Einleitung

Foto von Mann mit Venenthrombose (PantherMedia / Marin Conic) Von einer Thrombose spricht man, wenn ein Gefäß durch ein Blutgerinnsel verstopft wird. Bei einer tiefen Venenthrombose (TVT) bildet sich das Blutgerinnsel in einer der größeren, tief in den Muskelschichten liegenden Venen. Die meisten tiefen Venenthrombosen entstehen im Unterschenkel.

Viele tiefe Venenthrombosen bleiben unbemerkt und lösen sich von selbst wieder auf. Manche verursachen aber auch Beschwerden wie Schmerzen und Schwellungen. Wenn eine TVT festgestellt wird, ist eine Behandlung notwendig, um ernsthafte Komplikationen wie eine Lungenembolie zu vermeiden. Dazu kann es kommen, wenn sich das Blutgerinnsel vom Entstehungsort löst und über den Kreislauf in die Lunge geschwemmt wird.

Das Risiko für tiefe Venenthrombosen steigt nach großen Operationen, wie dem Einsatz eines künstlichen Knie- oder Hüftgelenks. Nach solchen Eingriffen ist es daher üblich, für eine Weile Medikamente anzuwenden, die der Bildung von Blutgerinnseln vorbeugen.

Symptome

Typische Anzeichen einer TVT sind Schmerzen im Bein oder in der Hüfte, Druckempfindlichkeit, Spannungsgefühle und eine gerötete Haut. Der betroffene Bereich kann außerdem anschwellen und sich warm anfühlen. Manchmal löst eine TVT aber auch gar keine Beschwerden aus.

Ursachen und Risikofaktoren

Ein Blutgerinnsel kann entstehen, wenn das Blut in einer Vene zu langsam fließt, wenn die Blutgerinnung gestört ist oder wenn eine Gefäßwand verletzt wird. Hierfür gibt es verschiedene Ursachen:

  • längere Bettruhe, zum Beispiel im Krankenhaus, nach einem Bruch oder einer Verletzung: Wenn man länger liegen muss und sich kaum bewegen kann, wird das Bein schlechter durchblutet.
  • Blutgerinnungsstörungen: Manche angeborenen Erkrankungen führen dazu, dass das Blut eher gerinnt.
  • größere Operationen: Bei größeren Eingriffen und schweren Verletzungen werden Blutgefäße verletzt und das Gerinnungssystem aktiviert.

Außerdem gibt es verschiedene weitere Faktoren, die das Risiko für eine TVT erhöhen:

Für sich allein genommen, erhöhen die meisten dieser Risikofaktoren die Wahrscheinlichkeit für eine TVT aber nur geringfügig.

Häufigkeit

Nach Schätzungen aus Studien entwickelt im Durchschnitt etwa eine von 1000 Personen pro Jahr eine tiefe Venenthrombose, die Beschwerden verursacht. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.

Folgen

Eine häufige Folge einer TVT ist das sogenannte postthrombotische Syndrom. Dabei kann das Bein anschwellen, sich schwer anfühlen und schmerzen. Andere mögliche Folgen sind Hautverfärbungen, Juckreiz und Ausschlag. Ein ausgeprägtes postthrombotisches Syndrom kann dazu führen, dass sich eine chronische Wunde bildet.

Zum postthrombotischen Syndrom kommt es, wenn die TVT die Gefäßwände oder Venenklappen beschädigt hat und sich das Blut in der Vene dauerhaft staut. Das Syndrom tritt oft erst einige Wochen oder Monate nach einer TVT auf, manchmal auch erst nach ein oder zwei Jahren.

Lungenembolie

Eine seltenere, aber ernsthafte Komplikation der tiefen Venenthrombose wird als Lungenembolie bezeichnet. Dazu kommt es, wenn sich das Blutgerinnsel vom Entstehungsort ablöst, über den Kreislauf in die Lunge geschwemmt wird und dort ein Blutgefäß blockiert. Anzeichen hierfür sind:

  • plötzliche Atemnot
  • Brustschmerzen (vor allem beim Einatmen oder Husten)
  • Schwindel, Benommenheit oder Ohnmacht
  • Herzrasen
  • blutiger Auswurf beim Husten (eher selten)

Eine Lungenembolie muss schnell behandelt werden, denn durch das verstopfte Gefäß staut sich das Blut zwischen Herz und Lunge. Dies kann zu einer Überlastung des Herzens und schließlich zu einem lebensbedrohlichen Herzversagen führen.

Wenn es zu einer Lungenembolie kommt, dann meist innerhalb der ersten zwei Wochen nach Entstehung einer TVT. Das Risiko ist bei einer Thrombose im oberen Bereich des Beins oder im Becken höher als bei einer TVT im Unterschenkel. Dasselbe gilt für Thrombosen, die starke Beschwerden verursachen.

Diagnose

Eine tiefe Venenthrombose lässt sich allein anhand der typischen Symptome nicht sicher feststellen. Beschwerden wie Schmerzen, Schwellung und Hautrötung können auch verschiedene andere Ursachen haben, wie etwa eine Entzündung der oberflächlichen Venen, Krampfadern, eine Wundrose oder Verengung der Beinarterien (pAVK).

In der Regel wird zur Diagnose zunächst ein Bluttest (D-Dimer-Test) gemacht. Dieser Test reagiert auf Spaltprodukte, die der Körper produziert, wenn er ein Blutgerinnsel abbaut. Sie werden D-Dimere genannt. Wenn der Test unauffällig ist, lässt sich eine TVT ziemlich sicher ausschließen. Ist der Test auffällig, wird ein sogenannter Duplex-Ultraschall („Doppler“) gemacht, um die Diagnose zu bestätigen. Er gibt Aufschluss über den Zustand der tiefen Beinvenen und den Blutfluss in den Venen.

Wenn der Verdacht auf eine TVT sehr naheliegend ist, wird normalerweise sofort eine Ultraschalluntersuchung gemacht. Untersuchungen, die einen kleinen Eingriff erfordern, sind nur selten nötig. Dazu gehört zum Beispiel eine spezielle Röntgenuntersuchung der Gefäße, mit der man Gefäßverengungen sichtbar machen kann (Angiografie). Dabei wird über einen Katheter ein Kontrastmittel in die Vene gespritzt.

Vorbeugung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einer TVT vorzubeugen. Für Menschen, die operiert wurden oder verletzt sind und einige Tage im Bett verbringen müssen, ist es wichtig, so bald wie möglich wieder aufzustehen und sich zu bewegen. Auch kleine Übungen wie zum Beispiel das Wippen mit dem Fuß werden empfohlen, um die Durchblutung zu fördern. Bei einem erhöhten Risiko für eine TVT können zusätzlich Anti-Thrombose-Strümpfe oder Medikamente sinnvoll sein.

Anti-Thrombose-Strümpfe können das Risiko einer tiefen Venenthrombose senken. Durch ihren straffen Sitz üben sie Druck auf die Beine aus, wodurch das Blut wieder schneller zum Herzen zurückfließt.

Die dritte Möglichkeit sind Medikamente zum Spritzen oder Einnehmen, die die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herabsetzen. Medikamente, die unter die Haut oder in die Vene gespritzt werden, wirken schon nach wenigen Stunden. Zu dieser Gruppe gehören die sogenannten Heparine und der Wirkstoff Fondaparinux.

Bei den Medikamenten zum Einnehmen unterschiedet man zwischen Cumarinen und sogenannten direkten oralen Antikoagulanzien (DOAKs). Der bekannteste Wirkstoff aus der Gruppe der Cumarine ist Phenprocoumon (vielen Menschen als Marcumar bekannt). Zur Gruppe der DOAKs gehören die Wirkstoffe Apixaban, Dabigatran, Edoxaban und Rivaroxaban. Die Wirkung von Cumarinen setzt erst nach einigen Tagen ein, die der direkten oralen Antikoagulanzien bereits nach einigen Stunden.

Was Studien sagen

Behandlung

Eine tiefe Venenthrombose wird meist für einige Tage im Krankenhaus behandelt. Dazu werden die gleichen Medikamente verwendet, die auch zur Vorbeugung eingesetzt werden. Die Behandlung wird mit einem schnell wirkenden Mittel wie zum Beispiel Heparin begonnen.

Um sicherzugehen, dass sich das Blutgerinnsel vollständig auflöst, wird nach der akuten Behandlung empfohlen, noch für drei Monate gerinnungshemmende Tabletten einzunehmen. Manchmal ist auch eine längere Behandlungsdauer sinnvoll.

Bei Menschen, die keine gerinnungshemmenden Medikamente nehmen können, kann alternativ ein kleiner Metallfilter (Vena Cava Filter) in die große Vene oberhalb der Nieren eingebracht werden. Er soll Blutgerinnsel auffangen, die aus dem Bein zur Lunge wandern könnten. Der Filter wird über einen Venenkatheter eingebracht, ähnlich wie bei einer Herzkatheter-Untersuchung.

Um das Risiko für ein postthrombotisches Syndrom zu senken, können zusätzlich für bis zu zwei Jahre Anti-Thrombose-Strümpfe getragen werden.

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