Früher Brustkrebs: Behandlung

Foto von Mutter und Tochter

Wird Brustkrebs früh erkannt, sind die Heilungschancen meist gut. Der Tumor wird in der Regel vollständig entfernt und die Brust danach bestrahlt. Je nach Rückfallrisiko kommen außerdem eine oder andere Medikamente infrage.

Brustkrebs ist kein Notfall. Daher ist genug Zeit, sich gut über die zu informieren und die Behandlungsmöglichkeiten mit den Ärztinnen und Ärzten ausführlich zu besprechen. Niemand muss sich innerhalb weniger Tage für eine bestimmte Behandlung entscheiden. Es ist wichtig, dass bei den Gesprächen auch Zeit für persönliche Bedürfnisse, Sorgen und Ziele ist.

Es wird empfohlen, für die Brustkrebsbehandlung in ein zertifiziertes Brustzentrum zu gehen. Wer möchte, kann immer eine zweite ärztliche Meinung einholen, eine Behandlung ablehnen oder den Behandlungsort wechseln.

An der Behandlung sind unter anderem Fachleute aus Gynäkologie, Radiologie, Onkologie, Psychologie, , Rehabilitation und Pflege beteiligt. Sie besprechen die und das Vorgehen in einer sogenannten Tumorkonferenz.

Diese Information richtet sich in erster Linie an Frauen mit Brustkrebs. Bei Männern wird Brustkrebs aber ähnlich behandelt.

Was ist früher Brustkrebs?

Von frühem Brustkrebs spricht man, wenn der Krebs nicht in andere Organe gestreut hat. Auch die Lymphknoten in den Achseln sind dann kaum oder gar nicht befallen.

Früher Brustkrebs kann sich auf verschiedene Weise bemerkbar machen: So kann sich die Form oder Größe der Brust verändern oder es ist ein Knoten tastbar. Manchmal zieht sich ein Teil der Brusthaut nach innen oder es läuft Flüssigkeit aus der Brustwarze.

Eine Unterform ist das „Duktale Carcinoma in Situ“ (DCIS). Bei dieser Form haben sich Zellen in den Milchgängen der Brust verändert, was aber keine Beschwerden auslöst. Bei einem Teil der Frauen bleibt das DCIS harmlos, bei anderen entwickelt es sich zu einem invasiven Tumor weiter.

Wovon hängt die Behandlung ab?

Welche Behandlung infrage kommt, hängt unter anderem davon ab,

  • wie groß der Tumor ist,
  • wo genau er liegt,
  • ob auch Lymphknoten und / oder Organe befallen sind,
  • ob der Krebs empfänglich für bestimmte ist und
  • wie aggressiv er ist.

Auch das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand spielen eine Rolle. Und nicht zuletzt fließen auch persönliche Bedürfnisse und Ziele in die Behandlungsplanung ein.

Welche Bedeutung hat die Einstufung des Tumors?

Durch verschiedene Untersuchungen wird der Tumor in eine Klasse eingestuft. Diese sogenannte TNM-Klassifikation hilft, den Krankheitsverlauf abzuschätzen und die Behandlung zu planen:

  • T beschreibt die Größe des Tumors.
  • N beschreibt, ob umliegende Lymphknoten (englisch „nodes“) befallen sind.
  • M beschreibt, ob vorhanden sind.

Mit einer Gewebeuntersuchung wird geprüft, wie sehr sich die Krebszellen von normalen Zellen unterscheiden ().

Es wird auch untersucht, ob die Krebszellen empfindlich auf reagieren und damit eine Antihormontherapie möglich ist.

Zudem lässt sich feststellen, ob auf den Krebszellen bestimmte (HER2 – Humane epidermale Wachstumsfaktor-Rezeptoren) häufiger vorkommen. Ist dies der Fall, können bestimmte Medikamente bewirken, dass die Krebszellen langsamer wachsen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Ein Brustkrebs kann operiert, bestrahlt und mit Medikamenten behandelt werden. Oft werden mehrere Behandlungsansätze kombiniert.

Operation

Die Standardtherapie besteht darin, den Tumor durch eine Operation möglichst vollständig zu entfernen. Manchmal werden dabei auch benachbarte Lymphknoten entnommen. Bei kleinen Tumoren stehen Frauen vor der Entscheidung: Soll die Brust erhalten oder vollständig entfernt werden? Oft ist heute eine brusterhaltende Operation möglich. Eine Entfernung der Brust (Mastektomie) kann jedoch nötig sein, um alles Tumorgewebe beseitigen zu können. Dabei sind auch Verfahren möglich, bei denen die Brustwarze erhalten bleibt. Eine entfernte Brust kann anschließend wiederaufgebaut werden. Dazu wird Eigengewebe und / oder ein Implantat verwendet.

Bestrahlung

Das umliegende Gewebe wird nach einer brusterhaltenden Operation wenn möglich bestrahlt, um vielleicht noch vorhandene Tumorzellen zu zerstören. Dadurch soll ein verhindert werden. Eine Bestrahlung kann auch nach einer Brustentfernung nötig sein. Zudem wird sie wahrscheinlich angeboten, wenn der Tumor nicht operiert werden kann. Die Strahlen werden gezielt auf den Krebs gerichtet, um das umliegende Gewebe so gut es geht zu schützen.

Chemotherapie

Um einen großen Tumor besser operieren zu können, kann unter Umständen zuerst eine Chemotherapie eingesetzt werden, um ihn zu verkleinern. Eine solche Behandlung wird „neoadjuvante “ genannt. Eine kann auch im Anschluss an eine Operation sinnvoll sein, wenn durch den Eingriff wahrscheinlich nicht alle Krebszellen entfernt wurden (adjuvante ). Die Wirkstoffe der erhält man meist über Infusionen, manchmal auch in Tablettenform. Die wird in mehreren Zyklen wiederholt und dauert insgesamt etwa 4 bis 6 Monate.

Antihormontherapie

Ärztinnen und Ärzte können im Labor feststellen, ob die Hormone und das Wachstum des Tumors anregen. Ist das der Fall, kommt im Anschluss an eine Operation auch eine Antihormontherapie infrage: Medikamente können das Tumorwachstum bremsen, indem sie die Wirkung der stören oder die körpereigene Hormonproduktion verringern. Als Medikamente stehen Tamoxifen, Aromatasehemmer oder zur Verfügung. Welches Medikament infrage kommt, hängt davon ab, ob man sich noch vor den Wechseljahren befindet oder nicht. Die Medikamente werden täglich als Tablette über mindestens fünf Jahre eingenommen.

Antikörpertherapie

Es gibt einige Wirkstoffe, die gezielt gegen Krebszellen mit bestimmten Eigenschaften gerichtet sind: Wenn sich auf Krebszellen der Rezeptor HER2 findet, können wachstumsfördernde Signale blockieren und damit das Wachstum der Krebszellen hemmen sowie Metastasen verkleinern. Die Mittel werden in der Regel mit einer kombiniert. Das Medikament wird in die Vene oder unter die Haut gespritzt, und zwar etwa ein Jahr lang einmal pro Woche oder alle drei Wochen.

Ist eine Chemotherapie notwendig?

Eine Chemotherapie kann sehr belastend sein. Die meisten Frauen mit frühem Brustkrebs brauchen sie nicht – eine Operation und eine Bestrahlung reichen bei ihnen aus. Eine kommt vor allem dann infrage, wenn das Risiko für einen erhöht ist. Diese Entscheidung kann schwierig sein: Denn niemand kann sicher sagen, ob der Krebs bei einer ganz bestimmten Frau zurückkommen wird. Je höher das Rückfallrisiko, desto eher profitiert eine Frau von einer . Die Vor- und Nachteile lassen sich mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten besprechen.

Was sind die Ziele der Behandlung?

Die meisten Frauen lassen sich behandeln, damit der Krebs abheilt und sie länger leben. Ein wichtiges Ziel ist aber auch, mit möglichst wenig Beschwerden und Einschränkungen zu leben. Das bedeutet, den Alltag so gut es geht selbstständig zu gestalten und so zu leben, wie es den eigenen Bedürfnissen entspricht. Was dazu nötig ist, kann individuell ganz unterschiedlich sein.

Wie gut sind die Heilungschancen?

Wird Brustkrebs im Frühstadium erkannt, kann er meist gut behandelt werden.

Von 100 Frauen, deren Brustkrebs früh erkannt wurde, leben

  • fünf Jahre nach der noch etwa 80 und
  • zehn Jahre danach noch etwa 70.

Wie gut die Heilungschancen sind, hängt von den individuellen Umständen ab: Welche Art von Brustkrebs wurde festgestellt? Wie schnell wächst er? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Bei etwa 20 von 100 Frauen kehrt der Krebs trotz erfolgreicher Behandlung zurück.

Welche Nebenwirkungen haben die Behandlungen?

Alle Therapieverfahren können Nebenwirkungen haben. Diese lassen sich oft gut behandeln oder legen sich von selbst wieder. Manchmal sind sie jedoch schwerwiegend oder ziehen Folgeerkrankungen nach sich.

Die Nebenwirkungen unterscheiden sich je nach Art der :

  • Eine Bestrahlung kann Hautreizungen und narbige Gewebeveränderungen hervorrufen.
  • Mögliche Nebenwirkungen einer sind Übelkeit, Schmerzen, Haarausfall, () und starke Müdigkeit.
  • Durch eine Operation kann es zu Schmerzen, Infektionen und Wundheilungsstörungen kommen. Werden Lymphknoten entfernt, können sich Lymphödeme bilden.
  • Bei einer Antihormonbehandlung können Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen auftreten.
  • Bei einer Antikörpertherapie sind grippeähnliche Beschwerden, Infektionen oder Durchfall möglich.

Solche unerwünschten Wirkungen werden mit der sogenannten unterstützenden () behandelt. Dazu gehören beispielsweise Medikamente gegen oder Übelkeit.

Welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es während der Behandlung?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um das eigene Wohlbefinden zu stärken und die Nebenwirkungen der Krebstherapie zu lindern. Dazu zählen beispielsweise Entspannungsübungen bei Schlafstörungen oder Bewegungstraining bei starker Erschöpfung (). Empfohlen wird auch eine ausgewogene und ausreichende Ernährung. Manche Menschen haben während der Behandlung wenig Appetit. Besonders für sie kann eine Ernährungsberatung sinnvoll sein.

Um besser mit den seelischen Belastungen der Erkrankung und Behandlung umgehen zu können, gibt es ein psychoonkologisches Unterstützungsangebot für Betroffene und Angehörige. Entsprechende Fachkräfte sind Teil der meisten Behandlungsteams und bieten Beratung an. Auch Selbsthilfegruppen können eine wichtige Unterstützung sein. Manchmal werden auch Patientenschulungen angeboten, die helfen können, mit der Krebserkrankung besser umzugehen.

Wie geht es nach der Behandlung weiter?

Nach der Krebstherapie ist eine Anschlussheilbehandlung (AHB) möglich. Ihr Ziel ist, den Behandlungserfolg zu sichern, den körperlichen und seelischen Zustand zu verbessern und den Umgang mit der Erkrankung zu erleichtern. Das „Hamburger Modell“ bietet die Möglichkeit der stufenweisen Wiedereingliederung für Menschen, die nach längerer Krankheit wieder in den Beruf zurückkehren möchten.

Zur Nachsorge gehören regelmäßige Untersuchungen. Dabei geht es darum, die Folgen der Erkrankung zu lindern und rechtzeitig einen möglichen zu erkennen. In den ersten Jahren wird meist etwa alle drei Monate eine Untersuchung angeboten, nach fünf Jahren genügt in der Regel eine jährliche Untersuchung. Die Nachsorge dauert mindestens zehn Jahre.

Wie wird Brustkrebs bei Männern behandelt?

Männer erkranken sehr selten an Brustkrebs. Die meisten von ihnen sind älter als 60 Jahre. Leider gibt es nur wenige Studien, die den Nutzen der verschiedenen Behandlungen für Männer untersucht haben. Brustkrebs wird bei ihnen aber ähnlich behandelt wie bei Frauen.

Um die zu stellen, wird die Brust geröntgt und per Ultraschall untersucht. Bei einem Verdacht auf kommt beispielsweise eine infrage.

Männern wird normalerweise eine genetische Beratung empfohlen, da Brustkrebs bei ihnen oft erblich bedingt ist.

Ärztinnen und Ärzte operieren – wenn möglich – brusterhaltend. Manchmal müssen sie das Brustgewebe jedoch entfernen und auch die Lymphknoten entnehmen. Nach der Operation wird die Brust zusätzlich bestrahlt. Auch eine Hormonbehandlung, eine oder eine Antikörpertherapie kommen infrage.

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Deutsche Krebsgesellschaft (DKG). Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. AWMF-Registernr.: 032–045OL. 2021.

Zentrum für Krebsregisterdaten. Krebs in Deutschland 2017/2018. 2021.

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

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Erstellt am 09. März 2022
Nächste geplante Aktualisierung: 2025

Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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