Medikamente zur langfristigen Behandlung der koronaren Herzkrankheit

Foto von Frau bei der Tabletteneinnahme
Elena Elisseeva / iStock / Thinkstock

Die meisten Menschen mit einer koronaren Herzkrankheit (KHK) entscheiden sich für eine Behandlung mit Medikamenten. Die verschiedenen Mittel sollen zum einen das Risiko für Folgeerkrankungen verringern. Zum anderen sollen sie Beschwerden so gut lindern, dass ein weitgehend normaler Alltag möglich ist.

Um Folgeerkrankungen vorzubeugen, wird fast allen Menschen mit KHK eine Behandlung mit Medikamenten aus zwei Gruppen empfohlen: Plättchenhemmer zur Vorbeugung von Blutgerinnseln und zum Schutz der Blutgefäße.

Aussagekräftige Studien haben nachgewiesen, dass diese Medikamente das Risiko für Folgeerkrankungen wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle senken können. Wichtig ist, die Mittel dauerhaft und regelmäßig anzuwenden – denn ihre schützende Wirkung hält nur so lange an, wie man sie nimmt. Um Beschwerden bei einer zu lindern, oder bestimmten Begleiterkrankungen wie einer Herzschwäche oder , können weitere Mittel hinzukommen.

Wie schützen Plättchenhemmer?

Sogenannte Plättchenhemmer sorgen dafür, dass die Blutplättchen nicht so schnell verklumpen und Blutgerinnsel bilden. Die regelmäßige Einnahme von Plättchenhemmern senkt bei Menschen mit KHK so das Risiko zum Beispiel für oder und verlängert die Lebenserwartung. Plättchenhemmer werden auch Thrombozyten-Funktionshemmer oder Thrombozyten-Aggregationshemmer genannt.

Zur langfristigen Behandlung der koronaren Herzkrankheit werden zwei Mittel aus dieser Medikamentengruppe eingesetzt: () und Clopidogrel.

  • ist der Wirkstoff, der in Schmerzmitteln wie Aspirin enthalten ist. Niedrig dosiertes wird seit vielen Jahrzehnten eingesetzt, um Herzerkrankungen vorzubeugen. Üblicherweise nehmen Menschen mit KHK eine Tablette mit einer Dosierung von 100 mg pro Tag.
  • Clopidogrel wird vor allem von Menschen angewendet, die nicht vertragen oder aus anderen Gründen nicht nehmen dürfen. Die Dosierung für Clopidogrel liegt bei einer Tablette mit 75 mg Wirkstoff pro Tag.

Studienergebnisse zu ASS und Clopidogrel

ist in Studien gut erprobt. In Zahlen ausgedrückt, zeigen Studien über einen Zeitraum von fünf Jahren: Wenn 100 Menschen mit KHK dauerhaft einnehmen, werden im Durchschnitt etwa 5 bis 10 davon vor einem oder bewahrt. Wie groß der Nutzen des Medikaments für eine Einzelperson ist, hängt sehr stark von ihrem persönlichen Risiko ab.

Eine große Studie hat untersucht, wie und Clopidogrel im direkten Vergleich abschneiden. Dabei zeigte sich, dass die beiden Medikamente ähnlich gut schützen.

Nebenwirkungen

Weil Plättchenhemmer die verlangsamen, kann es leichter zu Blutungen kommen. Prellungen können dann schneller zu blauen Flecken führen. Bei kleineren Blutungen wie Nasenbluten besteht kein Grund zur Sorge. Dunkelrot oder schwarz verfärbter Stuhl sowie erbrochenes Blut können dagegen auf eine Magenblutung hinweisen und müssen ärztlich abgeklärt werden.

Bei etwa 2 bis 3 von 100 Menschen mit KHK löst über einen Zeitraum von fünf Jahren eine behandlungsbedürftige Magenblutung aus. Die meisten Magenblutungen lassen sich aber gut behandeln und haben keine langfristigen Folgen. Eine andere mögliche Nebenwirkung von Plättchenhemmern sind Magengeschwüre.

Bei Menschen, die eine Blutung im Magen-Darm-Trakt oder ein Magengeschwür hatten, kann zusätzlich ein Medikament zum Magenschutz sinnvoll sein. Zu diesen Mitteln gehören zum Beispiel Omeprazol und Pantoprazol (sogenannte ). Sie hemmen die Produktion von Magensäure und schützen dadurch die Magenschleimhaut. Dies beugt Magengeschwüren und -blutungen vor.

Wie wirken Statine?

senken die Cholesterinwerte und schützen die Gefäßwände. Große Studien zeigen, dass sie die Lebenserwartung von Menschen mit KHK verlängern und das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle senken.

Aus der Gruppe der sind in Deutschland mehrere Wirkstoffe zugelassen: Atorvastatin, Fluvastatin, Lovastatin, Pravastatin und Simvastatin. Wer ein Statin nicht verträgt, hat also die Möglichkeit, auf einen anderen Wirkstoff umzusteigen.

Studienergebnisse zu Statinen

Studien zu Statinen bei Menschen mit KHK zeigen folgende Ergebnisse: Im Durchschnitt werden etwa 5 von 100 Menschen mit KHK, die fünf Jahre lang nehmen, vor einem , oder einem anderen Gefäßverschluss bewahrt. Je nach persönlichem Risiko kann der Nutzen kleiner oder größer sein.

Wenn die Cholesterinwerte stärker gesenkt werden sollen, können auch mit einem weiteren Medikament kombiniert werden, beispielsweise mit Ezetimib.

Nebenwirkungen

Die meisten Menschen vertragen gut. Einzelne Studien deuten an, dass es eine kleine Gruppe von Personen gibt, bei denen die Mittel Muskelschmerzen auslösen können. Allerdings können Muskelbeschwerden auch viele andere Gründe haben. Es ist daher nicht sinnvoll, die Behandlung beim ersten Verdacht auf eine Nebenwirkung zu beenden. Mögliche Unverträglichkeiten bespricht man am besten mit der Ärztin oder dem Arzt.

Eine äußerst seltene, aber ernsthafte Nebenwirkung ist die sogenannte Rhabdomyolyse. Dabei lösen sich die Muskelfasern bestimmter Muskeln langsam auf. Es treten Lähmungen auf und die frei werdenden Stoffe können die Nieren schwer schädigen. Diese Nebenwirkung trat in Studien bei 1 von 10.000 Menschen auf, die längerfristig anwenden. Anzeichen hierfür können schnell ermüdende oder krampfende Muskeln und rötlicher oder dunkel verfärbter Urin sein. Bei diesen Symptomen ist es wichtig, umgehend ärztlichen Rat einzuholen. Wenn das Statin rechtzeitig abgesetzt wird, sind keine Folgeschäden zu erwarten.

Wie werden Angina-Pectoris-Beschwerden behandelt?

Wenn eine KHK bei Anstrengung zu Brustenge () führt, kommen zusätzlich Medikamente zur Linderung der Beschwerden infrage. Hierbei unterscheidet man zwischen:

  • Mitteln zur vorbeugenden Behandlung (insbesondere )
  • Mitteln zur Akutbehandlung bei Angina-Pectoris-Anfällen (sogenannte kurzwirksame Nitrate)

Mittel zur vorbeugenden Behandlung werden dauerhaft eingenommen, um das Risiko für Angina-Pectoris-Beschwerden zu senken. Dazu werden vor allem eingesetzt. Sie verlangsamen den Herzschlag (Puls), senken den Blutdruck und entlasten dadurch das Herz. Für Menschen, die nicht vertragen, nicht nehmen dürfen oder ein weiteres Mittel benötigen, eignen sich auch Kalziumkanalblocker. Sie weiten die Blutgefäße, einige verlangsamen auch den Herzschlag. Dadurch sinken der Blutdruck und die Belastung des Herzens.

Akute Beschwerden können durch kurzwirksame Nitrate gelindert werden. Dies sind Medikamente, die schnell die Gefäße erweitern und dadurch die Blutversorgung des Herzmuskels verbessern. Dadurch lindern sie das Engegefühl und die Schmerzen in der Brust. Nitrate können beispielsweise als Spray unter die Zunge gesprüht werden („Nitro-Spray“) oder als Kapseln zum Zerbeißen („Nitro-Kapseln“) eingesetzt werden. Die Wirkung von Nitraten setzt nach 2 bis 5 Minuten ein und hält bis zu einer halben Stunde an.

Menschen mit Angina-Pectoris-Beschwerden haben oft ein Nitrat-Präparat dabei, das sie bei Bedarf nehmen können.

Kurzwirksame Nitrate können auch vorbeugend angewendet werden – also kurz vor einer Anstrengung, die sonst zu Beschwerden führen kann, zum Beispiel vor dem Sport, Rasenmähen oder Spazierengehen bei sehr kaltem Wetter.

Nebenwirkungen

Wenn den Herzschlag oder Blutdruck zu stark senken, kann es zu Schlappheit und Erschöpfungserscheinungen kommen. Dies lässt sich aber durch eine Anpassung der Medikamentendosis oft vermeiden. Eine andere mögliche Nebenwirkung von Betablockern ist, dass sie die sexuelle Lust mindern oder zu Erektionsstörungen führen können. Solche Probleme werden aber bei weniger als 1 von 100 Personen durch die Medikamente verursacht. Die meisten Menschen vertragen gut.

Mögliche Nebenwirkungen von Kalziumkanalblockern sind Benommenheit, Hitzewallungen, Verstopfung und Wassereinlagerungen in den Beinen.

Nitrate können zu vorübergehenden Kopfschmerzen und Gesichtsrötungen führen. Sie können auch den Blutdruck abfallen lassen. Daher wird empfohlen, sich hinzusetzen, wenn man die Nitrate anwendet.

Männer, die Potenzmittel wie Sildenafil („Viagra“) nehmen, beraten sich am besten mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt. Solche Mittel sollten nur in ausreichendem zeitlichen Abstand zu Nitraten eingesetzt werden, um einen starken Blutdruckabfall zu vermeiden.

Welche Faktoren spielen bei der Behandlung noch eine Rolle?

Für Menschen, die zusätzlich zur KHK noch andere Erkrankungen haben, wie zum Beispiel Bluthochdruck, eine Herzschwäche oder , können andere oder zusätzliche Medikamente infrage kommen. Wenn ein Stent eingesetzt wurde, ist eine Zeitlang eine Behandlung mit mehreren Plättchenhemmern üblich.

Bei der Wahl der Behandlungen spielen außerdem die Verträglichkeit und mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eine Rolle.

Was kann helfen, Medikamente langfristig einzunehmen?

Wer eine KHK hat, nimmt in der Regel über einen langen Zeitraum mehrere Medikamente ein. Es kann schwierig sein, dabei den Überblick zu behalten. Es gibt allerdings eine Reihe von Maßnahmen, die helfen können, die Medikamenten-Einnahme zu erleichtern. Folgende Maßnahmen haben sich als besonders hilfreich erwiesen:

  • ein möglichst einfacher Einnahmeplan
  • Verpackungen oder Medikamenten-Dosierer mit Fächern für jeden Tag, bei denen man sofort sieht, wenn man eine Tablette vergessen hat.
  • regelmäßige Arzttermine, bei denen sich Fragen zur Behandlung klären lassen

Viele Menschen haben Angst davor, Medikamente über lange Zeit regelmäßig einzunehmen, etwa weil sie fürchten, dass sich mit der Zeit Reste der Medikamente im Körper ansammeln. Solche Befürchtungen sind unbegründet. Der Körper hat verschiedene Wege, um Arzneistoffe laufend abzubauen und ohne Rückstände auszuscheiden. Zudem sind die oben genannten Medikamente gut in Studien erprobt.

Wie lässt sich das Risiko für Nebenwirkungen senken?

Alle Medikamente können Nebenwirkungen haben. Sie lassen sich aber häufig vermeiden, indem man die Dosierung anpasst oder ein anderes Präparat aus einer Medikamentengruppe wählt. Oft verschwinden Nebenwirkungen auch nach einer Weile, wenn der Körper sich an das Medikament gewöhnt hat. Wird ein Mittel nicht vertragen, bespricht man das am besten mit der Ärztin oder dem Arzt.

Das Risiko für Nebenwirkungen kann steigen, wenn mehrere Medikamente zusammen eingenommen werden, da es dann zu Wechselwirkungen kommen kann. Deshalb ist es wichtig, der Ärztin oder dem Arzt zu sagen, welche Medikamente man bereits nimmt – einschließlich pflanzlicher und anderer rezeptfreier Mittel. Eine Medikamenten-Liste kann helfen, den Überblick zu behalten. Gesetzlich Versicherte, die drei oder mehr verschreibungspflichtige Arzneimittel anwenden, haben Anspruch auf den „bundeseinheitlichen Medikationsplan“. Dieser Medikamentenplan wird in der Regel in der hausärztlichen Praxis erstellt und sollte von allen behandelnden Praxen und Apotheken gepflegt werden.

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Aktualisiert am 20. Oktober 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2024

Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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