Vergrößerte Hämorrhoiden (Hämorrhoidalleiden)

Auf einen Blick

  • Hämorrhoiden sind Gefäßpolster am Ausgang des Enddarms, kurz vor dem After. Jeder Mensch hat sie.

  • Vergrößern sie sich, können Beschwerden im Afterbereich wie Blutungen, Juckreiz und Brennen auftreten.
  • Bei leicht vergrößerten Hämorrhoiden wird zunächst empfohlen, die Ernährung und das Verhalten beim Stuhlgang zu verändern.
  • Ob Salben, Zäpfchen oder Sitzbäder Beschwerden lindern können, ist nicht gut in Studien untersucht.
  • Bei stark vergrößerten Hämorrhoiden ist meist ein operativer Eingriff nötig.

Einleitung

Foto von Patientinnen und Patienten im Wartezimmer
PantherMedia / Cathy Yeulet

Jeder Mensch hat . Sie sind nichts anderes als ringförmig angeordnete durchblutete Gefäßpolster am Ausgang des Enddarms, kurz vor dem After. Zusammen mit dem Schließmuskel sorgen sie dafür, dass der Darm nach außen richtig schließt. Sie sorgen also zum Beispiel dafür, dass bei Blähungen nur Luft entweicht und kein Stuhl.

Doch wer von „“ spricht, meint meist Beschwerden wie Juckreiz im Afterbereich oder Blutungen während oder kurz nach dem Stuhlgang, die durch vergrößerte entstehen können. Ärztinnen und Ärzte sprechen dann von einem „Hämorrhoidalleiden“.

Vergrößerte sind vielen Menschen peinlich: Sie trauen sich nicht, über ihre Beschwerden zu sprechen oder in eine Arztpraxis zu gehen. Manche haben vielleicht auch Angst vor einer Untersuchung oder einer ernsthaften Erkrankung. Meistens stecken aber harmlose Erkrankungen hinter den Beschwerden. Diese ärztlich abklären zu lassen, ist wichtig, um sie richtig behandeln zu können.

Symptome

Ein Hämorrhoidalleiden kann unterschiedliche Beschwerden verursachen. Das Hauptsymptom sind schmerzlose Blutungen während oder kurz nach dem Stuhlgang. Dazu kann es kommen, wenn fester Stuhl oder starkes Pressen die dünnen Gefäßwände der beschädigt. Blutungen aus zeigen sich meist als hellrote bis rote Blutspuren auf dem Toilettenpapier oder dem Stuhl. Bei Blut im Stuhl sollte man keine Eigendiagnose stellen, sondern die Ursache ärztlich abklären lassen.

Weitere typische Beschwerden im Afterbereich sind:

Vergrößerte können auch aus dem After heraustreten und als weiche Knoten sichtbar werden. Dies wird als Hämorrhoiden-Vorfall (Hämorrhoidal-Prolaps) bezeichnet. Manchmal werden auch mit Marisken verwechselt. Marisken sind harmlose Hautläppchen am After, die in der Regel keine Symptome verursachen.

Schmerzen treten in der Regel nur bei einem sehr weit fortgeschrittenen Hämorrhoidalleiden auf. Häufig kommen die Schmerzen aber durch andere Hautverletzungen im Afterbereich wie etwa Einrisse.

Je nach Ausprägung unterscheidet man vier Schweregrade:

  • Grad 1: Die sind nur leicht vergrößert und von außen nicht sichtbar.
  • Grad 2: Die stärker vergrößerten können beim Stuhlgang, seltener auch bei anderen körperlichen Aktivitäten, aus dem After heraustreten. Sie ziehen sich aber von selbst wieder zurück.
  • Grad 3: Die treten beim Stuhlgang oder bei anderen körperlichen Aktivitäten aus dem After heraus. Sie ziehen sich nicht wieder von selbst zurück, können aber mit der Hand zurückgeschoben werden.
  • Grad 4: Die sind dauerhaft aus dem After ausgetreten und können nicht mehr zurückgeschoben werden. In den meisten Fällen ragt dabei auch ein kleines Stück der Analschleimhaut aus dem After heraus. Dies wird auch als Analprolaps bezeichnet.

Hämorrhoiden-Gewebe, Ansicht im Längsschnitt: normal und vergrößert - wie im Text beschrieben

Hämorrhoiden-Gewebe, Ansicht im Längsschnitt: normal (oben) und vergrößert (unten)

Ursachen und Risikofaktoren

Was die Ursachen und Risikofaktoren für vergrößerte sind, ist nicht gut erforscht. Bisherige Studien zeigen keine eindeutigen Ergebnisse.

Vermutlich entsteht ein Hämorrhoidalleiden, weil das Gewebe, das die stützt, mit der Zeit schwächer wird. Möglicherweise gibt es auch eine familiäre Veranlagung für vergrößerte .

Weitere mögliche Faktoren sind:

Häufigkeit

Das Hämorrhoidalleiden ist eine sehr häufige Erkrankung: Schätzungen gehen davon aus, dass mehr als die Hälfte aller Erwachsenen im Laufe des Lebens Beschwerden bekommt. Doch längst nicht alle Betroffenen nehmen ärztliche Hilfe in Anspruch. Etwa 4 von 100 Erwachsenen lassen sich in Deutschland jährlich wegen vergrößerter ärztlich behandeln.

Verlauf

Wie sich vergrößerte entwickeln, lässt sich nicht vorhersagen. Die Beschwerden und Symptome können stärker werden. Es kann aber auch sein, dass sich die nicht weiter vergrößern und die Beschwerden wieder nachlassen. Bereits vergrößerte werden jedoch meist nicht von selbst wieder kleiner.

Wenn vergrößerte nässen, kann es zudem zu Hautreizungen im Analbereich kommen, manchmal auch zu Analekzemen. Bei einem Analekzem ist die Haut am After rot und entzündet, sie nässt und juckt. Es können sich auch Bläschen und Schorf bilden.

Diagnose

Manche Menschen haben Angst vor den Untersuchungen und möglichen Schmerzen. Die Untersuchungen sind in der Regel aber schmerzfrei, auch wenn sie von manchen Menschen als unangenehm oder peinlich empfunden werden. Für das medizinische Personal sind sie ein normaler Teil ihres Berufsalltags.

Bei einem ersten Gespräch fragt die Ärztin oder der Arzt zunächst nach den Beschwerden und nach anderen Erkrankungen. Anschließend wird der After untersucht, um festzustellen, ob er entzündet ist und ob vergrößerte beim Pressen nach außen treten oder bereits herausgetreten sind. Dann folgt die Tastuntersuchung des Enddarms: Mit einem Handschuh und etwas Gleitmittel wird vorsichtig ein Finger in den After eingeführt. Der Analkanal wird von innen abgetastet. So können die Schließmuskeln und die Beschaffenheit der Analschleimhaut untersucht werden. 1. Grades sind meist nicht tastbar. Die Tastuntersuchung kann aber helfen, andere Krankheiten auszuschließen. Die Untersuchung verursacht normalerweise keine Schmerzen.

Bei einem Verdacht auf vergrößerte schließt sich dann in der Regel eine Enddarmspiegelung (Proktoskopie) an. Dabei wird die Schleimhaut des Enddarms untersucht. Dies geschieht mithilfe eines Proktoskops, einem kurzen Rohr mit eingebauter Lichtquelle und Kamera. Die Ärztin oder der Arzt kann mithilfe des Proktoskops sehen, ob und wie stark die vergrößert sind. Die Untersuchung dauert einige Minuten und verursacht normalerweise keine Schmerzen. Zur Vorbereitung wird der Enddarm entleert. Dafür können ein Abführmittel, Zäpfchen oder Einlauf nötig sein.

Je nach Beschwerden kommen verschiedene weitere Untersuchungen infrage. Wenn sich Blut auf dem Stuhl befindet, schlagen Ärztin oder Arzt möglicherweise eine Darmspiegelung vor.

Behandlung

Welche Behandlung infrage kommt, hängt vor allem von der Größe der und der Stärke der Beschwerden ab. Bei leicht vergrößerten reicht es unter Umständen aus, Verstopfungen zu vermeiden und das Verhalten beim Stuhlgang zu verändern.

Es gibt viele Ratschläge und Hausmittel zur Selbstbehandlung von Beschwerden durch vergrößerte – etwa sich anders ernähren, Salben anwenden oder Sitzbäder machen. Einige dieser Behandlungen können die Beschwerden kurzfristig lindern, viele sind aber wissenschaftlich nicht gut untersucht.

Es ist daher bei belastenden Beschwerden sinnvoll, ärztlichen Rat einzuholen. Mögliche Ansprechpartner sind die Hausärztin, der Hausarzt oder Proktologen. Proktologen sind Ärztinnen und Ärzte, die sich auf die Behandlung von Erkrankungen des Enddarms spezialisiert haben.

Mit einer Proktologin oder einem Proktologen lässt sich zum Beispiel besprechen, welche weiteren Behandlungsmöglichkeiten es gibt. Je nach Schweregrad kommen unterschiedliche Behandlungen infrage:

  • Verödungstherapie (bei Grad 1 und 2): Es wird ein Wirkstoff gespritzt, der die Durchblutung der verringert.
  • Gummibandligatur (bei Grad 2): Die werden abgebunden, sodass sie nach einiger Zeit abfallen.
  • Operation (bei Grad 3 oder 4): Bei 3. oder 4. Grades kann eine Operation erforderlich sein, bei der die vergrößerten Gefäßpolster entfernt werden. Je nachdem wo und wie stark die heraustreten, gibt es dafür verschiedene Operationsverfahren.

Weitere Informationen

Meistens können behandelt werden. Manche Behandlungen und Operationen sind aber nur in einem Krankenhaus möglich. Es lohnt sich, sich auf einen Krankenhausaufenthalt gut vorzubereiten: Zum Beispiel, welche Abläufe einen dort erwarten, welche Unterlagen zur Aufnahme in die Klinik benötigt werden und wofür Zuzahlungen zu leisten sind.

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Aktualisiert am 03. November 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2024

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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