Einleitung

Foto von Vater und Sohn im Gespräch (Pixland / Photos.com) Darmkrebs gehört zu den häufigeren Krebserkrankungen in Deutschland. Wenn von Darmkrebs gesprochen wird, ist damit meist Krebs im Dickdarm gemeint. Krebs im Dünndarm ist sehr selten.

Darmkrebs entsteht fast immer aus Wucherungen, die sich in der Schleimhaut des Dickdarms bilden, sogenannten Darmpolypen. Aber längst nicht alle Polypen entwickeln sich zu einem Krebs – und wenn, dauert es viele Jahre. Eine Möglichkeit zur Vorbeugung ist die Darmspiegelung, bei der Polypen entfernt werden können.

Wenn man an Darmkrebs erkrankt, kann sich das ganze Leben verändern. Was nach der Diagnose passiert, hängt unter anderem vom Stadium der Erkrankung ab. Im Frühstadium reicht es aus, den Tumor operativ zu entfernen. In fortgeschrittenen Stadien kommen auch zusätzliche Behandlungen wie Chemotherapie und Bestrahlung infrage.

Die medizinische Versorgung von Menschen mit Krebs in Deutschland ist sehr gut. Zudem werden viele Unterstützungsmöglichkeiten angeboten. Sie können unter anderem helfen, die Erkrankung seelisch zu bewältigen und den Wiedereinstieg in den Beruf zu erleichtern.

Symptome

Darmkrebs verursacht anfangs oft keine Beschwerden und kann dadurch zunächst unbemerkt bleiben. Manchmal äußert er sich zum Beispiel durch Schmerzen im Bauch oder veränderte Stuhlgewohnheiten. So kann sich die Häufigkeit oder übliche Tageszeit der Toilettengänge verändern, oder man neigt eher zu Verstopfung oder Durchfall. Schwarzer oder sehr dunkler Stuhl kann auf Blutspuren hinweisen und ebenfalls ein Anzeichen für Darmkrebs sein. Bei fortgeschrittenem Darmkrebs können Gewichtsverlust, Übelkeit und Appetitlosigkeit hinzukommen.

Diese Symptome können jedoch auch viele andere Ursachen haben. Meist steckt entweder etwas Harmloses dahinter oder die Symptome deuten auf eine andere, gutartige Erkrankung hin, zum Beispiel auf vergrößerte Hämorrhoiden oder eine entzündliche Darmerkrankung.

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Ursachen

Darmkrebs entsteht, wenn Zellen in der Darmschleimhaut entarten, sich ungehindert vermehren und in umliegendes Gewebe hineinwachsen. Solche Zellveränderungen können verschiedene Ursachen haben, wie zum Beispiel Umweltgifte oder radioaktive Strahlen. Oft entstehen sie allerdings zufällig. Normalerweise beseitigt das Abwehrsystem des Körpers bösartig veränderte Zellen. Dies gelingt aber nicht immer. Mit zunehmendem Alter häufen sich Fehler bei der Zellteilung, gleichzeitig werden die körpereigenen Reparaturmechanismen schwächer. Die meisten Krebsarten treten deshalb vor allem bei älteren Menschen auf.

Bei den meisten Menschen lässt sich kein bestimmter Auslöser für Darmkrebs finden. Ungefähr 5 von 100 Erkrankten haben jedoch eine erbliche Form von Darmkrebs. Dabei handelt es sich entweder um die „familiäre adenomatöse Polyposis“ oder um das „hereditäre nicht-polypöse kolorektale Karzinomsyndrom“. Diese beiden Formen treten meist schon in jungen Jahren auf.

Risikofaktoren

Es gibt es bestimmte Faktoren, die das Risiko für Darmkrebs etwas erhöhen können. Unter anderem haben Menschen mit einer der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs. Wer Verwandte ersten Grades hat, die bereits an Darmkrebs erkrankt sind, hat ebenfalls ein etwas höheres Darmkrebsrisiko. Verwandte ersten Grades sind Eltern, Geschwister und Kinder.

Häufigkeit

Das Risiko für Darmkrebs nimmt mit dem Alter zu: Viele Menschen, die Darmkrebs haben, sind bereits über 75 Jahre alt. Bei unter 50-Jährigen ist Darmkrebs sehr selten.

Manchmal wird Darmkrebs als typische Männerkrankheit gesehen. Dies ist ein Irrtum: Zwar tritt die Erkrankung bei Männern häufiger und oft auch in einem früheren Alter auf, Frauen können aber genauso daran erkranken.

Die folgenden Tabellen zeigen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, in einem bestimmten Alter in den folgenden zehn Jahren an Darmkrebs zu erkranken. Dabei handelt es sich um Durchschnittswerte – das Erkrankungsrisiko eines Menschen hängt auch von seinen persönlichen Risikofaktoren ab.

 

Tabelle: Darmkrebsrisiko bei Männern
Alter Anzahl der Männer, die in den nächsten zehn Jahren an Darmkrebs erkranken Anzahl der Männer, die in den nächsten zehn Jahren an Darmkrebs sterben
50 7 von 1000 2 von 1000
55 13 von 1000 4 von 1000
60 18 von 1000 6 von 1000
65 24 von 1000 9 von 1000

 

Tabelle: Darmkrebsrisiko bei Frauen
Alter Anzahl der Frauen, die in den nächsten zehn Jahren an Darmkrebs erkranken Anzahl der Frauen, die in den nächsten zehn Jahren an Darmkrebs sterben
50 5 von 1000 1 von 1000
55 8 von 1000 2 von 1000
60 10 von 1000 3 von 1000
65 14 von 1000 5 von 1000

Verlauf

Darmkrebs entwickelt sich über viele Jahre. Eine erste, noch harmlose Stufe sind gutartige Wucherungen der Schleimhaut. Sie werden Polypen oder Adenome genannt. Manche wachsen eher warzenartig als kleine Hügel, andere wie gestielte Pilze. Darmpolypen sind mit zunehmendem Alter weit verbreitet. Etwa ein Drittel der Erwachsenen über 55 Jahre hat zumindest einen Polypen im Darm.

Die große Mehrzahl dieser Polypen bleibt klein und harmlos. Manche wachsen aber über Jahre, und einige werden bösartig.

Wenn sich ein Polyp bösartig entwickelt, besteht das Risiko, dass die Krebszellen tiefer in die Darmwand einwachsen. Schreitet der Tumor weiter fort, kann er sich in andere Organe wie die Leber ausbreiten. Diese Verbreitung von Krebszellen nennt man „Metastasierung“. Wie die Erkrankung verläuft, hängt von sehr vielen Faktoren ab. Wenn ein kleiner, örtlich begrenzter Darmtumor im frühen Stadium entfernt wird, sind die Aussichten (Prognose) gut: Die meisten Menschen sind nach der Operation geheilt. Wenn ein Darmkrebs schon fortgeschritten ist, sind die Chancen auf vollständige Heilung schlechter. Wenn sich Metastasen gebildet haben, ist eine Heilung meistens nicht mehr zu erwarten. Die Behandlung zielt dann darauf ab, das Fortschreiten des Tumors zu bremsen und trotz Darmkrebs so lange wie möglich eine gute Lebensqualität zu erhalten.

Ob ein Krebs vollständig entfernt wurde, zeigt sich in der Regel in den ersten fünf Jahren nach der Behandlung. Wie hoch das Risiko für ein erneutes Auftreten ist, hängt unter anderem davon ab, in welchem Stadium der Krebs war.

Diagnose

Bei einem Verdacht auf Darmkrebs wird zunächst eine Darmspiegelung gemacht. Dabei wird der gesamte Dickdarm mit einem speziellen Endoskop untersucht. Es können auch Gewebeproben entnommen und im Labor auf Krebszellen untersucht werden. Es dauert normalerweise einige Tage, bis das Untersuchungsergebnis zurückkommt. Bei manchen Menschen ist es nicht möglich, den gesamten Dickdarm mit dem Endoskop zu untersuchen – zum Beispiel wegen einer Verengung oder Verklebung. In diesem Fall kann der Darm mittels Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) untersucht werden.

Durch einen Ultraschall des Bauchraums, ein Röntgenbild des Rumpfs und ein Abtasten des Mastdarms wird untersucht, ob sich ein Krebs bereits ausgebreitet hat. Bei einem Verdacht auf Metastasen können weitere Untersuchungen Aufschluss geben, wie ein CT des Bauchraums oder des Brustkorbs.

Vor einer Behandlung wird außerdem Blut entnommen, um es auf einen Tumormarker zu untersuchen: das carcinoembryonale Antigen (CEA). Dieser Bluttest kann hilfreich sein, um den Erfolg einer Behandlung einzuschätzen.

Wenn ein Darmkrebs nach einer Behandlung erneut auftritt, wird manchmal eine Positronen-Emissions-Tomografie gemacht.

Was Studien sagen

Früherkennung

In Deutschland bieten die Krankenkassen zwei Untersuchungen zur Früherkennung von Darmkrebs an:

  • einen Stuhltest, bei dem der Stuhl auf nicht sichtbare Blutspuren untersucht wird. Den Test können gesetzlich Versicherte ab 50 Jahre kostenlos in Anspruch nehmen.
  • die Darmspiegelung zur endoskopischen Untersuchung des Dickdarms. Dabei können vorhandene Polypen entfernt werden. Gesetzlich Versicherte können zwei kostenlose Spiegelungen in Anspruch nehmen: die erste ab 55 Jahre, die zweite zehn Jahre später. Wurde bei der ersten Darmspiegelung ein Polyp entfernt, wird meist eine Wiederholung der Untersuchung in kürzeren Abständen empfohlen.

Grundsätzlich gilt: Wer Beschwerden hat, kann die Ursache immer kostenlos abklären lassen – gleichgültig, ob und wann zuletzt eine Früherkennungsuntersuchung wahrgenommen wurde.

Eine dritte Variante der Früherkennung ist die kleine Darmspiegelung (Sigmoidoskopie). Diese Untersuchung wird in Deutschland im Rahmen der Früherkennung jedoch nicht von den Krankenkassen erstattet.

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Vorbeugung

Bei einer Darmspiegelung kann Krebs im Frühstadium erkannt werden. Da im Rahmen der Untersuchung auch Polypen entfernt werden können, bevor sie sich zu Darmkrebs entwickeln, ist sie gleichzeitig eine Möglichkeit der Vorbeugung. Allerdings bietet auch die Darmspiegelung keinen 100-prozentigen Schutz.

Zur allgemeinen Vorbeugung von Darmkrebs gibt es viele Empfehlungen: Dazu gehören ausreichend Bewegung sowie eine Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Ballaststoffen, wenig rotem Fleisch und wenig Alkohol. Bislang gibt es aber keine Belege dafür, dass dies vor Darmkrebs schützen kann.

In Studien wurde auch schon getestet, ob die längerfristige Einnahme bestimmter Medikamente wie ASS Darmkrebs vorbeugen kann. Weil unsicher ist, ob sie tatsächlich schützen und sie Nebenwirkungen haben können, werden sie aber nicht empfohlen.

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Behandlung

Durch eine Operation wird Darmkrebs nach Möglichkeit vollständig entfernt. Bei Tumoren im frühen Stadium ist unter Umständen gar keine weitere Behandlung nötig. Wenn der Krebs fortgeschritten ist, kommen weitere Behandlungen wie eine Bestrahlung oder Chemotherapie infrage.

Leben und Alltag

Wer Darmkrebs hatte, wird oft auch nach einer erfolgreichen Behandlung eine Phase der Unsicherheit durchmachen, weil man erst nach einigen Jahren sicher sein kann, dass man wirklich dauerhaft geheilt ist.

Ein fortgeschrittener Darmkrebs kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Nach der Behandlung fühlen sich viele Menschen noch für eine Weile geschwächt und können im Alltag nicht mehr so aktiv sein wie vorher. Es braucht seine Zeit, bis es gelingt, die Diagnose, die Therapie und ihre Folgen zu verarbeiten.

Wenn der Mastdarm von Krebs betroffen ist und operiert werden muss, gelingt es nicht immer, den Schließmuskel zu erhalten. Dann ist ein künstlicher Darmausgang (Stoma) erforderlich. Es kann länger dauern, sich daran zu gewöhnen, da man den Stuhlgang nur noch eingeschränkt kontrollieren kann und den Umgang mit dem künstlichen Darmausgang erst einmal erlernen muss. Gerade am Anfang schämen sich viele Menschen und ziehen sich zurück.

Obwohl eine Darmkrebserkrankung einen großen Einschnitt im Leben bedeutet, finden viele Menschen mit der Zeit einen Weg, um damit umzugehen und trotzdem ein erfülltes Leben zu führen.

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