Medikamente für Menschen mit Asthma

Foto von Frau beim Inhalieren (PantherMedia / Jelena Dragovic) Zur Behandlung von Asthma werden zwei Arten von Medikamenten eingesetzt: sogenannte Bedarfs- und Dauermedikamente. Bedarfsmedikamente wirken rasch und werden gegen akute Beschwerden eingesetzt. Dauermedikamente wirken anhaltender, werden regelmäßig eingenommen und sollen das Asthma unter Kontrolle halten.

Luftnot, pfeifende Atemgeräusche, Husten, Engegefühl in der Brust: Mit diesen typischen Beschwerden haben die meisten Menschen mit chronischem Asthma immer wieder zu tun. Aber auch wenn sie keine Beschwerden haben, ist die Krankheit aktiv und eine Therapie wichtig: Wenn Asthma nicht gut behandelt wird, können die Asthma-Anfälle häufiger werden, die körperliche Fitness und die Lebensqualität nehmen ab.

Mithilfe bestimmter Medikamente und unterstützender Maßnahmen wie regelmäßiger Bewegung ist es meistens möglich, auch schweres Asthma gut zu kontrollieren. Eine Voraussetzung dafür ist, die eigene Erkrankung und deren Behandlung gut zu verstehen.

Welche Medikamente gibt es gegen Asthma?

Zur Behandlung von Asthma stehen zwei Medikamentengruppen zur Verfügung:

  • Bedarfsmedikamente (Reliever): Diese Arzneimittel erweitern die Atemwege rasch und lindern akute Beschwerden. Sie helfen bei einem akuten Asthma-Anfall, können aber zum Beispiel auch vor körperlicher Anstrengung vorbeugend eingesetzt werden. Bei leichtem Asthma kann diese Behandlung zunächst ausreichen.
  • Dauermedikamente (Controller): Diese Medikamente mindern die Entzündungsbereitschaft der Bronchien und beugen Asthma-Beschwerden langfristig vor. Dauermedikamente enthalten meist Kortison und werden regelmäßig jeden Tag angewendet – auch wenn keine akuten Beschwerden bestehen.

Um langfristig gut mit der Erkrankung zu leben, reicht es meist nicht aus, nur die Asthma-Anfälle zu behandeln. Deshalb wenden Menschen mit stärkerem Asthma unabhängig von den Beschwerden regelmäßig Dauermedikamente an.

Wie die Medikamente dosiert und angewendet werden, hängt vor allem von der Häufigkeit und Stärke der Symptome ab. Das Spektrum reicht von zeitweise auftretenden leichten Beschwerden, bei denen Bedarfsmedikamente ausreichen, bis zu schwerem anhaltendem Asthma, das eine dauerhafte medikamentöse Therapie erfordert. Mögliche Formen der Therapie sind Sprays, Pulverinhalationen, Tabletten und bei schweren Anfällen auch Spritzen.

Je nach Stärke der Beschwerden werden Medikamente auch kombiniert. Manche Präparate werden in einer festen Dosierung verordnet, bei anderen kann und soll die Dosis an den eigenen Bedarf angepasst werden.

Damit die Wirkstoffe bis in die kleinen Bronchien gelangen können, ist es wichtig, das richtige Einatmen (Inhalieren) eines Medikaments zu erlernen. Vor allem Kindern fällt das manchmal schwer. Deshalb gibt es eine Reihe von Inhalationssystemen, die die Aufnahme des Medikaments tief in die Atemwege erleichtern sollen.

Wann werden Bedarfsmedikamente eingesetzt?

Die kurzwirksamen Bedarfs- oder Notfallmedikamente können das Atmen rasch erleichtern. Deshalb werden sie auch „Reliever“ genannt (vom englischen „relieve“, erleichtern). Häufig eingesetzte Mittel dieser Gruppe enthalten sogenannte kurz wirkende Beta-2-Mimetika als Wirkstoffe. Sie entspannen die verkrampfte Atemwegsmuskulatur und weiten die Atemwege.

Solche Notfallmedikamente werden meist als Spray eingesetzt. Bei schweren Asthma-Anfällen ist es wegen der akuten Verengung der Atemwege und vermehrten Schleimbildung aber schwierig, ausreichende Mengen der Mittel einzuatmen. Deshalb müssen in Notfallsituationen Medikamente direkt über Spritzen oder Infusionen gegeben werden.

Wenn es nötig ist, mehrmals pro Woche zu einem Bedarfsmedikament zu greifen, lässt dies auf eine schlechte Kontrolle des Asthmas schließen. Dann können dauerhaft einzunehmende Medikamente helfen, die zugrunde liegende Entzündung der Atemwege zu behandeln.

Welche Dauermedikamente kommen infrage?

Zu den Dauermedikamenten gehören:

  • Kortikoide (Glukokortikoide): Kortisonhaltige Spays sind die wichtigsten Dauermedikamente. Sie können die chronische Entzündung abschwächen und so der Verengung der Atemwege und Luftnot vorbeugen. Ist das Asthma trotz der Inhalation von Kortison nicht gut kontrolliert, kann die Dosis erhöht werden. Möglich ist auch, verschiedene Medikamente zu kombinieren.
  • Beta-2-Mimetika: Wenn Kortison nicht ausreicht, kann ein Beta-2-Mimetikum ergänzt werden. Dies erweitert die Atemwege. Beta-2-Mimetika müssen jedoch mit Kortison kombiniert werden, weil sie die Beschwerden verschlechtern und sogar schwere Asthma-Anfälle auslösen können, wenn sie allein eingenommen werden. Beta-2-Mimetikum und Kortikoid können getrennt inhaliert werden oder zusammen. Es gibt Inhalatoren, mit denen sich die zwei Medikamente gleichzeitig inhalieren lassen. Diese Form wird als Fixkombination bezeichnet.
  • Leukotrienantagonisten: Diese Medikamente blockieren Botenstoffe, die eine Rolle bei der Entzündungsreaktion der Atemwege spielen. Leukotrienantagonisten helfen nicht so gut wie Kortison. Ein Kombination aus Leukotrienantagonist und einem Kortison beugt Asthma-Anfällen schlechter vor als die Kombination von Beta-2-Mimetikum und Kortison.

In den unterschiedlichen Medikamentengruppen stehen jeweils verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung. Nach dem derzeitigen Wissen wirken die verschiedenen Mittel aus einer Wirkstoffgruppe aber vergleichbar gut.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Die Nebenwirkungen der Behandlung hängen von den Wirkstoffen, der Art der Anwendung und der Dosierung ab. Ausführliche Informationen finden sich in der Packungsbeilage des jeweiligen Medikaments.

Werden Asthma-Medikamente inhaliert, verursachen sie in der Regel weniger Nebenwirkungen als bei der Einnahme als Tablette. Bei leichtem Asthma sind die Nebenwirkungen einiger Medikamente manchmal stärker als der mögliche Nutzen. In diesem Fall kann ein Verzicht sinnvoll sein. Bei mittlerem und schwerem Asthma wiegen die Folgen der Erkrankung jedoch deutlich schwerer als die langfristigen Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie.

Kortikoide

Viele Menschen befürchten langfristige Nebenwirkungen durch Kortison. Bei sachgemäßer Auswahl und Anwendung hat eine Dauerbehandlung aber meist keine negativen Effekte.

Bei Kindern besteht die Sorge, dass eine langfristige Kortisonbehandlung das Wachstum beeinträchtigen könnte. Dies tun sie jedoch kaum und wenn, dann nur vorübergehend. Studien zeigen zwar, dass Kinder im ersten Jahr der Behandlung etwas weniger schnell wachsen. In den darauffolgenden Jahren entwickeln sie sich jedoch normal. Dies spricht dafür, dass sie im Erwachsenenalter genauso groß werden wie Kinder mit Asthma, die keine Kortikoide inhalieren. Dennoch werden diese Medikamente bei Heranwachsenden vorsichtshalber in möglichst geringen Mengen und nach Möglichkeit nur zur Inhalation eingesetzt.

Kortikoide können Husten und Heiserkeit auslösen sowie das Risiko für Pilzinfektionen im Mund erhöhen. Deshalb wird empfohlen, den Mund nach der Inhalation auszuspülen. Bei älteren Menschen kann Kortison das Risiko für die Entwicklung eines Grauen Stars (Katarakt) etwas erhöhen. Es steigt mit der Höhe der Dosis und der Dauer der Anwendung.

Beta-2-Mimetika

Langwirksame Beta-2-Mimetika sollen stets nur in Kombination mit Kortikosteroiden eingenommen werden. Es gibt Hinweise, dass eine alleinige Dauertherapie mit langwirksamen Beta-2-Mimetika zu lebensbedrohlichen Asthma-Anfällen führen kann.

Leukotrienantagonisten

Diese Mittel werden meist gut vertragen. Mögliche Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Probleme oder Schlafstörungen.