Grauer Star (Katarakt)

Auf einen Blick

  • Bei einem Grauen Star werden die Augenlinsen mit der Zeit trübe.
  • Dann sieht man nahe und ferne Gegenstände schlechter.
  • In einer Operation kann die trübe Linse durch eine künstliche Linse ersetzt werden.

Einleitung

Foto von Frau mit Zeitung

Im Alter werden die Augen schlechter – das ist ganz normal. Die meisten Menschen brauchen irgendwann eine Lesebrille, um beispielsweise Speisekarten oder Bücher lesen zu können. Mit dem Alter steigt aber auch das Risiko für einen Grauen Star (eine ).

Beim Grauen Star werden eine oder beide Augenlinsen trübe. Dadurch lässt das Sehvermögen schrittweise nach und man sieht vor allem feine Einzelheiten nicht mehr klar. Im Gegensatz zur normalen Alterssichtigkeit wird es auch schwieriger, Dinge in der Ferne zu erkennen – etwa Schilder oder andere Fahrzeuge im Straßenverkehr. Manche Menschen haben durch die Erkrankung nur leichte Seheinschränkungen, bei anderen wird das Sehvermögen dagegen rasch schlechter.

Der Name „Grauer Star“ bezieht sich auf die Graufärbung der Augenlinse und den vermeintlich „starren“ Blick der Betroffenen. Früher glaubte man, dass die Betroffenen bei fortschreitender Erblindung ins Leere starrten. Daher bezeichnete man im Volksmund verschiedene Erkrankungen, die mit Erblindung einhergingen, als Star.

Ein Grauer Star entwickelt sich meist erst ab einem Alter von 50 Jahren. Etwa 20 von 100 Menschen zwischen 65 und 74 Jahren haben einen Grauen Star, bei den über 74-Jährigen sind es mehr als 50 von 100.

In Entwicklungsländern ist der Graue Star der Hauptgrund für Erblindungen. Ursachen sind unter anderem Mangelernährung und die schlechtere medizinische Versorgung. In Industriestaaten wie Deutschland erblinden wesentlich weniger Menschen durch einen Grauen Star, da wirksame Operationsverfahren zur Verfügung stehen. Bei der Operation wird die trübe entfernt und durch eine künstliche ersetzt.

Symptome

Beim Grauen Star geht die Sehkraft meist schleichend verloren. Der Sehverlust ist das einzige : Es treten keine Schmerzen, kein Augenbrennen oder ähnliche Beschwerden auf. Betroffene sehen zunehmend verschwommen und unscharf – es ist, als würden sie durch einen Schleier oder Nebel schauen. Feinheiten sind nicht mehr klar erkennbar. Mit der Zeit verschwimmen die Kontraste immer mehr und die Farben verblassen.

Manche Menschen werden sehr empfindlich gegenüber Blendungen durch die Sonne oder Lampen. Sie sehen beispielsweise Lichtkränze um Lichtquellen herum. Das Autofahren wird anstrengender, besonders nachts. Wenn man schlechter sieht, steigt das Risiko, dass man stürzt und sich verletzt. Zudem ist das räumliche Sehen beeinträchtigt. Das macht es zum Beispiel schwieriger, Abstände und Entfernungen richtig einzuschätzen.

Ein Grauer Star kann auch unerwartete Folgen haben: So können manche Menschen, die eine Brille tragen, plötzlich ohne Brille besser sehen. Dies liegt daran, dass sich die Brechkraft des Auges verändert – und damit die Fähigkeit, Objekte in der Nähe oder Ferne scharf zu sehen. Die Besserung hält jedoch nicht lange an.

Ursachen und Risikofaktoren

Etwa 90 % aller Betroffenen haben den sogenannten Grauen Altersstar (die senile ). Bei ihnen wird die Augenlinse mit dem Alter langsam trüb. Dadurch wird das Bild mit der Zeit wie verschleiert und unschärfer.

In manchen Familien tritt ein Grauer Star früher auf als in anderen Familien. Nur sehr selten ist er angeboren. So kann ein Kind mit auf die Welt kommen, wenn sich die Mutter während der ersten Wochen der Schwangerschaft mit Masern oder Röteln ansteckt.

Es gibt Hinweise, dass zum Beispiel UV-Licht aus der Sonne und Rauchen das Risiko für einen Grauen Star erhöhen. Zudem sind Menschen mit Diabetes häufiger betroffen. In Entwicklungsländern sind Unterernährung und schlechte Lebensbedingungen häufige Ursachen für Grauen Star. Dort erkranken viele Menschen bereits in frühem Alter.

Ein Grauer Star kann außerdem durch Entzündungen oder Verletzungen des Auges entstehen. Auch Augenoperationen und die längere Anwendung von Kortison können zu einem Grauen Star führen.

Verlauf

Bei einem Grauen Star nimmt die Sehfähigkeit nach und nach ab. Zunächst wird man kurzsichtiger – das heißt, man kann in der Nähe besser sehen und in der Ferne schlechter. Zuvor weitsichtige Menschen können dann für kurze Zeit ohne Brille besser sehen. Allmählich wird das Sehen immer trüber und verschwommener. Wird der Graue Star nicht behandelt, kann er zur Erblindung führen.

Meistens sind beide Augen betroffen. Die Erkrankung kann auf einem Auge jedoch schneller voranschreiten als auf dem anderen.

Die Krankheit verläuft unterschiedlich. Manche Menschen verlieren relativ schnell an Sehkraft, andere haben kaum Einschränkungen. Welche Beschwerden auftreten und wie sie sich entwickeln, hängt unter anderem davon ab, an welcher Stelle sich die eintrübt. Man unterscheidet folgende Formen:

  • Rindenkatarakt: Hier trübt sich die äußere Schale der ein. Wer diese Form hat, sieht verschwommen und wird leicht geblendet, beispielsweise beim nächtlichen Autofahren.
  • hintere subkapsuläre : Hier entsteht die Trübung auf der Rückseite der . Diese Form kommt häufiger bei jüngeren Menschen vor und schreitet relativ schnell voran. Die Sehkraft verschlechtert sich dann innerhalb von Wochen bis Monaten deutlich.
  • Kernkatarakt: Das Innere der Augenlinse ist getrübt. Diese Form beeinträchtigt das Sehen in der Ferne mehr als das nahe Sehen. Das Sehvermögen ist manchmal auch nur leicht eingeschränkt. Die Erkrankung entwickelt sich in der Regel relativ langsam über mehrere Jahre.

Diagnose

Es kann viele Gründe geben, warum Menschen mit dem Alter schlechter sehen. Vor der eines Grauen Stars werden deshalb zuerst andere mögliche Ursachen ausgeschlossen. Dazu erfragt die Augenärztin oder der Augenarzt zunächst die Symptome und die Krankheitsgeschichte. Verschiedene Augentests und -untersuchungen zeigen, wie stark das Sehvermögen beeinträchtigt ist und was die Ursache sein könnte.

Die Augenlinse wird mit einer „Spaltlampe“ untersucht. Dabei blickt die Ärztin oder der Arzt durch ein Mikroskop in das Auge, das mit einem schmalen Lichtstreifen ausgeleuchtet wird. Dadurch kann sie oder er die und andere Teile des Auges wie den Glaskörper und die beurteilen. Die Untersuchung tut nicht weh.

Um die hinteren Augenbereiche untersuchen zu können, bekommt man in der Regel spezielle Augentropfen. Sie erweitern die und wirken für einige Stunden. Solange sieht man unscharf und wird leichter geblendet.

Gut zu wissen:

Wer diese Augentropfen bekommt, darf nach der Untersuchung für etwa 4 bis 5 Stunden kein Auto oder Fahrrad fahren. Bei manchen Menschen hält die Wirkung noch länger an. Im Zweifelsfall ist es dann besser, das Auto noch stehen zu lassen.

Vorbeugung

Es ist wissenschaftlich nicht belegt, dass bestimmte vorbeugende Maßnahmen das Risiko für einen Grauen Star senken.

Fachleute vermuten, dass Rauchen das Risiko erhöht und ein Rauchstopp es entsprechend senken könnte. Nicht zu rauchen, hat ohnehin viele gesundheitliche Vorteile.

Wer viel in der Sonne ist, kann die Augen vor UV-Licht schützen – zum Beispiel mit einer Sonnenbrille mit UV-Filter.

Kortisonhaltige Medikamente können auf Dauer das Risiko für eine erhöhen. Vielleicht ist es möglich, auf ein anderes Medikament umzusteigen oder die Dosis zu reduzieren.

mit beispielsweise Vitamin C, E und werden häufig damit beworben, dass sie Augenkrankheiten vorbeugen sollen. Studien zeigen jedoch, dass sie beim Grauen Star unwirksam sind.

Behandlung

Manche Menschen können den Sehverlust vorübergehend oder sogar längerfristig mit Sehhilfen wie einer Brille, Kontaktlinsen oder Lupen ausgleichen. Allerdings müssen sie mit der Zeit häufig durch stärkere Modelle ersetzt werden, da die Krankheit voranschreitet. Es gibt keine Medikamente, um einen Grauen Star zu behandeln.

Die einzige wirksame Behandlung ist eine Operation: Dabei wird die trübe Augenlinse entfernt und durch eine neue, künstliche ersetzt. Bei der Operation bleibt die Linsenkapsel, die die umschließt, im Auge. Der Kern und die Rinde der werden per Ultraschall zerkleinert und dann durch einen kleinen Schnitt abgesaugt. In die Kapsel wird dann eine aus Kunststoff eingesetzt. Dieses Verfahren wird Phakoemulsifikation genannt und ist in Deutschland das Standardverfahren. Manchmal bieten Ärztinnen und Ärzte auch einen Eingriff an, bei dem die mit einem Laser zerkleinert wird. Der Laser-Eingriff hat weder Vor- noch Nachteile im Vergleich zum Standardverfahren. Ein Teil oder die gesamten Kosten müssen dann aber selbst bezahlt werden.

Eine Operation dauert etwa 20 bis 30 Minuten. Meist wird operiert. Einige Stunden nach dem Eingriff kann man sich wieder nach Hause abholen lassen.

Entscheiden

Ob und wann man einen Grauen Star operieren lassen möchte, ist eine persönliche Entscheidung. Sie hängt stark davon ab, wie stark der Sehverlust das Leben beeinträchtigt. Zum Beispiel können folgende Fragen bei der Klärung helfen: Kann ich meinen Hobbys noch nachgehen, wie Lesen oder Sport? Wie gut muss ich im Beruf sehen können? Fühle ich mich im Straßenverkehr noch sicher? Solange man sich nicht eingeschränkt fühlt, ist eine Operation nicht unbedingt nötig.

Die Operation verläuft meist komplikationslos, aber wie bei jedem anderen Eingriff können Probleme auftreten. Außerdem können andere Erkrankungen wie etwa ein Grüner Star () oder eine altersabhängige Makuladegeneration (AMD) das Ergebnis der Operation beeinflussen.

Das Gute ist: Ein Grauer Star verschlechtert sich meist nur langsam. Daher ist genügend Zeit, um die Vor- und Nachteile abzuwägen und gemeinsam mit der Augenärztin oder dem Augenarzt zu besprechen, ob oder wann eine Operation infrage kommt.

Grauer Star: Operieren lassen oder abwarten?

Vor der Entscheidung für oder gegen eine Operation ist es sinnvoll, sich gut über die Vor- und Nachteile der Behandlungsmöglichkeiten zu informieren. Diese Entscheidungshilfe unterstützt dabei.

Weitere Informationen

Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Bei Problemen an den Augen kann man sich auch direkt an eine augenärztliche Praxis wenden.

Informationen zur Gesundheitsversorgung in Deutschland helfen dabei, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden und eine passende Arztpraxis zu finden. Mit dieser Frageliste kann man sich auf den Arztbesuch vorbereiten.

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IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

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Aktualisiert am 07. Januar 2026

Nächste geplante Aktualisierung: 2029

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Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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