Schmerztherapie bei metastasiertem Brustkrebs

Foto von Frau (Alexey Klementiev / iStock / Thinkstock) Schmerzen – egal welcher Stärke – lassen sich durch eine Behandlung fast immer zumindest lindern. Eine gut abgestimmte Schmerzbehandlung, die immer wieder angepasst wird, ist ganz entscheidend für die Lebensqualität und gehört zu den wichtigsten medizinischen Maßnahmen bei metastasiertem Brustkrebs.

Eine Behandlung von metastasiertem Brustkrebs hat neben der Beeinflussung der Krebszellen vor allem das Ziel, die durch den Krebs entstehenden Beschwerden wie Schmerzen sowie mögliche Nebenwirkungen der Therapie zu lindern.

Welche Beschwerden bei Brustkrebs auftreten, hängt zum einen davon ab, wie schnell er wächst und wie groß er ist. So kann das Tumorwachstum Schmerzen verursachen, wenn die sich ausbreitenden Krebszellen auf Nerven drücken und gesundes Gewebe verletzen. Große Tumoren können die Funktion von Organen beeinträchtigen, wenn sie in die tieferliegende Brustwand oder Haut eingewachsen sind. Zum anderen ist von Bedeutung, wo der Tumor Metastasen gebildet hat. Ist zum Beispiel die Lunge befallen, kann die Atmung erschwert sein. Metastasen in den Knochen können schmerzen und die Knochen leichter brechen lassen.

Schmerzen machen oft müde, ängstigen und sind psychisch belastend. Medikamente können aber fast immer helfen.

Schmerzen beschreiben

Schmerzen lassen sich oft gut behandeln. Dazu ist es aber wichtig, der Ärztin oder dem Arzt mitzuteilen, wenn Schmerzen auftreten, und sie dann möglichst genau zu beschreiben. Zudem ist während der Therapie eine Rückmeldung nötig, wie die Medikamente wirken und ob Nebenwirkungen auftreten. Das ist Voraussetzung dafür, das passende Medikament und die richtige Dosierung zu finden.

Um die Stärke und das Ausmaß der Schmerzen besser erfassen und vergleichen zu können, haben Fachleute Fragebögen entwickelt. Solche Fragebögen arbeiten oft mit einer Skala, die die Schmerzstärke in Zahlen von 0 (kein Schmerz) bis 10 (stärkster vorstellbarer Schmerz) beschreibt. Vereinfacht werden die unterschiedlichen Stärken oft auch in Worten oder Bildern ausgedrückt.

Die Art der Schmerzen gibt Hinweise auf ihre Ursache: So gehen eher dumpfe und drückende Schmerzen, die sich schwer verorten lassen, meist von inneren Organen aus. Dagegen werden Schmerzen in der Haut oft als stechend, ziehend oder bohrend empfunden und können meist gut zugeordnet werden. Schmerzen in oder an den Knochen, Gelenken oder Muskeln werden oft als dumpf empfunden, sind ziehend, bohrend oder krampfartig und nur schwer zuzuordnen. Manchmal strahlen sie auch in umliegendes Gewebe aus. „Brennende“ und einschießende Schmerzen weisen häufig auf Nervenschädigungen hin.

Wirkstoffe und Dosierung

Mit welchen Medikamenten, in welcher Dosierung und wie lange die Schmerzen behandelt werden, hängt von ihrer Ursache und ihrem Ausmaß ab, außerdem von der Behandlung der Krebserkrankung und dem allgemeinen Gesundheitszustand. Wichtig ist, regelmäßig mit der Ärztin oder dem Arzt darüber zu sprechen, wie man sich fühlt und was die Schmerztherapie erreichen soll.

Es gibt zwei Hauptklassen von Schmerzmitteln (Analgetika):

Die nicht opioiden Substanzen wirken auf die äußeren (peripheren) Nerven der Haut, der Muskeln und Organe. Sie werden bei leichten bis mittleren Schmerzen eingesetzt. Die meisten wirken auch entzündungshemmend, manche fiebersenkend. Viele sind auch ohne Rezept erhältlich, zum Beispiel Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS) oder Paracetamol. Sie sollten aber nicht dauerhaft ohne Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt eingenommen werden. Ein oft eingesetzter Wirkstoff ist Metamizol.

Opioide Wirkstoffe wirken vor allem im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark), wo ankommende Schmerzsignale verarbeitet werden. Opioide werden nur im Rahmen einer ärztlichen Behandlung mittelstarker bis sehr starker Schmerzen eingesetzt. Zu den schwachen Opioiden gehören zum Beispiel Codein oder Tramadol, zu den starken Opioiden Fentanyl, Morphin oder Oxycodon. Medikamente können als Tablette, Pflaster, Infusion oder in anderer Form gegeben werden. Beispielsweise könnte sich bei Schluckstörungen, Erbrechen oder Erschöpfung ein Pflaster besser eignen.

Die Gefahr, abhängig zu werden, ist bei Opioiden gering – solange sie so eingenommen wird wie ärztlich verordnet.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat ein Stufenschema entwickelt. Es legt fest, dass Schmerzen wie folgt nach ihrer Stärke behandelt werden sollen:

  • Stufe 1 (leichte Schmerzen): nicht opioide Mittel
  • Stufe 2 (mittelstarke Schmerzen): schwache Opioide plus nicht opioide Schmerzmittel (Analgetika)
  • Stufe 3 (starke bis sehr starke Schmerzen): starke Opioide plus nicht opioide Analgetika

Wenn trotz einer Behandlung weiterhin Schmerzen auftreten, ist es sinnvoll, dies anzusprechen. Dies gilt auch, falls belastende Nebenwirkungen auftreten. Man kann sich auch an eine ärztliche Schmerztherapeutin oder einen -therapeuten wenden. An manchen Orten gibt es ein eigenes Schmerzzentrum oder eine Schmerzklinik.

Nebenwirkungen von Opioiden

Opioide können meist den Schmerz lindern, aber zum Beispiel Verstopfungen, Übelkeit oder Benommenheit auslösen. Besonders häufig treten Verstopfungen auf.

Zur begleitenden Therapie werden daher entkrampfende Wirkstoffe, Antidepressiva oder weitere Mittel eingesetzt, um Nebenwirkungen zu vermeiden oder abzuschwächen. Die Ärztin oder der Arzt überwacht die Dosierung und Kombination der Medikamente, damit es möglichst wenig zu Nebenwirkungen kommt. Falls nach dem Beginn der Behandlung mit Schmerzmitteln bisher ungewohnte Beschwerden auftreten oder bestehende Beschwerden sich verstärken, ist es wichtig, dies anzusprechen.

Machen Opioide abhängig?

Viele Patientinnen und ihre Angehörigen machen sich bei der Empfehlung von starken Schmerzmitteln Sorgen um eine mögliche Abhängigkeit. Bei manchen ist diese Sorge so groß, dass sie eine Behandlung mit starken Schmerzmitteln trotz Aussicht auf eine Schmerzlinderung ablehnen. Bei einer Einnahme unter vier Wochen ist die Entwicklung einer Abhängigkeit aber unwahrscheinlich.

Bei einer längeren Einnahme kann sich der Körper an den Wirkstoff gewöhnen. Das ist normal und tritt bei vielen Medikamenten ein. Bei einem plötzlichen Absetzen der Medikamente können dann verschiedene Beschwerden wie Schlafstörungen, Unruhe, Durchfall oder Erbrechen auftreten. Wenn die Medikamente in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt schrittweise abgesetzt werden, können diese Beschwerden vermieden, abgeschwächt oder behandelt werden.

Wichtig ist, die Medikamente nach dem von der Ärztin oder vom Arzt empfohlenen Plan einzunehmen, damit sie ihre schmerzlindernde Wirkung entfalten können. Zu einem Plan gehört manchmal auch dazu, die Dosis versuchsweise zu verringern. So soll herausgefunden werden, ob die Schmerzen nachgelassen haben, sodass man die Opiode vielleicht reduziern oder sogar ganz absetzen kann.

Selbst etwas tun

Wie Schmerzen empfunden werden, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und wird von vielen Faktoren beeinflusst, zum Beispiel von der Tageszeit und der psychischen Verfassung. Stress, Angst – und auch die Angst vor Schmerzen – können das Schmerzempfinden verstärken.

Da die Schmerzwahrnehmung vom Gehirn gesteuert wird, lässt sie sich bis zu einem gewissen Grad bewusst beeinflussen. Hier setzen Strategien zur Schmerzbewältigung wie etwa Entspannungstechniken an. Sie bieten eine Möglichkeit, neben der medikamentösen Behandlung selbst etwas zur Linderung der Schmerzen zu tun.