Beschwerden und Diagnose

Foto von Mann mit Husten und Engegefühl in der Brust (PantherMedia / Kasia Bialasiewicz) Bei Menschen mit Asthma sind die Atemwege übermäßig empfindlich. Typisches Symptom der chronischen Erkrankung sind Anfälle mit „pfeifendem“ Atem, Husten und Atemnot. Ähnliche Beschwerden können aber auch Anzeichen für andere Krankheiten sein. Vor einer Behandlung ist es deshalb wichtig, die genaue Ursache für die Atemprobleme zu klären.

Bei chronischem Asthma ist die Schleimhaut der Atemwege in einer ständigen Entzündungsbereitschaft. Das bedeutet, dass sie auf bestimmte Reize sehr schnell und sehr stark reagieren kann. Die Schleimhaut ist gerötet, stark durchblutet und geschwollen, ihre Zellen bilden zähen Schleim. Wenn dann ein Auslöser hinzukommt, verkrampft zusätzlich die Muskulatur in der Wand der Atemwege (Bronchialmuskulatur). Alles zusammen führt dazu, dass die Bronchien enger werden und die Atemluft nicht mehr so leicht aus- und einströmen kann. Die Folge ist Atemnot.

Ein starker Asthma-Anfall ist vergleichbar mit dem Versuch, einige Minuten durch einen Strohhalm zu atmen: Auch kräftiges Einsaugen und Hineinpusten hilft nicht, ausreichend Luft ein- und wieder auszuatmen.

Welche Beschwerden sind typisch für Asthma?

Bei einem Asthma-Anfall fällt meist das Ausatmen schwerer als das Einatmen: Das Ausatmen kann bei der Verschlechterung eines Asthmas pfeifend oder rasselnd klingen. Die Medizin nennt dies „Giemen“. Außerdem kann es von Hustenreiz oder von Husten begleitet sein.

Bei einem Asthma-Anfall kann sich eine zunächst nur leicht erschwerte Atmung, Husten oder Giemen bis zu ernsthafter Atemnot steigern. Weil das Ausatmen immer schwerer fällt, wird auch das Luftholen zum Problem. Häufig ist die zunehmende Luftnot mit einem bedrückenden Engegefühl in der Brust verbunden. Es ist leicht zu verstehen, dass das Angst machen kann.

Zunehmende Angst kann die Beschwerden noch verstärken. Auch für Eltern und Angehörige ist es oft äußerst beunruhigend und nur schwer erträglich, wenn ihr Kind, ihre Partnerin oder ihr Partner nach Luft ringt.

Wirklich bedrohlich wird ein Asthma-Anfall allerdings erst, wenn die erschwerte und erschöpfende Atmung zu einem Sauerstoffmangel führt. Mit gut wirksamen Medikamenten lässt sich dies aber meistens verhindern.

Wie ausgeprägt ist das Asthma?

Asthma-Beschwerden können vom leichten, gelegentlichen Hustenreiz bis zu schwerer Luftnot beim Asthma-Anfall auftreten. Früher hat man bei Asthma unter anderem je nach Ausmaß und Häufigkeit der Beschwerden vier Schweregrade unterschieden. Heute werden Asthma-Beschwerden eher danach beurteilt, wie gut sie kontrolliert sind. Dabei unterscheiden Fachleute drei Schweregrade: kontrolliertes, teilweise kontrolliertes und unkontrolliertes Asthma.

Zur Beurteilung wird unter anderem geschaut,

  • wie häufig pro Woche tagsüber Beschwerden auftreten,
  • ob das Asthma die alltäglichen Aktivitäten einschränkt,
  • ob auch nachts Beschwerden auftreten und
  • in welchem Maße die Lungenfunktion eingeschränkt ist.

Auch die Häufigkeit von akuten Krankheitsschüben (Exazerbationen) mit Atemnot, pfeifendem Atem, Husten und Brustenge fließt in die Beurteilung ein.

Wie wird Asthma festgestellt?

Asthma oder die Neigung zu Asthma-Anfällen zeigt sich oft schon im Kindes- oder Jugendalter. Bei kleinen Kindern ist eine Diagnose jedoch schwierig. Viele Kleinkinder haben Erkältungskrankheiten oder eine Bronchitis, die kaum von einer beginnenden Asthma-Erkrankung zu unterscheiden sind. Sie können alle mit Husten und leicht pfeifender oder brummender Atmung einhergehen. Asthmaähnliche Beschwerden bei einer Bronchitis werden mit zunehmendem Alter aber immer seltener. Bleibendes Asthma bei Kindern ist häufig mit einer Allergie verbunden. Andere typische Krankheitszeichen zeigen sich meist noch nicht.

Oft dauert es eine Zeit, bevor Menschen mit Asthma oder die Eltern eines asthmakranken Kindes zu einer Ärztin oder einem Arzt gehen. Meist haben sie sich dann schon länger Sorgen gemacht. Wenn die Ursache für die Atemprobleme geklärt ist, ist es jedoch möglich, eine Behandlung zu beginnen. Bei Asthma bedeutet dies, nicht nur die Beschwerden lindern, sondern Anfällen auch vorbeugen zu können.

Die wichtigsten Diagnosemethoden bei Verdacht auf Asthma sind ein ausführliches Gespräch (Anamnese), eine körperliche Untersuchung und das Messen der Lungenfunktion (Peak-Flow-Messung und / oder Spirometrie). Weitere Untersuchungen können nötig werden, um die Diagnose zu sichern.

Wie laufen Anamnese und körperliche Untersuchung ab?

Die Anamnese und die anschließende körperliche Untersuchung sind die Grundlage für eine Diagnose. Beschwerden, wie sie beim Asthma auftreten, können auch Anzeichen für andere Gesundheitsprobleme sein. Deshalb ist es wichtig, der (Kinder-) Ärztin oder dem Arzt alle Beobachtungen und Erfahrungen im Zusammenhang mit den Beschwerden zu schildern. Dazu gehören auch Sorgen und alltägliche Probleme. Jeder Hinweis kann wichtig sein, um der Ursache auf die Spur zu kommen.

Um sich ein genaues Bild machen zu können, wird die Ärztin oder der Arzt viele Fragen stellen, zum Beispiel:

  • welche Beschwerden wann auftreten,
  • unter welchen Bedingungen sie wieder abklingen,
  • ob andere Erkrankungen bestehen, insbesondere Allergien,
  • ob als Kind häufig Husten oder pfeifende Atmung auftraten,
  • ob bei Familienangehörigen eine Asthma-Erkrankung oder Allergien bekannt sind,
  • ob und falls ja, welche Medikamente angewendet werden,
  • ob man im häuslichen oder beruflichen Umfeld bestimmten Reizstoffen (Dämpfen, Rauch, Sprays) ausgesetzt ist, und
  • ob es besondere körperliche oder seelische Belastungen gibt.

Bei der anschließenden körperlichen Untersuchung prüft die Ärztin oder der Arzt neben dem allgemeinen gesundheitlichen Zustand auch die Funktion von Lunge, Herz und Kreislauf. Dies ist auch deshalb nötig, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Wie wird die Lungenfunktion geprüft?

Mithilfe von Lungenfunktionstests lässt sich feststellen, was die Lunge leisten kann. Bei Menschen mit Asthma ist es wichtig zu messen, ob die Atemluft frei und ungehindert durch die Bronchien strömen kann oder ob enge Bronchien den Atemfluss stören. Um dies festzustellen, reichen die sogenannte Peak-Flow-Messung und die Spirometrie normalerweise aus.

Die Peak-Flow-Messung (Messung des „Spitzenflusses“) ist eine wichtige Untersuchung, die man selbst zu Hause durchführen kann. Das Messinstrument, das „Peak-Flow-Meter“, ist ein handliches Gerät, in das nach tiefem Luftholen mit aller Kraft hineingepustet wird. Es misst die Geschwindigkeit des Luftstroms beim Ausatmen. Am Peak-Flow-Wert lässt sich ablesen, ob die Bronchien verengt sind.

Bei der Spirometrie (Atmungsmessung) wird zum einen die Geschwindigkeit des Luftstroms bei der Ausatmung und zum anderen die Menge der ausgeatmeten Luft gemessen. Dazu atmet man kräftig durch das Mundstück des Messgeräts, des Spirometers. Interessant ist hierbei unter anderem die Menge an Luft, die mit aller Kraft in einer Sekunde ausgeatmet werden kann, die sogenannte Ein-Sekunden-Kapazität oder Sekundenluft (FEV1). Die Messung kann in der Regel bei der Hausärztin oder beim Hausarzt durchgeführt werden und eignet sich auch zur Kontrolle des Krankheitsverlaufs: Der Vergleich mit früheren Werten kann zeigen, ob sich die Lungenfunktion verbessert oder verschlechtert hat.

Warum können weitere Untersuchungen nötig sein?

Asthma-Beschwerden können sehr variabel sein. Auch wenn jemand an Asthma erkrankt ist, ist es möglich, dass die Ärztin oder der Arzt bei der ersten Lungenfunktionsprüfung gar keine krankhaften Befunde feststellt. Fast alle Untersuchungen zielen darauf ab, den Grad der Verengung der Bronchien zu messen. Wenn man jedoch gerade beschwerdefrei ist, sind auch die Bronchien fast normal weit. Zudem können für Asthma typische Beschwerden wie zum Beispiel Kurzatmigkeit durch Rauchen, Übergewicht und eine allgemein schlechte körperliche Kondition mitbedingt sein. Um sicherzugehen, kann deshalb nach der ersten Messung:

  • eine Substanz verabreicht werden, die bei Asthma zu einer kurzzeitigen Verengung der Atemwege führt (Provokationstest).
  • die Belastung auf einem Trainingsfahrrad oder Laufband getestet werden. Dies verschlechtert bei Asthma oft die Werte der zweiten Messung (Belastungstest).
  • ein Asthma-Spray gegeben werden, das die Atemwege erweitert. Ergibt eine zweite Messung danach bessere Werte, weist dies auf Asthma hin (Lysetest).

Eine Röntgenuntersuchung der Lunge oder eine Blutuntersuchung sind bei der Erstuntersuchung normalerweise nur dann sinnvoll, wenn die Beschwerden und Untersuchungsbefunde nicht für Asthma typisch sind und die Ärztin oder der Arzt eine andere Erkrankung ausschließen möchte. Denn die Ursache für Atembeschwerden können auch andere Erkrankungen wie etwa eine Lungenentzündung oder eine chronisch obstruktive Bronchitis sein.

Wann ist ein Allergietest sinnvoll?

Asthma wird anhand der beschriebenen Diagnoseverfahren und -tests festgestellt. Um herauszufinden, ob das Asthma eine Reaktion auf allergieauslösende Substanzen (Allergene) ist, kommen weitere Untersuchungen zum Einsatz, wie Bluttests oder Provokationstests. Beim Provokationstest wird in der Arztpraxis geprüft, ob ein bestimmtes Allergen Asthma-Anfälle auslöst.

Allergene sind oft, aber nicht immer Asthma-Auslöser. Es gilt also zunächst festzustellen, ob überhaupt eine Neigung zu Allergien besteht. Erst dann kann die Suche nach einzelnen Allergieauslösern beginnen, zum Beispiel mit speziellen Hauttests. Allerdings beweist ein positiver Hauttest allein noch kein Asthma.

Deshalb ist es wichtig, der Ärztin oder dem Arzt die eigenen Beobachtungen mitzuteilen: Wann oder wodurch sind die Beschwerden aufgetreten: an sonnigen Frühsommertagen, in kalter Winterluft, morgens oder abends zu Hause oder während der Arbeit, nach dem Genuss bestimmter Lebensmittel, durch den Kontakt mit Haustieren, beim Wohnungsputz? All dies kann auf mögliche Allergene hinweisen, die Asthmabeschwerden auslösen können.

Schlagwörter: Anstrengungsasthma, Asthma, Atemwege, Atemwegserkrankungen, J45, R05, R06