Einleitung

Foto von älterem Paar und Ärztin (Alexander Raths / iStock / Thinkstock) Typ-2-Diabetes (Diabetes mellitus) ist eine Erkrankung des Stoffwechsels, die dazu führt, dass sich im Blut Zucker ansammelt. Ein Diabetes kann ganz unterschiedlich ausgeprägt sein: Nach der Diagnose brauchen manche Menschen nur wenig in ihrem Leben zu ändern. Schon eine geringe Gewichtsabnahme und etwas mehr Bewegung reichen für sie aus, um ihren Diabetes in den Griff zu bekommen. Andere Menschen mit Typ-2-Diabetes benötigen eine dauerhafte Behandlung mit Tabletten oder Insulin. Für sie ist es besonders wichtig, ihre Erkrankung zu verstehen und zu wissen, was sie selbst für ihre Gesundheit tun können.

Es gibt zwei Haupttypen des Diabetes. Typ-1-Diabetes tritt in der Regel schon im Kindes- oder Jugendalter auf. Zu einem Typ-1-Diabetes kommt es, weil die Bauchspeicheldrüse geschädigt ist und kein oder nur sehr wenig Insulin produziert.

Anders verhält es sich beim Typ-2-Diabetes. Er wird auch „Altersdiabetes“ genannt, weil er sich oft erst in einem höheren Lebensalter bemerkbar macht. Dabei wird das Insulin von den Körperzellen immer schlechter aufgenommen und verwertet. Typ-2-Diabetes ist wesentlich häufiger als Typ-1-Diabetes. Etwa 90 % der Menschen mit Diabetes haben einen Typ-2-Diabetes.

Symptome

Bei einem unbehandelten Typ-2-Diabetes sind die Blutzuckerwerte dauerhaft erhöht. Dies ist nicht immer gleich spürbar. Ein Typ-2-Diabetes kann sich über Jahre entwickeln, ohne dass Symptome auftreten. Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel kann aber folgende Symptome verursachen:

  • starkes Durstgefühl,
  • häufiges Wasserlassen,
  • Müdigkeit und Antriebsschwäche,
  • Übelkeit,
  • Schwindel.

Ist der Blutzuckerspiegel sehr stark erhöht, kann es auch zu Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit (diabetisches Koma) kommen.

Mehr Wissen

Ursachen

Der Stoffwechsel wandelt die Nahrung in Energie um, die der Körper verwerten kann. Damit dies richtig funktioniert, braucht der Stoffwechsel unter anderem Insulin.

Insulin ist ein Hormon oder chemischer Botenstoff. Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) hergestellt und zum Beispiel nach einer Mahlzeit ins Blut abgegeben, wenn der Blutzuckerspiegel ansteigt. Es bewirkt dann, dass die Zellen zum Beispiel in Leber und Muskeln den Zucker im Blut aufnehmen können. Wenn der Insulin-Stoffwechsel gestört ist, kann der Blutzucker (Glukose) nicht richtig verwertet werden. Als Folge davon steigt der Zuckerspiegel im Blut an. Einen zu hohen Blutzuckerspiegel bezeichnet man als Hyperglykämie.

Beim Typ-2-Diabetes stellt die Bauchspeicheldrüse zwar eigentlich genug Insulin her, es wirkt aber nicht mehr richtig an den Geweben und Zellen des Körpers. Der medizinische Fachbegriff dafür lautet „Insulinresistenz“. Eine Zeit lang kann die Bauchspeicheldrüse das ausgleichen, indem sie mehr Insulin produziert. Irgendwann kommt das Organ aber an seine Grenzen. Dann steigt der Blutzuckerspiegel an.

Risikofaktoren

Verschiedene Faktoren können die Entstehung von Typ-2-Diabetes begünstigen:

  • Übergewicht und zu wenig körperliche Bewegung
  • Rauchen
  • Ballaststoffarme, fett- und zuckerreiche Ernährung
  • bestimmte Medikamente, die den Zucker-Stoffwechsel verschlechtern
  • ein genetisch erhöhtes Risiko: In bestimmten Familien tritt die Erkrankung gehäuft auf.

Folgen

Menschen mit Typ-2-Diabetes haben ein erhöhtes Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten wie Herzinfarkte, Schlaganfälle und Probleme mit der Durchblutung der Beine und Füße (periphere arterielle Verschlusskrankheit, pAVK). Sie zählen zu den „makrovaskulären“ Komplikationen des Diabetes. „Makrovaskulär“ bedeutet, dass die großen Blutgefäße betroffen sind. Dieses Risiko ist besonders dann erhöht, wenn man außerdem einen zu hohen Blutdruck hat.

Wenn das Blut über lange Jahre zu viel Zucker enthält, kann er auch die kleinen Blutgefäße der Augen, Nerven und Nieren schädigen. Dies sind die sogenannten mikrovaskulären Komplikationen des Diabetes. „Mikrovaskulär“ bedeutet, dass die kleinen Blutgefäße betroffen sind. Die Fachbegriffe für diese Diabetesfolgen lauten Retinopathie (geschädigte Augennetzhaut), Neuropathie (Nervenschädigung) und Nephropathie (Nierenschädigung). Je älter man ist, wenn man an Typ-2-Diabetes erkrankt, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich bis zum Lebensende noch solche Probleme entwickeln.

Was Studien sagen

Diagnose

Da sich der Typ-2-Diabetes langsam entwickelt, treten häufig zunächst keine oder nur geringe Beschwerden auf. Oft wird ein erhöhter Blutzuckerwert im Blut oder Urin erst bei einer Routineuntersuchung festgestellt. Bei einem Verdacht auf Typ-2-Diabetes fragt die Ärztin oder der Arzt zunächst nach den Beschwerden und nach anderen Erkrankungen. Eine körperliche Untersuchung und eine Blutzuckermessung schließen sich an. Um zu prüfen, wie hoch der Blutzucker vor der ersten Mahlzeit am Tag und im Tagesverlauf ist, wird mehrmals Blut abgenommen und in einem Labor untersucht. Außerdem wird der sogenannte HbA1c-Wert im Blut gemessen. Dieser Wert gibt an, wie hoch der Blutzucker in den letzten zwei bis drei Monaten im Durchschnitt war.

Wenn der Blutzuckerspiegel so hoch ist, dass er typische Beschwerden verursacht, kann normalerweise auch im Urin Zucker nachgewiesen werden. Um den Zuckergehalt des Urins zu testen, sind in Deutschland einfach anzuwendende Teststreifen in Arztpraxen und Apotheken erhältlich.

Mehr Wissen

Vorbeugung

Es gibt viele Empfehlungen zur Vorbeugung von Diabetes. Die Wichtigsten betreffen den Lebensstil: Sich ausgewogen zu ernähren,  ausreichend in Bewegung zu bleiben und so auch auf das Gewicht zu achten.

Bei Personen mit einem erhöhten Risiko, an Diabetes zu erkranken, kann eine Umstellung der Ernährung und mehr Bewegung tatsächlich die Diagnose um einige Jahre aufschieben. Ob sich ein Typ-2-Diabetes mit der „richtigen“ Ernährung und viel Bewegung völlig vermeiden lässt, wie manche Experten hoffen, ist aber noch unklar.

Mehr Wissen

Behandlung

Welche Behandlung bei Typ-2-Diabetes sinnvoll und angemessen ist, hängt von vielen Einflüssen ab: Dazu zählen unter anderem das Alter, die körperliche Verfassung, andere Erkrankungen, die Lebenssituation und die persönlichen Ziele eines erkrankten Menschen.

Manchmal kann schon eine Änderung des Lebensstils viel bewirken: Gewicht abzunehmen und sich mehr zu bewegen, kann die Wirkung des Insulins verbessern und den Blutzuckerspiegel senken. Das Rauchen aufzugeben hilft, Herz-Kreislauf-Risiken zu verringern. Manchen Menschen gelingt es, ihre Erkrankung und die damit verbundenen Risiken allein mit solchen Verhaltensänderungen in den Griff zu bekommen.

Falls es nicht gelingt abzunehmen, besteht bei sehr starkem Übergewicht (Adipositas) auch die Möglichkeit, sich den Magen operativ verkleinern zu lassen.

Manche Menschen sind auf Medikamente angewiesen, um ihren Blutzucker in den Griff zu bekommen. Einige nehmen Tabletten ein, andere spritzen Insulin oder sogenannte Inkretin-Mimetika (hormonähnliche Wirkstoffe, die die körpereigene Insulinproduktion anregen sollen). Es ist auch möglich, Tabletten und Spritzen zu kombinieren. Die gebräuchlichsten Medikamente zur Behandlung des Typ-2-Diabetes (Antidiabetika) sind Metformin und Sulfonylharnstoffe. Es gibt auch neuere Antidiabetika – zu ihrer Wirkung sind aber noch viele Fragen offen.

Je nachdem, welche Beschwerden und Erkrankungen jemand zusätzlich hat, kommen unterschiedliche Medikamente gegen bestimmte Risiken und Komplikationen infrage. Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes haben beispielsweise einen erhöhten Blutdruck.

Die wichtigsten Arzneimittel, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern können,

Mehr Wissen

Leben und Alltag

Menschen mit Typ-2-Diabetes können einiges tun, um ohne Medikamente auszukommen. Wichtig ist vor allem eine wenigstens leichte Gewichtsabnahme – auch wenn das im Alltag schwierig sein kann. Schon etwas mehr körperliche Aktivität kann sich ebenfalls positiv auswirken: zum Beispiel wenn man sich angewöhnt, öfter zu Fuß zu gehen.

Wenn das nicht reicht, kommen Medikamente infrage, die dann aber regelmäßig über lange Zeit eingenommen werden. Sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass man ein Leben lang Medikamente benötigt, fällt vielen schwer – besonders wenn man sich gar nicht krank fühlt und die Medikamente keine unmittelbar spürbaren Vorteile haben. Mit der Behandlung eines Typ-2-Diabetes zurechtzukommen, kann vor allem anfangs eine Herausforderung sein. Wer über seine Krankheit gut Bescheid weiß, kann den Umgang mit dem Diabetes aber zu einem ganz normalen Bestandteil seines Alltags machen, der die Lebensqualität nicht beeinträchtigt.

Weitere Informationen

Unabhängig von der gewählten Behandlung liegt der Schlüssel für die Beherrschung eines Diabetes darin, die Erkrankung gut zu verstehen und zu wissen, was man selbst zum Schutz seiner Gesundheit tun kann. Wichtig ist dabei die Unterstützung einer Ärztin oder eines Arztes und anderer Fachleute, zum Beispiel aus der Diabetes- und Ernährungsberatung sowie aus der Fußpflege.

In Deutschland gibt es darüber hinaus ein breites Angebot zur persönlichen Beratung und Unterstützung im Krankheitsfall. Viele dieser Angebote sind aber vor Ort unterschiedlich organisiert und nicht immer leicht zu finden. Eine Liste von Anlaufstellen hilft, Angebote vor Ort zu finden und zu nutzen.

Eine andere Möglichkeit ist es, an einem „Disease-Management-Programm“ teilzunehmen. Diabetes-Schulung, Beratung und umfassende ärztliche Betreuung liegen hier in der Hand von Diabetes-Fachleuten.

Was möchten Sie uns mitteilen?

Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Bewertungen und Kommentare werden von uns ausgewertet, aber nicht veröffentlicht. Ihre Angaben werden von uns vertraulich behandelt. Pflichtfelder sind mit einem Sternchen (*) markiert.

Bitte beachten Sie, dass wir Sie nicht persönlich beraten können. Hinweise auf Beratungsangebote finden Sie in unserem Text "Wie finde ich Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen?"

Auf der IQWiG-Plattform „ThemenCheck Medizin“ können Bürgerinnen und Bürger Forschungsfragen stellen. Fachleute werten dann das Wissen zu ausgewählten Themen aus. Die Ergebnisse sollen in künftige Entscheidungen über die Gesundheitsversorgung einfließen.

Empfehlen Sie diesen Artikel

Hier können Sie einen Button dauerhaft aktivieren. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zum Datenschutz.