Leben mit metastasiertem Brustkrebs

Foto von Frau am Strand (Stockbyte / Thinkstock) Wenn Sie an metastasiertem Brustkrebs erkrankt sind, kämpfen Sie sehr wahrscheinlich mit Gefühlen wie Angst, Wut und Trauer. Mit Nahestehenden im Gespräch zu bleiben, kann entlastend und hilfreich sein. Aber auch Bewegung, Entspannung und ablenkende Aktivitäten sind Möglichkeiten, Ihr Wohlbefinden im Alltag zu steigern.

Wenn sich über den Brustbereich hinaus Metastasen gebildet haben, ist eine vollständige Heilung nur in Ausnahmefällen zu erwarten. Dann ist das Ziel der Therapie, das Leben zu verlängern, den Gesundheitszustand zu stabilisieren und eine gute Lebensqualität zu erhalten.

In dieser Situation kommen oft Befürchtungen auf, dass nun nur noch sehr wenig Zeit bleibt. In der ersten Verzweiflung kann sich auch das Gefühl einstellen, dass sich das ganze Leben jetzt nur noch darum dreht, auf das Fortschreiten der Erkrankung, auf neue Symptome und Behandlungen zu warten. Mut- und Hoffnungslosigkeit machen sich breit und können manchmal sogar mehr belasten und verunsichern als die körperlichen Auswirkungen der Erkrankung und ihrer Behandlung. Viele Frauen fühlen sich mitunter auch einsam, aus dem Alltag herausgerissen und aus dem sozialen Umfeld ausgeschlossen.

Mit Angst, Wut und Trauer umgehen

Trauer, Angst, Enttäuschung über den gesundheitlichen Rückschlag, aber auch Wut über die Ungerechtigkeit Ihrer Situation oder Neid auf Menschen, die gesund sind: All diese Gefühle können unvermittelt wechseln. Das ist durchaus normal und kein Grund, ein schlechtes Gewissen zu haben. Auf Dauer wird es Ihnen jedoch besser gehen, wenn Sie mit negativen Gefühlen und Gedanken so umzugehen lernen, dass auch Raum für anderes bleibt.

Viele Frauen berichten, dass sie es entlastend finden, Ängste, Sorgen und Verzweiflung zuzulassen und mit Nahestehenden darüber zu reden. Neben Gesprächen mit dem Partner oder der Partnerin, mit Angehörigen, Freundinnen und Freunden ist eine psychoonkologische oder psychosoziale Beratung eine weitere Möglichkeit. Auch seelsorgerische oder spirituelle Begleitung wird angeboten, etwa in der Gemeinde oder auch im Krankenhaus. Der Austausch in einer Selbsthilfegruppe steht Ihnen ebenfalls offen. Den Frauen dort sind Ihre Gefühle aus eigener Erfahrung vertraut.

Beim Umgang mit Ängsten kann es hilfreich sein, herauszufinden, wovor genau Sie in der jeweiligen Situation Angst haben: Sind es Schmerzen oder andere Krankheitssymptome? Ist es eine anstehende Behandlung oder die Ungewissheit, was auf Sie zukommt? Sobald Sie die Angst benennen können, haben Sie auch die Möglichkeit, sich mit den Ursachen auseinanderzusetzen, sich entsprechende Informationen und Unterstützung zu holen.

Wenn es Ihnen sehr schwer fällt, sich mit Ängsten und Sorgen auseinanderzusetzen, ist das kein Grund, sich schlecht zu fühlen. Sich auf andere Dinge zu konzentrieren und diese Themen zunächst einmal wegzuschieben, ist auch eine Art, mit der Erkrankung umzugehen. In angstbesetzten Situationen wie Untersuchungen und Arztgesprächen können Sie sich von einer vertrauten Person begleiten lassen. Auch Entspannungsübungen, Bewegung, Ablenkung durch angenehme Dinge oder Aktivitäten können helfen, Ängste und Anspannung auf ein erträgliches Maß zu verringern.

Den eigenen Weg finden

Mit Angst und Trauer umzugehen bedeutet einerseits, allmählich zu akzeptieren, was nicht zu ändern ist, und andererseits einen Weg zu finden, mit der Situation zu leben. Es gibt kein Patentrezept, wie dies gelingen kann. Jeder betroffene Mensch geht anders mit einer lebensbedrohenden Erkrankung um. Manchmal ändert sich der Umgang mit der Erkrankung auch von Tag zu Tag – je nachdem, wie man sich gerade fühlt und welche Bedürfnisse und Herausforderungen im Vordergrund stehen.

Viele Frauen berichten, dass ihnen die Auseinandersetzung mit der Erkrankung sehr geholfen und sie persönlich verändert hat. Nach einer anfänglichen Zeit der Niedergeschlagenheit orientieren sie sich allmählich neu, bewerten vieles anders und erleben sich selbst oft reifer und bewusster als zuvor. Sie versuchen, möglichst in der Gegenwart zu leben, jeden Tag zu nutzen und zu genießen. Oft nehmen sie sich mehr Zeit für Freunde und Familie, Hobbys und Entspannung.

Manche Frauen verändern ihren Alltag und verfolgen neue Interessen. Andere finden Halt, indem sie so normal wie möglich weiterleben und versuchen, das Beste aus jedem Tag zu machen. Dabei können Routinen im Alltag, ob Arbeiten im Haushalt, Betreuung von Kindern oder regelmäßige ehrenamtliche Aufgaben helfen.

Psychische Unterstützung

Therapie und Beratung

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ängste und depressive Stimmungen überhandnehmen, Sie sich ausgeliefert fühlen und nicht mehr weiter wissen, kann eine psychische Unterstützung durch Fachkräfte eine wertvolle Hilfe sein. Sie ist auch eine Möglichkeit, wenn Sie sich über Ihre Situation klarer werden möchten oder unsicher sind, wie Sie mit Ihren Angehörigen und Freunden sprechen können. 

Neben psychoonkologischer Begleitung werden psychosoziale Beratung sowie verschiedene, zum Teil auch körperorientierte Formen der Psychotherapie angeboten. Eine Therapie oder Beratung können Sie einzeln, zusammen mit Ihrem Partner, Ihrer Partnerin oder in einer Gruppe mit anderen Betroffenen in Anspruch nehmen.

Entspannung und Schmerzbewältigung

Zur psychischen Unterstützung gehören auch Methoden, die Sie selbst anwenden können, um Ihr Wohlbefinden zu verbessern. Zum Beispiel können Sie Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation, autogenes Training oder Übungen zur Lenkung der Wahrnehmung erlernen. Sie sind eine Möglichkeit, Stress abzubauen, mit Ängsten klarzukommen und Schmerzen besser zu bewältigen.

Wahrscheinlich wissen Sie aus eigener Erfahrung, dass es bestimmte Situationen und Umstände gibt, die Schmerzen verstärken oder abschwächen. In einer Schmerzbewältigungs-Therapie geht es unter anderem darum, herauszufinden, wie Sie Ihr Schmerzempfinden beeinflussen und Ihren Tagesablauf anpassen können.

Entspannungskurse und Schmerzbewältigungs-Therapien werden häufig in Rehakliniken angeboten. Auch einige niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sowie psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit einer schmerztherapeutischen Zusatzausbildung bieten Kurse an. Wenn sie ärztlich verschrieben werden, übernimmt Ihre Krankenkasse die Kosten.

Was Studien sagen

Der Umgang mit Fatigue

Eine metastasierte Krebserkrankung und ihre Behandlung können zur sogenannten Fatigue führen. Einige Frauen sind kaum von dieser als zeitweise überwältigend empfundenen Erschöpfung und Müdigkeit betroffen, bei anderen ist sie stark ausgeprägt, bleibt länger bestehen oder tritt immer wieder auf.

Eine schwere Fatigue kann den Alltag und die Lebensqualität erheblich einschränken. Schlaf-, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie depressive Verstimmungen können damit verbunden sein. Die Ursachen sind nicht genau bekannt; man nimmt an, dass ein ganzes Bündel aus körperlichen und psychischen Belastungen dafür verantwortlich ist. So können die Erkrankung und deren Behandlung beispielsweise zu einem Gewichtsverlust und abnehmender Kraft führen. Manche Frauen erleben Fatigue auch als Ausdruck der starken emotionalen Belastung durch die Erkrankung.

Im Gegensatz zu normaler Müdigkeit lässt sich Fatigue nur sehr begrenzt durch Ruhe und Schlaf verringern. Auch wenn es paradox klingt: Angepasste körperliche Bewegung wie regelmäßiges Spazierengehen oder leichte Gymnastik lindern die Erschöpfung eher. Die folgenden Ansätze könnten außerdem helfen, mit Fatigue zurechtzukommen:

  • Den Tagesablauf planen: tageszeitliche Schwankungen der eigenen Kräfte beobachten und Aktivitäten sowie Pausen danach ausrichten.
  • Prioritäten setzen: weniger Dringendes verschieben und weniger Wichtiges an andere abgeben.
  • Eins nach dem anderen angehen: Aktivitäten in kleine Schritte aufteilen, sich immer nur auf eine Aufgabe konzentrieren.
  • Praktische Unterstützung organisieren: sich zum Beispiel im Alltag von einer Haushaltshilfe Unterstützung holen.
  • Sich ablenken: sich mit angenehmen Dinge beschäftigen, zum Beispiel Musik hören, lesen, fernsehen.
  • Tagsüber nicht zu viel schlafen: um den Nachtschlaf nicht zu beeinträchtigen, tagsüber möglichst nur kurze Nickerchen halten und auf längere Schlafpausen verzichten.

Auf das eigene Wohlbefinden achten

Für Frauen mit metastasiertem Brustkrebs ist es besonders wichtig, auf das eigene Wohlbefinden zu achten. Einige Möglichkeiten, die Behandlung aktiv zu begleiten und sich etwas Gutes zu tun, sind

  • sich wenn möglich regelmäßig zu bewegen,
  • zu essen, was man mag,
  • auf das richtige Maß von Aktivität und Entspannung zu achten,
  • für einen möglichst erholsamen Schlaf zu sorgen und
  • generell Dinge zu tun, die einem in dieser schwierigen Situation gut tun.

Den eigenen Körper bewusst zu pflegen, macht es für einige Frauen leichter, mit Veränderungen durch Krankheit und Behandlung umzugehen. Für die Hautpflege nach einer Strahlentherapie oder die Pflege von Narbengewebe gibt es spezielle Produkte. Unabhängig davon sind sanftes Eincremen und leichte Massage eine einfache Möglichkeit, sich Gutes zu tun.

Bewegung

Regelmäßige körperliche Bewegung kann manchen Frauen helfen, ihre körperliche Leistungsfähigkeit zu erhalten oder wieder zu verbessern. Ein angepasstes Bewegungsprogramm ist eine Möglichkeit, Erschöpfungszustände zu mildern und den Schlaf zu verbessern, die Stimmung aufzuhellen und den eigenen Körper wieder positiver wahrzunehmen. Gezielte Übungen unter physiotherapeutischer Anleitung können nach einer Operation helfen, die Beweglichkeit und Muskelkraft wieder zu verbessern. Bewegung kann auch Beschwerden durch ein Lymphödem günstig beeinflussen.

Bei einer metastasierten Erkrankung ist es wichtig, dass Sie keine Angst vor Bewegung haben, aber mit dem Behandlungsteam abstimmen, welche körperlichen Aktivitäten möglich und sinnvoll sind. Dies können beispielsweise regelmäßige Spaziergänge, Schwimmen, Wandern, Tanzen oder leichte Gymnastik sein. Wichtig ist, dass Sie Spaß an der Bewegung haben, sich dabei wohl fühlen und nicht überfordern.

Im Rahmen der Krebsnachsorge gibt es auch die Möglichkeit, an speziellen Sportangeboten teilzunehmen. Die Teilnahme kann als Rehabilitationssport ärztlich verordnet und dann von den Krankenkassen bezahlt werden. Angebote in Ihrer Nähe finden Sie beispielsweise über Krebsberatungsstellen und Selbsthilfe-Organisationen vor Ort.

Manchen Frauen fällt es schwer, sich zu bewegen oder sie finden es deprimierend, dass sie keine Fortschritte sehen. Wenn es Ihnen auch so geht, ist eine Möglichkeit, eine Weile auszusetzen. Vielleicht verspüren Sie nach einiger Zeit wieder Lust auf mehr Bewegung und nehmen Ihre Aktivitäten wieder auf. Wichtig ist, dass Ihnen das, was Sie tun, gut tut.

Ernährung

Viele Menschen glauben, dass bestimmte Ernährungsweisen oder Diäten Krebs vorbeugen oder zur Heilung beitragen könnten. Untersuchungen zum Einfluss der Ernährung auf Brustkrebs konnten bisher jedoch keine direkten Auswirkungen auf das Erkrankungsrisiko oder den Krankheitsverlauf finden. Sie können also essen, was Ihnen schmeckt und wonach Ihnen ist.

Sexualität

Als Folge der Belastungen durch die Erkrankung und ihre Behandlung ist es normal, dass das sexuelle Interesse vieler Frauen abnimmt. Schmerzen und körperliche Einschränkungen, Müdigkeit und Erschöpfung, ein verändertes Körpergefühl, seelische Belastungen – all das lässt sexuelle Bedürfnisse oft in den Hintergrund treten. Zudem treffen die Folgen der Therapie zentrale Bereiche der Weiblichkeit: Möglicherweise wurde eine Brust entfernt oder weist Narben auf. Eine Antihormon- oder Chemotherapie kann zum Verlust der Fruchtbarkeit und zu hormonellen Veränderungen bereits vor den Wechseljahren führen.

Manche Frauen ziehen sich auch deshalb sexuell zurück, weil sie befürchten, für ihren Partner oder ihre Partnerin nicht mehr attraktiv zu sein. Meist ist die Angst vor Ablehnung aus körperlichen Gründen jedoch unbegründet. Wie ein Paar mit körperlichen Veränderungen zurechtkommt, hat eher damit zu tun, wie es auch sonst miteinander umgeht und Probleme bewältigt.

Frauen, die auf der Suche nach einem Partner sind, fühlen sich oft unsicher, ob sich ihr sexuelles Erleben durch die Erkrankung verändert hat und wie sie dieses Thema einem neuen Partner gegenüber ansprechen können.

Sexualität wiederentdecken

Mit der Zeit kann es gelingen, die Veränderungen durch die Erkrankung zu akzeptieren und die vielleicht verloren gegangene Lust wiederzuentdecken. Eine befriedigende Sexualität tut Körper und Seele gut. Sie ist mehr als Geschlechtsverkehr, der vielleicht nicht immer möglich oder zeitweise weniger lustvoll ist. Hinzu kommt: Sexuelle Vorlieben und Gewohnheiten sind von Paar zu Paar unterschiedlich und können sich auch ohne Erkrankung im Laufe der Zeit verändern. Die Sexualität kann zum Beispiel mit zunehmendem Alter sanfter werden, die Lust mehr Zeit brauchen.

Möglichkeiten, das Körpergefühl zu verbessern und die Sinne anzuregen, sind zum Beispiel genussvolle Körper- und Schönheitspflege sowie Bewegung – ob Spazierengehen, Yoga, Tanz oder Beckenbodengymnastik. Sich mit Partnermassagen zu verwöhnen, entspannt und kann helfen, einander (wieder) näher zu kommen. Für manche Probleme gibt es einfache praktische Lösungen: Wenn die Beweglichkeit eingeschränkt ist, können Kissen zum Abstützen nützlich sein. Bei trockener Scheide (zum Beispiel infolge einer Antihormontherapie) kann Gleitcreme helfen.

Gewohnheiten zu verändern und nach neuen Wegen zu suchen, fällt nicht immer leicht. Vielleicht hilft es Ihnen, über Bedürfnisse, Ängste und Gefühle offen miteinander zu sprechen und sich Zeit zu lassen.

Wenn die Lust ausbleibt

Auch wenn die Energie für Sexualität fehlt und die Lust ausbleibt, sind körperliche Nähe und Zärtlichkeit für die meisten Frauen wichtig und wohltuend. Sie können Paaren helfen, sich weiterhin eng miteinander verbunden zu fühlen. Dies gelingt leichter, wenn der Partner oder die Partnerin die Veränderungen versteht und einfühlsam damit umgeht.

Der Partner oder die Partnerin kann ebenfalls die Lust auf Sex verlieren – weil auch ihn oder sie die Erkrankung, die veränderte Lebenssituation und die Sorgen um die Partnerin belasten. Einige befürchten möglicherweise, die erkrankte Partnerin mit sexuellen Bedürfnissen zu überfordern.

Es muss nicht unbedingt ein Problem sein, wenn die Sexualität in Ihrer Beziehung eine Zeit lang keine große Rolle spielt. Solange Sie sich als Paar nahe fühlen und akzeptieren, dass der Brustkrebs Ihre Beziehung auch in diesem Bereich verändert hat, gibt es keinen Grund, sich Sorgen zu machen. Wenn Sie jedoch das Gefühl haben, dass die fehlende Lust Ihre Partnerschaft belastet, hilft es vielleicht, Ihre Empfindungen und Befürchtungen der Partnerin oder dem Partner gegenüber auszusprechen. Sie können auch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über das Thema sprechen, sich an eine Sexualberatungsstelle oder eine psychosoziale Beratungsstelle wenden.

Über Krebs sprechen

Vielleicht haben Sie erlebt, dass Angehörige oder Bekannte hilflos und befangen auf Ihre Krebserkrankung reagieren, sich Ihnen gegenüber ausweichend verhalten oder vielleicht sogar die Ernsthaftigkeit Ihrer Erkrankung herunterspielen. Möglicherweise wünschen Sie aus Angst vor solchen Reaktionen nicht, dass Ihre Erkrankung überall bekannt wird. Vielleicht möchten Sie Ihre Lieben auch vorerst vor der beängstigenden Nachricht schützen. Oder Sie haben das Gefühl, dass gesunde Menschen ohnehin nicht nachvollziehen können, was Sie bewegt. All dies können Gründe sein, Ihre Gedanken und Gefühle auch den Menschen nicht immer mitzuteilen, die von Ihrer Erkrankung wissen.

Wenn Sie mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin, Angehörigen, Freundinnen und Freunden über Ihre Erkrankung sprechen, wird es ihnen jedoch leichter gelingen, sich in Sie einzufühlen. Auch das Gespräch mit Ihrem Behandlungsteam und / oder in einer Selbsthilfegruppe kann sehr entlastend sein. Vielleicht werden ganz andere Menschen zu Ihren größten Stützen, als Sie zu gesunden Zeiten noch vermutet hätten. Vertraute um sich zu haben, mit denen Sie weinen und Ängste teilen, aber auch ganz Alltägliches erleben, lachen und genießen können, kann eine wertvolle Hilfe im Leben mit der Erkrankung sein.

Auf der anderen Seite gibt es Frauen, die nicht über ihre Erkrankung reden möchten und solche Dinge lieber mit sich selbst ausmachen. Auch das ist ein möglicher Weg. Entscheidend ist, dass Sie für sich herausfinden, wie Sie am besten mit der Erkrankung zurechtkommen – und wissen, an wen Sie sich wenden können, wenn Sie Gesprächsbedarf haben.

Partnerschaft

Frauen mit metastasiertem Brustkrebs machen sich oft Gedanken, wie es mit ihrer Familie weitergehen soll und ob ihre Partnerschaft den Belastungen standhalten wird.

Wie intensiv sich Paare über die Erkrankung und Behandlung austauschen, ist ganz unterschiedlich. Einige Paare sprechen täglich miteinander darüber, beispielsweise über das körperliche Wohlbefinden. Andere grenzen sich eher ab und legen fest, was sie wann besprechen, zum Beispiel nach Arztterminen. Viele reden miteinander, wenn die Frauen neue oder unübliche Beschwerden haben. Einige berichten, dass der Austausch über die Erkrankung nicht mehr so stark im Mittelpunkt der Gespräche steht, wenn die Entscheidung für eine Behandlung gefallen ist.

Ihr Partner oder Ihre Partnerin sind in einer schwierigen Rolle. Einen geliebten Menschen leiden zu sehen und Angst zu haben, ihn zu verlieren, ist schwer zu ertragen. Einerseits möchten viele ihrer erkrankten Partnerin zur Seite stehen, im Alltag und Haushalt helfen, seelischen Beistand geben – und brauchen auf der anderen Seite mitunter selbst Unterstützung, um mit der Veränderung in ihrem Leben umgehen zu können. Mit der Zeit verschieben sich wahrscheinlich manche Rollen in der Partnerschaft: Frauen müssen krankheitsbedingt Aufgaben abgeben und werden von der Unterstützung der Partner abhängiger als früher. Das kann zu Konflikten führen.

Umso wichtiger ist es, miteinander im Gespräch zu bleiben und über Hoffnungen, Ängste, Bedürfnisse und Wünsche zu reden. Der veränderte Alltag erfordert viele Absprachen, der Haushalt und die Finanzen wollen geregelt werden. Viele Paare versuchen in solchen Situationen weiterhin einen normalen Alltag zu leben, möglichst viele schöne Tage miteinander zu haben und sich nicht ständig Sorgen über die Zukunft zu machen. Hier gibt es kein Richtig oder Falsch, es gibt nur Ihren ganz persönlichen Weg. Lassen Sie sich nicht beirren von allzu vielen gut gemeinten Ratschlägen.

Neben der Gestaltung des gemeinsamen Lebens sind oft auch Trauer, Abschied und Sterben Themen, die viele Frauen beschäftigen. Es ist oft schwer, darüber zu sprechen. Wenn Sie an Ihre Grenzen kommen, ist es möglich, sich einzeln oder als Paar psychoonkologische oder psychologische Unterstützung zu holen. 

Die Kosten für psychoonkologische Beratung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen unter bestimmten Voraussetzungen auch für Angehörige. Es gibt mittlerweile auch für Angehörige Selbsthilfegruppen. Ihr Partner oder Ihre Partnerin kann sich dort mit anderen austauschen.

Kinder und Enkelkinder

Als Mutter oder Großmutter möchte man seine Kinder und Enkelkinder aufwachsen sehen und sie mit Rat und Tat begleiten. Durch die Erkrankung scheint dies nur noch begrenzt möglich. Dies kann tief traurig machen. Manche Frauen machen sich auch Sorgen, welchen Einfluss die Erkrankung auf die Kinder haben könnte. Ob sie noch klein sind oder schon erwachsen – für viele Mütter oder Großmütter ist es schwierig, mit ihren Kindern oder Enkelkindern über eine solch ernsthafte Erkrankung zu sprechen. Dennoch berichten Frauen, dass sie es für sich als notwendig angesehen haben, mit den Kindern über die Diagnose und Erkrankung zu reden.

Auch kleinere Kinder spüren, wenn etwas nicht in Ordnung ist, und bemerken selbst kleine Veränderungen im Familienalltag. Deshalb ist es sinnvoll, mit ihnen ehrlich darüber zu sprechen, dass Sie ernstlich erkrankt sind. Es hängt jedoch vom Alter und Entwicklungsstand Ihrer Kinder ab, was Sie in einem Gespräch vermitteln können. Wenn Sie Ihrem Kind erklären, dass Sie schwer erkrankt sind, wird es vielleicht eher verstehen, warum einige gemeinsame Aktivitäten nicht mehr möglich sind und Sie öfter eine Ruhepause brauchen. Bei metastasiertem Brustkrebs wird es auch nötig sein, von den Kindern eine gewisse Rücksicht einzufordern und ihnen Grenzen zu setzen. Das ist kein Grund, ein schlechtes Gewissen zu haben.

Auf der anderen Seite brauchen Kinder in einer solchen Situation viel Aufmerksamkeit, einen möglichst geregelten Alltag und liebevolle Zuwendung. Es ist wichtig, dass sie ihre Angst und Trauer ebenfalls zeigen dürfen. Kinder fürchten oft, dass sie schuld an der Erkrankung sein könnten. Dann ist es wichtig, ihnen immer wieder zu erklären, dass das nicht der Fall ist. Auch hier gilt: Holen Sie sich professionelle Beratung und Unterstützung, wenn Sie das Gefühl haben, dass es Ihnen zu schwer fällt, mit Ihren Kindern zu sprechen, oder wenn Sie denken, dass sie zusätzliche Hilfe brauchen. Freunde und Verwandte können mitunter eine große Hilfe sein. Auch spezielle Mutter-Kind-Kuren können eine Möglichkeit sein.

Selbsthilfe, Information und Beratung

In Selbsthilfegruppen können Sie Kontakte zu anderen Frauen knüpfen, die Vergleichbares erlebt haben und die mit der Erkrankung verbundenen Gefühle und praktischen Probleme kennen. Dort ist es möglich, Themen anzusprechen, die mit nicht krebskranken Menschen oft schwierig zu erörtern sind. Das kann eine große Entlastung sein. Manche Frauen fürchten, dass sie die Gespräche in einer Selbsthilfegruppe deprimieren könnten. Diese Befürchtung ist meist unbegründet, im Gegenteil: Viele Frauen berichten, dass ihnen die Gruppe viel Kraft gibt, dass sie von positiven Vorbildern und der gegenseitigen Hilfsbereitschaft und Unterstützung enorm profitieren und dass dort durchaus Raum für Lachen und Freude ist. Den meisten Teilnehmerinnen ist es ein Anliegen, anderen Kraft und Hoffnung zu vermitteln.

Tipps und Erfahrungen mit ebenfalls Betroffenen auszutauschen, ist das, was die Selbsthilfe im Kern ausmacht. Daneben gibt es zahlreiche weitere Angebote von Selbsthilfe-Organisationen, zum Beispiel: Sportangebote speziell für die Krebsnachsorge, Veranstaltungen und Broschüren zu unterschiedlichen Themen, Hilfe bei sozialrechtlichen Fragen und nicht zuletzt auch die sozial- und gesundheitspolitische Interessenvertretung. Eine Selbsthilfegruppe ist idealerweise unabhängig von der Pharmaindustrie und vertritt nur die Interessen ihrer Mitglieder. Adressen von Selbsthilfegruppen finden Sie unter anderem beim Krebsinformationsdienst oder bei Ihrem örtlichen Gesundheitsamt.