Einleitung

Foto von Mutter und Tochter mit Windpocken (PantherMedia / Cathy Yeulet) Windpocken sind eine sehr ansteckende Virusinfektion, an der vor allem Kinder erkranken. Typisch sind ein stark juckender Hautausschlag mit roten Bläschen und leichtem Fieber. Da mittlerweile die meisten Kinder geimpft werden, treten Windpocken (Varizellen) heute viel seltener auf als früher.

Wer an Windpocken erkrankt, ist bereits ein bis 2 Tage ansteckend, bevor ein Ausschlag zu sehen ist. Einige Vorsichts- und Hygienemaßnahmen können aber helfen, eine Übertragung auf andere zu vermeiden. Eine Windpocken-Erkrankung ist zwar unangenehm, hat aber bei ansonsten gesunden Kindern selten ernste Folgen. Bei Neugeborenen und Erwachsenen sowie bei Menschen mit geschwächten Abwehrkräften kann sie allerdings einen schweren Verlauf nehmen.

Symptome

Meist fühlt man sich bei Windpocken zuerst allgemein krank: Die Glieder und der Kopf schmerzen, die Körpertemperatur steigt an. Dann entwickelt sich der typische juckende Hautausschlag, meist zuerst im Gesicht und am Rumpf, später auch auf der Kopfhaut, an den Armen und Beinen. Manchmal sind zudem die Schleimhäute und Geschlechtsorgane betroffen. Vor allem der starke Juckreiz ist oft quälend und stört den Schlaf. Bei Erwachsenen kann der Hautausschlag auch fehlen oder breitet sich nicht so typisch aus.

Das Fieber hält 3 bis 5 Tage an, steigt aber nur sehr selten über 39 Grad. Der Hautausschlag besteht aus kleinen roten Flecken und Knötchen, die zu Bläschen heranwachsen. Sie enthalten Flüssigkeit, die anfangs klar ist und sich dann eintrübt. Schließlich trocknen die Bläschen nach einigen Tagen aus. Es bildet sich eine Kruste (Schorf), die bald abfällt. Das Abheilen der Bläschen dauert in der Regel 3 bis 5 Tage. Da auf der Haut alle Entwicklungsstadien der Bläschen gleichzeitig zu sehen sind, spricht man auch von einem „Sternenhimmel“. Wie viele Bläschen sich entwickeln, ist sehr unterschiedlich.

 

Baby mit typischem Hautausschlag; unten: Entwicklung eines Windpocken-BläschensBaby mit typischem Hautausschlag; unten: Entwicklung eines Windpocken-Bläschens

 

Ursachen

Windpocken werden durch Varizella-Zoster-Viren verursacht. Sie gehören zur Gruppe der Herpes-Viren. Sie werden von Mensch zu Mensch durch eine Tröpfcheninfektion oder direkten Kontakt übertragen. Meist atmet man winzige Speicheltröpfchen ein, die Erkrankte beim Atmen und Husten, Niesen oder Sprechen in der Luft verbreiten. Ansteckend ist auch die Flüssigkeit der Bläschen, wenn diese platzen oder aufgekratzt werden (Schmierinfektion). Fast jeder Kontakt mit einem erkrankten Menschen führt zu einer Ansteckung – es sei denn, man hatte bereits Windpocken oder ist dagegen geimpft.

Häufigkeit

An Windpocken erkranken vor allem Kindergarten- und Schulkinder zwischen 2 und 10 Jahren. Nicht geimpfte Jugendliche oder Erwachsene können sich aber ebenfalls anstecken, wenn sie im Kindesalter keine Windpocken hatten.

Seit 2004 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Berliner Robert Koch-Institut die Impfung gegen Windpocken. Vor 2004 erkrankten jährlich etwa 750.000 Kinder und Erwachsene an Windpocken. Da die meisten Eltern heute der Impfempfehlung folgen, ist die Zahl der Windpocken-Erkrankungen deutlich zurückgegangen. Windpocken gehören aber immer noch zu den häufigsten Kinderkrankheiten.

Verlauf

Nach einer Ansteckung dauert es meist etwa zwei Wochen, bis sich die Symptome zeigen. Die Erkrankung kann sich aber auch deutlich früher oder später entwickeln: Die ersten Beschwerden können schon eine Woche nach Ansteckung auftreten, aber auch bis zu drei Wochen auf sich warten lassen (Inkubationszeit). Bei den meisten Kindern heilt eine Windpocken-Erkrankung innerhalb von zwei Wochen aus.

 

Windpocken: Verlauf und AnsteckungszeitenWindpocken: Verlauf und Ansteckungszeiten

Erkrankt ein Erwachsener an Windpocken, verläuft die Erkrankung oft schwerer als bei Kindern. Das heißt, sie kann länger dauern und mit einem stärkeren Krankheitsgefühl einhergehen. Auch das Risiko für Komplikationen ist bei Erwachsenen höher als bei Kindern.

Wer einmal Windpocken hatte, ist sein ganzes Leben immun. Man kann also nur einmal an Windpocken erkranken.

Folgen

Wenn die juckenden Bläschen aufgekratzt werden, kann es zu einer bakteriellen Entzündung der Haut kommen und es können Narben zurückbleiben. Das geringste Narbenrisiko besteht, wenn die Krusten von selbst abfallen. Ob sich Narben bilden oder nicht, hängt aber auch davon ab, wie groß die Bläschen sind.

Vor allem bei Erwachsenen mit einem schweren Krankheitsverlauf kann das Virus eine Lungenentzündung auslösen. Sehr selten befallen die Viren das zentrale Nervensystem, als Folge kann sich zum Beispiel eine Gehirnentzündung oder Hirnhautentzündung entwickeln. Ein erhöhtes Risiko haben Menschen, deren Immunabwehr geschwächt ist, beispielsweise durch schwere Erkrankungen wie Krebs oder AIDS.

Varizella-Zoster-Viren sind nach einer Windpocken-Erkrankung zwar inaktiv, verbleiben aber im Körper. Deshalb kann man viele Jahre später eine Gürtelrose bekommen. Bei dieser Erkrankung werden die Viren wieder aktiv und verursachen einen Hautausschlag, der sehr schmerzhaft sein kann. Eine Gürtelrose entwickelt sich am häufigsten bei älteren Menschen und bei Personen mit geschwächtem Immunsystem. Erwachsene mit Gürtelrose können die Viren auf andere Menschen übertragen, die nicht immun sind. Diese erkranken dann an Windpocken.

Wenn eine schwangere Frau in den ersten sechs Schwangerschaftsmonaten Windpocken bekommt, können die Viren beim Ungeborenen schwere Fehlbildungen verursachen. Eine Infektion um den Geburtstermin herum kann für das Neugeborene lebensbedrohlich sein, da sein Immunsystem die Viren noch nicht ausreichend bekämpfen kann.

Diagnose

Meist erkennt die Ärztin oder der Arzt Windpocken anhand des sehr charakteristischen Hautausschlags. Nur bei einem untypischen Krankheitsverlauf wird untersucht, ob das Blut oder die Bläschenflüssigkeit Viren enthalten. Mithilfe eines Antikörper-Bluttests kann geprüft werden, ob man bereits Windpocken hatte und damit immun ist. Dies kann zum Beispiel bei schwangeren Frauen notwendig sein.

Vorbeugung

Die Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission gilt unter anderem für alle Kinder ab elf Monaten, aber auch für Jugendliche, Frauen mit Kinderwunsch und Menschen mit bestimmten Erkrankungen wie einer starken Neurodermitis, wenn sie noch keine Windpocken hatten. Die Windpocken-Impfung wird von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Sie besteht aus zwei Impfspritzen im Abstand von 4 bis 6 Wochen.

Wer noch keine Windpocken hatte und nicht geimpft ist, kann sich nach Kontakt mit einer an Windpocken erkrankten Person noch innerhalb von fünf Tagen impfen lassen. Dies kann den Ausbruch verhindern oder zumindest den Verlauf abschwächen.

Während einer Schwangerschaft kann sich eine Frau nicht mehr impfen lassen. Besteht Ansteckungsgefahr, kann sie sich aber Antikörper verabreichen lassen, die die Viren bekämpfen. Diese sogenannte passive Immunisierung ist auch bei Neugeborenen möglich, falls die Mutter in den Tagen um die Geburt herum Windpocken bekommt.

Auch geimpfte Personen können an Windpocken erkranken. Dies ist aber selten, und meist verläuft die Krankheit dann milder. Auch das Risiko für Komplikationen ist geringer.

Seit März 2013 gehören die Windpocken zu den meldepflichtigen Erkrankungen. Das heißt, dass die Ärztin oder der Arzt bereits bei einem Verdacht auf Windpocken das regionale Gesundheitsamt benachrichtigen muss. Es kann sein, dass das Amt sich dann bei den Eltern eines erkrankten Kindes meldet und zum Beispiel darauf hinweist, dass es zu Hause bleiben muss, bis es nicht mehr ansteckend ist.

Solange Ansteckungsgefahr besteht, sollten Erkrankte direkten Kontakt zu anderen Menschen möglichst vermeiden, wenn sie nicht wissen, ob diese bereits die Windpocken hatten. Das gilt besonders für den Kontakt zu Schwangeren und Menschen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf. Das bedeutet auch, sich nicht längere Zeit gemeinsam in einem Raum aufzuhalten.

Mehr Wissen

Behandlung

Bei einer Windpocken-Erkrankung werden in der Regel nur die Symptome behandelt. Bei schweren Verläufen oder erhöhtem Risiko für Komplikationen können Medikamente eingesetzt werden, die Viren bekämpfen (Virostatika). Um den Juckreiz zu lindern und die Bläschen auszutrocknen, werden häufig Lotionen, Gele oder Puder angewendet. Meist enthalten sie Gerbstoffe, Zink, Menthol oder Polidocanol. Gegen den Juckreiz werden manchmal auch Medikamente zum Einnehmen empfohlen, etwa Antihistaminika. Wie gut diese Behandlungen helfen, ist wissenschaftlich nicht gut untersucht.

Beschwerden wie Fieber oder Gliederschmerzen lassen sich durch schmerzlindernde und fiebersenkende Mittel mit dem Wirkstoff Paracetamol lindern. Das Schmerzmittel Ibuprofen ist für Kinder mit Windpocken nicht geeignet. Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) darf bei Kindern und Jugendlichen nur auf ärztliche Anweisung angewendet werden und auch nur dann, wenn andere Maßnahmen nicht wirken. Er kann nämlich bei Kindern und Jugendlichen eine seltene, aber gefährliche Nebenwirkung auslösen (Reye-Syndrom).

Leben und Alltag

Sich nicht zu kratzen, obwohl der Juckreiz quält, fällt schwer. Dennoch ist es wichtig, Kratzen möglichst zu vermeiden: Denn die Bläschenflüssigkeit ist ansteckend, außerdem können aufgekratzte Bläschen Narben zurücklassen. Bei Kindern hilft es, die Fingernägel kurz zu schneiden. Wenn ein Säugling oder Kleinkind Windpocken hat, können Baumwoll-Fäustlinge das Kratzen erschweren. Weite, nicht einengende Kleidung aus glattem Stoff kann dafür sorgen, dass die Haut nicht zusätzlich gereizt wird.

In der Regel ist Duschen besser als ausgiebiges Baden, da die Haut dadurch weniger aufweicht. Nach dem Duschen und Waschen die Haut am besten nur vorsichtig trocken tupfen.

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