Medikamente zur Behandlung von Fibromyalgie

Foto von Tabletten-Einnahme

Die Medikamente Amitriptylin, Duloxetin und Pregabalin können Fibromyalgie-Schmerzen bei manchen Menschen lindern. Es kann zu Nebenwirkungen wie einem trockenen Mund oder Übelkeit kommen. Normale Schmerzmittel wie oder Paracetamol werden bei Fibromyalgie nicht empfohlen.

Es gibt bislang kein eigens zur Behandlung von Fibromyalgie entwickeltes und zugelassenes Medikament. Allerdings können bestimmte Medikamente, die zur Behandlung anderer chronischer Schmerzen oder anderer Erkrankungen zugelassen sind, manchmal auch bei Fibromyalgie helfen. Studien zeigen dies für folgende Medikamente:

  • Amitriptylin
  • Duloxetin
  • Pregabalin

Mit Ausnahme von Amitriptylin handelt es sich bei der Anwendung dieser Medikamente rechtlich gesehen um einen nicht bestimmungsmäßigen Gebrauch (Off-Label-Use), für den besondere Regelungen gelten – zum Beispiel bei der Kostenübernahme. Anders ist es, wenn neben Fibromyalgie noch eine andere Erkrankung besteht, für die das jeweilige Medikament zugelassen ist, etwa eine . Es kann ein paar Wochen dauern, bis die Medikamente eine Wirkung zeigen.

Es ist sinnvoll, nicht allein auf Medikamente zu setzen, sondern sie mit anderen Behandlungen zu kombinieren. So kann leichte körperliche Aktivität die Beschwerden lindern und die Belastbarkeit verbessern. Wie man mit der Erkrankung umgeht, ist ebenfalls wichtig – zum Beispiel, Stress zu verringern und den Alltag so zu planen, dass man sich möglichst nicht übernimmt.

Wie wirksam sind Medikamente?

Bei wenigen Menschen mit Fibromyalgie können Amitriptylin, Duloxetin und Pregabalin die Schmerzen deutlich lindern. Aus Studien lässt sich die Wirksamkeit dieser Medikamente abschätzen. Sie zeigten folgende Ergebnisse:

  • Bei etwa 25 bis 45 von 100 Menschen, die eines dieser Medikamente nahmen, gingen die Schmerzen um mindestens die Hälfte zurück.
  • Bei etwa 10 bis 25 von 100 Menschen, die ein Scheinmedikament ohne Wirkstoff nahmen (), gingen die Schmerzen um mindestens die Hälfte zurück.

Allerdings wurden die Medikamente meist nur über einen Zeitraum von etwa 3 bis 6 Monaten untersucht. Für längere Zeiträume liegen keine aussagekräftigen Daten zur Wirksamkeit vor.

Grafik: Bei wie vielen Menschen mit Fibromyalgie Medikamente die Schmerzen deutlich lindern können - wie im Text beschrieben

Wie häufig führen die Medikamente zu Nebenwirkungen?

Die Studien erfassten auch die Nebenwirkungen der Medikamente und insbesondere, wie häufig die Teilnehmenden die Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Schlafstörungen abgebrochen hatten. Dabei zeigte sich:

  • Im Durchschnitt brachen 10 bis 17 von 100 Menschen, die Medikamente nahmen, die Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen ab – im Gegensatz zu
  • etwa 5 bis 10 von 100 Menschen, die ein nahmen.

Wie häufig es zu Nebenwirkungen kommt, hängt unter anderem von der Dosierung und dem eingesetzten Wirkstoff ab.

Grafik: Bei wie vielen Menschen mit Fibromyalgie die Medikamente zu Nebenwirkungen führen - wie im Text beschrieben

Wie werden die Medikamente angewendet?

Wenn man sich für eine Behandlung mit einem Medikament entscheidet, ist etwas Geduld gefragt. Es dauert 2 bis 4 Wochen, bis eine Wirkung eintritt und sich beurteilen lässt, ob das Mittel hilft.

Bei einer längerfristigen kann es sinnvoll sein, nach einer Weile zu prüfen, ob man das Medikament noch benötigt. Zum Beispiel kann es sein, dass ein zwischenzeitlich begonnenes Trainingsprogramm oder Methoden zur Entspannung und Stressbewältigung eine Besserung bewirkt haben. Manchmal wird daher empfohlen, es nach sechs Monaten Einnahme ohne Medikamente zu versuchen.

Amitriptylin

Amitriptylin ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der trizyklischen . Er hemmt mehrere Botenstoffe, unter anderem und Noradrenalin. Zur Behandlung von Fibromyalgie wird Amitriptylin in einer niedrigen Dosierung verordnet. Das Mittel wird einmal täglich als Tablette eingenommen, in der Regel am Abend (Dosierung: 10 bis 50 mg).

Manche Menschen machen die Erfahrung, dass die Wirkung von Amitriptylin mit der Zeit nachlässt. Daher wird manchmal empfohlen, die Behandlung regelmäßig zu unterbrechen – zum Beispiel jeden dritten Monat.

Mögliche Nebenwirkungen von Amitriptylin sind ein trockener Mund, Übelkeit, Schläfrigkeit, Verstopfung und eine leichte Gewichtszunahme. Schläfrigkeit tritt vor allem in den ersten Wochen der Einnahme auf, bis sich der Körper an den Wirkstoff gewöhnt hat. Falls Nebenwirkungen auftreten, kann in Absprache mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt vielleicht auch die Dosis verringert werden.

Duloxetin

Duloxetin ist ein Medikament aus der Gruppe der selektiven Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI). Es ist zur Behandlung von Depressionen, generalisierter Angststörung und Schmerzen aufgrund von diabetesbedingten Nervenschäden zugelassen, wurde aber auch zur Fibromyalgie-Behandlung untersucht. Es wird dann in der Regel morgens als Kapsel eingenommen (Dosierung: 60 mg). Mögliche Nebenwirkungen von Duloxetin sind Übelkeit, ein trockener Mund, Benommenheit und Schlafstörungen.

Pregabalin

Pregabalin ist zur Behandlung von bestimmten Schmerzerkrankungen, Epilepsie und generalisierten Angststörungen zugelassen. Das Medikament wirkt ebenfalls auf bestimmte Botenstoffe (Neurotransmitter). Pregabalin wird über den Tag verteilt 2- oder 3-mal als Kapsel eingenommen (Dosierung: 150 bis 450 mg). Alternativ gibt es eine Lösung zum Einnehmen.

Mögliche Nebenwirkungen sind Schwindel, Sehstörungen, Schläfrigkeit, eine leichte Gewichtszunahme und Wassereinlagerungen in den Beinen.

Wie lassen sich Nebenwirkungen vermeiden?

Um Nebenwirkungen möglichst zu vermeiden, ist es bei den genannten Medikamenten sinnvoll, die Behandlung zunächst mit einer niedrigen Dosis zu beginnen. Die Dosis wird dann schrittweise erhöht, sodass sich der Körper langsam an den Wirkstoff gewöhnen kann. Wer eine höhere Dosis nicht verträgt, kann auch zu einer niedrigeren zurückkehren. Beim Beenden der Behandlung wird die Dosis ebenfalls nach und nach verringert.

Manche Nebenwirkungen wie Benommenheit treten vor allem in den ersten Wochen der Behandlung auf und verschwinden dann. Die meisten Menschen vertragen die Medikamente gut. Wenn aber zum Beispiel nach der Einnahme Kopfschmerzen oder Übelkeit auftreten, wird oft voreilig der Schluss gezogen, dass es sich um eine Nebenwirkung handelt. Dies kann jedoch Zufall sein. Nur weil zwei Ereignisse ungefähr gleichzeitig eintreten, heißt das nicht, dass sie zusammenhängen.

Um das Risiko für mögliche Wechselwirkungen einschätzen zu können, ist es wichtig, die Ärztin oder den Arzt über andere Medikamente zu informieren, die man einnimmt. Dies gilt auch für pflanzliche Medikamente und .

Warum sind Schmerzmittel zur Behandlung von Fibromyalgie nicht sinnvoll?

Vom Gebrauch von Schmerzmitteln wie , Diclofenac, und Paracetamol wird abgeraten. Es ist nicht belegt, dass sie bei Fibromyalgie helfen. Sie können aber verschiedene Nebenwirkungen haben.

Auch andere Schmerzmittel wie Metamizol sowie stärkere Medikamente aus der Gruppe der wie Oxycodon sollen bei Fibromyalgie nicht eingesetzt werden. können abhängig machen. Außerdem gibt es zu wenige Studien, die zur Behandlung von Fibromyalgie untersucht haben. Dass sie bei chronischen Schmerzen nicht sehr wirksam sind, weiß man jedoch aus Studien zu Opioiden bei anderen chronischen Schmerzerkrankungen. Das hat damit zu tun, dass die Mechanismen der Schmerzentstehung dort anders sind als bei akuten Schmerzen.

Welche Medikamente sind noch nicht gut untersucht?

Viele Medikamente, die teilweise bei Fibromyalgie eingesetzt werden, sind für diese Erkrankung nicht gut untersucht. Sie werden von medizinischen Fachgesellschaften nicht zur Behandlung von Fibromyalgie empfohlen. Dazu gehören unter anderem:

  • Beruhigungs- und Schlafmittel (auch Hypnotika genannt)
  • Medikamente auf Basis von Cannabis (Cannabinoide)
  • Guaifenesin (zur Behandlung von Husten mit Auswurf)
  • (zum Beispiel Testosteron, , Wachstums- oder Schilddrüsenhormone)
  • Interferone
  • muskelentspannende Mittel (Muskelrelaxantien)
  • Medikamente gegen Viren (Virostatika)
  • Mirtazepin (zur Behandlung von Depressionen)
  • Mono-Amino-Oxidase-Hemmer (MAO-Hemmer)
  • Narkosemittel (zum Beispiel Ketamin)
  • Natriumoxybat

Alle diese Mittel können Nebenwirkungen haben. Es ist daher sinnvoll, ihre Anwendung gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt sorgfältig abzuwägen.

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Aktualisiert am 20. April 2022
Nächste geplante Aktualisierung: 2025

Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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