Hydromorphon, Oxycodon, Tapentadol, Tilidin und Tramadol. Opioide unterscheiden sich in ihrer Stärke: Morphin ist zum Beispiel ein sehr starkes, Tramadol ein schwächeres Opioid. Opioide werden auch als Pflaster angeboten.

Opioide können viele Arten von akuten Schmerzen sehr wirksam lindern. Bei Kreuzschmerzen wirken sie aber weniger gut als oft angenommen: In Studien konnten Opioide die Schmerzen bei etwa 10 % der Betroffenen lindern. Meist helfen sie nicht besser als NSAR.

Opioide können Nebenwirkungen wie Verstopfung, Übelkeit, sexuelle Lustlosigkeit, Schwindel und Müdigkeit auslösen und die Fahrtüchtigkeit herabsetzen. Zudem besteht ein geringes Risiko für eine lebensbedrohliche Überdosierung. Es ist daher sehr wichtig, sich an die Anwendungshinweise der Ärztin oder des Arztes zu halten und die Dosierung nicht ohne Rücksprache zu erhöhen. Dies gilt auch für opioidhaltige Pflaster (zum Beispiel Fentanylpflaster). Außerdem können Opioide körperlich abhängig machen. Nach Schätzungen aus Studien entwickeln etwa 6 % der Menschen bei längerer Opioid-Anwendung eine Abhängigkeit.

Opioide sind eine Möglichkeit, wenn andere Behandlungen keine ausreichende Linderung gebracht haben oder NSAR nicht infrage kommen. Sie sollen in der Regel nicht länger als zwölf Wochen eingesetzt werden. Bei einer Behandlung mit Opioiden kann es sinnvoll sein, einen Schmerzspezialisten einzubeziehen, der sich gut mit diesen Mitteln auskennt.

Muskelrelaxantien

Muskelrelaxantien sind Medikamente, die die Muskeln entspannen und dadurch Schmerzen lindern sollen. Meist handelt es sich um verschreibungspflichtige Beruhigungsmittel, die auf das zentrale Nervensystem wirken.

Muskelrelaxantien können akute Rückenschmerzen kurzfristig lindern. Es ist jedoch nicht nachgewiesen, dass sie bei chronischen Kreuzschmerzen helfen.

Muskelrelaxantien können Nebenwirkungen haben wie Müdigkeit oder Benommenheit. Dies kann die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen und bei älteren Menschen das Sturzrisiko erhöhen. Auch für Menschen, die mit Maschinen umgehen, kann die Einnahme solcher Medikamente problematisch sein. Muskelrelaxantien aus der Gruppe der Benzodiazepine können zudem abhängig machen.

Bei Rückenschmerzen raten die medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland wegen ihrer Nebenwirkungen von Muskelrelaxantien ab.

Antidepressiva

Antidepressiva sind verschreibungspflichtige Medikamente, die gegen Depressionen eingesetzt werden. Einige dieser Mittel sind auch zur Behandlung von chronischen Schmerzen zugelassen. Für die meisten Antidepressiva ist nicht nachgewiesen, dass sie bei chronischen Kreuzschmerzen helfen können. Eine Ausnahme ist der Wirkstoff Duloxetin, der die Beschwerden etwas lindern kann.

Antidepressiva haben verschiedene Nebenwirkungen wie zum Beispiel Appetitlosigkeit, Übelkeit, Mundtrockenheit und niedriger Blutdruck. Sie können zudem die sexuelle Lust vermindern. Medizinische Fachgesellschaften sprechen sich bei Rückenschmerzen gegen den Einsatz von Antidepressiva aus.

Injektionsbehandlungen

Wenn andere Behandlungen bei Kreuzschmerzen nicht helfen, werden häufig sogenannte Injektionsbehandlungen angeboten. Hierbei werden verschiedene schmerzlindernde oder betäubende Medikamente gespritzt, unter anderem:

  • örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika)
  • Kortison
  • Botulinumtoxin (Botox)

Einige der Medikamente zielen darauf ab, bei gereizten Nervenwurzeln, Sehnen und Bändern den natürlichen Heilungsprozess zu unterstützen, Entzündungen zu lindern oder zu betäuben. Je nach Medikament wird an verschiedene Stellen gespritzt: in die Muskulatur, in die direkte Umgebung von Nerven, Bändern oder Bandscheiben, in die Wirbelgelenke oder in den Raum zwischen den Rückenmarkshäuten (Periduralraum).

Bislang gibt es keine aussagekräftige Forschung zur Wirkung der einzelnen Injektionsverfahren bei unspezifischen Kreuzschmerzen. Zu Nebenwirkungen kommt es zwar selten, sie können dann aber ernsthafte Komplikationen nach sich ziehen. So kann eine falsch gesetzte Spritze mit einem Betäubungsmittel beispielsweise zu einer Atemlähmung führen. Eine andere Komplikation von Spritzen im Wirbelsäulenbereich sind Infektionen.

Wegen des unklaren Nutzens und möglicher Risiken sind Injektionsbehandlungen für Menschen mit unspezifischen Kreuzschmerzen nicht sinnvoll. Medizinische Fachgesellschaften raten davon ab.