Medikamente zur langfristigen Behandlung der koronaren Herzkrankheit

Foto von Frau bei der Tabletteneinnahme (Elena Elisseeva / iStock / Thinkstock) Zur langfristigen Behandlung einer koronaren Herzkrankheit (KHK) werden vor allem Medikamente eingesetzt. Verschiedene Mittel können die Beschwerden lindern und das Risiko für Folgeerkrankungen senken.

Um Folgeerkrankungen vorzubeugen, wird allen Menschen mit KHK eine Behandlung mit Medikamenten aus zwei Gruppen empfohlen: Plättchenhemmer zur Vorbeugung von Blutgerinnseln und Statine zum Schutz der Gefäße.

Vor allem für Menschen mit Herzschwäche oder Bluthochdruck sind zudem Betablocker sinnvoll, die das Herz entlasten.

Aussagekräftige Studien haben nachgewiesen, dass diese Medikamente das Risiko für Folgeerkrankungen wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle senken können. Bei bestimmten Begleiterkrankungen können auch noch andere Mittel wie ACE-Hemmer hinzukommen. Auch die beste medikamentöse Behandlung bietet allerdings nur einen begrenzten Schutz vor Herzerkrankungen.

Alle Medikamente können Nebenwirkungen haben. Sie lassen sich aber häufig vermeiden, indem man die Dosierung anpasst oder ein anderes Präparat aus der Medikamentengruppe wählt. Oft verschwinden Nebenwirkungen auch nach einer Weile, wenn der Körper sich an das Medikament gewöhnt hat.

Das Risiko für Nebenwirkungen kann steigen, wenn zwei oder mehr Medikamente zusammen eingenommen werden, da es dann zu Wechselwirkungen kommen kann. Daher ist es wichtig, der Ärztin oder dem Arzt zu sagen, welche Medikamente man bereits nimmt.

Allgemein gilt: Je mehr Risikofaktoren eine Person hat, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie von den Medikamenten profitiert. Wichtig ist, die Mittel dauerhaft und regelmäßig anzuwenden – denn ihre schützende Wirkung hält nur so lange an, wie man sie nimmt.

Plättchenhemmer

Die Blutplättchen (Thrombozyten) tragen dazu bei, dass das Blut gerinnen kann. Dies ist zum Beispiel wichtig, um Wunden zu verschließen. Sie sind aber auch an der Bildung von Blutgerinnseln (Thromben) beteiligt, die zu Gefäßverschlüssen führen können. Als Plättchenhemmer bezeichnete Medikamente hemmen diese Funktion der Blutplättchen. Sie sorgen dafür, dass die Plättchen nicht so schnell verklumpen und sich an den Gefäßwänden anlagern. Plättchenhemmer werden auch Thrombozytenfunktionshemmer oder Thrombozytenaggregationshemmer genannt.

Zur langfristigen Behandlung der koronaren Herzkrankheit sind zwei Mittel aus dieser Medikamentengruppe zugelassen: Acetylsalicylsäure (ASS) und Clopidogrel.

  • ASS ist der Wirkstoff, der in Schmerzmitteln wie Aspirin enthalten ist. Niedrig dosiertes ASS wird seit vielen Jahrzehnten eingesetzt, um Herzerkrankungen vorzubeugen. Üblicherweise nehmen Menschen mit KHK eine Tablette mit einer Dosierung von 100 Milligramm ASS pro Tag. Höhere Dosierungen erhöhen das Risiko für Nebenwirkungen, schützen aber nicht besser vor Folgeerkrankungen.
  • Clopidogrel wird vor allem von Menschen angewendet, die ASS nicht vertragen oder aus anderen Gründen nicht nehmen dürfen. Die Dosierung für Clopidogrel liegt bei einer Tablette mit 75 mg Wirkstoff pro Tag.

Studienergebnisse zu ASS und Clopidogrel

ASS ist in Studien gut erprobt: Die regelmäßige Einnahme des Medikaments kann bei Menschen mit KHK Folgeerkrankungen wie Herzinfarkten und Schlaganfällen vorbeugen und ihre Lebenserwartung erhöhen.

In Zahlen ausgedrückt, zeigen Studien über einen Zeitraum von fünf Jahren:

Etwa 5 bis 10 von 100 Menschen mit KHK werden durch ASS vor einem Herzinfarkt oder Schlaganfall bewahrt. Wie groß der Nutzen des Medikaments für eine Einzelperson ist, hängt sehr stark von ihren persönlichen Risikofaktoren ab.

Eine große Studie hat untersucht, wie ASS und Clopidogrel im direkten Vergleich abschneiden. Dabei zeigte sich, dass die beiden Medikamente ähnlich gut vor Folgeerkrankungen schützen.

Nebenwirkungen

Plättchenhemmer sorgen dafür, dass das Blut nicht so stark gerinnt. Dadurch kann es aber leichter zu Blutungen kommen und länger dauern, bis der Körper Blutungen stoppt. Dies zeigt sich zum Beispiel darin, dass Prellungen schneller zu blauen Flecken führen. Bei solchen und anderen kleineren Blutungen wie Nasenbluten besteht aber kein Grund zur Sorge. Dunkelrot oder schwarz verfärbter Stuhl sowie erbrochenes Blut können dagegen auf eine Magenblutung hinweisen und müssen ärztlich abgeklärt werden.

Bei etwa 2 bis 3 von 100 Menschen mit KHK löst ASS über einen Zeitraum von fünf Jahren eine behandlungsbedürftige Blutung aus. Die meisten Blutungen lassen sich aber gut behandeln und haben keine langfristigen Folgen. Menschen, die eine stärkere Blutung hatten, wird zusätzlich zu ASS oft ein sogenannter Protonenpumpenhemmer verschrieben. Dieses Medikament schützt die Magenschleimhaut und beugt Magengeschwüren vor.

Eine äußerst seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkung von Plättchenhemmern sind Hirnblutungen. Sie machen sich durch starke, plötzlich auftretende Kopfschmerzen bemerkbar, insbesondere in Verbindung mit anderen Problemen wie Sehstörungen, Schwindel, Lähmungen oder Taubheitsgefühlen. Bei solchen Anzeichen ist es wichtig, sofort den Notruf 112 zu wählen und einen Rettungswagen mit Notarzt anzufordern.

Die Wahrscheinlichkeit, infolge eines Plättchenhemmers an einer Hirnblutung zu sterben, ist jedoch gering: Über einen Zeitraum von fünf Jahren liegt sie unter 1 zu 1000.

Statine

Statine sind Medikamente, die bestimmte Cholesterinwerte im Blut senken. Daher werden sie auch Cholesterinsenker oder Lipidsenker genannt. Der Nutzen der Statine ist aber nicht allein auf die Cholesterinsenkung zurückzuführen. Nach aktuellem Wissen schützen sie auch die Gefäßwände, unter anderem indem sie Entzündungsprozesse hemmen. Daher werden sie bei allen Menschen mit KHK eingesetzt – unabhängig davon, ob ihre Cholesterinwerte erhöht sind.

Aus der Gruppe der Statine sind in Deutschland mehrere Wirkstoffe zugelassen: Atorvastatin, Fluvastatin, Lovastatin, Pravastatin und Simvastatin. Bei einer Unverträglichkeit gegen ein Statin besteht also die Möglichkeit, auf einen anderen Wirkstoff umzusteigen. Simvastatin und Atorvastatin werden mit Abstand am häufigsten angewendet. Statine werden in verschiedenen Dosierungen eingesetzt. Eine häufige Dosierung für Simvastatin liegt bei 40 mg pro Tag, für Atorvastatin bei 10 mg pro Tag.

Studienergebnisse zu Statinen

Statine wurden ebenfalls in vielen Studien untersucht. Sie können das Risiko für Folgeerkrankungen einer KHK senken und die Lebenserwartung erhöhen. Studien zu Statinen bei Menschen mit KHK zeigen folgende Ergebnisse:

Etwa 5 von 100 Menschen mit KHK, die fünf Jahre lang Statine nehmen, werden vor einem Herzinfarkt, Schlaganfall oder einem anderen Gefäßverschluss bewahrt. Je nach persönlichen Risikofaktoren kann der individuelle Nutzen kleiner oder größer sein.

Nebenwirkungen

Die meisten Menschen vertragen Statine gut. Noch vor wenigen Jahren galten Muskelschmerzen und -entzündungen als eine Nebenwirkung von Statinen. Behandlungsstudien liefern jedoch keine Hinweise darauf, dass Statine tatsächlich solche Nebenwirkungen verursachen: Sie traten bei Menschen, die kein Statin einnahmen, genauso häufig auf.

Statine können den Blutzuckerspiegel erhöhen. Dies kann dazu führen, dass mehr Menschen die Diagnose Typ-2-Diabetes bekommen. Dieses Risiko ist jedoch niedrig: In Studien wurde bei zusätzlich 3 von 1000 Personen, die über mehrere Jahre Statine einnahmen, ein Diabetes neu festgestellt.

Eine äußerst seltene, aber ernsthafte Nebenwirkung ist die sogenannte Rhabdomyolyse. Dabei lösen sich die Muskelfasern bestimmter Muskeln langsam auf. Es treten Lähmungen auf und die frei werdenden Stoffe können die Nieren schwer schädigen. Diese Nebenwirkung trat in Studien bei einem von 10.000 Menschen auf, die längerfristig Statine anwenden. Anzeichen hierfür können Muskelschmerzen und dunkel verfärbter Urin sein. Bei diesen Symptomen ist es wichtig, umgehend ärztlichen Rat einzuholen.

Betablocker

Betablocker senken die Zahl der Herzschläge und entlasten dadurch das Herz. Außerdem senken diese Mittel den Blutdruck. Sie sind vor allem bei Menschen mit KHK und Bluthochdruck oder Herzschwäche sinnvoll. Bei ihnen können sie die Lebenserwartung erhöhen. Ein Vorteil von Betablockern ist, dass sie auch Angina-Pectoris-Beschwerden lindern. Bei Menschen mit KHK und Angina-Pectoris werden sie neben Plättchenhemmern und Statinen routinemäßig eingesetzt.

Es gibt eine ganze Reihe von Betablockern. Am häufigsten werden Bisoprolol und Metoprolol eingesetzt. Da sie auf etwas verschiedene Weise wirken, werden sie in unterschiedlicher Dosierung eingenommen: Die übliche Dosis Bisoprolol liegt bei 2,5 bis 5 mg pro Tag, die von Metoprolol bei 50 bis 100 mg pro Tag.

Bei Menschen, die bereits eine Herzschwäche haben, ist es wichtig, die Behandlung mit einer geringen Dosierung zu beginnen und die Dosis schrittweise zu erhöhen. Beim Absetzen der Medikamente wird die Dosis ebenfalls langsam reduziert, da die Mittel sonst zu einem plötzlichen, starken Anstieg des Blutdrucks und des Herzschlags führen können.

Nebenwirkungen

Wenn der Herzschlag oder Blutdruck durch Betablocker zu stark gesenkt wird, kann es zu Schlappheit und Erschöpfungserscheinungen kommen. Dies lässt sich aber durch eine Anpassung der Medikamentendosis oft vermeiden. Eine andere mögliche Nebenwirkung von Betablockern ist, dass sie die sexuelle Lust mindern oder zu Erektionsstörungen führen können. Solche Probleme werden aber bei weniger als einer von 100 Personen durch die Medikamente verursacht. Die meisten Menschen vertragen Betablocker gut.

ACE-Hemmer und Sartane

ACE-Hemmer und Sartane gehören zur Gruppe der blutdrucksenkenden Medikamente. Sie bewirken unter anderem, dass sich die Gefäße weiten, wodurch der Blutdruck sinkt. Auf diese Weise reduzieren sie den Druck auf die Herzkammern.

ACE-Hemmer und Sartane gehören nicht zur Standardbehandlung einer koronaren Herzkrankheit. Bei Menschen mit KHK, die bereits eine Herzschwäche haben, können diese Medikamente jedoch das Risiko für Folgeerkrankungen senken und die Lebenserwartung verbessern. Daher werden sie bei dieser Personengruppe manchmal zusätzlich zu einem Betablocker eingesetzt. Üblicherweise werden zunächst ACE-Hemmer eingesetzt, da es mit diesen Mitteln mehr Erfahrungen gibt als mit Sartanen. Bei einer Unverträglichkeit gegenüber ACE-Hemmern kommen Sartane infrage.

Nebenwirkungen

ACE-Hemmer und Sartane können Nebenwirkungen auslösen, wenn sie den Blutdruck zu stark senken. Anzeichen hierfür sind zum Beispiel Müdigkeit und Schwindel. Um solche Nebenwirkungen zu vermeiden, wird mit einer niedrigen Dosis begonnen und die Dosierung bei Bedarf erhöht. ACE-Hemmer können auch einen trockenen Husten auslösen. Diese Nebenwirkung tritt bei Sartanen seltener auf.

Behandlung von Angina-Pectoris-Beschwerden

Neben Betablockern gibt es noch weitere Medikamente, die infrage kommen, um Angina-Pectoris-Beschwerden zu lindern oder zu vermeiden. Dazu gehören vor allem Kalziumkanalblocker und Nitrate.

Kalziumkanalblocker weiten die Blutgefäße, einige verlangsamen auch den Herzschlag. Dadurch sinken der Blutdruck und der Druck in den Herzkammern. Kalziumkanalblocker werden vor allem bei Menschen eingesetzt, die Betablocker nicht vertragen oder nicht nehmen dürfen, oder bei denen Betablocker die Beschwerden nicht ausreichend lindern. Kalziumkanalblocker können verschiedene Nebenwirkungen haben, wie Benommenheit, Hitzewallungen, Verstopfung und Wassereinlagerungen in den Beinen.

Auch Nitrate wirken gefäßerweiternd. Es sind schnell wirksame Medikamente, die beispielsweise als Spray eingesetzt werden, um akute Angina-Pectoris-Anfälle zu behandeln. Menschen, die eine KHK mit Angina Pectoris haben, haben oft ein Nitrat dabei, das sie bei Bedarf nehmen können. Nitraten können zu Abgeschlagenheit führen.

Medikamente langfristig einnehmen

Wer eine KHK hat, nimmt in der Regel über einen langen Zeitraum mehrere Medikamente ein. Es kann schwierig sein, dabei den Überblick zu behalten. Es gibt allerdings eine Reihe von Maßnahmen, die helfen können, die Medikamenten-Einnahme zu erleichtern. Folgende Maßnahmen haben sich als besonders hilfreich erwiesen:

  • ein möglichst einfacher Einnahmeplan
  • Verpackungen oder Medikamenten-Dosierer mit Fächern für jeden Tag, bei denen man sofort sieht, wenn man eine Tablette vergessen hat.
  • regelmäßige Arzttermine, bei denen sich Fragen zur Behandlung klären lassen

Viele Menschen haben Angst davor, Medikamente über lange Zeit regelmäßig einzunehmen, etwa weil sie fürchten, dass sich mit der Zeit Reste der Medikamente im Körper ansammeln. Solche Befürchtungen sind unbegründet. Der Körper verfügt über verschiedene Mechanismen, um Arzneistoffe laufend abzubauen und auszuscheiden. Zudem sind die oben genannten Medikamente gut in Studien erprobt.

Sinnvoll ist es jedoch, mit der Hausärztin oder dem Hausarzt alle Medikamente durchzugehen, die man nimmt. Dies hilft, die Einnahme von Medikamenten zu vermeiden, die vielleicht nicht oder nicht mehr benötigt werden. Auch das Risiko für Wechselwirkungen lässt sich so senken.

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