Leben und Alltag mit rheumatoider Arthritis

Foto von älterem Paar (PantherMedia / feverpitched) Eine rheumatoide Arthritis (umgangssprachlich „Rheuma“) kann zu Gelenkschmerzen und -schwellungen, Einschränkungen der Beweglichkeit und Kraftlosigkeit führen. Allgemeine Schwäche, Schlafstörungen und Erschöpfung kommen oft hinzu. All diese Beschwerden können das Alltagsleben und das Wohlbefinden stark beeinträchtigen.

Mit Rheuma zu leben ist auch deshalb nicht immer einfach, weil die Symptome oft unberechenbar sind: Ob die Beschwerden morgen stärker oder schwächer sein werden, ist kaum einzuschätzen. Ein schlechter Tag mit Rheuma kann sehr belastend sein und manche Menschen haben dann das Gefühl, in ein tiefes Loch zu fallen. Hinzu kommen oft Sorgen um die Zukunft, denn es lässt sich nicht sicher vorhersagen, wie sich die Erkrankung bei einem Menschen entwickeln wird. Verschiedene Behandlungen können das Fortschreiten der Erkrankung aber aufhalten oder verlangsamen.

Wie kann Rheuma den Alltag verändern?

Viele Menschen mit Rheuma haben morgens steife Gelenke und Schmerzen, sodass es ihnen schwer fällt, aufzustehen und den Tag zu beginnen. Alltägliche Aufgaben wie Kochen, Waschen, Putzen, aber auch Gartenarbeit oder Freizeitaktivitäten können mit der Zeit immer mehr zu einer Herausforderung werden. Verschiedene Hilfsmittel können solche Tätigkeiten erleichtern. Zudem entwickeln viele Menschen mit der Zeit Strategien, um mit Alltagstätigkeiten besser zurechtzukommen. Ein Beispiel: Wer Wäsche wäscht, muss nicht unbedingt die ganze Waschmaschinenladung auf einmal aufhängen. Man kann auch mit einem Teil der feuchten, schweren Wäsche beginnen und den Rest später erledigen.

Die meisten Menschen mit Rheuma möchten ihren Alltag trotz Erkrankung meistern. Die Unterstützung von Familienangehörigen und Freunden ist hierfür besonders wichtig. Wichtig ist auch, dass sie Verständnis für die Erkrankung und die damit verbundenen Einschränkungen haben.

Wie kann sich Rheuma auf das Arbeitsleben auswirken?

Auch abgesehen von der Notwendigkeit, den Lebensunterhalt zu verdienen, ist Arbeit für viele Menschen ein wichtiger Teil ihres Lebens. Eine einigermaßen zufriedenstellende Arbeitssituation vorausgesetzt, wird die eigene Berufstätigkeit in der Regel als sinnstiftend, anregend und für das Selbstwertgefühl bedeutsam empfunden. Neben finanzieller Unabhängigkeit ist oft auch das soziale Umfeld bei der Arbeit sehr wichtig.

Ihrer Arbeit nachzugehen, kann erkrankte Menschen aber auch von Beschwerden ablenken und ihnen das Gefühl geben, dass sich nicht alles in ihrem Leben um die Krankheit dreht. Manche Menschen mit Rheuma berichten sogar, dass der Beruf seit ihrer Erkrankung für sie wichtiger geworden ist und sie lieber Einschränkungen in der Freizeit in Kauf nehmen, als den Job aufzugeben.

Wenn die Erkrankung die Arbeit beeinträchtigt, kann es hilfreich sein, mit Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen offen darüber zu sprechen. Der Arbeitgeber kann unter Umständen Unterstützung bieten, beispielsweise bei der Einrichtung des Arbeitsplatzes, der Anpassung von Pausenzeiten oder zeitlichen Vorgaben für bestimmte Aufgaben. Wenn es notwendig ist, den Arbeitsplatz umzugestalten, beteiligt sich unter Umständen die Rentenversicherung an den Kosten.

Menschen, die aufgrund ihrer rheumatoiden Arthritis stark eingeschränkt sind, können einen Schwerbehindertenausweis beantragen. Ab einem bestimmten Grad der Behinderung ist ein Schwerbehindertenausweis mit besonderen Rechten verbunden. So haben schwerbehinderte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zum Beispiel einen besonderen Kündigungsschutz und Anspruch auf Zusatzurlaub. Dies soll Nachteile durch eine gesundheitliche Beeinträchtigung ausgleichen.

Kann ich trotz Rheuma weiter Auto fahren?

Für viele Menschen mit Rheuma bleibt das Autofahren wichtig. Es gibt ihnen das Gefühl, weiterhin unabhängig und mobil zu sein. Zudem ermöglicht es die Teilhabe am sozialen Leben – vor allem, wenn jemand auf dem Land wohnt.

Viele Menschen können auch mit Rheuma noch Auto fahren. Mit der Zeit kann es jedoch sein, dass die Beschwerden das Fahren zunehmend erschweren. Schnell über die Schulter zu blicken, das Fahrzeug sicher zu steuern, zu schalten oder schnell auf eine brenzlige Verkehrssituation zu reagieren – all das kann Probleme bereiten. Dann können vielleicht spezielle Fahrzeugumbauten helfen, etwa zusätzliche Spiegel für Menschen, die ihren Kopf nicht mehr so gut drehen können. Auch ein Auto mit Automatikschaltung lässt sich leichter fahren. Außerdem sollte der Einstieg nicht zu niedrig sein. Unter Umständen ist auch der behindertengerechte Umbau des Fahrzeugs eine Möglichkeit.

Viele Menschen mit Rheuma verändern ihre Fahrgewohnheiten. Sie achten darauf, dass sie nicht gerade zur Hauptverkehrszeit unterwegs sind und fahren nicht, wenn sie einen „schlechten Tag“ haben. Für Menschen mit schwerer Gehbehinderung kann es eine Erleichterung sein, sich einen Schwerbehindertenausweis mit dem Hinweis „außergewöhnliche Gehbehinderung“ zu besorgen: Er erlaubt das Parken auf speziell ausgewiesenen Parkplätzen.

Sind die Einschränkungen durch das Rheuma zu stark geworden, um ein Auto sicher steuern zu können, kann es nötig werden, das Fahren aufzugeben. Um diese persönliche Entscheidung verantwortlich treffen zu können, ist es wichtig, sich über die körperlichen Einschränkungen klar zu werden und ehrlich mit sich selbst zu sein. Wenn sicheres Fahren nicht mehr möglich ist, gefährdet man nicht nur sich selbst, sondern auch andere.

Wer unsicher ist, ob er noch gut genug fährt, kann dies mit seiner Ärztin oder seinem Arzt besprechen. Man kann sich auch beim Straßenverkehrsamt beraten und die Fahrtauglichkeit prüfen lassen. Die Kosten übernimmt möglicherweise die Krankenkasse.

Was bedeutet Rheuma für das Selbstbild?

An rheumatoider Arthritis erkranken relativ oft junge Frauen. Die Einschränkungen durch rheumatische Beschwerden können gerade in einem Lebensabschnitt, in dem die meisten anderen Menschen bei guter Gesundheit sind, sehr belastend sein.

Manche Mütter haben Angst, dass sie ihren Kindern oder ihrem Partner nicht mehr gerecht werden können. Junge Frauen mit Rheuma fragen sich häufig, ob sie überhaupt Kinder bekommen sollen. Rheuma schließt eine Schwangerschaft nicht aus. Zu bedenken ist aber, dass vor und während einer Schwangerschaft nicht alle Medikamente eingenommen werden können. Wenn eine Frau schwanger werden möchte, ist es sinnvoll, dies möglichst in einer beschwerdearmen Zeit zu tun. Es kann auch hilfreich sein, sich frühzeitig in einer rheumatologischen und frauenärztlichen Praxis beraten zu lassen. Auch Männer, die Vater werden möchten, müssen eine Zeitlang bestimmte Rheuma-Medikamente vermeiden.

Vielen Frauen sind ihr Aussehen und ihre Attraktivität wichtig. Vor allem die Auswahl von Schuhen kann ein Problem sein: Viele modische Schuhe kommen nicht infrage, da sie nicht passen oder sich nicht zum Tragen von Einlagen eignen. Wenn die Füße rheumatisch verändert sind, können unter Umständen auch orthopädische Schuhe notwendig werden. Manche Frauen haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie sich Schuhe kaufen, die ihnen gefallen, in die aber keine Schuheinlagen passen und die für die veränderten Füße eigentlich nicht gut sind. Einige Frauen meiden auch bestimmte Kleidungsstücke wie Röcke, weil sie befürchten, dass sie ihre Erkrankung sichtbar machen – etwa wenn die Kniegelenke oder Füße betroffen sind. Sind die Hände betroffen, ist auch ihr Aussehen einigen Frauen unangenehm. Solche Einschränkungen können dazu führen, dass eine Frau sich weniger anziehend und weiblich fühlt.

Schmerzen und der Verlust von Kraft können auch bei Männern das Selbstbild verändern. Schwäche zu zeigen und Hilfe anzunehmen, fällt ihnen oft besonders schwer. Manche haben Angst um ihren Status, wenn sie ihren Beruf aufgeben oder wechseln müssen. Nicht wenige Männer versuchen die Krankheit möglichst auszublenden, weil sie nicht in ihr Selbstbild passt. Sie wollen die Kontrolle behalten und so gut es geht weiter ihr gewohntes Leben führen. Dies kann jedoch körperlich und emotional belastend sein. Manchmal führt dieses Verhalten auch zu depressiven Gedanken, Frust und Aggressionen.

Solche Gefühle müssen jedoch nicht das ganze Leben bestimmen. Vielen Menschen gelingt es, ihre persönlichen Ziele anzupassen oder sich neue Ziele zu setzen, die sie auch mit der Erkrankung erreichen können. Wie bei vielen chronischen Erkrankungen gibt es bessere und weniger gute Phasen. In manchen steht die Erkrankung im Vordergrund – in anderen tritt sie hinter andere Lebensbereiche zurück. Menschen, die durch ihre Erkrankung psychisch stark belastet sind, können sich durch eine psychologische Behandlung unterstützen lassen.

Was bedeutet Rheuma für Partnerschaft und Sexualität?

Eine rheumatoide Arthritis verändert nicht nur den Alltag oder das Berufsleben, sondern auch die Partnerschaft und Sexualität. Die Erkrankung kann verschiedenste Bereiche der Partnerschaft beeinflussen: etwa die Rollenverteilung, die Arbeitsteilung im Haushalt, gemeinsame Pläne und Freizeitaktivitäten. Der Verzicht auf die Teilnahme an Feiern und Ausflügen oder auf gemeinsame sportliche Aktivitäten kann zu Enttäuschungen und Einschränkungen im Miteinander führen.

Manchmal haben Menschen mit Rheuma das Gefühl, dass ihre Partnerin oder ihr Partner nicht genug Verständnis für ihre Situation hat. Aber auch Angehörige müssen erst lernen, was die Erkrankung bedeutet – und auch für sie kann die Krankheit belastend sein. Sie verändert das Leben beider Partner. Den anderen in Schmerzen zu sehen, Einschränkungen in Kauf zu nehmen und mehr Aufgaben übernehmen zu müssen, ist nicht immer leicht. Wichtig ist, weder anderen noch sich selbst Vorwürfe zu machen, denn an der Krankheit und ihren Folgen ist niemand „Schuld“.

Manche Paare sprechen wenig über ihre Probleme. Offene Gespräche über Belastungen, Bedürfnisse, Sorgen und Ängste können aber hilfreich sein, um die Erfahrungen des anderen mit der Erkrankung besser nachvollziehen zu können. Vielleicht lässt sich gemeinsam auch besser überlegen, wie bestimmte Gewohnheiten verändert werden können, etwa indem man Freizeitaktivitäten eher kurz- als langfristig plant, bei Ausflügen häufiger Pausen einlegt und die Aufgaben im Alltag neu verteilt.

Schmerzende Gelenke, Erschöpfung und eine eingeschränkte Beweglichkeit können sich auf die Sexualität auswirken. Sie können den Geschlechtsverkehr erschweren und manchmal unmöglich machen. Auch trockene Schleimhäute können ein Problem darstellen, dem sich aber durch Gleitmittel und Feuchtigkeitscremes abhelfen lässt.

Durch die Erkrankung verändert sich auch das Körpergefühl. Das kann zentrale Bereiche der Weiblichkeit oder Männlichkeit betreffen. Daher ist es nicht ungewöhnlich, wenn mit dem Fortschreiten der Erkrankung die Lust auf Sex abnimmt. Manche Menschen fühlen sich zunehmend unattraktiv und ziehen sich deswegen sexuell zurück.

Aber auch wenn die Energie fehlt und die Lust ausbleibt, bleiben körperliche Nähe und Zärtlichkeit für die meisten Menschen wichtig und wohltuend. Sie können Paaren helfen, sich weiterhin eng miteinander verbunden zu fühlen.