Kontinuierliche Glukosemessung (CGM)

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PantherMedia / Phovoi R.

Es gibt Geräte, die regelmäßig den Zuckerwert im Unterhautfettgewebe messen. Diese kontinuierliche Glukosemessung kann die herkömmliche Messung der Blutzuckerwerte nicht völlig, aber weitestgehend ersetzen. Sie ist auch in Kombination mit einer möglich.

Menschen mit Typ-1-Diabetes sind auf angewiesen, seltener auch Menschen mit Typ-2-Diabetes. Entweder spritzen sie mehrmals täglich oder sie bekommen ihn über eine kontinuierlich zugeführt.

Bei der sogenannten intensivierten Insulinbehandlung wird die Insulinmenge an den Tagesablauf angepasst: Für die Basisversorgung des Körpers wird eine feste Insulinmenge gespritzt, der Rest wird flexibel an den Blutzuckerspiegel, die Essensmenge und die körperliche Bewegung angepasst. Dies setzt voraus, dass man mehrmals täglich den Blutzucker misst. Dazu eignen sich neben den klassischen Blutzucker-Messgeräten auch Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung.

Wie funktioniert die kontinuierliche Glukosemessung (CGM)?

Ein CGM-System besteht aus zwei kleinen Geräten mit folgenden Bestandteilen:

  • einem Sensor mit einem kleinen Sender, der auf die Haut geklebt wird. Der fadenförmige Sensor wird über eine Einstechhilfe in das Unterhautfettgewebe eingeführt, beispielsweise am Bauch oder am Oberarm. Er wird in regelmäßigen Abständen gewechselt.
  • einem kleinen Gerät, das beispielsweise am Gürtel getragen wird und die Daten empfängt, speichert und auf einem Bildschirm anzeigen kann.

Grafik: CGM-System: kontinuierliche Zuckermessung im Unterhautgewebe

CGM-System: kontinuierliche Zuckermessung im Unterhautgewebe

Das System misst alle paar Minuten den Zuckerwert im Gewebe und kann bei zu hohen oder zu niedrigen Werten Alarm geben.

Im Gegensatz zur herkömmlichen Blutzuckermessung am Finger überwachen CGM-Geräte den Zuckerspiegel also rund um die Uhr. Sie zeigen, wohin sich der Blutzuckerspiegel bewegt und helfen so, einer drohenden Unter- oder gegenzusteuern. Die gespeicherten Daten können auch auf einen Computer übertragen und ausgedruckt werden. So kann die Ärztin oder der Arzt die Einstellung des Zuckers prüfen und verbessern, wenn nötig.

Es gibt spezielle Schulungsprogramme, in denen man die kontinuierliche Glukosemessung erlernt.

Lässt sich die CGM mit einer Insulinpumpe kombinieren?

Viele CGM-Geräte können zusammen mit einer verwendet werden. Bei einigen können beide Geräte auch über eine gemeinsame Anzeige bedient werden. Eines dieser Kombinationsgeräte kann die stoppen, wenn der Zuckerwert eine bestimmte Schwelle unterschreitet, um eine zu vermeiden (Low-glucose-suspend-Funktion, kurz LGS-Funktion).

Grafik: CGM-Gerät mit Insulinpumpe

CGM-Gerät mit Insulinpumpe

Was ist Flash Glukose Monitoring (FGM)?

Bei diesem Verfahren werden die Zuckerwerte über einen Scanner gemessen. Dieser befindet sich entweder in einem speziellen Messgerät oder wird über eine App genutzt. Das heißt, die Werte können beispielsweise über ein Smartphone ausgelesen werden. Der Sensor wird auf den Oberarm geklebt. Auch beim FGM wird ein kleiner Messfaden ins Unterhautfettgewebe eingeführt.

Der Zuckerwert wird alle acht Stunden selbst ausgelesen, indem man das Messgerät oder das Smartphone an den Sensor hält. Achtung: Die Daten werden nicht automatisch übermittelt! Sie werden auch nur für die letzten acht Stunden angezeigt.

Das Gerät zeigt über Pfeile an, ob die Werte steigen, fallen oder stabil sind. Es hat auch eine Alarmfunktion, die anzeigt, ob der Zuckerwert zu stark ansteigt oder fällt.

Ist ein herkömmliches Blutzuckermessgerät noch nötig?

Die herkömmliche Blutzuckermessung wird zwar seltener – ganz ohne kommen Menschen mit Diabetes aber nicht aus. Allgemein wird empfohlen, noch ein herkömmliches Messgerät mit Stechhilfe und Teststreifen bei sich zu haben. Für manche Menschen ist es sinnvoll, ergänzend zur kontinuierlichen Glukosemessung beispielsweise einmal am Tag ihren Blutzucker zu messen. Außerdem müssen CGM-Geräte regelmäßig kalibriert werden. Da die Werte nach dem Messen nicht gleich mit den Blutzuckerwerten übereinstimmen, werden sie regelmäßig, zum Beispiel alle zwölf Stunden, mithilfe von Blutzuckermessungen geeicht. Zudem kann ein Gerät auch mal ausfallen. Beim Flash Monitoring ist keine Kalibirierung erforderlich.

Außerdem zeigen CGM-Geräte Blutzuckerschwankungen, etwa durch Sport oder Essen, nur verzögert an: Es kann 5 bis 20 Minuten dauern, bis Veränderungen des Blutzuckerspiegels auch im Unterhautfettgewebe gemessen werden können. Wer sofort wissen möchte oder muss, wie viel er gerade benötigt oder ob eine droht, muss deshalb zusätzlich seinen Blutzucker messen.

Welche Vorteile hat die kontinuierliche Glukosemessung?

Studien zeigen: Mit der zusätzlichen Überwachung des Gewebezuckers lässt sich die Blutzuckerkontrolle verbessern. Im Vergleich zur herkömmlichen Blutzuckermessung sorgt die kontinuierliche Glukosemessung dafür, dass die Blutzuckerwerte sinken, ohne dass mehr schwere Unterzuckerungen auftreten. Schwere Unterzuckerungen sind problematisch, weil sie gesundheitliche Folgen haben können.

Die CGM hat vor allem für Erwachsene mit Typ-1-Diabetes Vorteile, da ihr Risiko für eine schwere sinkt. Aber auch für Kinder mit Typ-1-Diabetes gibt es Hinweise, dass sich der Blutzucker mit der zusätzlichen Glukosemessung besser regulieren lässt. Ob auch Menschen mit Typ-2-Diabetes von der Behandlung profitieren, ist unklar.

Um vergleichen zu können, wie sich die beiden Verfahren auf Diabetes-Folgen durch Schäden der kleinen Blutgefäße, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Todesfälle auswirken, dauerten die bisherigen Studien allerdings nicht lange genug.

Werden die Geräte von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet?

Ja. Die Geräte werden erstattet, wenn jemand eine intensivierte Insulintherapie benötigt und bereits an einer entsprechenden Schulung teilgenommen hat. Die Ärztin oder der Arzt muss ein Rezept für Hilfsmittel ausstellen. Dies wird zusammen mit dem Antrag auf Kostenerstattung bei der Krankenkasse eingereicht. Die Geräte sind in Apotheken oder Fachgeschäften für Diabetesbedarf erhältlich.

Welche Erfahrungen machen Menschen mit der kontinuierlichen Glukosemessung?

Die meisten machen gute Erfahrungen mit den Geräten. Sie berichten, dass ihnen die kontinuierliche Glukosemessung mehr Sicherheit gibt und sie weniger Sorge vor Über- und Unterzuckerungen haben. Auch Eltern sind entspannter, wenn ihre Kinder ein solches Gerät verwenden. Sie lassen ihre Kinder beispielsweise eher bei anderen übernachten oder machen sich weniger Sorgen um Blutzuckerschwankungen, wenn sie bei Freunden sind. Die Behandlung kann zudem dabei helfen, Aktivitäten besser zu planen, da das häufige Messen wegfällt.

Die Geräte können auch den Arbeitsalltag erleichtern und mehr Flexibilität ermöglichen. So ist es dann nicht mehr nötig, während der Arbeitszeit Blut zu entnehmen.

Sie können aber auch gewöhnungsbedürftig sein. Der Sensor kann Hautirritationen hervorrufen und den Schlaf stören. Häufige Rückmeldungen zu Blutzuckerwerten und auch die Alarmfunktion können verunsichern. Andererseits geben sie auch mehr Sicherheit, etwa während des Schlafs, da der Sender auf Blutzuckerschwankungen reagiert.

Die Geräte können für andere sichtbar sein, besonders im Sommer. Manche Menschen fühlen sich nicht so wohl damit, dass ihre Krankheit dadurch erkennbar wird – für viele ist das aber kein Problem.

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Aktualisiert am 11. August 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2024

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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