Colitis ulcerosa

Auf einen Blick

  • Bei einer Colitis ulcerosa ist der Enddarm, manchmal auch der gesamte Dickdarm entzündet.
  • Es kommt zu Bauchschmerzen, Krämpfen und Durchfall.
  • Die Erkrankung verläuft bei vielen Menschen in Schüben, dazwischen liegen beschwerdefreie Phasen.
  • Das Darmkrebsrisiko ist erhöht – vor allem, wenn sich der gesamte Dickdarm immer wieder entzündet.
  • Je nach Schwere der Erkrankung kommen zur Behandlung verschiedene Medikamente, selten auch eine Operation infrage.

Einleitung

Foto von Mann mit Darmschmerzen

Mehrmals täglich so starken Stuhldrang zu haben, dass man befürchtet, es kaum rechtzeitig zur Toilette zu schaffen – wer an erkrankt ist, kennt das. Die Erkrankung zehrt an den Kräften, belastet den Alltag und ist oft mit Sorgen verbunden, etwa vor einem nächsten Schub oder davor, später an Darmkrebs zu erkranken.

Es gibt aber wirksame Behandlungsmöglichkeiten, um akute Beschwerden zu lindern und weiteren Erkrankungsschüben vorzubeugen. Viele Betroffene entwickeln außerdem mit der Zeit Strategien, die ihnen den Umgang mit der Erkrankung erleichtern.

gehört, wie Morbus Crohn, zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Die beiden Erkrankungen können ähnliche Symptome hervorrufen und werden zum Teil auch mit den gleichen Medikamenten behandelt. Während bei der jedoch nur der Dickdarm betroffen ist, können bei Entzündungen auch an anderen Stellen des Magen-Darm-Trakts auftreten.

Die tritt meist im Alter von 20 bis 40 Jahren auf. Diese Gesundheitsinformationen beschreiben, wie die Erkrankung bei Erwachsenen verläuft und behandelt wird.

Symptome

Die Darmentzündung ist bei einer typischerweise auf einen Bereich begrenzt. Bei manchen ist nur der betroffen. Die Entzündung kann sich zusätzlich auf den benachbarten Dickdarmbereich ausbreiten, etwa bis zu seinem Knick an der linken Seite der Bauchhöhle. Bei einer schweren ist der gesamte Dickdarm betroffen. In der entzündeten Darmschleimhaut bilden sich kleine blutende Geschwüre.

Mögliche Ausbreitungsmuster der Colitis ulcerosa

 

Während eines akuten Schubs kommt es zu Bauchschmerzen, oft begleitet von Bauchkrämpfen – vor allem beim Stuhlgang. Der Drang, zur Toilette zu müssen, setzt innerhalb von 24 Stunden mehrmals ein und ist dann oft so stark, dass man ihn kaum unterdrücken kann. Man hat Durchfall, der nicht unbedingt flüssig, sondern eher schleimig und blutig ist.

Fieber und ein hoher Puls können bei schweren Darmentzündungen weitere Symptome sein. Viele Betroffene sind oft blass, müde und abgeschlagen. Das Gefühl, nicht mehr genug Energie zu haben, kann auch bestehen bleiben, wenn Bauchschmerzen und Durchfall wieder abgeklungen sind. Auch Ängste oder eine niedergeschlagene Stimmung verschwinden zwischen den Schüben nicht unbedingt.

Bei ungefähr einem Drittel der Erkrankten kommt es außerdem zu Symptomen, die nichts mit dem Verdauungstrakt zu tun haben. Vor allem Gliederschmerzen oder schmerzhafte Knoten in der Haut, aber auch eine Rötung der Augen, Sehstörungen, Husten und Atemprobleme sind möglich.

Ursachen und Risikofaktoren

Welche Ursachen eine hat, ist unklar. Wahrscheinlich kommen mehrere Faktoren zusammen. Fachleute gehen davon aus, dass unter anderem eine erbliche Veranlagung eine Rolle spielt, welche die Darmschleimhaut durchlässiger für macht. Auch eine ungünstige Zusammensetzung der sogenannten Darmflora – also der natürlichen Mikroorganismen im Darm – gilt als mögliche Ursache. Sie könnte zum Beispiel durch eine Ernährung mit wenig Gemüse und vielen hochverarbeiteten Lebensmitteln oder durch die Einnahme von verändert sein.

Rauchen schadet der Gesundheit und kann zu vielen Erkrankungen beitragen. Raucherinnen und Raucher haben auch ein erhöhtes Risiko für eine und einen schwereren Verlauf – auch wenn beobachtet wurde, dass Rauchen die akuten Symptome bei unterdrücken kann.

Häufigkeit

Fachleute vermuten, dass in Deutschland etwa 400.000 Menschen eine haben.

Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten. Am häufigsten wird sie bei jüngeren Erwachsenen im Alter zwischen 20 und 40 diagnostiziert. Männer und Frauen sind gleich oft betroffen.

Verlauf

Die verläuft meist in Schüben: Phasen, in denen der Darm entzündet ist und Beschwerden wie Durchfall und Schmerzen hervorruft, wechseln sich ab mit weitgehend beschwerdefreien Zeiten. Bei etwa 5 von 100 Erkrankten halten die Beschwerden jedoch ununterbrochen an. Bei ähnlich vielen kehrt die nach einem ersten Schub nicht mehr zurück.

Die fällt bei manchen Menschen eher leicht bis mäßig aus, bei anderen schwerer. Hinweise auf einen schweren Verlauf sind:

Folgen

Eine kann zu Gewichtsverlust führen. Viele Betroffene haben einen Eisenmangel und eine – der Grund dafür sind unter anderem die häufigen kleineren Blutungen aus der entzündeten Darmschleimhaut. Manche haben einen Vitamin-D- oder Folsäuremangel. Ein Vitamin-B12-Mangel kommt seltener vor.

Außerdem können Entzündungen und Schäden an anderen Organen als dem Darm auftreten. Bis zu 20 % der Erkrankten haben schmerzhafte Entzündungen, vor allem an Finger-, Zehen- und Wirbelgelenken. Auch verschiedene Hautprobleme sind typisch. Bei bis zu 10 % der Erkrankten entstehen vor allem an den Unterschenkeln gerötete, schmerzhafte Knoten. Ähnlich häufig treten Entzündungen der Augen auf. Das Risiko für Leberschäden liegt bei etwa 5 %. Auch die Lunge kann geschädigt werden.

Bei schwerer besteht das Risiko für starke Blutungen aus dem Darm. Sie treten bei etwa 4 bis 5 % der Betroffenen auf und sind oft der Grund für eine Not-Operation. Seltener schwillt der Dickdarm während eines schweren Schubs stark an und bläht sich auf. Als lebensbedrohliche Folge kann der Darm einreißen und eine (auch „Blutvergiftung“ genannt) mit hohem Fieber, starken Schmerzen, Benommenheit und Kreislaufzusammenbruch auslösen. Von 1000 Menschen mit schwerem Schub sterben weniger als 10 aufgrund solcher Komplikationen.

Außerdem ist das Risiko für Dickdarmkrebs bei einer erhöht – wie stark, hängt vom Ausmaß der Erkrankung und zusätzlichen Risikofaktoren ab. Das Risiko ist zum Beispiel hoch, wenn einer der folgenden Punkte zutrifft:

  • Der gesamte Dickdarm ist stark entzündet.
  • Eine Person in der nahen Verwandtschaft ist jung an Darmkrebs erkrankt.
  • Auch die Gallenwege in der Leber sind entzündet.

Von einem mittleren Risiko sprechen Fachleute, wenn die milder ist oder in der Familie nur bei einer älteren Person Darmkrebs auftrat. Trifft nichts davon zu, gilt das Darmkrebsrisiko als nur gering erhöht.

Um einen Dickdarmkrebs frühzeitig zu erkennen, wird bei Menschen mit spätestens 6 bis 8 Jahre nach der eine Darmspiegelung gemacht. Sie wird bei einem hohen Darmkrebsrisiko jährlich wiederholt, bei mittlerem Risiko alle 2 bis 3 Jahre und bei gering erhöhtem Risiko alle 5 Jahre.

Diagnose

Die Ärztin oder der Arzt fragt zunächst, wo genau es wehtut, wie die Schmerzen sich anfühlen, seit wann sie bestehen und ob sie in bestimmten Situationen stärker sind. Wichtig ist auch, zu beschreiben, wie der Stuhl aussieht und ob man weitere Beschwerden hat, zum Beispiel Fieber oder Gelenkschmerzen. Es werden auch allgemeinere Fragen gestellt, etwa wie man sich ernährt, ob man raucht, Medikamente einnimmt, vor Kurzem im Ausland war oder nahe Verwandte ähnliche Beschwerden haben oder hatten.

Bei der anschließenden körperlichen Untersuchung wird der Bauch abgetastet. Auch der wird ausgetastet. Außerdem wird Blut abgenommen, um es unter anderem auf Entzündungswerte und einen Eisenmangel zu untersuchen. Um auszuschließen, dass die Darmentzündung durch oder andere Krankheitserreger hervorrufen wurde, muss man eine Stuhlprobe abgeben.

Außerdem schauen Ärztinnen und Ärzte die im Darm genauer an. Dazu eignen sich eine , bestimmte Röntgenuntersuchungen und eine Darmspiegelung. Bei der Darmspiegelung können Gewebeproben entnommen werden. Die Untersuchungen zeigen, ob sich die auf den beschränkt oder schon auf den Dickdarm ausgebreitet hat. Das zu wissen, ist wichtig für die weitere Behandlung – und auch für die Planung von Kontrolluntersuchungen.

Vorbeugung

Da die Ursachen der nicht klar sind, ist es schwierig, ihr vorzubeugen. Fachleute gehen aber davon aus, dass sich das Risiko senken lässt, an einer zu erkranken. Sie empfehlen dazu:

  • eine Ernährung mit viel Gemüse sowie möglichst wenigen tierischen Produkten und hochverarbeiteten Lebensmitteln – also aus frischen Zutaten zubereitete Mahlzeiten statt Fertiggerichte
  • den Verzicht auf Rauchen und Alkohol

Um das Risiko für Kinder zu senken, im Laufe ihres Lebens an zu erkranken, wird empfohlen, sie mindestens sechs Monate lang zu stillen.

Behandlung

Die Behandlung der hat zwei Ziele:

  • die Beschwerden zu lindern: Dazu wird die akute mit Medikamenten bekämpft.
  • den Zustand der Besserung (Remission) möglichst dauerhaft zu erhalten: Dazu wird die Behandlung auch nach dem Abklingen der Beschwerden fortgesetzt.

Die wichtigsten Bausteine der sind verschiedene Medikamente. Manchmal kommt auch eine Operation infrage. Wann welches Medikament empfohlen wird und ob eine OP nötig ist, hängt vor allem davon ab, wie schwer die Darmentzündung ist und welche Bereiche des Darms betroffen sind. Außerdem spielt eine Rolle, ob eine begonnene – etwa entzündungshemmende Zäpfchen – ausreichend anschlägt und verträglich ist. Wenn nicht, wird auf andere Behandlungen ausgewichen. Lindern Medikamente die Beschwerden nicht oder ist die so schwer, dass Komplikationen drohen, kommt eine Operation infrage. Dabei wird der gesamte Dickdarm entfernt.

Begleitend zur Behandlung der ist es wichtig, auf das Rauchen zu verzichten und die Ernährung an die Erkrankung anzupassen. Für viele Betroffene sind außerdem Sport, Entspannungstechniken und psychotherapeutische Unterstützung hilfreich.

Entscheiden

Zur Behandlung einer stehen eine Reihe von Medikamenten zur Verfügung. Welche geeignet sind, hängt zum Beispiel davon ab, ob der Darm akut entzündet ist oder ob einem nächsten Schub vorgebeugt werden soll. Auch das Ausmaß der spielt eine Rolle und ob bereits andere Therapien ausprobiert wurden. Ist der Darm sehr stark entzündet und haben andere Behandlungen nicht ausreichend geholfen, kommt eine Operation infrage.

Colitis ulcerosa: Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Vor der Entscheidung für oder gegen eine Behandlung ist es sinnvoll, sich gut darüber zu informieren, welche Behandlungen in welcher Situation infrage kommen und welche Vor- und Nachteile jeweils damit verbunden sind. Diese Entscheidungshilfe unterstützt dabei.

Leben und Alltag

begleitet erkrankte Personen oft ihr Leben lang und hat Auswirkungen auf viele Lebensbereiche. Unberechenbarer Durchfall, Bauchschmerzen und fehlende Energie machen den Alltag oft schwieriger. Oft dauert es auch lange, bis eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED) überhaupt erkannt wird. Regelmäßige Untersuchungen und Behandlungen sind zwar nötig, nicht selten aber auch belastend. All dies kann zu einem allmählichen Rückzug aus einem aktiven Leben führen. Manchmal kommen Probleme in der Partnerschaft, im Freundeskreis und am Arbeitsplatz hinzu. Ängste, etwa vor ernsthaften Folgen wie Darmkrebs, können zusätzlich belasten.

Viele Betroffene haben aber gelernt, die zu akzeptieren und mit ihr im Alltag zurechtzukommen. Sie erlernen zum Beispiel Atemübungen gegen Bauchkrämpfe, teilen ihre Kräfte bewusster ein, erkundigen sich vor Ausflügen nach öffentlichen Toiletten oder sprechen die Erkrankung offen bei Vorgesetzten an. Vielen helfen Informationen zu und der Austausch mit anderen Erkrankten, zum Beispiel in Selbsthilfegruppen.

Weitere Informationen

Die hausärztliche Praxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem Rat braucht – bei Kindern und Jugendlichen auch Kinderärztinnen oder -ärzte. Für viele Untersuchungen und Behandlungen braucht man Termine bei fachärztlichen Praxen oder Kliniken, etwa für Magen-Darm-Erkrankungen (Gastroenterologie).

Informationen zur Gesundheitsversorgung in Deutschland helfen dabei, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden und eine passende Praxis zu finden. Mit einer Frageliste kann man sich auf das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt vorbereiten.

Vielen Menschen mit oder generell einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung ist der Austausch mit anderen Betroffenen wichtig:

Auf der Website der Deutsche Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV e. V.) kann man neben Informationen und Beratungsangeboten zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen auch Selbsthilfegruppen in der Nähe des eigenen Wohnorts finden.

Für Menschen, die einen künstlichen Darmausgang haben oder hatten, bietet die Selbsthilfevereinigung Deutsche ILCO e. V. passende Austausch- und Informationsmöglichkeiten.

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Erstellt am 04. März 2026

Nächste geplante Aktualisierung: 2029

Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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