Stürze bei älteren Menschen

Auf einen Blick

  • Viele ältere Menschen haben Angst zu stürzen – die meisten Stürze haben aber zum Glück keine schweren Folgen.
  • Häufige Ursachen sind Stolperfallen in der Wohnung oder schlecht sitzende Schuhe.
  • Auch Erkrankungen und bestimmte Medikamente können das Risiko für Stürze erhöhen.
  • Wichtig ist, Hindernisse im Alltag zu erkennen und zu beseitigen.
  • Wer körperlich aktiv bleibt, schützt sich vor Stürzen.

Einleitung

Foto von älterem Mann im Garten
Zsolt Nyulaszi / Hemera / Thinkstock

Viele ältere Menschen sorgen sich, dass sie stürzen, sich einen Knochen brechen und dann Pflege brauchen. So verständlich dies ist: Wer sich aus Angst vor einem Sturz weniger bewegt, hat ein größeres Risiko zu stürzen als jemand, der täglich etwa viel zu Fuß unterwegs ist.

Wichtig ist vielmehr, mögliche Ursachen für Stürze im Alltag zu erkennen und zum Beispiel Stolperfallen zu beseitigen. Auch ein Bewegungstraining kann helfen, Stürzen vorzubeugen.

Ursachen und Risikofaktoren

Stürze passieren oft durch Hindernisse und Stolperfallen in der eigenen Wohnung oder auch im Treppenhaus, Garten oder Hauseingang. Dazu gehören zum Beispiel Türschwellen, Stufen, hochstehende Teppichkanten oder lose auf dem Boden liegende Kabel. Auf glatten Böden, losen Teppichen, in der Dusche oder Badewanne kann man leicht ausrutschen. Auch locker sitzende Hausschuhe, Schuhe mit sehr glatter Sohle oder das Laufen auf Socken können das Risiko für Stürze erhöhen.

Stürze können außerdem die Folge gesundheitlicher Probleme sein. Dazu gehören:

Manche Medikamente können die Aufmerksamkeit und die Reflexe beeinträchtigen und dadurch zu Stürzen führen. Auch Alkohol kann das Risiko erhöhen. Wer schon einmal hingefallen ist, hat zudem ein erhöhtes Risiko, erneut zu stürzen.

Häufigkeit

Es wird geschätzt, dass

  • 28 von 100 Menschen über 65 Jahre und
  • 34 von 100 Menschen über 85 Jahre,

die zu Hause leben, einmal im Jahr stürzen. Frauen stürzen etwas häufiger als Männer. In Pflegeeinrichtungen stürzen 50 von 100 Bewohnerinnen und Bewohnern pro Jahr. Auch in Krankenhäusern kommt es häufiger zu Stürzen als zu Hause.

Folgen

Meist hat ein Sturz nur eine Prellung oder Abschürfung zur Folge. Bei etwa 5 bis 10 von 100 Stürzen zu Hause kommt es jedoch zu Verletzungen wie Knochenbrüchen, größeren Platzwunden oder Kopfverletzungen. In Pflegeheimen haben Stürze häufiger schwerere Folgen: Dort passiert dies etwa 10 bis 30 von 100 Menschen, die stürzen.

Bei einem Knochenbruch sind meist die Unterarme betroffen. Knochenbrüche an der Hüfte oder am Oberschenkel können ernsthafte Einschränkungen zur Folge haben und führen oft zu einem längeren Klinikaufenthalt. Vor allem im höheren Alter erhöhen Stürze mit ernsthaften Folgen das Risiko, pflegebedürftig zu werden.

Vorbeugung

Es gibt eine einfache Maßnahme gegen Stürze: Man kann die eigene Wohnung auf Stolperfallen überprüfen und diese beseitigen (lassen). Was darüber hinaus sinnvoll ist, hängt von der persönlichen und gesundheitlichen Situation ab. Infrage kommen zum Beispiel:

  • Bewegungsprogramme,
  • Gehhilfen, wie ein Rollator und andere Hilfsmittel,
  • die Behandlung von Gesundheitsproblemen, die Stürze auslösen,
  • eine neue Brille und
  • ein Gespräch über die eingenommenen Medikamente mit der Ärztin oder dem Arzt.

Auch Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten können bei der Umsetzung einiger Maßnahmen helfen. Sie können etwa bei einem Hausbesuch beobachten, in welchen Alltagssituationen Sturzgefahr besteht, und Vorschläge zur Vorbeugung machen.

Leben und Alltag

Bei allen Möglichkeiten und Ratschlägen, die es gibt, um sich vor Stürzen zu schützen: Wichtig ist, sich im Alltag nicht zu sehr zu ängstigen. Wie schon erwähnt, haben die meisten Stürze keine größeren Folgen.

Wer aktiv bleibt, schützt sich dadurch vor Stürzen. Gerade für ältere Menschen ist es wichtig, so gut es geht mobil zu bleiben – auch um sich möglichst viel Unabhängigkeit zu bewahren.

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Aktualisiert am 23. März 2022
Nächste geplante Aktualisierung: 2025

Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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