Wie kann man einer Mittelohrentzündung vorbeugen?

Foto von Mutter und Kind
Pixland / Thinkstock

Vor allem bei häufig wiederkehrenden Mittelohrentzündungen fragen sich Eltern, wie sie ihr Kind vor den schmerzhaften Infekten am besten schützen können. Durch bestimmte Maßnahmen lässt sich das Erkrankungsrisiko vielleicht etwas senken.

Das Immunsystem von Babys und Kleinkindern ist noch unreif – es muss erst noch lernen, Krankheiten besser abzuwehren. Deshalb sind Erkältungen und Mittelohrentzündungen ein normaler Teil der kindlichen Entwicklung. Wenn ein Kind erkrankt, ist es wichtig, seine Beschwerden durch eine angemessene Behandlung zu lindern und auf mögliche Komplikationen zu achten.

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die zur Vorbeugung empfohlen werden. Inwieweit sie ein Kind tatsächlich vor wiederkehrenden Mittelohrentzündungen schützen können, ist aber unklar: Zu dieser Frage fehlen wissenschaftliche Belege.

Rauchfreie Umgebung

Passivrauchen erhöht das Risiko für Infektionen im Bereich der Atemwege und des Nasen-Rachen-Raums. Es schwächt zudem die Immunabwehr des Kindes. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Kinder in einer möglichst rauchfreien Umgebung aufwachsen.

Schnullergebrauch

Babys oder Kleinkinder, die regelmäßig einen Schnuller benutzen, bekommen etwas häufiger Mittelohrentzündungen als andere. Dies könnte damit zusammenhängen, dass das Saugen an einem Schnuller die Druckverhältnisse im Bereich des Rachens und der Ohren verändert. Über Schnuller können zudem Infektionen übertragen werden. Es ist deshalb einen Versuch wert, dem Kind seltener einen Schnuller zu geben – beispielsweise nur zum Einschlafen.

Pneumokokken-Impfung

Wenn Säuglinge gegen geimpft werden, bekommen sie etwas seltener Mittelohrentzündungen. Bei Kindern, die bereits mehrere Mittelohrentzündungen hatten, kann eine weiteren Erkrankungen wahrscheinlich aber nicht vorbeugen. Die schützt nur vor Infektionen, die durch verursacht wurden. Eine Mittelohrentzündung kann aber auch durch andere Bakterien und verschiedene Viren verursacht werden. Die Pneumokokken-Impfung wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen. Sie rät, alle Babys im Alter zwischen 2 und 14 Monaten dreimal impfen zu lassen.

Grippeimpfung

Eine Grippeimpfung schützt vor einer mit Grippeviren. Möglicherweise senkt sie auch das Risiko für Mittelohrentzündungen. In Studien wurde zudem beobachtet, dass gegen Grippe geimpfte Kinder seltener einnahmen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die jährliche Grippeimpfung jedoch nur, wenn das Risiko für schwerwiegende Grippekomplikationen erhöht ist. Das ist beispielsweise bei Menschen mit Atemwegs-, Herz- oder Stoffwechselerkrankungen der Fall.

Xylitol-Kaugummis

Xylitol ist ein natürlicher Zuckerersatzstoff, der beispielsweise in Erdbeeren, Himbeeren und Pflaumen vorkommt und für zuckerfreie Kaugummis verwendet wird. Xylitol kann das Wachstum bestimmter Bakterienarten hemmen – auch solcher, die Mittelohrentzündungen hervorrufen können. Studien weisen darauf hin, dass Kindergartenkinder seltener an Mittelohrentzündungen erkranken, wenn sie häufig Kaugummis mit Xylitol kauen oder es als Sirup einnehmen. Kaugummis sind effektiver als Sirup.

In den Studien wirkten Kaugummis jedoch nur dann vorbeugend, wenn sie fünfmal täglich über mehrere Monate gekaut wurden. Wenn die Kinder sie nur dreimal pro Tag kauten, wirkten die Kaugummis nicht. Es ist fraglich, ob dies im Alltag umsetzbar ist und ob der Aufwand lohnt.

Zink

Das Spurenelement Zink ist wichtig, damit das optimal funktionieren und Infektionen erfolgreich abwehren kann. Eine normale Ernährung liefert dem Körper in der Regel ausreichend Zink. In Apotheken und Drogerien wird Zink aber auch als angeboten, unter anderem zur Stärkung des Immunsystems.

Studien konnten keinen Hinweis darauf finden, dass Zink als Nahrungsergänzung einer Mittelohrentzündung bei Kindern vorbeugen kann, die sich ausgewogen ernähren. Bei Kindern mit schwerer Mangelernährung, wie sie vor allem in Entwicklungsländern vorkommt, könnte Zink aber eine vorbeugende Wirkung haben.

Entfernen der Rachenmandel und Einsetzen von Paukenröhrchen

Eine vergrößerte Rachenmandel kann die Entlüftung des Mittelohrs behindern und eine Mittelohrentzündung begünstigen. In einigen Studien wurde untersucht, ob die Entfernung der Rachenmandel oder das Einsetzen von Paukenröhrchen Mittelohrentzündungen vorbeugen kann. Manchmal werden beide Eingriffe miteinander kombiniert.

Eine Entfernung der Rachenmandel allein kann Mittelohrentzündungen vermutlich nicht vorbeugen. Durch das Einsetzen von Paukenröhrchen kommt es aber wahrscheinlich seltener zu einer erneuten Mittelohrentzündung. Das hängt möglicherweise auch davon ab, ob zusätzlich ein dauerhafter Paukenerguss besteht oder nicht.

Bei der Entscheidung für oder gegen einen Eingriff sollte berücksichtigt werden, dass dieser auch Nebenwirkungen haben kann. Zudem werden Mittelohrentzündungen bei älteren Kindern meist ohnehin seltener.

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Aktualisiert am 24. April 2019
Nächste geplante Aktualisierung: 2022

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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