Einleitung

Foto von Frau im Garten (Jupiterimages / Polka Dot / Thinkstock)

Bei einer koronaren Herzkrankheit (KHK) sind die großen Adern verengt, die das Herz mit Sauerstoff versorgen. Diese Gefäße heißen medizinisch „Koronararterien“ oder auch „Herzkranzgefäße“. Deutlich verengte Gefäße können bei körperlicher Anstrengung Kurzatmigkeit und Brustschmerzen auslösen. Wenn sich ein Koronargefäß plötzlich ganz verschließt, kann ein Herzinfarkt die Folge sein.

Eine KHK kann zu Folgeerkrankungen wie etwa einer Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen führen. Die Symptome und auch das Risiko für Folgeerkrankungen lassen sich aber durch verschiedene Behandlungen verringern.

Symptome

Die Beschwerden einer KHK reichen von Kurzatmigkeit bis zu mehr oder weniger starken Brustschmerzen. Solche Schmerzen werden Angina Pectoris (Brustenge) genannt. Sie sind typischerweise mit einem Beklemmungs- oder Angstgefühl verbunden und können in Arme, Nacken, Rücken, Oberbauch oder Kiefer ausstrahlen. Die Beschwerden werden meist durch körperliche Belastung ausgelöst, da der Herzmuskel dann mehr Sauerstoff benötigt. Sie treten auf, wenn nicht genug Blut durch die Koronararterien fließt. Diese Grenze der körperlichen Aktivität, bei der Beschwerden auftreten, nennt man Belastungsschwelle.

Bei einer stabilen Angina Pectoris bleibt die Belastungsschwelle auch über einen längeren Zeitraum unverändert. Auch die Stärke der Beschwerden ist immer ähnlich. Die Symptome klingen durch Ausruhen oder Medikamente nach kurzer Zeit wieder ab.

Von einer instabilen Angina Pectoris spricht man, wenn die Beschwerden plötzlich ohne körperliche Belastung zunehmen, oder die Belastungsschwelle sich verändert. Dies kann bedeuten, dass die Schmerzen früher auftreten, länger andauern, häufiger oder stärker werden. Auch jede erstmalig auftretende Angina Pectoris wird als instabil bezeichnet. Im Gegensatz zur stabilen Form ist eine instabile Angina Pectoris ein Notfall: Es besteht die Gefahr eines Herzinfarkts, weil das Gefäß ohne Vorwarnung auch komplett verschließen kann.

Grafik: Mögliche Schmerzregionen bei Herzinfarkt - wie im Text beschriebenMögliche Schmerzregionen bei Herzinfarkt

Ursachen

Eine KHK ist die Folge von Arteriosklerose, im Volksmund Gefäßverkalkung genannt. Arteriosklerose entsteht, wenn sich in der Gefäßwand kleine Entzündungen bilden. An diesen Stellen sammeln sich Zellen, Fette und andere Substanzen an. Solche Ablagerungen werden medizinisch arteriosklerotische Plaques genannt.

Ablagerungen in den Koronararterien machen sich anfangs nicht bemerkbar. Wenn sie mit der Zeit zunehmen, können sie den Blutfluss im betroffenen Gefäß aber mehr und mehr behindern, bis ein Teil des Herzmuskels nicht mehr genügend Sauerstoff erhält. Körperliche Belastung oder psychischer Stress können dann zu Beklemmungen und Schmerzen in der Brust führen (stabile Angina Pectoris).

Es kann aber auch vorkommen, dass Gefäßablagerungen plötzlich und unerwartet aufbrechen und ein Blutgerinnsel bilden, das das Gefäß fast gänzlich verstopft. Dann können Brustschmerzen auch ohne vorherige Belastung auftreten (instabile Angina Pectoris). Bei einem kompletten Gefäßverschluss (Infarkt) stirbt ein Teil des Herzmuskels ab, wenn er nicht zügig behandelt wird.

Risikofaktoren

Das Risiko für eine koronare Herzkrankheit steigt mit dem Alter an. Andere Risikofaktoren für eine KHK sind Rauchen, starkes Übergewicht, ein erhöhter Cholesterinspiegel, Bluthochdruck und Diabetes.

Häufigkeit

Die KHK gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen: Fast 10 % der Menschen im Alter von 40 bis 80 Jahren haben damit zu tun, Männer häufiger als Frauen.

Verlauf

Eine KHK ist eine chronische Erkrankung. Sie kann erstmals als Angina Pectoris in Erscheinung treten, aber auch zu einem Herzinfarkt führen, ohne vorher Beschwerden zu verursachen. Manchmal bleibt sogar ein Herzinfarkt unbemerkt: Man spricht dann von einem stummen Infarkt. Beispielsweise spüren Menschen mit Nervenschäden infolge einer Diabetes-Erkrankung manchmal keine typischen Symptome, wenn sie einen Herzinfarkt haben.

Eine Angina Pectoris kann unterschiedlich ausgeprägt sein – auch unabhängig davon, wie stark die Blutversorgung des Herzmuskels eingeschränkt ist. Es werden vier Schweregrade unterschieden:

Tabelle: Schweregrade einer stabilen Angina Pectoris
Schweregrad Ausprägung der Beschwerden
Grad 1 Brustschmerzen treten erst bei plötzlicher psychischer oder körperlicher Belastung auf, aber nicht bei Alltagsaktivitäten wie Laufen oder Treppensteigen.
Grad 2 Brustschmerzen treten bei stärkerer Anstrengung auf wie schnellem Laufen, Bergaufgehen und Treppensteigen nach dem Essen, bei Kälte oder gleichzeitiger psychischer Belastung.
Grad 3 Brustschmerzen treten bereits bei leichter körperlicher Belastung auf wie normalem Gehen oder beim Ankleiden.
Grad 4 Brustschmerzen treten bereits in Ruhe oder bei geringster körperlicher Belastung auf.

Der Übergang zwischen einer stabilen Angina Pectoris Grad 4 und einer instabilen Angina Pectoris ist fließend.

Folgen

Eine KHK kann zu verschiedenen Folgeerkrankungen führen. Die bedeutsamsten sind Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern oder Herzschwäche (Herzinsuffizienz).

Manche Menschen mit einer KHK entwickeln auch Depressionen. Dies kann insbesondere nach einem Herzinfarkt geschehen.

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Diagnose

Brustschmerzen können durch eine KHK ausgelöst werden, aber auch viele andere Ursachen haben. Häufig stecken Probleme an den Muskeln oder Knochen im Brustbereich dahinter. Entzündungen am Herzmuskel, Erkrankungen der Lunge oder der Speiseröhre können ebenfalls Brustschmerzen auslösen.

Die wichtigste Untersuchung ist ein Elektrokardiogramm (EKG). Es kann in Ruhe oder unter Belastung durchgeführt werden. Möglich sind auch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie) oder weitere bildgebende Untersuchungen. Welche zusätzlichen Untersuchungen im Einzelfall nötig sind, hängt zum Beispiel vom Alter, den Vorerkrankungen und der Art der Beschwerden ab.

Um einzuschätzen, wie hoch das Risiko für Folgeerkrankungen ist und um die Behandlung der KHK zu planen, veranlasst die Ärztin oder der Arzt noch eine Reihe weiterer Tests. Zur üblichen Diagnostik gehören:

  • Bestimmung von Risikofaktoren: Die Ärztin oder der Arzt fragt zum Beispiel nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Familie und nach dem Lebensstil – etwa ob man raucht und wie man sich ernährt.
  • Blutdruckmessung: Der Blutdruck wird gemessen, da ein erhöhter Blutdruck ein wichtiger Risikofaktor für Folgeerkrankungen einer KHK ist.
  • Körperliche Untersuchungen: Untersuchungen wie das Abhören des Herzens oder das Abtasten der Leber können Hinweise auf mögliche andere Erkrankungen wie eine Herzschwäche oder Probleme mit den Herzklappen liefern.
  • Untersuchung auf Stoffwechselstörungen: Möglicherweise wird auch das Blut untersucht, um Stoffwechselstörungen wie einen Typ-2-Diabetes festzustellen. Typ-2-Diabetes kann das Risiko für Folgeerkrankungen stark erhöhen.

Früherkennung

Wer gesetzlich krankenversichert ist, hat ab dem Alter von 35 alle zwei Jahre Anspruch auf einen Gesundheits-Check-up. Diese Untersuchung soll frühzeitig Anzeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Nierenerkrankungen erkennen. Im Rahmen des Check-up wird unter anderem der Blutdruck gemessen sowie Blut und Urin untersucht.

Behandlung

Die Behandlung einer KHK hat zwei Ziele: die Beschwerden zu lindern und Folgeerkrankungen vorzubeugen.

Bei einer stabilen Angina Pectoris können Beschwerden und Alltags-Einschränkungen durch Medikamente gelindert werden. Hierzu werden Betablocker, Kalziumkanalblocker und Nitrate eingesetzt. Wenn dies nicht ausreicht, wird häufig versucht, das verengte Herzkranzgefäß durch einen Eingriff mit einem Herzkatheter zu erweitern. Bei deutlichen Verengungen oder wenn mehrere Gefäße betroffen sind, kommt eine Bypass-Operation infrage. Dabei wird an einer anderen Stelle des Körpers ein Gefäß entnommen und verwendet, um das blockierte Herzkranzgefäß zu umgehen.

Um Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt oder einer Herzschwäche vorzubeugen, kann man selbst etwas tun: zum Beispiel auf eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung achten. Wer raucht, kann eine Entwöhnung versuchen. Außerdem gibt es verschiedene Medikamente, die vor Folgeerkrankungen schützen und die Lebenserwartung erhöhen. Dazu gehören:

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Rehabilitation

Menschen mit KHK können an einer kardiologischen Rehabilitation teilnehmen. Ziel dieser Maßnahme ist es, die körperliche Belastbarkeit zu erhöhen, die Lebensqualität zu verbessern und Folgeerkrankungen vorzubeugen.

Eine kardiologische Rehabilitation besteht oft aus einer Kombination von Bewegungstraining, einer Schulung zum Umgang mit der Krankheit und ihren Risikofaktoren sowie einer psychologischen Betreuung. Die Rehabilitation wird von einem Team aus verschiedenen Fachleuten aus Medizin, Physiotherapie, Ernährungswissenschaft und Psychotherapie geleitet. Studien zeigen, dass sich eine kardiologische Rehabilitation mit Bewegungstraining lohnt: Sie kann die Lebensqualität verbessern und die Lebenserwartung verlängern.

Eine kardiologische Rehabilitation wird vor allem nach einem Herzinfarkt empfohlen, wenn die KHK bereits zu einer Herzschwäche geführt hat oder wenn die Beschwerden einen normalen Alltag unmöglich machen. Der Antrag auf eine kardiologische Rehabilitation wird gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt bei dem zuständigen Kostenträger gestellt. Dies ist in der Regel die gesetzliche Kranken- oder Rentenversicherung.

Leben und Alltag

Einige Menschen mit einer koronaren Herzkrankheit haben Schuldgefühle, weil sie meinen, sie hätten nicht genug auf ihre Gesundheit geachtet. Doch der persönliche Lebensstil ist nur einer von mehreren Faktoren, die das Risiko für eine Herzerkrankung beeinflussen. Zudem kann es schwierig sein, nach der Diagnose die Lebensgewohnheiten zu ändern. Hier kann es helfen, sich kleinere Zwischenziele zu setzen.

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Weitere Informationen

Alle gesetzlich Versicherten mit KHK haben die Möglichkeit, an einem sogenannten strukturierten Behandlungsprogramm teilzunehmen. Sie werden auch als Disease-Management-Programme (DMP) bezeichnet. Diese Programme sollen die Lebensqualität der Teilnehmenden verbessern und eine hohe Behandlungsqualität sichern. Wer an einem DMP teilnehmen möchte, wendet sich am besten an seine Krankenkasse.

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