Einleitung

Foto von Jungen (PantherMedia / Dmitrii Kiselev) Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, die sich auf viele Bereiche des Körpers auswirkt. Je nach Art des Diabetes kann der Körper entweder kein Insulin produzieren (Typ 1) oder es nicht ausreichend nutzen (Typ 2). Insulin ist ein Hormon: ein chemischer Botenstoff, der über das Blut transportiert wird und wichtige Körperfunktionen reguliert. Ohne Insulin kann der Körper die aufgenommene Nahrung nicht verwerten.

Normalerweise produziert die Bauchspeicheldrüse das lebenswichtige Hormon und gibt es in das Blut ab. Dort sorgt es dafür, dass der durch Essen und Trinken aufgenommene Zucker in die Körperzellen transportiert und dort in Energie für den Körper umgewandelt wird. Ohne Insulin kann der Zucker im Blut nicht genutzt werden und sammelt sich dort an. Eine sehr hohe Zuckerkonzentration im Blut verursacht eine Reihe von Beschwerden.

Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes kann die Bauchspeicheldrüse kein oder nur sehr wenig Insulin produzieren. Deshalb müssen sie täglich Insulin spritzen, um den Körper damit zu versorgen. Die Behandlung von Diabetes mit Insulin schützt Menschen mit Diabetes vor zu starken Schwankungen des Blutzuckerspiegels und Beschwerden durch Unter- und Überzuckerungen. Und sie soll Folgeerkrankungen, die durch zu hohen Blutzucker entstehen können, so gut wie möglich vermeiden helfen.

 

Grafik: Lage der Bauchspeicheldrüse und InsulinzellenLage der Bauchspeicheldrüse und Insulinzellen

Symptome

Bei Typ-1-Diabetes sind ohne Behandlung die Blutzuckerwerte dauerhaft erhöht. Dies ist nicht immer gleich spürbar. Ein stark erhöhter Blutzuckerspiegel kann aber folgende Symptome verursachen: Häufiges Wasserlassen, starkes Durstgefühl, Müdigkeit, Antriebsschwäche, Übelkeit, Schwindel. Ist der Blutzuckerspiegel sehr stark erhöht, kann es auch zu Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit (diabetisches Koma) kommen.

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Ursachen und Risikofaktoren

Insulin wird in bestimmten Zellen der Bauchspeicheldrüse produziert, den sogenannten Betazellen. Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes werden diese Zellen vom eigenen Immunsystem angegriffen und im Laufe von einigen Jahren so stark geschädigt, dass sie nur noch sehr wenig oder gar kein Insulin mehr freisetzen.

In bestimmten Familien tritt Typ-1-Diabetes gehäuft auf. Manche Menschen haben dadurch erblich bedingt ein erhöhtes Risiko, die Erkrankung zu bekommen. Man vermutet noch andere Einflüsse, wie bestimmte Infektionen oder Umweltfaktoren. Bislang lässt sich jedoch nicht sicher sagen, welche Rolle sie spielen. 

Häufigkeit und Verlauf

Etwa 200.000 Menschen in Deutschland haben einen Typ-1-Diabetes, darunter zwischen 21.000 und 24.000 Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre. Pro Jahr erkranken etwa 2 von 10.000 Kindern neu daran.

Meist beginnt die Erkrankung in der Kindheit, der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter. Deshalb wird Typ-1-Diabetes auch „juveniler“ (jugendlicher) Diabetes genannt. Die Erkrankung kann sich aber auch erst im höheren Alter entwickeln.

Unbehandelt verursacht ein Typ-1-Diabetes rasch Probleme. Eine starke Überzuckerung löst die typischen Symptome wie Durst, häufiges Wasserlassen und lähmende Müdigkeit aus. Diese Beschwerden lassen sich durch die Gabe von Insulin schnell lindern. Ein diabetisches Koma durch eine extreme Überzuckerung ist heute sehr selten. Vor der Entwicklung der Insulintherapie im Jahr 1922 war es eine unvermeidliche Krankheitsfolge und führte zum Tod. Menschen, die an Typ-1-Diabetes erkrankten, überlebten deshalb nicht lange.

Folgen

Wenn Blutzuckerwerte über Jahre hinweg deutlich erhöht sind, kann dies schwerwiegende und nicht mehr rückgängig zu machende gesundheitliche Folgen haben. Folgeerkrankungen und Schäden durch einen nicht ausreichend behandelten („schlecht eingestellten“) Diabetes können viele Organe betreffen. Es kommt zu Schäden an den kleinen Blutgefäßen, die das Gewebe versorgen.

Mit der Zeit können deshalb feinste Gefäße zum Beispiel in der Netzhaut des Auges (diabetische Retinopathie) oder in der Niere (diabetische Nephropathie) so stark geschädigt werden, dass Erblindung oder Nierenversagen drohen. Eine häufige Folge ist auch die diabetische Neuropathie. Dabei kommt es zu Schädigungen an den Nerven. Das Tastgefühl, die Temperaturwahrnehmung und das Schmerzempfinden sind dann beeinträchtigt. In der Folge können sich beispielsweise Wunden entwickeln, da die Betroffenen Druckstellen und kleine Verletzungen nicht bemerken. Diese Wunden heilen dann wegen der eingeschränkten Durchblutung oft sehr schlecht. 

Diagnose

Um Diabetes mellitus festzustellen, wird der Zuckergehalt des Blutes vor der ersten Nahrungsaufnahme und während des Tages gemessen. Dazu wird in der Arztpraxis mehrmals Blut abgenommen und in einem Labor untersucht. Um zu prüfen, ob der Blutzuckerspiegel über einen längeren Zeitraum im Durchschnitt zu hoch ist, misst man den HbA1c-Wert im Blut. Dieser Wert zeigt an, wie hoch der Blutzucker in den letzten zwei bis drei Monaten im Durchschnitt war.

Behandlung

Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes steht die tägliche Kontrolle des Blutzuckers und die regelmäßige Zufuhr von Insulin im Vordergrund der Behandlung. Die Insulintherapie ersetzt das fehlende Insulin im Körper und senkt den Blutzucker. Dabei ist es wichtig, weder zu viel, noch zu wenig Insulin einzusetzen, um den Blutzuckerspiegel nicht zu tief fallen oder zu hoch steigen zu lassen. Die Behandlung soll außerdem langfristige Komplikationen durch die Zuckerkrankheit so gut es geht vermeiden. Es gibt verschiedene Insuline und Behandlungskonzepte.

Die Höhe des Blutzuckerspiegels hängt nicht nur davon ab, wie viel Insulin man spritzt, sondern auch davon, was man isst und trinkt und wie viel Energie man durch körperliche Bewegung verbraucht. Ebenso können die Tageszeit, entzündliche Erkrankungen, andere Medikamente oder hormonelle Veränderungen den Blutzucker beeinflussen. Die meisten Menschen mit Diabetes lernen daher, ihre Insulintherapie auf den eigenen Körper und die persönlichen Gewohnheiten auszurichten.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie sind ein ausreichendes Wissen über die eigene Erkrankung, ein gutes Selbstmanagement und eine verlässliche medizinische Versorgung. Bei Menschen mit Diabetes hängt die langfristige Gesundheit aber nicht nur vom Blutzuckerspiegel ab. Weitere Aspekte wie zum Beispiel der Blutdruck können eine größere Bedeutung haben als bei Menschen ohne Diabetes. Oft sind deshalb außer Insulin noch weitere Medikamente sinnvoll, zum Beispiel um Herz-Kreislauferkrankungen vorzubeugen.

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Leben und Alltag

Man kann Diabetes zwar noch nicht heilen, aber es ist heute möglich, das Leben mit der Erkrankung fast ganz normal zu gestalten. Es gab Zeiten, in denen der Tagesablauf von Menschen mit Diabetes streng reglementiert war: Beispielsweise mussten zwischen Insulinspritzen, Nahrungsaufnahme und körperlichen Aktivitäten bestimmte Abstände eingehalten werden. Inzwischen haben sich solche Vorschriften aber wesentlich gelockert. Die Therapie mit Insulin ist sehr viel flexibler geworden.

Wer Diabetes hat, kann heute weitgehend selbst über seine Behandlung entscheiden und darüber, wie er sie in seinen Alltag einbaut. Die Erkrankung bestimmt nicht mehr alle Aspekte des Lebens, und viele Menschen mit Diabetes fühlen sich gar nicht mehr als Kranke.

Dennoch erfordert der Umgang mit der Erkrankung immer noch einiges an Aufwand und Sorgfalt, was nicht immer leicht fällt. Wie fast alle chronisch Erkrankten, die auf Dauer täglich Medikamente nehmen müssen, können auch Menschen mit Diabetes hin und wieder ihre Spritzen oder Medikamente vergessen. Wer seine Therapie nicht konsequent anwendet, kann sich durchaus wohlfühlen und spürt dann nicht, dass sein Diabetes schlecht eingestellt ist. Dies kann allerdings auf lange Sicht zu ernsthaften Gesundheitsschäden führen.

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