Können Antibiotika bei Babys und Kleinkindern die Beschwerden lindern?

Foto von schreiendem Baby
Comstock Images / Stockbyte / Thinkstock

Eine Mittelohrentzündung klingt mit und ohne Behandlung normalerweise innerhalb weniger Tage ab. Wenn bei Kindern unter zwei Jahren beide Ohren entzündet sind, können die Heilung jedoch beschleunigen. Sie können auch helfen, wenn die entzündeten Ohren Flüssigkeit absondern.

Mittelohrentzündungen können Schmerzen und Fieber verursachen. Dies kann mit Schmerzmitteln wie Paracetamol oder behandelt werden. Ob bei einer Mittelohrentzündung sinnvoll sind, hängt davon ab, welche zusätzlichen Beschwerden ein Kind hat. helfen nur gegen bakterielle Infektionen. Bei Kindern mit bestimmten Symptomen sind sie hilfreich, für alle anderen haben kaum Vorteile.

Forschung zu Antibiotika bei akuter Mittelohrentzündung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks haben nach Studien gesucht, die die Vor- und Nachteile einer Antibiotika-Behandlung bei Säuglingen und Kleinkindern mit akuter Mittelohrentzündung geprüft haben. Sie fanden 13 verlässliche Studien, an denen insgesamt etwa 3400 Kinder teilnahmen. In diesen Studien wurden nach dem Zufallsprinzip jeweils zwei Gruppen gebildet und miteinander verglichen: In einer Gruppe nahmen die Kinder , in der anderen nicht.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollten wissen, wie sich nach einem bis sieben Tagen Behandlung auf Fieber und Schmerzen auswirken. Sie untersuchten auch, ob bei den Kindern, die erhielten, seltener Komplikationen auftraten – zum Beispiel eine Beeinträchtigung des Hörvermögens, ein Übergreifen der Entzündung auf das andere Ohr oder eine Ausbreitung auf den Knochen hinter dem Ohr. Außerdem fragten sie nach Nebenwirkungen.

Antibiotika sind häufig unwirksam

Die Wissenschaftlergruppe stellte fest, dass die Genesung häufig nicht beschleunigen konnten. Die Ohrenschmerzen vieler Kinder klangen mit innerhalb von 24 Stunden nicht schneller ab als ohne diese Medikamente. Bei einer etwas längeren Behandlung konnten die Schmerzen nur wenig beeinflussen. In Zahlen: Nach zwei bis drei Tagen

  • ohne hatten etwa 22 von 100 Kindern noch Schmerzen,
  • mit hatten etwa 15 von 100 Kindern noch Schmerzen.

Mit anderen Worten: Durch die Behandlung mit waren nach zwei bis drei Tagen zusätzlich 7 von 100 Kindern schmerzfrei.

können auch das Risiko verringern, dass das Trommelfell reißt:

  • Ohne riss das Trommelfell bei etwa 3 von 100 Kindern,
  • mit riss es bei etwa 1 von 100 Kindern.

Das heißt: Bei etwa 2 von 100 Kindern konnten einem Trommelfellriss vorbeugen. Allerdings ist ein Riss im Trommelfell oft nichts Ernstes. Solche Risse sind meist klein und heilen innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen von selbst ab. Problematischer ist es, wenn das Trommelfell immer wieder einreißt oder ein größerer Riss entsteht.

Antibiotika helfen bestimmten Kindern

können bestimmten Kindern eher helfen als anderen: Dazu gehören Kinder unter zwei Jahren mit einer beider Ohren, und Kinder aller Altersgruppen mit eitrigem Ausfluss aus dem Ohr. Beide Symptome weisen auf bakterielle Infektionen hin, die sich mit gut behandeln lassen.

Von den unter zweijährigen Kindern mit beidseitiger akuter Mittelohrentzündung hatten nach drei bis sieben Tagen

  • ohne noch 55 von 100 Kindern Schmerzen oder Fieber,
  • mit nur 30 von 100.

Die konnten also 25 von 100 dieser Kleinkinder helfen.

Sie halfen auch Kindern mit eitrigem Ausfluss:

  • Ohne hatten noch 60 von 100 Kindern Fieber oder Schmerzen,
  • mit dagegen nur 24 von 100.

konnten also 36 von 100 Kindern mit eitrigem Ausfluss helfen.

Nebenwirkungen von Antibiotika

Bei der Frage nach dem Nutzen von muss man immer auch die möglichen Nebenwirkungen betrachten. können Übelkeit, Durchfall und Hautausschlag hervorrufen. Bei ungefähr 5 von 100 Kindern führten zu einer dieser Nebenwirkungen. Zum anderen trägt die allzu häufige Verwendung von dazu bei, dass sich Keime entwickeln und ausbreiten, die nicht mehr auf ansprechen (resistente Bakterien).

Abwartende Behandlung ist bei den meisten Kindern sinnvoll

Bei den meisten Kindern ist es am besten, zwei bis drei Tage abzuwarten, ob sich die Beschwerden von selbst bessern und dann zu entscheiden, ob eingesetzt werden. Dies hilft, Nebenwirkungen zu vermeiden. Zudem können Schmerzmittel die Beschwerden rascher lindern als . Eine ärztliche Nachkontrolle ist bei dieser Methode des „Beobachtens und Abwartens“ sinnvoll.

Venekamp RP, Sanders SL, Glasziou PP, Del Mar CB, Rovers MM. Antibiotics for acute otitis media in children. Cochrane Database Syst Rev 2015; (6): CD000219.

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Aktualisiert am 24. April 2019
Nächste geplante Aktualisierung: 2022

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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