Was bringen Medikamente?

Foto von Patient in der Sprechstunde (PantherMedia / Monkeybusiness Images) Medikamente zum Einnehmen oder Auftragen können die Zeit bis zum Samenerguss um ein paar Minuten verlängern. Sie kommen infrage, wenn vorzeitige Samenergüsse zu einer großen Belastung für einen Mann geworden sind. Die Mittel können verschiedene Nebenwirkungen haben.

Manche Männer kommen bereits vor dem Einführen des Penis oder kurz danach zum Höhepunkt. Wenn dies fast immer der Fall ist und einen Mann belastet, spricht man von vorzeitigem Samenerguss (Ejaculatio praecox).

Zur medikamentösen Behandlung kommen Mittel zum Einnehmen und zum Auftragen auf die Penisspitze (Eichel) infrage. Sie werden von den gesetzlichen Krankenkassen jedoch nicht bezahlt, da sie als „Lifestyle-Medikamente“ eingestuft werden und damit nicht die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Erstattung erfüllen.

Männer, die sich für eine Behandlung mit Medikamenten entscheiden, wählen meist ein Mittel aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Diese Medikamente werden als Tabletten eingenommen. Normalerweise werden SSRI eingesetzt, um Depressionen zu behandeln. Zur Behandlung von vorzeitigen Samenergüssen macht man sich eine ihrer Nebenwirkungen zunutze: SSRI verlängern auch die Zeit bis zum Samenerguss.

Eine Alternative sind Cremes, Gels oder Sprays, die ein örtliches Betäubungsmittel enthalten. Sie werden auf die Eichel aufgetragen und machen den Penis unempfindlicher.

Medikamente können immer auch Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen haben. Daher ist es sinnvoll, vor dem Beginn einer Behandlung die Ärztin oder den Arzt über andere Medikamente zu informieren, die man einnimmt. Dies gilt auch für Medikamenten-Unverträglichkeiten oder Allergien.

Welche SSRI kommen infrage?

Zur Behandlung vorzeitiger Samenergüsse ist nur das SSRI Dapoxetin zugelassen (Handelsname: Priligy). In Studien haben sich andere SSRI allerdings als wirksamer erwiesen. Dazu gehören insbesondere Citalopram, Fluoxetin, Paroxetin und Sertralin. Wenn Ärztinnen und Ärzte eines dieser Mittel verschreiben, handelt es sich wegen der fehlenden Zulassung um einen sogenannten nicht bestimmungsmäßigen Gebrauch („Off-Label-Use“).  Dafür gelten besondere Regelungen. Auch die Einnahmehäufigkeit und Dosierung kann sich von der Behandlung bei Depressionen unterscheiden.

Dapoxetin ist nach bisherigen Forschungsergebnissen nicht nur weniger wirksam, es ist auch deutlich teurer als andere SSRI, die als Generika zur Verfügung stehen.

SSRI sind verschreibungspflichtig, werden aber zur Behandlung eines vorzeitigen Samenergusses nicht von den Kassen bezahlt – unabhängig davon, ob sie dafür zugelassen sind oder nicht.

Anwendung der Medikamente

Je nach Wirkstoff können SSRI täglich oder nach Bedarf eingenommen werden. Bei der Einnahme nach Bedarf nimmt man das Mittel einige Stunden vor dem Sex. Bei der täglichen Einnahme beginnt man mit einer niedrigeren Dosierung und steigert sie, wenn nötig, über einige Wochen. Es kann 2 bis 3 Wochen dauern, bis die volle Wirkung eintritt.

Die folgende Tabelle fasst alle Anwendungen zusammen, die sich in Studien als hilfreich erwiesen haben:

Tabelle: Anwendung von SSRI bei vorzeitigem Samenerguss
Wirkstoff Anwendung Dosierung
Nicht zugelassen (Off-Label-Use):    
Citalopram Täglich
  • 20 mg täglich
  • Steigerung bis 60 mg pro Tag möglich
Fluoxetin Täglich oder einmal pro Woche
  • Bei täglicher Einnahme: 10 bis 40 mg
  • Bei wöchentlicher Einnahme: 90 mg
Paroxetin Täglich oder nach Bedarf 1 bis 3 Stunden vor dem Sex
  • Bei täglicher Einnahme: 20 bis 40 mg
  • Bei Einnahme nach Bedarf: 20 mg
Sertralin Täglich oder nach Bedarf 3 bis 5 Stunden vor dem Sex
  • Bei täglicher Einnahme: 50 mg bis 200 mg
  • Bei Einnahme nach Bedarf: 50 mg
Zugelassen:    
Dapoxetin Nach Bedarf 1 bis 3 Stunden vor dem Sex
  • Niedrige Dosis: 30 mg
  • Hohe Dosis: 60 mg

 

Welches Medikament sich eignet, hängt von der persönlichen Situation ab – zum Beispiel davon, wie häufig man Sex hat. Manche Männer möchten nicht täglich Medikamente einnehmen – auch weil Nebenwirkungen dann wahrscheinlicher werden. Andere bevorzugen die tägliche Einnahme, weil Sex nicht immer planbar ist und sie sich dann weniger Gedanken über den Zeitpunkt der Einnahme machen müssen.

Wie wirksam sind SSRI?

In Studien verlängerten SSRI die Zeit bis zum Samenerguss im Vergleich zu einem Scheinmedikament (Placebo) um bis zu fünf Minuten. Mit 3 bis 5 Minuten waren Citalopram und Paroxetin am wirksamsten. Dapoxetin wirkte dagegen am schwächsten: Es verlängerte die Zeit bis zum Samenerguss – je nach Dosierung – um 1 bis 1,5 Minuten. Studien, in denen die Mittel direkt miteinander verglichen wurden, gibt es allerdings kaum.

Die Studien liefern auch Hinweise darauf, dass SSRI die Kontrolle über den Samenerguss etwas verbessern und die Zufriedenheit mit dem Sex steigern können.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

SSRI können zu Übelkeit, Durchfall, Kopfschmerzen, Schwindel, einem trockenen Mund und Schlafstörungen führen. Zudem können sie die sexuelle Lust dämpfen und selten Erektionsprobleme auslösen.

Je nach Wirkstoff und Dosierung brachen bis zu 10 % der Männer die Behandlung wegen solcher Nebenwirkungen ab.

Gelegentlich Kopfschmerzen, Schlafprobleme oder keine Lust auf Sex zu haben, gehört zum normalen Alltag dazu. Wenn solche Beschwerden während der Behandlung auftreten, heißt das also nicht unbedingt, dass das Medikament dafür verantwortlich ist. Daher kann es sinnvoll sein, abzuwarten und zu schauen, ob sich die Beschwerden legen. Manche Nebenwirkungen treten auch nur zu Beginn der Behandlung auf.

Bei täglicher Einnahme sollten SSRI nicht abrupt abgesetzt werden, weil es dann zu Beschwerden wie Schlafstörungen, Übelkeit und Unruhe kommen kann. Um dies zu vermeiden, wird die Dosis über einige Wochen allmählich verringert.

Welche Vor- und Nachteile haben Mittel zum Auftragen?

Cremes, Gels oder Sprays mit den örtlichen Betäubungsmitteln Lidocain oder Prilocain sind eine Alternative zu SSRI. Sie werden 5 bis 20 Minuten vor dem Sex auf die Eichel aufgetragen. Dadurch lässt sich die Zeit bis zum Samenerguss um etwa 3 bis 6 Minuten verlängern.

Örtliche Betäubungsmittel können zu Taubheitsgefühlen und Brennen auf der empfindlichen Haut der Eichel führen. Ein Nachteil der Mittel ist, dass sie beim Sex auch in die Scheide der Frau gelangen und dort zu ähnlichen Nebenwirkungen führen können. Wichtig ist deshalb, möglichst Kondome zu benutzen und mit der Partnerin über die Anwendung zu reden. Zu beachten ist außerdem: Wenn zwischen dem Auftragen der Mittel und dem Sex länger als 20 Minuten liegen, kann der Penis so taub werden, dass eine Erektion vorübergehend unmöglich wird.

Eine Alternative sind Kondome, die bereits ein örtliches Betäubungsmittel enthalten. Sie sind in Drogeriemärkten erhältlich.

Welche anderen Behandlungen gibt es?

Für Männer, die gleichzeitig mit Erektionsproblemen und vorzeitigen Samenergüssen zu tun haben, kommen auch Potenzmittel infrage. Dazu gehören verschiedene Mittel aus der Gruppe der sogenannten PDE-5-Hemmer, zum Beispiel der Wirkstoff Sildenafil. Auch diese Medikamente werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt.

Manchmal werden auch andere Medikamente genannt, wie das Schmerzmittel Tramadol, sogenannte trizyklische Antidepressiva oder selektive Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI). Wegen möglicher Nebenwirkungen oder fehlender Wirksamkeitsnachweise wird von diesen Mitteln aber abgeraten.