Medikamente bei Typ-2-Diabetes

Foto von Frau bei der Blutzuckermessung (PantherMedia / Miriam Doerr) Menschen mit Typ-2-Diabetes haben unter anderem ein erhöhtes Risiko für Augen- und Nervenschäden, aber auch für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Medikamente sollen vor allem solchen Folgen vorbeugen. Welche Medikamente sinnvoll sind, hängt unter anderem davon ab, wie schwer der Diabetes ist, vom Alter und davon, ob noch andere Gesundheitsprobleme bestehen.

Menschen mit Typ-2-Diabetes haben einen erhöhten Blutzuckerspiegel. Deshalb scheint es erst einmal logisch, dass sie Medikamente zur Blutzuckersenkung einnehmen. Dies ist aber nicht immer notwendig. Medikamente sind erst dann sinnvoll, wenn sich der Blutzuckerspiegel nicht auf andere Weise kontrollieren lässt – etwa durch eine Ernährungsumstellung oder Bewegung.

Wann kommen Medikamente infrage?

Ob Medikamente zur Blutzuckersenkung sinnvoll sind, hängt unter anderem davon ab, in welchem Alter der Diabetes zuerst auftritt. Vielen älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes bereitet ein leicht erhöhter Blutzuckerspiegel keine Schwierigkeiten. Im Alter führt ein beginnender Typ-2-Diabetes nur noch selten zu Gefäß- und Nervenschäden. Stattdessen stehen oft andere Gesundheitsprobleme im Vordergrund, wie beispielsweise ein erhöhter Blutdruck.

Wenn ein Mensch mit Typ-2-Diabetes jedoch erst um die 40 oder 50 ist, hat er meist noch viele Lebensjahre vor sich. Über eine lange Zeit kann dann selbst ein nur mäßig erhöhter Blutzuckerspiegel zu Folgeschäden führen. Für jüngere Menschen mit Typ-2-Diabetes ist es daher sehr wichtig, ihren Blutzuckerspiegel niedrig zu halten.

Ziel der Behandlung ist es, den Folgekomplikationen eines Diabetes vorzubeugen. Ein dauerhaft hoher Blutzuckerspiegel kann Gefäß- und Nervenschäden verursachen. Dies kann Erkrankungen der Augennetzhaut, der Nieren und Füße zur Folge haben. Auch das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte kann erhöht sein. Medikamente zur Blutzuckersenkung sollen diese Erkrankungen so gut es geht verhindern oder verzögern.

Weitere Mittel, die das Risiko für Herzkrankheiten senken

Typ-2-Diabetes erhöht das Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten. Bei Menschen mit Diabetes kommen oft noch andere Risikofaktoren hinzu, wie zum Beispiel ein erhöhter Blutdruck. Dann ist es gut möglich, dass eine medikamentöse Behandlung dieser anderen Faktoren das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall stärker senken kann als eine Senkung des Blutzuckers. Die wichtigsten Arzneimittel sind:

All diese Medikamente können Nebenwirkungen haben, und auch Wechselwirkungen mit anderen Mitteln. Deshalb ist es wichtig, die Einnahme mit einer Ärztin oder einem Arzt genau zu besprechen. Das gilt auch für rezeptfreie Mittel, die man zusätzlich einnimmt.

Wie gut helfen Tabletten zur Senkung des Blutzuckers (Antidiabetika)?

Wer seinen Blutzucker durch eine Umstellung des Lebensstils nicht in den Griff bekommt, kann auch Tabletten einnehmen. Diese werden Antidiabetika genannt. Wenn ein Medikament nicht reicht, ist es möglich, verschiedene blutzuckersenkende Tabletten zu kombinieren.

Studien zeigen, dass bei einem gut eingestellten Blutzucker seltener Schäden an den kleinen Blutgefäßen auftreten, vor allem der Augen. Unklar ist jedoch, wie gut Antidiabetika dabei helfen, Folgeerkrankungen wie Herzinfarkten und Schlaganfällen vorzubeugen. Hierzu gibt es kaum Langzeitstudien. Zudem ist nicht ausreichend untersucht, wie die verschiedenen Medikamente im Vergleich zueinander abschneiden.

Alle Antidiabetika können dazu führen, dass der Blutzuckerspiegel manchmal zu stark abfällt: Dann kommt es zu einer Unterzuckerung, auch Hypoglykämie genannt.

Welche Antidiabetika gibt es?

Medikamente zur Behandlung des Typ-2-Diabetes sind:

  • Metformin: Dieser Wirkstoff verringert die vom Körper hergestellte Glukosemenge und wird schon lange verwendet. Metformin ist am besten in Studien untersucht und mit am verträglichsten. Deshalb wird meist empfohlen, die Behandlung mit Metformin zu beginnen. Mögliche Nebenwirkungen sind Unwohlsein und Durchfall, vor allem, wenn Metformin auf nüchternen Magen eingenommen wird. Sehr selten – bei etwa 1 von 10.000 Menschen mit Typ-2-Diabetes – kommt es im Laufe eines Jahres während der Behandlung mit Metformin zu einer Übersäuerung des Blutes. Dies kann zu Atembeschwerden, Übelkeit oder zu einem Schock führen. Menschen, deren Nierenfunktion eingeschränkt ist, die eine Herzschwäche haben oder alkoholabhängig sind, dürfen Metformin deshalb normalerweise nicht nehmen.
  • Sulfonylharnstoffe: Sie helfen dem Körper, mehr Insulin zu produzieren. Auch diese Mittel werden schon lange eingesetzt. Während einer Behandlung mit Sulfonylharnstoffen treten häufiger Unterzuckerungen auf als bei Metformin. Manche Menschen nehmen auch an Gewicht zu, wenn sie mit der Behandlung beginnen. Andere reagieren allergisch auf Sulfonylharnstoffe.
  • Glitazone: Aus dieser Wirkstoffgruppe ist nur noch Pioglitazon auf dem Markt. Im Vergleich zu Sulfonylharnstoffen treten bei Pioglitazon seltener Unterzuckerungen auf. Mögliche Nebenwirkungen sind Gewichtszunahme, Knochenbrüche, Wassereinlagerungen und Herzschwäche. Die europäische Zulassungsbehörde EMA weist darauf hin, dass Pioglitazon möglicherweise das Risiko für Blasenkrebs geringfügig erhöht. Wegen seiner möglichen Nebenwirkungen wird Pioglitazon nicht als Medikament der ersten Wahl eingesetzt.
  • Glinide: Die beiden Wirkstoffe Nateglinid und Repaglinid steigern die körpereigene Insulinproduktion. Im Vergleich zu Metformin kommt es bei Gliniden eher zu leichten und moderaten Unterzuckerungen. Glinide können zur Gewichtszunahme führen.
  • Gliptine (Dipeptidyl-Peptidase-4-Inhibitoren): Sie regen ebenfalls die Insulinproduktion an. Zu den Gliptinen gehören die Wirkstoffe Linagliptin, Saxagliptin, Vildagliptin oder Sitagliptin. Kopfschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden sind mögliche Nebenwirkungen.
  • Flozine (SGLT-2-Hemmer): Zu den Flozinen gehören die Wirkstoffe Dapagliflozin, Empagliflozin und Canagliflozin. Sie bewirken, dass vermehrt Zucker über den Urin ausgeschieden wird. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel. Flozine können Scheidenpilz verursachen und vermutlich auch das Risiko für eine Übersäuerung des Blutes erhöhen.

Nur noch selten werden Alpha-Glucosidasehemmer bei Typ-2-Diabetes eingesetzt. Sie verlangsamen die Aufnahme von Glukose im Darm. Der am häufigsten verwendete Wirkstoff dieser Medikamentengruppe heißt Acarbose. Er hat zahlreiche Nebenwirkungen, insbesondere Blähungen und Durchfall. Seine blutzuckersenkende Wirkung ist vergleichsweise gering.

Insulin

Menschen mit Typ-1-Diabetes sind auf Insulinspritzen angewiesen. Bei Typ-2-Diabetes wird meist erst dann Insulin benötigt, wenn der Blutzucker durch Tabletten nicht ausreichend in den Griff zu bekommen ist. Dies ist eher selten.

Es stehen zwei Insulintypen zur Verfügung: Humaninsulin oder Insulinanaloga. Beide sind gentechnisch hergestellt, unterscheiden sich aber in ihrer chemischen Struktur. Kurzwirksame Insulinanaloga senken den Blutzucker etwas schneller als Humaninsuline. Dass dies auch gesundheitliche Vorteile hat, ist jedoch nicht nachgewiesen. Typ-2-Diabetes lässt sich mit Humaninsulin und Insulinanaloga vergleichbar gut behandeln.

In einigen Studien wurde untersucht, ob Insulin oder eine Kombination verschiedener Antidiabetika sinnvoll ist, wenn sich der Blutzucker durch einzelne Antidiabetika sowie Bewegung und Ernährung nicht ausreichend kontrollieren lässt. Die Ergebnisse zeigten:

  • keine Unterschiede, was Langzeitfolgen wie Herzerkrankungen betrifft.
  • Insulin konnte den Blutzucker stärker senken.
  • Mit Antidiabetika traten seltener Unterzuckerungen auf, dafür häufiger andere Nebenwirkungen, in erster Linie Magen-Darm-Probleme.

Inkretin-Mimetika

Inkretin-Mimetika sind hormonähnliche Medikamente, die zusätzlich zur Einnahme von Metformin- und / oder Sulfonylharnstoff-Tabletten gespritzt werden können. Sie sollen Antidiabetika-Tabletten nicht ersetzen, sondern werden statt oder in Ergänzung zu Insulin angewendet. Die Mittel werden mit einer vordosierten Injektionshilfe (Pen) unter die Haut gespritzt. Inkretin-Mimetika regen die Bauchspeicheldrüse an, mehr Insulin herzustellen. Es ist bislang unklar, ob die Behandlung mit Inkretin-Mimetika langfristige Vorteile haben kann. Zu den Inkretin-Mimetika gehören die Wirkstoffe Liraglutid, Dulaglutid, Lixisenatid, Exenatide und Albiglutid. Mögliche Nebenwirkungen sind Übelkeit und Erbrechen.

Wonach richtet sich die Auswahl der Medikamente?

Blutzuckersenkende Medikamente sind nicht für jeden Menschen mit Diabetes sinnvoll. Ob überhaupt Antidiabetika eingenommen werden müssen und welche Medikamente sich jeweils am besten eignen, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

Wie stark muss der Blutzucker gesenkt werden?

Um zu beurteilen, ob der Blutzucker langfristig gut eingestellt ist, messen Ärztinnen und Ärzte den HbA1c-Wert. Dieser Wert gibt an, wie hoch der Blutzucker in den letzten 2 bis 3 Monaten im Durchschnitt war. Bei Menschen ohne Diabetes liegt der HbA1c-Wert in der Regel unter 6 %.

Der „Zielwert“ hängt unter anderem davon ab, wie alt ein Mensch ist und welche Begleiterkrankungen er hat. Vielen wird geraten, ihren Blutzucker auf einen HbA1c-Wert zwischen 6,5 und 7,5 % abzusenken. Vor allem bei älteren Menschen mit Begleiterkrankungen können aber auch Werte bis 8,5 % vertretbar sein. Denn sehr niedrige Werte könnten für sie mehr Nachteile als Vorteile haben: Um niedrigere Werte zu erreichen, müssten dann zum Beispiel mehr Medikamente genommen werden. Dadurch kommt es häufiger zu Unterzuckerungen.

Wie stark der Blutzucker gesenkt werden sollte, lässt sich deshalb nur individuell entscheiden.