Brustkrebs: Behandlung von Lymphödemen

Foto von Großmutter mit Enkelkind
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Der Arm fühlt sich schwer an, er kribbelt oder spannt, und Ringe sitzen eng am Finger: Nach einer Brustkrebs-Behandlung können dies Warnzeichen für ein sein. Es früh zu erkennen und rasch etwas gegen die Schwellung zu unternehmen, kann entscheidend sein. Denn mit der Zeit können sich die Beschwerden verstärken.

In den Industrieländern treten Schwellungen infolge einer Stauung der Lymphflüssigkeit (Lymphödeme) am häufigsten bei Frauen auf, die wegen einer Brustkrebs-Erkrankung operiert oder bestrahlt worden sind. Doch auch Menschen, die wegen einer anderen Krebsart behandelt worden sind, können damit zu tun haben – und einige wenige Menschen haben ein , ohne jemals an Krebs erkrankt gewesen zu sein.

Was ist ein Lymphödem?

Bei einem schwillt ein Körperteil an, weil sich Lymphflüssigkeit (Lymphe) darin staut. Die Lymphe ist eine klare Flüssigkeit, die durch den ganzen Körper fließt. „Ödem“ (griechisch) bedeutet Schwellung aufgrund einer Flüssigkeitseinlagerung.

Das Lymphsystem ist ein wichtiger Teil des Abwehrsystems unseres Körpers: Es ist unter anderem für die Bekämpfung von Infektionen zuständig. Ein Lymphödem entsteht, wenn Lymphgefäße oder Lymphknoten geschädigt sind. Zuerst schwillt der betroffene Körperteil an, weil sich Flüssigkeit im Körpergewebe ansammelt und nicht mehr richtig abtransportiert werden kann. Wenn sich das Ödem verstärkt, ist das Infektionsrisiko erhöht. Bleibt die Schwellung über längere Zeit bestehen, kann das dazu führen, dass die Flüssigkeit sehr tief in das Gewebe eindringt. Das kann eine Fibrose hervorrufen – eine Verdichtung und Verhärtung des Gewebes, die sehr schwer zu behandeln ist.

Grafik: Lymphsystem der Brust

Wodurch entsteht ein Lymphödem?

Operationen und Bestrahlungen können die Lymphgefäße unterbrechen. Bei einer Brustkrebsoperation kann es nötig sein, Lymphknoten aus der Achselhöhle zu entfernen, um festzustellen, ob sie Krebszellen enthalten. Manchmal ist die Schädigung der Lymphknoten auch ein nicht beabsichtigter Nebeneffekt der Behandlung. Dies lässt sich nicht immer vermeiden – auch wenn Chirurginnen und Chirurgen versuchen, so schonend wie möglich zu operieren.

Direkt nach der Operation ist ein nicht ungewöhnlich. Normalerweise ist es eher schwach ausgeprägt und nach einigen Wochen oder Monaten wieder verschwunden. Man kann nicht genau vorhersagen, bei wem sich ein entwickeln wird und ob sich die Beschwerden später verstärken oder dauerhaft bestehen bleiben. Man weiß nur, dass Übergewicht das Risiko für ein erhöht.

Ein kann auch noch Monate oder Jahre nach einer Krebsbehandlung auftreten. Etwa 6 bis 20 von 100 Frauen, die wegen Brustkrebs operiert oder bestrahlt wurden, entwickeln ein , meist im ersten oder zweiten Jahr nach der Krebsbehandlung. Nach einer Brustkrebs-Operation bildet sich ein meist im Arm, manchmal aber auch an der Hand oder im Brustbereich.

Das Risiko für ein hängt davon ab, wie während der Operation vorgegangen wird. Früher wurden in der Regel zehn und mehr Achsel-Lymphknoten entfernt. Nach einem solchen Eingriff bildet sich bei etwa 20 von 100 Frauen ein . Gibt es nach Voruntersuchungen keinen Hinweis auf einen Befall der Achsel-Lymphknoten, wird mittlerweile nur noch der sogenannte Wächterlymphknoten entfernt und untersucht. In diesem Lymphknoten würden sich bei einer Ausbreitung des Tumors als erstes Krebszellen finden. Ist er nicht befallen, müssen die anderen Lymphknoten in der Achselhöhle nicht entfernt werden. Nach diesem Vorgehen bekommen etwa 6 von 100 operierten Frauen ein .  

Wie entwickelt sich ein Lymphödem?

Ein macht sich nach einer Brustkrebsoperation häufig zunächst durch folgende Anzeichen bemerkbar:

  • Der Arm auf der betroffenen Seite fühlt sich schwer und aufgedunsen an,
  • die Haut des Arms ist warm und angespannt,
  • die Hand und der Arm lassen sich schlechter bewegen und drehen; die Schulter schmerzt,
  • Kleidung und Schmuck sitzen zu eng und sind unbequem,
  • der Arm sieht angeschwollen aus.

Ein entwickelt sich stufenweise. Zuerst fühlt sich die Schwellung weich an und verschwindet vielleicht wieder, wenn man den Arm ausruht oder hochlegt. Eine Delle bleibt zurück, wenn man mit dem Finger darauf drückt. Andere Menschen bemerken das Ödem möglicherweise gar nicht: Ein Arm ist in diesem Stadium nur geringfügig dicker, im Umfang oft nur ungefähr einen Zentimeter.

Wenn die Schwellung über einige Zeit bestehen bleibt, verändert sich das , und der Arm sowie die Haut fühlen sich straff oder hart an. Es bleibt keine Delle mehr zurück, wenn die Schwellung mit dem Finger eingedrückt wird. Auch das Hochlegen bringt keine Erleichterung mehr.

Wenn sich das weiter verstärkt, wird die Schwellung sehr auffällig und schmerzt oft stark. Jetzt kann sich der Arm taub anfühlen, Bewegungen können schwieriger werden. Die Haut verändert sich sichtbar: Es entstehen Stellen mit verdickter Haut und Bläschen. Möglicherweise steigt in diesem Stadium die Anfälligkeit für Infektionen und Entzündungen.

Wie wird ein Lymphödem festgestellt?

Nach einer Krebsbehandlung ist es für eine Ärztin oder einen Arzt oft sehr leicht, herauszufinden, ob ein die Ursache für eine Schwellung ist. Die einfachste Methode ist es, den Arm- oder Beinumfang zu messen.

Vielleicht nimmt die Ärztin oder der Arzt auch einige Untersuchungen mit einem Ultraschallgerät vor. Dabei lässt sich feststellen, ob die Flüssigkeiten in den Blut- und Lymphgefäßen irgendwo gestaut sind. Auch andere sogenannte bildgebende Verfahren können zur eingesetzt werden.

Wie kann ein Lymphödem behandelt werden?

Die eines Lymphödems besteht meist aus mehreren Elementen: Kompressionstherapie, , Bewegungsübungen und Hautpflege. Eine solche kombinierte Behandlung kann helfen, das zu verkleinern und die Beschwerden zu lindern.

Kompressionstherapie: Kompressionsbandagen oder -armstrümpfe üben einen leichten Druck auf den Arm aus und erleichtern es den Lymphgefäßen, die Lymphflüssigkeit abzutransportieren. Man trägt sie tagsüber und zieht sie nachts aus, manche Menschen benutzen sie aber auch während der Nacht.

: Diese spezielle, sanfte Massagetechnik soll helfen, die angestaute Flüssigkeit aus dem Körpergewebe abzutransportieren. Ob sie tatsächlich hilft, ist jedoch umstritten. Bisherige Studien deuten darauf hin, dass die , wenn überhaupt, nur eine geringe Wirkung hat. Einige Untersuchungen stellen sogar infrage, ob sie zusätzlich zu Bewegungsübungen und Kompression überhaupt einen Nutzen hat.

Bewegungsübungen: Ein Programm mit geeigneten Übungen wird genau auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmt. Die Physiotherapeutin oder der beobachtet außerdem, wie sich die Übungen auswirken. Früher wurde eher dazu geraten, sich nach einer Brustkrebs-Operation zu schonen. Man vermutete, dass Bewegung das Risiko für die Entstehung eines Lymphödems erhöht. Mittlerweile zeigen Untersuchungen, dass das nicht der Fall ist.

Hautpflege: Ein zieht auch die Haut in Mitleidenschaft. Es ist deshalb wichtig, die Haut regelmäßig mit Feuchtigkeitscremes oder -lotionen zu pflegen. Therapeutische Fachkräfte können dabei helfen.

Nebenwirkungen treten durch die kombinierte Behandlung mit Kompression, Bewegung, und Hautpflege kaum auf und sind eher leicht. Bei weniger als einer von 100 Frauen kommt es zu Hautirritationen, Arm- oder Kopfschmerzen.

Kompressionspumpen können eine Ergänzung sein, wenn die kombinierte Behandlung nicht ausreichend hilft. Weitere Therapiemöglichkeiten sind zum Beispiel eine Laserbehandlung oder eine Operation. Wie gut diese helfen, lässt sich derzeit schlecht beurteilen.

Was kann ich selbst tun?

Meist zeigt die Therapeutin oder der Therapeut einige Bewegungsübungen und vielleicht auch Massagetechniken für die Anwendung zu Hause. Solange sich die Schwellung nach den Übungen oder auch nach bestimmten Sport- und Bewegungsarten nicht verstärkt, sollte es kein Problem sein, damit weiterzumachen. Auch ein Krafttraining mit Gewichten kann Menschen mit Brustkrebs nachgewiesenermaßen helfen, sich nach der Krebsbehandlung wieder besser zu fühlen.

Einige Betroffene haben den Eindruck, dass bestimmte Nahrungsmittel – zum Beispiel Alkohol oder sehr salzige Lebensmittel – ihre Beschwerden verstärken. Ein Einfluss von Nahrungsmitteln auf Lymphödeme ist wissenschaftlich jedoch nicht belegt. Deshalb ist unklar, ob der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel helfen könnte. Allerdings weiß man, dass Übergewicht das Risiko erhöht. Studien weisen darauf hin, dass sich bei stark übergewichtigen Menschen das verkleinern kann, wenn sie abnehmen.

Wie gehen andere Menschen mit einem Lymphödem um?

Bei vielen Frauen ist ein schwach ausgeprägt und nur wenig belastend. Dann fällt es meist relativ leicht, mit den Beschwerden im Alltag zurechtzukommen. Doch selbst eine geringe Schwellung kann das eigene Körpergefühl negativ beeinflussen. Bei einem milden wird die Schwellung vielleicht von niemand anderem bemerkt. Nach der Krebsbehandlung kann einen das Ödem aber ständig an den Krebs erinnern und es erschweren, sich wieder gesund zu fühlen.

Bei einem stark ausgebildeten kann es schwierig sein, mit den Beschwerden zurechtzukommen und für sich selbst zu sorgen – beispielsweise, wenn man Hilfe beim Anziehen braucht. Vielen Menschen ist ihr Aussehen peinlich, wenn die Schwellung sehr stark ist. Dann kann womöglich der Gedanke beruhigen, dass anderen Leuten die Schwellung vielleicht gar nicht so stark auffällt wie einem selbst. Auch wenn das Ödem vielleicht Schamgefühle hervorruft: Es ist wichtig, aus dem Haus zu gehen und andere Menschen zu treffen. Wenn die Schwellung nicht zu übersehen ist, könnte es helfen, sich ein paar Sätze zu überlegen, mit denen das Ödem schnell und einfach erklärt ist.

Bei starker Niedergeschlagenheit kann es sehr wichtig sein, sich ärztlich oder therapeutisch beraten zu lassen. Die Lebensqualität von Menschen, die eine Krebserkrankung überstanden haben, kehrt meist nach einer Weile zurück oder verbessert sich sogar. Falls dies nicht so ist, ist vielleicht Hilfe nötig. Eine Therapeutin oder ein Therapeut hat Erfahrung darin, in einer solchen Situation zu helfen.

Viele Menschen finden persönliche Unterstützung und Verständnis für das, was sie durchmachen, in Krebs-Selbsthilfegruppen. Mit anderen Menschen zu reden, die mit den gleichen Problemen zu tun haben, kann helfen, sich mit den Beschwerden nicht mehr so allein zu fühlen. Ärger, Abneigung, Schamgefühle, Ängste – all diese Empfindungen sind Menschen vertraut, die mit einem schweren leben müssen oder mussten.

Beim Umgang mit Krebsfolgen wie einem genug körperliche und emotionale Unterstützung zu bekommen, kann helfen, das Leben wieder mehr zu genießen.

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Aktualisiert am 12. Juli 2017
Nächste geplante Aktualisierung: 2021

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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