Behandlungsmöglichkeiten und unterstützende Therapien

Foto von Frau (PantherMedia / Monkeybusiness Images) Nach einer Brustkrebs-Diagnose wird in der Regel zunächst versucht, den Krebs vollständig zu entfernen. Wenn sich über den Brustbereich hinaus Metastasen gebildet haben, ist dies aber nicht mehr möglich. Dann ist das Ziel der Therapie, das Leben zu verlängern, den Gesundheitszustand zu stabilisieren und eine gute Lebensqualität zu erhalten.

Die Behandlung von metastasiertem Brustkrebs soll das Tumorwachstum möglichst zum Stillstand bringen oder verlangsamen. Außerdem ist es möglich, die Symptome zu lindern, mögliche Nebenwirkungen der Therapie abzuschwächen und Begleiterkrankungen zu behandeln. Auftretende Schmerzen lassen sich durch eine gut abgestimmte Schmerztherapie behandeln. Mit einer sorgfältig geplanten und angepassten Therapie und bei einem guten Allgemeinzustand ist es oft auch mit Metastasen möglich, die Erkrankung über Jahre in Schach zu halten und trotz Beschwerden eine gute Lebensqualität zu erreichen.

Behandlungsmöglichkeiten

Für die Behandlung von metastasiertem Brustkrebs kommen zertifizierte Brustzentren (Brustkrebszentren) oder Tumorzentren sowie onkologische Schwerpunktpraxen infrage. Hier arbeiten Fachkräfte aus verschiedenen Berufsgruppen zusammen, die sich mit den Auswirkungen der Erkrankung und der Behandlung auf Körper und Psyche auskennen. Metastasierter Brustkrebs kann aber auch in Krankenhäusern oder Praxen ohne Zertifizierung behandelt werden.

Bei einem Brustkrebs mit Metastasen in anderen Körperregionen wird in der Regel der ganze Körper medikamentös behandelt (systemische Therapie), um das Tumorwachstum einzudämmen. Diese Behandlung kann eine Antihormonbehandlung oder eine Chemotherapie sein. Bestimmte Brustkrebsarten lassen sich auch mit sogenannten zielgerichteten Therapien behandeln, zum Beispiel mit einer Antikörpertherapie.

Meist werden verschiedene Behandlungen nacheinander eingesetzt oder auch kombiniert. Wenn Tumorzellen nach einer Weile gegen einen bestimmten Wirkstoff unempfindlich werden, kann ein anderes Medikament oder Therapieverfahren angewandt werden. Dieses schrittweise Vorgehen wird als Stufentherapie bezeichnet.

Je nachdem, wo sie sich bilden, können bestimmte Metastasen auch einzeln behandelt werden – sie können zum Beispiel gezielt bestrahlt, manche vielleicht auch operiert werden.

Da Art und Verlauf einer Brustkrebserkrankung von Frau zu Frau anders sind, gibt es nicht „die“ beste Behandlung. Es kommt darauf an, eine angemessene, persönlich passende Therapie für jede Phase der Erkrankung zu finden und verschiedene Verfahren möglichst gut aufeinander abzustimmen. Dies erfordert eine gute Zusammenarbeit mit den Ärztinnen und Ärzten sowie innerhalb des Behandlungsteams.

Oft entstehen viele Fragen – ob zu den verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten, zu den zu erwartenden Beschwerden oder auch zur Teilnahme an klinischen Studien. Um bei einem Arzttermin keine wichtigen Fragen zu vergessen, kann es helfen, sie sich vorher aufzuschreiben oder sich von einem vertrauten Menschen begleiten und im Arztgespräch unterstützen zu lassen.

Bei der Entscheidung für oder gegen eine (Folge-)Behandlung besteht in der Regel kein Zeitdruck, da ein etwas verzögerter Therapiebeginn den Behandlungserfolg kaum beeinflusst. Es ist also möglich, die Vor- und Nachteile der vorgeschlagenen Möglichkeiten in Ruhe ein paar Tage oder Wochen zu überdenken und sich bei Bedarf zusätzliche Informationen oder eine zweite ärztliche Meinung einzuholen. Man hat außerdem immer das Recht, eine Behandlung abzulehnen oder abzubrechen – egal, ob sie in der Arztpraxis, in der Klinik oder im Rahmen einer Studie angeboten oder begonnen wurde.

Manche Menschen setzen ihre Hoffnung in „alternative“ Verfahren, wenn die „Schulmedizin“ keine Heilung oder deutliche Verbesserung (mehr) versprechen kann. Immer neue Therapien auszuprobieren, kann jedoch zu immer neuen Enttäuschungen führen. Vorsicht ist vor allem dann geboten, wenn ein Mittel oder eine Methode nicht als Ergänzung, sondern als Alternative zur ärztlichen Behandlung angepriesen wird, Heilung verspricht und / oder sehr teuer ist und selbst bezahlt werden müsste. Bei solchen Versprechen könnte es sich auch um Scharlatanerie handeln.

Auch Nebenwirkungen sind behandelbar

Die Behandlung einer Krebserkrankung kann belastend sein. Verfahren zur Therapie eines Tumors haben oft schwere Nebenwirkungen, manchmal führen sie auch zu Folgeerkrankungen. Die Nebenwirkungen unterscheiden sich je nach Art der Therapie, können jedoch ihrerseits in der Regel gut behandelt werden. Die Behandlung der Nebenwirkungen gehört zur unterstützenden Therapie (Supportivtherapie). Werden die Belastungen durch die Behandlung dennoch zu stark, kann es gute Gründe geben, sich gegen eine (erneute) Therapie zu entscheiden.

Eine häufige Nebenwirkung ist die sogenannte Fatigue (französisch für „Müdigkeit“). Der Begriff steht für eine lähmende körperliche und geistige Erschöpfung und Müdigkeit. Fatigue kann während der Therapie und manchmal auch darüber hinaus andauern. Sie entsteht wahrscheinlich infolge der körperlichen und seelischen Reaktionen auf die Erkrankung und ihre Behandlung. Eine Fatigue kann psychisch sehr belastend sein und depressive Verstimmungen auslösen oder verstärken. Sie kann dazu führen, dass schon Kleinigkeiten nicht mehr oder nur unter großer Anstrengung bewältigt werden können. Wichtig ist, mit der Ärztin oder dem Arzt darüber zu sprechen und einen persönlichen Weg zu finden, mit Fatigue umzugehen. An den körperlichen Zustand angepasste Bewegung, Ausdauersport und Krafttraining können helfen, die Fatigue zu lindern.

Eine lebensbedrohende Erkrankung, deren Therapie immer wieder körperliche Belastungen mit sich bringt, zieht unweigerlich auch die Psyche in Mitleidenschaft. Fast jeder Mensch erlebt in einer solchen Situation Phasen der Niedergeschlagenheit. Halten sie über längere Zeit an, kann sich eine Depression entwickeln. Sie ist ebenfalls eine ernste Erkrankung – deshalb ist es wichtig, sie behandeln zu lassen.

Psychoonkologische Begleitung

Mit den körperlichen wie psychischen Belastungen durch die Erkrankung und ihre Behandlung umzugehen, ist eine Herausforderung, der sich niemand allein stellen muss. Den Schock der Diagnose zu verarbeiten, sich mit Zukunftsängsten und existenziellen Fragen des Lebens und Sterbens auseinanderzusetzen, ist alles andere als einfach. Hilfe anzunehmen, kann die eigenen Kräfte schonen und es erleichtern, Wege zu finden, um mit der Krankheit so gut wie möglich leben zu können.

Im Rahmen einer guten onkologischen Therapie wird auch eine psychoonkologische Behandlung angeboten. Psychoonkologinnen oder -onkologen sind speziell ausgebildete psychologische, medizinische und / oder sozialpädagogische Fachkräfte, die Patientinnen und ihre Angehörigen bei der seelischen und sozialen Bewältigung der Erkrankung unterstützen, wenn sie dies wünschen. Sie können zum Beispiel Entspannungsverfahren, psychotherapeutische Einzel- oder Gruppengespräche oder Paarberatung anbieten.

Im Krankenhaus übernehmen vor allem Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte die psychoonkologische Begleitung. Dies kann in Zusammenarbeit mit psychoonkologischen Diensten geschehen. Psychoonkologische Angebote gibt es auch im Rahmen der Rehabilitation. Wer (wieder) zu Hause ist, kann ambulante Angebote in Anspruch nehmen. Hierfür kommen folgende Fachleute und Einrichtungen infrage:

  • psychoonkologische Ambulanzen der Krankenhäuser und zertifizierten Zentren
  • onkologische Schwerpunktpraxen
  • psychosoziale Krebsberatungsstellen
  • niedergelassene Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten

Disease-Management-Programme

Disease-Management-Programme sind strukturierte Behandlungsangebote für Menschen mit chronischen Erkrankungen. Ziel der Programme ist, dafür zu sorgen, dass Patientinnen und Patienten eine Behandlung erhalten, die gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen entspricht und auf ihre persönliche Situation abgestimmt ist. Wer chronisch krank ist, soll umfassend betreut, beraten und informiert werden. DMP werden in Deutschland seit 2002 von den gesetzlichen Krankenkassen angeboten.

Zu den Programmen gehören regelmäßige Arzttermine, Beratungsgespräche und Untersuchungen. Die Teilnahme ist freiwillig und mit keinen zusätzlichen Kosten verbunden. Wer an einem DMP teilnimmt, verpflichtet sich aber zur aktiven Mitarbeit an ihrer Behandlung. Dazu gehört zum Beispiel, regelmäßige Arzttermine wahrzunehmen. Ärztinnen und Ärzte sowie medizinische Einrichtungen, die an solchen Programmen teilnehmen, verpflichten sich, bestimmte Qualitätsanforderungen einzuhalten. Die Krankenkasse informiert darüber, ob sie ein DMP für Brustkrebs anbietet.

Behandlung im Rahmen einer klinischen Studie

In klinischen Studien werden Arzneimittel oder nichtmedikamentöse Behandlungen geprüft und mit anderen Therapien verglichen. Teilnehmende erhalten zum Beispiel neue Medikamente, deren Wirkungen noch nicht vollständig bekannt sind oder für deren Zulassung noch Erfahrungen mit größeren Patientengruppen fehlen. Das bedeutet aber nicht, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unabsehbaren Risiken ausgesetzt würden. Klinische Studien werden sorgfältig nach strengen Qualitätsstandards geplant, von Fachgremien geprüft und von Spezialistinnen und Spezialisten durchgeführt. Die Wirkungen und Nebenwirkungen der eingesetzten Mittel werden genau beobachtet. Die Teilnahme kann jederzeit beendet werden.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine Behandlung im Rahmen einer klinischen Studie infrage kommen. Dabei werden die Patientinnen und Patienten besonders intensiv betreut. Die Teilnahme erfordert aber die Bereitschaft, sich stärker mit der Behandlung auseinanderzusetzen und oft mehr Untersuchungstermine wahrzunehmen als üblicherweise. Um die Vor- und Nachteile einer Studienteilnahme für sich abwägen zu können, ist eine gründliche Aufklärung und Beratung sowie gute Abstimmung mit den Ärztinnen und Ärzten notwendig.

Weitere Informationen sowie eine Suche nach klinischen Studien für Brustkrebspatientinnen bieten die Deutsche Gesellschaft für Senologie und das Deutsche Register Klinischer Studien.

Verzicht auf eine Behandlung der Krebserkrankung

Krebstherapien, die darauf zielen, das Wachstum der Krebszellen zu hemmen oder zu stoppen, haben oft starke Nebenwirkungen. Manche Frauen entscheiden sich zum Beispiel gegen eine weitere Behandlung, wenn eine Therapie bei ihnen nur wenig anschlägt, aber viele belastende Nebenwirkungen hat.

Auch wenn Frauen sich gegen eine Behandlung entscheiden, die direkt auf den Krebs zielt, können die mit der Erkrankung einhergehenden Schmerzen und Beschwerden im Rahmen einer palliativen Therapie behandelt werden. Das bedeutet: Wer sich gegen einen (erneuten) Behandlungszyklus entscheidet, wird trotzdem weiter ärztlich betreut. Es ist auch jederzeit möglich, sich nach einer Phase ohne Krebstherapie zu entscheiden, doch wieder eine Behandlung zu versuchen.

Palliativmedizin: Mit der Erkrankung leben

Eine Behandlung, deren Ziel nicht die Heilung, sondern die Unterstützung im Leben mit der Erkrankung und die Linderung von Beschwerden wie Schmerzen ist, wird auch „palliativ“ genannt. Häufig wird eine palliative Behandlung als Betreuung und Begleitung während der letzten Wochen des Lebens verstanden. Eine palliative Behandlung kann sich jedoch über viele Monate und Jahre erstrecken. Abhängig von den Beschwerden und Wünschen einer Patientin kann diese Therapie bereits kurz nach der Diagnose einer metastasierten Erkrankung beginnen.

Eine palliative Behandlung, Betreuung und Begleitung ist ambulant zu Hause oder stationär in einer Einrichtung möglich. Sie wird auch von Tageskliniken oder Tageshospizen angeboten, die eine Betreuung tagsüber anbieten.

Die Begleitung übernimmt ein speziell ausgebildetes Team aus Ärztinnen und Ärzten, Pflegepersonal, Physiotherapeuten, Sozialarbeiterinnen, Seelsorgern sowie ehrenamtlich tätigen Menschen. Je nach körperlichem und psychischem Zustand kann dabei die Bewältigung des Alltags oder die Begleitung am Lebensende im Mittelpunkt stehen.