Einleitung

Foto von Patient und Ärztin (PantherMedia / Alexander Raths) Viele Menschen machen sich Gedanken über ihr „Cholesterin“. Der Grund ist, dass Menschen mit ungünstigen Cholesterinwerten im Blut ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben können.

Wenn bestimmte Werte überschritten sind, wird die Diagnose „Hypercholesterinämie“ gestellt. Erhöhte Cholesterinwerte sind jedoch keine Krankheit. Zudem gibt es verschiedene Auffassungen darüber, ab wann der Cholesterinwert als zu hoch eingestuft werden sollte. Entscheidend ist, dass viel Cholesterin im Blut nur einer von vielen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist. Allein sagen die Cholesterinwerte daher wenig aus.

Symptome

Ein erhöhter Cholesterinwert verursacht selbst keine Beschwerden. Ein über Jahre erhöhter Wert kann aber darauf hinweisen, dass das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung wie zum Beispiel Angina Pectoris, für Herzinfarkte und Schlaganfälle höher ist als es für das Lebensalter normal wäre. Bei ungünstigen Cholesterinwerten kann es deshalb sinnvoll sein, etwas gegen das erhöhte Risiko zu tun.

Ursachen

Die Höhe des Cholesterinwerts hängt vor allem von den Genen und von der eigenen Lebensweise ab.

Manche Menschen haben schon im Kindesalter anlagebedingt stark erhöhte Cholesterinwerte. Es gibt verschiedene Formen dieser sogenannten familiären Hypercholesterinämien, die unter Umständen ein ernsthaftes Risiko für die Gesundheit bedeuten können.

Bei den meisten Menschen hängt die Menge des Cholesterins im Blut aber vor allem vom Lebensstil ab, also von den Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten. Man spricht dann von „erworbener Hypercholesterinämie“.

Manchmal erhöhen sich die Cholesterinwerte auch durch Erkrankungen wie zum Beispiel eine Unterfunktion der Schilddrüse. Auch die Einnahme bestimmter Medikamente kann den Cholesterinspiegel im Blut etwas steigen lassen.

Risikofaktoren

Grundsätzlich gilt folgende Regel: Je höher der Cholesterinwert ist, desto höher ist auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Allerdings ist Cholesterin nicht der einzige Einflussfaktor, es gibt viele weitere – positive wie negative. Nur wenn alle Faktoren zusammen betrachtet werden, lässt sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen abschätzen.

Das persönliche Risiko kann mithilfe von Tabellen oder Computerprogrammen, sogenannten Risikorechnern, ermittelt werden – am besten gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt. Für die Berechnung werden Informationen zu verschiedenen Risikofaktoren benötigt. Die wichtigsten sind:

  • Alter: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Geschlecht: Männer haben ein höheres Risiko als Frauen.
  • familiäre Veranlagung: Ein höheres Risiko haben Menschen mit einem Bruder oder Vater, der bereits mit unter 55 Jahren einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatte, sowie Menschen mit einer Schwester oder Mutter, die mit unter 65 Jahren einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatte.
  • Rauchen: Rauchen steigert das Risiko stärker als zum Beispiel moderat erhöhte Cholesterinwerte.
  • Bluthochdruck: Bluthochdruck belastet Herz und Kreislauf zusätzlich.
  • Typ-2-Diabetes: Menschen mit Typ-2-Diabetes haben ein höheres Risiko als gleichaltrige Personen ohne Diabetes.
  • Cholesterinwerte: Ungünstig sind erhöhte Gesamtcholesterinwerte, erhöhte LDL-Werte („schlechtes Cholesterin“) sowie niedrige HDL-Werte („gutes Cholesterin“).

Das Ergebnis einer Risiko-Abschätzung wird in der Regel als Wahrscheinlichkeit ausgedrückt, in den nächsten zehn Jahren einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu haben. Die folgenden Tabellen zeigen an zwei weiblichen und zwei männlichen Beispiel-Personen (Verena und Isolde, Fred und Karl), wie wichtig es ist, die Risikofaktoren gemeinsam zu betrachten.

 

Tabelle: Auswirkung verschiedener Risikofaktoren bei Frauen
Risikofaktor Verena Isolde
Gesamtcholesterin erhöht (260 mg/dl) erhöht (260 mg/dl)
HDL-Cholesterin leicht erniedrigt (44 mg/dl) leicht erniedrigt (44 mg/dl)
Alter 50 Jahre  50 Jahre 
familiäre Veranlagung keine  Vater: Herzinfarkt mit unter 55
Rauchen nein ja 
Blutdruck leicht erhöht (145/90 mmHg)  leicht erhöht (145/90 mmHg)
Typ-2-Diabetes nein  nein 
Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall in den nächsten zehn Jahren 4 % 18 % 
Tabelle: Auswirkung verschiedener Risikofaktoren bei Männern
Risikofaktor Fred Karl
Gesamtcholesterin erhöht (260 mg/dl) erhöht (260 mg/dl)
HDL-Cholesterin leicht erniedrigt (44 mg/dl) leicht erniedrigt (44 mg/dl)
Alter 50 Jahre 50 Jahre
familiäre Veranlagung keine keine
Rauchen nein ja
Blutdruck normal deutlich erhöht (162/96 mmHg)
Typ-2-Diabetes nein nein
Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall in den nächsten zehn Jahren 11 % 33 %

Quelle: www.arriba-hausarzt.de

Obwohl alle Personen gleich hohe Cholesterinwerte haben, unterscheidet sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich. Der Cholesterinwert allein sagt also wenig aus. Für sich allein genommen, kann er daher meist auch keine Entscheidungsgrundlage für oder gegen eine Behandlung sein.

Bei einem 50-jährigen Mann, der gar keine Risikofaktoren hat, liegt das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall innerhalb von zehn Jahren übrigens bei 3 %, bei einer 50-jährigen Frau ohne Risikofaktoren bei unter 1 %.

Diagnose

Cholesterin ist in Wasser (und Blut) nicht löslich. Damit der Körper es im Blut transportieren kann, verpackt er es mit verschiedenen Eiweißen und anderen Bestandteilen zu winzigen Paketen. Je nachdem, welche weiteren Bestandteile diese Pakete beinhalten, lassen sie sich im Labor unterscheiden.

Bei der Messung des Cholesterins werden meist zwei Typen unterschieden, die für die Herz-Kreislauf-Gesundheit eine unterschiedliche Bedeutung haben. Umgangssprachlich werden sie häufig als „gutes“ und „schlechtes“ Cholesterin bezeichnet:

  • HDL-Cholesterin: Der HDL-Wert steht für den Anteil des „guten“ Cholesterins am Gesamtcholesterin. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist bei einem normalen bis hohen HDL-Wert geringer als bei einem niedrigen Wert.
  • LDL-Cholesterin: Der LDL-Wert bezeichnet den Anteil des „schlechten“ Cholesterins. Ein hoher LDL-Wert ist mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden.

Außerdem wird das „Gesamtcholesterin“ untersucht. Es gibt an, wie viel Cholesterin sich insgesamt im Blutkreislauf befindet. Ein hoher Gesamtcholesterinwert ist eher ungünstig. Der Gesamtcholesterinwert und der LDL-Wert werden am besten nüchtern gemessen – das heißt, ab zwölf Stunden vor dem Test sollte man nichts essen und nur Wasser trinken.

Es gibt verschiedene Definitionen, ab wann ein Cholesterinwert „zu hoch“ ist. Oft wird die Diagnose „Hypercholesterinämie“ gestellt, wenn der Gesamtcholesterinwert oder das LDL-Cholesterin über dem als günstig definierten Wert liegt. Als ungünstig gilt auch, wenn das HDL-Cholesterin unter diesem Wert liegt. Die Werte können in zwei verschiedenen Einheiten angegeben werden: als Milligramm pro Deziliter (mg/dl) oder als Millimol pro Liter (mmol/L). Als günstige Werte für Gesunde gelten:

  • Gesamtcholesterin: Werte unter 200 mg/dl (5,2 mmol/L)
  • LDL-Wert: Werte unter 130 mg/dl (3,4 mmol/L)
  • HDL-Wert: Werte über 40 mg/dl (1 mmol/L) für Männer und über 50 mg/dl (1,3 mmol/L) für Frauen

Die Festlegung auf die angegebenen Grenzwerte wird von manchen Fachleuten kritisiert, weil sie dazu führt, dass sehr viele Menschen als „krank“ eingestuft werden. Gemessen an diesen Werten hatten nach einer Studie des Robert Koch-Instituts mehr als die Hälfte aller Deutschen im Jahr 2010 einen erhöhten Cholesterinspiegel.

Früherkennung

Wer gesetzlich krankenversichert ist, hat ab dem Alter von 35 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf einen „Gesundheits-Check-up“. Diese Untersuchung soll frühzeitig Anzeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Nierenerkrankungen erkennen. Im Rahmen des Check-ups wird unter anderem der Blutdruck gemessen sowie Blut und Urin untersucht. Dies schließt eine Untersuchung des Gesamtcholesterinwerts ein.

Was Studien sagen

Behandlung

Das eigentliche Ziel der Behandlung hoher Cholesterinwerte ist nicht der Cholesterinwert an sich. Vielmehr geht es darum, ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen möglichst auf das normale Niveau abzusenken. Gut erprobte Behandlungen zeichnen sich dadurch aus, dass in Studien tatsächlich nachgewiesen wurde, dass sie Herzkrankheiten vorbeugen.

Bei erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden oft allgemeine Maßnahmen als Teil der Behandlung empfohlen. Dazu gehören:

  • nicht rauchen
  • wenig gesättigte Fette zu sich nehmen
  • eine mediterrane Ernährung
  • sich viel bewegen
  • Gewicht reduzieren

Manche dieser Maßnahmen können auch den Cholesterinspiegel etwas senken.

Auch zur Beurteilung des Nutzens von Medikamenten gilt, dass es nicht ausreicht, nur darauf zu schauen, wie sie den Cholesterinwert beeinflussen. Für Menschen mit erhöhten Cholesterinwerten, die aber noch keinen Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine andere Herz-Kreislauf-Erkrankung hatten, ist nur eine Gruppe von Medikamenten erprobt: die sogenannten Statine. Sie senken den LDL-Cholesterinwert, haben aber offenbar auch andere günstige Wirkungen auf die Blutgefäße. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind sich deshalb nicht einig, ob ihr Nutzen nur auf der Cholesterinsenkung beruht oder noch andere Faktoren eine Rolle spielen.

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