Behandlung von PMS-Beschwerden

Foto von Frau bei der Einnahme eines Medikaments (PantherMedia / Wawrzyniec Korona) Manche Frauen mit einem prämenstruellen Syndrom (PMS) haben an den Tagen vor ihrer Periode so starke Beschwerden, dass sie ihren normalen Alltagsaktivitäten nicht nachgehen können. Es gibt aber verschiedene Möglichkeiten, mit typischen Symptomen wie Schmerzen, Brustspannen und Stimmungsschwankungen umzugehen und sie zu behandeln.

Bei den meisten Frauen mit PMS sind die Beschwerden nicht sehr stark, und sie finden Wege, damit zurechtzukommen – zum Beispiel, an den „Tagen vor den Tagen“ auf Ruhe zu achten und Stress zu vermeiden. Zum Umgang mit PMS-Beschwerden gibt es viele Ratschläge, etwa

  • sich viel bewegen und Sport treiben,
  • Entspannungsverfahren anwenden und meditieren,
  • nicht rauchen,
  • wenig Alkohol und Koffein zu sich nehmen,
  • sich salzarm ernähren.

Die Wirkung der meisten dieser Lebensstil-Änderungen ist wissenschaftlich nicht gut untersucht. Das bedeutet aber nicht, dass sie nicht helfen. Jede Frau kann ausprobieren, ob die Änderungen ihre Beschwerden lindern. Die Beschwerden und die Gegenmaßnahmen über mehrere Monatszyklen zu beobachten und zu notieren, hilft herauszufinden, ob die Änderungen die PMS-Beschwerden beeinflussen.

Welche Medikamente kommen infrage?

Gegen PMS-Beschwerden werden verschiedene Medikamente eingesetzt. Allerdings ist fast keins dieser Mittel zur Behandlung eines prämenstruellen Syndroms zugelassen. Wenn ein Medikament bei einer Erkrankung eingesetzt wird, für die es keine Zulassung hat, bezeichnet man das auch als „Off-Label-Use“. Die Ärztin oder der Arzt muss dann darüber aufklären, und man muss das Medikament möglicherweise selbst bezahlen.

Häufig wird versucht, PMS-typische Symptome mit hormonellen Mitteln zu lindern, die die Bildung bestimmter körpereigener Hormone unterdrücken und in den Monatszyklus eingreifen. Andere Behandlungen sind Antidepressiva, entwässernde Medikamente, Schmerzmittel oder angstlösende Präparate.

Hormonelle Verhütungsmittel

Die gebräuchlichste Methode, den Monatszyklus hormonell zu beeinflussen, ist der Einsatz hormoneller Verhütungsmittel wie der „Pille“. Für Frauen, die schwanger werden wollen, kommen sie natürlich nicht infrage.

Zwei Studien liefern schwache Hinweise darauf, dass eine Kombinationspille aus dem Gestagen Drospirenon und niedrig dosiertem Östrogen bei PMS helfen kann. Der Vergleich zwischen behandelten und nicht behandelten Studienteilnehmerinnen zeigte: Die Frauen, die diese Hormonkombination einnahmen, hatten weniger Beschwerden, kamen im Alltag besser zurecht und waren sozial aktiver und zufriedener in ihren Partnerschaften. Die Teilnehmerinnen berichteten aber auch über Nebenwirkungen der Pille wie Übelkeit, Zwischenblutungen und Brustschmerzen.

Hormonelle Verhütungsmittel erhöhen zudem das Risiko für Blutgerinnsel (Venenthrombosen). Insgesamt ist das Thromboserisiko aber niedrig: Schätzungen gehen davon aus, dass je nach Hormonpräparat 5 bis 12 von 10.000 Frauen innerhalb eines Jahres eine Venenthrombose bekommen, wenn sie die Antibabypille nehmen. Ohne Pille sind es etwa 2 von 10.000 Frauen.

Es gibt eine Vielzahl hormoneller Verhütungsmittel, die verschiedene, zum Teil unterschiedlich kombinierte Hormone enthalten. Außer als Pille gibt es sie zudem als Spirale, Pflaster, Vaginalring oder Depotspritze. Welche davon bei PMS helfen können, ist noch nicht ausreichend erforscht. Frauen, die hormonell verhüten möchten, besprechen am besten mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt, welches Mittel für sie infrage kommt.

Antidepressiva

Wenn eine prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS) deutliche Auswirkungen auf die Psyche hat – etwa depressive Verstimmungen, Angstgefühle und Verzweiflung –, kommen auch Medikamente infrage, die üblicherweise gegen Depressionen eingesetzt werden. Dies sind normalerweise SSRI (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer). Ihr Wirkstoff erhöht die Konzentration des Botenstoffs Serotonin im Gehirn. Man nimmt an, dass das Serotonin einen Einfluss darauf hat, wie der Körper auf bestimmte Hormone reagiert, die vor der Menstruation verstärkt ausgeschüttet werden.

Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass SSRI die psychischen Beschwerden bei Frauen mit starkem PMS oder einer PMDS lindern und helfen können, im Alltag besser zurechtzukommen. SSRI wirken jedoch frühestens im dritten Zyklus nach Beginn der Einnahme. Die Tabletten waren bei durchgehender Einnahme nicht besser wirksam, als wenn sie nur während der zweiten Zyklushälfte eingenommen wurden.

Für Frauen, die eine Behandlung mit Antidepressiva in Betracht ziehen, ist es wichtig, auch über die Nebenwirkungen Bescheid zu wissen. SSRI können zum Beispiel Übelkeit auslösen, zu Schlafstörungen führen und die sexuelle Lust dämpfen.

Schmerzmittel

Zu den Schmerzmitteln, die bei prämenstruellem Syndrom eingesetzt werden, zählen die nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) wie etwa ASS und Ibuprofen. NSAR wirken entzündungshemmend, schmerzlindernd und blockieren die Prostaglandin-Produktion. Viele Frauen, die vor der Menstruation oft Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen haben, nehmen Schmerzmittel aus dieser Wirkstoffgruppe ein. NSAR können starke Regel- und Kopfschmerzen wirksam lindern und sind meist gut verträglich. Ihre häufigsten Nebenwirkungen sind Magenbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen und Benommenheit. Bei zu häufiger Einnahme können sie auch Kopfschmerzen verursachen.

Ob NSAR auch bei Beschwerden helfen, die durch PMS verursacht werden, ist bislang allerdings kaum untersucht. In Studien zu PMS wurden vor allem die NSAR Naproxen und Mefenaminsäure untersucht.

Entwässernde Medikamente (Diuretika)

Manche Frauen, die besonders mit Wassereinlagerungen und starken Spannungsgefühlen in den Brüsten zu tun haben, setzen entwässernde Medikamente ein. Diuretika können Nebenwirkungen wie Übelkeit und Kopfschmerzen haben. Es kann auch ein Gewöhnungseffekt eintreten: Wenn man die Mittel wieder absetzt, kann es sein, dass der Körper mehr Wasser einlagert als vor der Einnahme. Aus diesen Gründen ist es wichtig, die Ärztin oder den Arzt um Rat zu fragen, ob sich Diuretika eignen – und falls ja, sie vorsichtig anzuwenden. Dabei sollte die in der Packungsbeilage angegebene Höchstmenge nicht überschritten werden, da der Körper sonst zu viel Flüssigkeit verlieren kann.

GnRH-Analoga

GnRH (Gonadotropin releasing hormone) ist ein Hormon, das die Freisetzung der sogenannten Gonadotropine reguliert. Gonadotropine sind Sexualhormone, die bei der Frau das Wachstum und die Reifung der Eizellen sowie den Eisprung auslösen.

Bei starken PMS-Beschwerden werden selten auch GnRH-Analoga eingesetzt. Diese Medikamente greifen erheblich in den Hormonhaushalt ein, denn sie senken die Produktion der Hormone in den Eierstöcken stark ab. Beschwerden wie Hitzewallungen und Schlafstörungen sind eine häufige Folge. Auch PMS-ähnliche Symptome können auftreten, etwa depressive Verstimmungen. GnRH-Analoga sollten nicht länger als sechs Monate eingenommen werden.

Bei einer Behandlung über mehrere Monate nehmen Frauen häufig gleichzeitig täglich niedrig dosiertes Östrogen ein. Diese sogenannte Add-back-Therapie soll die Beschwerden durch den von den GnRH-Analoga verursachten Hormonmangel abschwächen.

Ob Frauen mit PMS durch die Einnahme von GnRH-Analoga profitieren können, ist bisher nicht ausreichend untersucht. Während einer Behandlung mit GnRH-Analoga ist es nicht möglich, schwanger zu werden.

Progesteron

Manche Frauen nehmen vor der Menstruation einige Tage lang Tabletten mit dem Hormon Progesteron ein, obwohl sie für die Behandlung von PMS-Beschwerden nicht zugelassen sind. Dies soll Beschwerden verhindern, die durch einen zu niedrigen oder in der zweiten Zyklushälfte schnell sinkenden Progesteronspiegel verursacht werden. Diese Theorie gilt mittlerweile allerdings als überholt.

So zeigen auch die wissenschaftlichen Studien zum Einsatz von Progesteron bei PMS, dass es den Frauen, die die Hormone einnahmen, nicht besser ging als den Frauen, die ein Scheinmedikament (Placebo) anwendeten. Sie berichteten zudem häufiger über eine gestörte Regelblutung.

Zugelassen ist in Deutschland nur ein progesteronhaltiges Gel zur Behandlung von prämenstruellen Spannungsgefühlen in der Brust. Zum Nutzen und Schaden dieses Gels gibt es keine aussagekräftigen Studien.

Helfen pflanzliche Präparate oder Nahrungsergänzungsmittel?

Manche Frauen versuchen ihre Beschwerden mit pflanzlichen Präparaten oder Nahrungsergänzungsmitteln zu lindern – zum Beispiel mit Kalzium, Vitamin B6, Magnesium, Nachtkerzenöl, Mönchspfeffer, Johanniskraut, Safran oder Ginkgo biloba.

Wissenschaftliche Studien haben schwache Hinweise ergeben, dass Kalzium PMS-Beschwerden lindern kann, wenn es in einer Dosis zwischen 1000 und 1200 mg täglich eingenommen wird. Vitamin B6 hilft möglicherweise, wenn es in einer Dosis von etwa 50 bis 100 mg pro Tag angewendet wird. Beide Präparate müssen während des ganzen Monats eingenommen werden.

Auch für das pflanzliche Präparat Mönchspfeffer gibt es schwache Hinweise für eine Wirkung gegen PMS-Beschwerden. Zu Johanniskraut, Safran und Ginkgo biloba sind ebenfalls noch keine sicheren Aussagen zu ihrer Wirkung bei PMS möglich. Studien zu Magnesium und Nachtkerzenöl hatten widersprüchliche Ergebnisse.

Welche anderen Behandlungen kommen infrage?

Ob eine kognitive Verhaltenstherapie (KVT) Frauen mit PMS helfen kann, ihre Beschwerden besser zu bewältigen, ist noch unklar. Bisher fehlen aussagekräftige Studien, um diese Frage zu beantworten. Bei einer KVT geht es vor allem darum, nicht hilfreiche Denkmuster und Verhaltensweisen zu erkennen und zu verändern. Ein Ziel kann sein, mit den Belastungen durch ein PMS so umgehen zu lernen, dass sie den Alltag möglichst wenig beeinträchtigen.

Auch der Nutzen von Akupunktur und Reflexzonenmassagen ist bisher noch unklar. Für die Wirkung und den Nutzen homöopathischer Mittel wie Pulsatilla- oder Sepia-Globuli gibt es keinen Nachweis.

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