Hyposensibilisierung bei allergischem Asthma

Foto von einem Jungen und seinem Hund im Grünen (PantherMedia / Rudolf Mundloch) Bei vielen Menschen ist Asthma eng mit einer Allergie verbunden. Bei ihnen sind vor allem allergieauslösende Stoffe wie Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare für einen Asthma-Anfall verantwortlich. Für sie kann eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) infrage kommen.

Das Ziel einer Hyposensibilisierung ist es, die Allergiesymptome mittel- und langfristig zu verringern und Asthma-Anfällen vorzubeugen. Sie muss regelmäßig wiederholt werden und hilft erst nach längerer Zeit. Der Begriff Hyposensibilisierung beschreibt das Ziel der Behandlung: Sie soll weniger empfindlich machen. Denn wenn ein Mensch gegen etwas allergisch ist, reagiert sein Körper überempfindlich auf ein Allergen – die Substanz, die die allergische Reaktion bei ihm auslöst. Sein Organismus produziert Antikörper, um sich vor dem Allergen zu schützen, obwohl die Substanz harmlos ist. Die Antikörper sind Teil einer Kettenreaktion, die zu den allergischen Beschwerden führt.

Bei der Hyposensibilisierung werden Allergenextrakte verabreicht. Dadurch versucht man, dem Körper beizubringen, anders zu reagieren: Es ist in etwa so, als würde man gegen die eigene Allergie „geimpft“. Die Allergenextrakte können gespritzt oder als Tablette oder Tropfen eingenommen werden.

Bei welchen Allergien ist eine Hyposensibilisierung möglich?

Die Hyposensibilisierung eignet sich nicht für jede Allergie. Sie wird medizinisch „spezifische Immuntherapie (SIT)“ genannt, weil der Allergenextrakt individuell auf die allergische Reaktion einer Person angepasst werden muss. Diese Therapie-Allergene gibt es nicht für alle Allergieauslöser. Zugelassen sind derzeit Therapie-Allergene für

Eine Hyposensibilisierung ist aber auch mit Therapie-Allergenen möglich, die nicht zugelassen sind – etwa bei einer Allergie gegen Katzen oder Schimmel. Anders als bei den zugelassenen Therapie-Allergenen kann aber nicht garantiert werden, dass hierbei immer mit ausreichend wirksamen Zusammensetzungen behandelt wird.

Woraus besteht die Behandlung?

Bei einer Hyposensibilisierung wird einem Menschen wiederholt eine winzige Menge des Allergens verabreicht. Um dem Körper zu helfen, sich an das Allergen zu gewöhnen, ist die zugeführte Menge des Extrakts zunächst sehr klein. Die Dosis wird schrittweise erhöht, bis eine persönliche Höchstdosis erreicht ist, die dann in regelmäßigen Abständen gegeben wird. Sie sollte so hoch wie möglich sein, ohne eine zu starke allergische Reaktion auszulösen. Das bedeutet, sowohl die behandelte Person als auch die Ärztin oder der Arzt müssen sehr aufmerksam auf die Reaktionen achten.

Es gibt zwei Formen der Hyposensibilisierung:

  • die subkutane Immuntherapie (SCIT): Die Allergene werden unter die Haut gespritzt.
  • die sublinguale Immuntherapie (SLIT): Die Allergene werden als Tropfen oder Tablette unter die Zunge (sublingual) gegeben, dort ein bis zwei Minuten gehalten und dann geschluckt.

Für eine Hyposensibilisierung mithilfe von Spritzen sind regelmäßige Arztbesuche nötig. Das Allergen wird dem Körper zunächst wöchentlich oder alle zwei Wochen zugeführt, später dann in größeren Abständen von meist vier Wochen. Bei einer sublingualen Immuntherapie werden die Tropfen oder Tabletten in der Regel täglich eingenommen.

Wie gut kann eine Hyposensibilisierung helfen?

Studien zeigen, dass Menschen mit Asthma von einer spezifischen Immuntherapie profitieren können. Sowohl die Gabe der Lösung unter die Zunge als auch das Spritzen können helfen, die Beschwerden zu lindern und Asthma-Anfällen vorzubeugen. Untersuchungen zur subkutanen Immuntherapie zeigen:

  • Ohne Immuntherapie: Bei etwa 60 von 100 Personen verschlechterten sich die Asthma-Beschwerden innerhalb weniger Jahre.
  • Mit Immuntherapie: Bei etwa 30 von 100 Personen verschlechterten sich die Beschwerden.

Die spezifische Immuntherapie konnte also 30 von 100 Personen vor einer Verschlechterung ihres Asthmas bewahren.

Die Behandlung hatte noch einen anderen Effekt: Etwa 20 von 100 Teilnehmenden, die eine spezifische Immuntherapie machten, benötigten insgesamt weniger Asthma-Medikamente.

Die Wirkung einer spezifischen Immuntherapie kann über einige Jahre anhalten. Bei manchen Menschen lässt sie dann wieder nach.

Auch bei einem allergischen Schnupfen kann eine Hyposensibilisierung helfen.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Leichtere und vorübergehende Nebenwirkungen treten bei einer Hyposensibilisierung sehr häufig auf. Dies ist zu erwarten, wenn dem Körper eine Substanz zugeführt wird, auf die er normalerweise allergisch reagiert. Das Risiko für Nebenwirkungen hängt unter anderem davon ab,

  • wie empfindlich jemand reagiert,
  • wie hoch die Dosis ist und
  • welcher Wirkstoff gegeben wird.

Etwa 10 bis 60 von 100 Behandelten müssen mit leichtem Ausschlag an der Einstichstelle rechnen. Bei einer Einnahme von Allergenen kommt es häufig zu Juckreiz und Schwellungen im Mund. Bei bis zu 50 von 100 Behandelten kommt es mindestens einmal zu allergischen Reaktionen wie Niesen, tränenden Augen oder asthmatischen Beschwerden. Auch Müdigkeit und Kopfschmerzen können auftreten. Meist sind diese Nebenwirkungen leicht und vorübergehend, nur selten ist eine Behandlung nötig.

Falls starke Nebenwirkungen auftreten, wird die Dosis verringert. Dann ist es sinnvoll, auch andere mögliche Ursachen abzuklären. Kann eine andere Ursache für die Beschwerden gefunden und beseitigt werden, lässt sich die Dosis möglicherweise wieder steigern.

Wie häufig kommt es zu einer anaphylaktischen Reaktion?

Die größte Befürchtung bei einer Hyposensibilisierung ist, dass sie eine heftige allergische Reaktion auslöst – die anaphylaktische Reaktion. Dabei kann es unter anderem zu starkem Juckreiz, Übelkeit sowie Atem- und Kreislaufbeschwerden bis hin zum Schock kommen. Im schlimmsten Fall ist eine anaphylaktische Reaktion lebensbedrohlich. Stärkere Reaktionen müssen sofort ärztlich behandelt werden. Dann wird der Wirkstoff Adrenalin gespritzt, der die gefährliche Überreaktion des Körpers schnell eindämmen kann.

Eine anaphylaktische Reaktion ist bei ansonsten gesunden Menschen sehr selten. Das Risiko dafür lässt sich nur grob abschätzen. In Studien trat nach weniger als 1 von 1000 Spritzen eine Reaktion auf, die mit Adrenalin behandelt werden musste. Dieses geringe Risiko ist der Grund für eine Vorsichtsmaßnahme: Wer mit einem Allergen-Extrakt behandelt wird, muss danach mindestens 30 Minuten in der Arztpraxis bleiben. Außerdem ist es wichtig, dass die Ärztin oder der Arzt die Symptome einer anaphylaktischen Reaktion genau erklärt und Angehörige mit einbezieht. Falls sie zu einem späteren Zeitpunkt auftritt, können sie dann sofort ärztliche Hilfe holen.

Das Risiko einer anaphylaktischen Reaktion ist für manche Menschen allerdings höher: So können bestimmte Herzprobleme das Risiko erhöhen und Betablocker die Behandlung möglicher Nebenwirkungen erschweren. Eine Hyposensibilisierung ist bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen daher normalerweise nur möglich, wenn Betablocker durch andere Medikamente ersetzt werden können. Für Menschen mit schwerem Asthma kommt eine Hyposensibilisierung infrage, wenn das Asthma gut kontrolliert und stabil ist. Wer schon einmal allergisch auf irgendeine Spritze reagiert hat, sollte die Ärztin oder den Arzt vor Beginn einer Hyposensibilisierung darüber informieren.

Was hilft besser: Spritzen oder Einnehmen?

Die Frage, ob die beiden Formen der spezifischen Immuntherapie unterschiedlich gut wirken, lässt sich noch nicht abschließend beantworten. Es gibt aber einige Studien, die die beiden Behandlungen miteinander verglichen haben. Sie deuten darauf hin, dass die Behandlung mit Spritzen die Beschwerden etwas besser lindern könnte als die Gabe des Wirkstoffs als Tablette oder Tropfen unter die Zunge. Da die Behandlungen aber zumindest ähnlich gut wirken, ist es bei der Wahl der Therapieform möglich, nach persönlichen Vorlieben oder Abneigungen zu entscheiden.

Schlagwörter: Anstrengungsasthma, Asthma, Atemwege, Atemwegserkrankungen, J45, R05, R06