Meine Angst ist mittlerweile weg

Foto von Mann beim Wandern (PantherMedia / Klaus Neundorf) Hermann, 71 Jahre

„Früher hatte ich Angst, dass mein Herz einfach stehen bleibt und war regelrecht panisch. Heute bin ich viel ruhiger und gelassener, wenn meine Vorhöfe flimmern. Ich weiß ja, dass es nicht lebensbedrohlich ist.“

Vor etwa 20 Jahren hatte ich zum ersten Mal Vorhofflimmern. Das war im Urlaub, beim Schwimmen. Ich dachte, ich gehe unter. Ich bekam Panik und Angst, es nicht mehr aus dem Wasser zu schaffen. Dann hat sich das Herz aber wieder beruhigt.

Zu Hause bin ich zum Arzt gegangen. Er hat ein Ruhe-EKG gemacht und später noch ein Belastungs-EKG veranlasst. Damit konnte aber nicht die Ursache für mein Herzrasen im Urlaub gefunden werden. Dann wurde noch ein Langzeit-EKG gemacht. Auch das war unauffällig.

Aber ich hatte immer wieder in unregelmäßigen Abständen diese Beschwerden und eigentlich wurde es von Mal zu Mal schlimmer. Irgendwann war es so stark, dass meine Frau und ich den Notarzt gerufen haben. Er meinte, dass ich ein Vorhofflimmern hätte und dass das nicht so schlimm wäre. Nach etwa drei Tagen sprang das Herz dann wieder in den normalen Rhythmus um. Das konnte ich sogar spüren.

Ich habe es als lebensbedrohlich erlebt

Ich war damals verängstigt und habe die Zustände als lebensbedrohlich erlebt, so dass wir öfter ins Krankenhaus gefahren sind. Einmal war es so heftig, dass ich aus der Krankenhaus-Notaufnahme auf die Intensivstation verlegt wurde. Dort wollten sie mir elektrische Impulse geben, um den Rhythmus wieder herzustellen. Das fand ich aber bedenklich und habe erst mal mit meinem Hausarzt telefoniert, was er davon hält und welche Risiken damit verbunden sind. Er meinte, dass man das machen kann. Ich habe dann eine Narkosespritze bekommen und von der Behandlung gar nichts mitbekommen. Mein Herz schlug danach wieder im normalen Rhythmus. Aber nicht allzu lange. Etwa vier Wochen nach der Kardioversion fing es wieder an zu flimmern.

Mein Hausarzt hat mich medikamentös eingestellt

Mein Hausarzt hat mir verschiedene Medikamente verschrieben: Um einem Schlaganfall oder Herzinfarkt vorzubeugen, nehme ich Aspirin als gerinnungshemmendes Medikament ein. Ich nehme im Gegensatz zu vielen anderen kein Marcumar. Zusätzlich nehme ich etwas gegen den Bluthochdruck, den ich schon seit etwa 35 Jahren habe. Dann nehme ich noch ein weiteres Medikament gegen die erhöhten Cholesterinwerte zur Herzinfarktvorbeugung. Ab und an merke ich meinen Magen, dann nehme ich aber einen Säureblocker dagegen und dann geht das wieder. Eine Zeit lang habe ich Digitalis eingenommen. Aber irgendwann habe ich mir den Beipackzettel angeschaut und es nach Abwägung von Vorteilen und Nebenwirkungen in Absprache mit meinem Hausarzt wieder abgesetzt.

Man kann, um Vorhofflimmern zu vermeiden, auch Gewebe im Herzen veröden lassen (Anm .d. R. „Ablation“). Darüber habe ich nachgedacht, aber es nicht machen lassen. Dieser Eingriff ist ja nicht ohne Risiken.

Das Herz schlägt bis zum Hals

Bei einem Bekannten von mir wurde das Vorhofflimmern durch Zufall entdeckt. Er hatte es gar nicht gespürt. Ich merke das immer sofort, wenn mein Herz nicht rhythmisch läuft. Bei mir fängt es meistens mitten in der Nacht an. Wenn ich Vorhofflimmern habe, schlägt mir mein Herz gefühlt bis zum Hals. Und ich spüre es auch ganz stark im Brustkorb schlagen. Ich spüre mittlerweile schon sehr gut, ob das Herz normal oder unrhythmisch läuft. Ich fühle auch, wenn das Herz ganz schnell schlägt. Schmerzen habe ich dabei aber nicht. Ich habe den Eindruck, dass ich häufiger zur Toilette muss, wenn mein Herz flimmert. Das finde ich komisch, habe aber gelesen, dass dies öfter vorkommt.

Mittlerweile habe ich einen Verdacht, was das Vorhofflimmern bei mir auslösen könnte. Meistens bekomme ich es gegen Mitternacht. Ich glaube, dass Rotwein in Kombination mit Kaffee oder Stress ein Flimmern meines Herzens in der folgenden Nacht auslösen könnte. (Anm. d. R. Es gibt keine wissenschaftlichen Belege, dass Alkohol, Koffein oder Stress Vorhofflimmern auslösen kann.) Seitdem vermeide ich Rotwein und Espresso und versuche, meinen Stress zu reduzieren. Mir persönlich ist es wichtig, regelmäßig Magnesium und Kalium zu nehmen und diese Werte von meinem Arzt kontrollieren zu lassen.

Ich habe immer meine Tabletten dabei, falls das Vorhofflimmern wieder losgehen sollte. Ich habe mit der Zeit gelernt, damit umzugehen. In der letzten Zeit läuft mein Herz ganz gut.

Körperliche Bewegung tut mir gut und macht mir keine Angst

Körperliche Anstrengung tut mir gut. Wenn ich mich bewege, dann geht es mir gut. Aber wenn ich Vorhofflimmern habe, dann belaste ich mich nicht. Ich habe keine Angst, dass ich durch körperliche Aktivität ein Flimmern auslösen könnte. Ich belaste mich ganz normal. Ich gehe auf Berge, arbeite im Garten, hebe schwere Dinge und gehe auf den Fahrradtrainer. Manchmal bin ich am Abend sogar ganz schön platt.

Für mich war es sehr wichtig, mir Wissen anzueignen: Was passiert eigentlich mit meinem Herzen, wenn es flimmert? Was braucht mein Herz und wie funktioniert es? Mit diesem Wissen konnte ich verstehen, was in meinem Körper beim Flimmern passiert.

Meine Angst vor dem Vorhofflimmern ist mittlerweile weg. Ich empfinde es nur als unangenehm. Mein erstes Vorhofflimmern war eine einschneidende Erfahrung für mich. Da war ich Anfang 50, ich werde das nie vergessen. Früher hatte ich Angst, dass mein Herz einfach stehen bleibt und war regelrecht panisch. Heute bin ich viel ruhiger und gelassener, wenn mein Herz flimmert. Ich weiß ja, dass es nicht lebensbedrohlich ist.

 

Danksagung

Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.