Was können Eltern bei einer Mittelohrentzündung tun?

Foto von schlafendem Jungen

Eine Mittelohrentzündung klingt bei Kindern normalerweise in wenigen Tagen von selbst ab. Schmerzlindernde und fiebersenkende Mittel können bis dahin helfen. sind jedoch oft nicht wirksam.

Kinder mit akuter Mittelohrentzündung (Otitis media) haben meist Schmerzen und Fieber. Sie schlafen schlecht, sind unruhig und weinen viel. Wichtig ist dann vor allem viel Zuwendung. Manche Kinder fühlen sich auch nach der Anwendung bestimmter Hausmittel besser.

Viele Kinder sind schon nach einem Tag wieder schmerzfrei. Schmerzlindernde und fiebersenkende Mittel wie und Paracetamol können die Beschwerden bis dahin lindern.

helfen bei einer Mittelohrentzündung oft nicht. Denn sie wirken nur bei und nicht, wenn Viren die verursacht haben. Außerdem können sie Nebenwirkungen haben. Deshalb ist es meist sinnvoll, 2 bis 3 Tage abzuwarten, ob die Mittelohrentzündung von selbst verschwindet. Falls nicht, kann man immer noch Rücksprache mit der Kinderarztpraxis halten, ob infrage kommen. Nützlich sind auch bei eitrigem Ausfluss aus dem Ohr sowie bei Kindern unter zwei Jahren mit einer beider Ohren.

Wann ist ein Besuch in der Kinderarztpraxis nötig?

Wenn es dem Kind nicht gut geht, ist es sinnvoll, frühzeitig ärztlichen Rat zu suchen. Die Kinderärztin oder der Kinderarzt kann einschätzen, ob es sich um eine Mittelohrentzündung handelt und wie schwer sie ist. Gemeinsam lässt sich dann besprechen, welche Behandlung angebracht ist.

Bessern sich die Beschwerden trotz Behandlung nicht oder treten Probleme wie Hörstörungen auf, ist ein erneuter Arztbesuch ratsam.

Schmerzstillende und fiebersenkende Medikamente

Eine schnelle Linderung der Ohrenschmerzen steht im Mittelpunkt der Behandlung. Für Kinder sind in Deutschland die Wirkstoffe Paracetamol und rezeptfrei erhältlich. Beide Wirkstoffe lindern den Schmerz und senken das Fieber. Sie können als Zäpfchen oder Saft gegeben werden. kann zusätzlich Entzündungen hemmen.

Die Dosierung der Medikamente richtet sich nach dem Alter und dem Körpergewicht des Kindes. Außerdem muss zwischen zwei Einnahmen ein zeitlicher Mindestabstand liegen. Weitere Informationen zur Anwendung und zu möglichen Nebenwirkungen finden sich im Beipackzettel des jeweiligen Medikaments. Bei Unsicherheiten kann man sich in der kinderärztlichen Praxis oder in der Apotheke beraten lassen.

Wichtig ist

() darf Kindern und Jugendlichen nur auf ärztliche Anweisung gegeben werden, weil hier das Risiko einer seltenen, aber gefährlichen Nebenwirkung besteht („“).

Antibiotika

beeinflussen den Verlauf einer Mittelohrentzündung nur wenig, können aber Nebenwirkungen haben. Die Mittel können die Ohrenschmerzen in den ersten 24 Stunden der Erkrankung nicht lindern. Ein Unterschied lässt sich erst etwas später feststellen: Studien zeigen, dass nach 2 bis 3 Tagen Antibiotika-Einnahme etwa 15 von 100 Kindern noch Schmerzen haben – im Gegensatz zu 22 von 100 Kindern, die keine erhielten.

können auch das Risiko verringern, dass das Trommelfell reißt. In Studien riss das Trommelfell nur bei 1 von 100 Kindern, die erhielten – aber bei etwa 3 von 100 Kindern, die keine nahmen. Ein Riss im Trommelfell ist meist klein und heilt innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen von selbst ab. Problematischer ist es, wenn das Trommelfell immer wieder einreißt oder ein größerer Riss entsteht.

Zwei Gruppen von Kindern können deutlich besser helfen:

  • Kinder unter zwei Jahren mit einer beider Ohren
  • Kinder aller Altersgruppen mit eitrigem Ausfluss aus dem Ohr

Beides weist auf bakterielle Infektionen hin, die sich mit gut behandeln lassen. Bei etwa 25 bis 35 von 100 Kindern mit solchen Problemen können nach 3 bis 7 Tagen Schmerzen und Fieber lindern.

Nebenwirkungen von Antibiotika

können Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall und Hautausschlag hervorrufen. Bei ungefähr 5 von 100 Kindern lösen eine dieser Nebenwirkungen aus. Außerdem trägt die zu häufige Verwendung von dazu bei, dass sich Keime entwickeln und ausbreiten, die nicht mehr auf ansprechen (resistente Bakterien).

Abwarten

Den größten Vorteil haben für Kinder mit Beschwerden, die auf eine bakterielle hinweisen (siehe oben). Bei anderen Kindern spricht viel dafür, zunächst auf zu verzichten und sie erst einzunehmen, wenn sich die Ohrenschmerzen nach 2 bis 3 Tagen nicht bessern oder sogar verschlechtern. Es ist auch möglich, dass die Ärztin oder der Arzt nach der ein Rezept für ein Antibiotikum ausstellt und die Eltern bittet, es erst einmal nicht einzulösen, sondern abzuwarten. Gegen Ohrenschmerzen erhalten die Kinder bis dahin schmerzstillende und falls nötig fiebersenkende Mittel.

Dieses abwartende Vorgehen vermeidet mögliche Nebenwirkungen durch und hat keine längerfristigen Nachteile. Studien haben gezeigt, dass es dadurch nicht häufiger zu Komplikationen oder neuen Erkrankungen kommt.

Bei diesem Vorgehen ist es wichtig, die Beschwerden des Kindes aufmerksam zu beobachten und mit der Ärztin oder dem Arzt in Kontakt zu bleiben, um angemessen reagieren zu können, falls sich die nicht bessert oder sogar verschlechtert.

Abschwellende Nasentropfen oder Nasensprays

Nasentropfen oder Nasensprays können die Schleimhäute abschwellen lassen. Sie werden angewendet, um die Belüftung des Mittelohrs zu verbessern. Es ist jedoch nicht erwiesen, dass sie die Heilung einer Mittelohrentzündung unterstützen oder die Beschwerden lindern.

Viele Kinder mit Mittelohrentzündung haben auch eine verstopfte Nase. Nasensprays und Nasentropfen können dann für einige Stunden die Nase freier machen und die Atmung erleichtern. Sie sollten aber für wenige Tage und nur in der für das Alter des Kindes empfohlenen Dosierung angewendet werden. Bei zu langer, zu häufiger oder zu hoch dosierter Anwendung können die Mittel die Nasenschleimhaut dauerhaft schädigen. Abschwellende Nasentropfen und Nasensprays sind ohne Rezept in Apotheken erhältlich.

Ohrentropfen

Gegen die Ohrenschmerzen können auch lokal wirkende Ohrentropfen angewendet werden. In Deutschland enthalten solche Mittel meist eine Kombination der Wirkstoffe Phenazon und Procain. Ob Ohrentropfen Kindern und Babys unter drei Jahren helfen, ist nicht untersucht. Bei Kindern über drei Jahren können sie die Schmerzen möglicherweise lindern.

Wenn das Trommelfell gerissen ist, kann die Anwendung von Ohrentropfen problematisch sein. Im Zweifel ist es besser, vorher mit der Ärztin oder dem Arzt zu sprechen.

Trommelfellschnitt (Parazentese)

Manchmal wird das Trommelfell leicht eingeritzt, damit Flüssigkeit aus der Paukenhöhle nach außen ablaufen kann. Der kleine Eingriff wird nur vorgenommen, wenn Probleme auftreten – zum Beispiel, wenn das angestaute Sekret zu sehr starken Schmerzen führt.

Hausmittel und komplementäre Verfahren

Viele Eltern wenden bei ihrem erkrankten Kind auch Hausmittel oder Methoden der an. Die Wirksamkeit der meisten Verfahren gegen Ohrenschmerzen oder Fieber wurde bisher allerdings entweder gar nicht in wissenschaftlichen Studien geprüft oder konnte nicht bestätigt werden.

Zum Beispiel verwenden manche Eltern Wadenwickel zur Fiebersenkung. Einige Eltern behandeln ihr Kind auch mit Zwiebelsäckchen, die auf das schmerzende Ohr gelegt werden, oder wärmen das erkrankte Ohr mit Rotlicht. Für eine Wirksamkeit dieser Hausmittel gibt es keine Belege. Manche Kinder empfinden sie jedoch als wohltuend.

Andere Eltern greifen auf pflanzliche Medikamente zurück. Doch auch für solche Mittel gibt es keine Belege, dass sie bei einer akuten Mittelohrentzündung helfen können. Homöopathische Mittel sind unwirksam.

Paukenröhrchen

Wenn die Schleimhäute infolge einer Mittelohrentzündung anschwellen und Sekret absondern, füllt sich die Paukenhöhle mit Flüssigkeit. Dies wird Paukenerguss genannt. Meist bildet sich ein Paukenerguss nach einigen Tagen oder Wochen zurück. Bei einigen Kindern bleibt er jedoch bestehen und verschlechtert das Hören. Dadurch kann sich bei Kleinkindern die Sprachentwicklung verzögern.

Bei einem anhaltenden Paukenerguss wartet man zunächst einige Monate ab, ob er sich nicht doch von selbst zurückbildet. In dieser Zeit werden die Ohren regelmäßig ärztlich untersucht. Löst sich der Paukenerguss nicht auf, kommt ein Trommelfellschnitt in Betracht: Dadurch kann das Sekret nach außen abfließen oder wird abgesaugt.

Wenn sich trotzdem immer wieder Flüssigkeit ansammelt und das Kind schlecht hört, wird oft empfohlen, ein Paukenröhrchen in das Trommelfell einzusetzen. Das feine Röhrchen aus Kunststoff oder Metall sorgt für die Belüftung des Mittelohrs von außen. Es wird gewöhnlich unter eingesetzt und fällt meist nach 6 bis 12 Monaten von selbst aus dem Ohr. Der Eingriff verläuft in der Regel komplikationslos. Mögliche Risiken sind beispielsweise Infektionen oder ein Verrutschen eines Röhrchens in die Paukenhöhle. Selten kommt es nach dem Eingriff zu Hörproblemen, weil der Schnitt nach der Behandlung nicht verheilt oder das Trommelfell vernarbt.

Paukenröhrchen beseitigen zwar schnell den Paukenerguss und verbessern in den ersten Monaten das Hören. Ob sie es aber auch längerfristig verbessern und Sprachentwicklungsstörungen vorbeugen, ist nicht nachgewiesen.

Paukenröhrchen können auch eingesetzt werden, wenn ein Kind sehr häufig Mittelohrentzündungen hat. Dann können sie das Risiko für erneute Entzündungen wahrscheinlich senken.

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Aktualisiert am 16. November 2022
Nächste geplante Aktualisierung: 2025

Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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