Kann Bewegungstraining erneuten Kreuzschmerzen vorbeugen?

Foto von Mann beim Bewegungstraining
PantherMedia / Andriy Popov

Regelmäßiges Bewegungstraining kann helfen, Rückfällen vorzubeugen. Wichtig ist, langfristig am Ball zu bleiben. Verschiedene Strategien können dabei helfen.

Schmerzen im unteren Rücken (Lenden- und Kreuzbeinregion) sind weit verbreitet: 80 % aller Menschen haben irgendwann damit zu tun. Meist bessern sich Kreuzschmerzen innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen von selbst. Weil ihre Ursachen meist unklar sind, spricht man auch von „unspezifischen Rückenschmerzen“. Etwas Ernsthaftes steckt nur selten dahinter. Rückenschmerzen können aber immer wieder auftreten.

Die häufigste Empfehlung zur Vorbeugung von Rückenschmerzen lautet „mehr Bewegung“. Was Betroffene von dieser Empfehlung erwarten können, hat eine internationale Wissenschaftlergruppe untersucht. Sie suchte nach Studien, die geprüft haben, wie gut Kräftigungsübungen, Gymnastik und Ausdauertraining vor unspezifischen Kreuzschmerzen schützen. Die Forschergruppe fassten die Ergebnisse von insgesamt 21 aussagekräftigen Studien mit über 30.000 Teilnehmenden zusammen.

In den meisten Studien wurde das Bewegungstraining von einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten begleitet. In den Studien wurden unterschiedliche Trainingsprogramme untersucht. Sie beinhalteten zum Beispiel Kräftigungs- und Stabilisierungsübungen für die Rumpfmuskulatur sowie Dehnübungen für die Waden-, Hüft- und Oberschenkelmuskulatur. Manche Übungsprogramme fanden zweimal pro Woche für etwa 60 Minuten statt, andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer trainierten täglich für fünf Minuten.

Was zeigen die Studien?

Die Zusammenfassung der Studien zeigt, dass Bewegungstraining Rückenschmerzen wirksam vorbeugen kann:

  • Ohne Training bekamen 41 bis 57 von 100 Menschen innerhalb eines Jahres erneut Kreuzschmerzen.
  • Mit Training bekamen nur 27 bis 31 von 100 Menschen innerhalb eines Jahres erneut Kreuzschmerzen.

Mit anderen Worten: Das Training bewahrte 14 bis 26 von 100 Menschen vor einer oder mehreren weiteren Rückenschmerz-Episoden.

Über unerwünschte Wirkungen des Trainings wurde in den Studien nichts berichtet. Wenn man damit beginnt, kann Bewegung zunächst zu Muskelkater führen.

Bei bestehenden Rückenschmerzen können die Beschwerden zunächst auch zunehmen. Bei unspezifischen Rückenschmerzen gibt es aber keinen Grund, sich vor Bewegung zu fürchten. Im Gegenteil: Wer sich zu sehr schont, hat länger Beschwerden. Daher raten Fachleute heute auch dazu, trotz Schmerzen im Alltag möglichst aktiv zu bleiben, anstatt sich länger zu schonen oder gar Bettruhe zu halten.

Auf Dauer aktiv bleiben

Ein optimales Bewegungsprogramm für jeden gibt es nicht. Welches Training sich für einen Menschen eignet, hängt unter anderem von seiner Fitness, möglichen Begleiterkrankungen, der Stärke der Schmerzen und den persönlichen Vorlieben ab. Wichtig ist, dauerhaft am Ball zu bleiben.

Steffens D, Maher CG, Pereira LS, Stevens ML, Oliveira VC, Chapple M et al. Prevention of Low Back Pain: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Intern Med 2016; 176(2): 199-208.

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Aktualisiert am 30. Januar 2019
Nächste geplante Aktualisierung: 2022

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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