Was kann ich von einem Gelenkersatz erwarten?

Foto von Bauarbeiter und Architektin (PantherMedia / Arne Trautmann) Wenn Bewegungstherapie und Schmerzmittel die Beschwerden einer Hüftarthrose nicht ausreichend lindern, kommt ein Gelenkersatz infrage. Er kann die Beschwerden deutlich lindern. Die meisten Menschen kommen mit einem künstlichen Hüftgelenk gut zurecht. Nach zehn Jahren sind noch über 95 % der Hüftprothesen intakt.

Ein künstliches Hüftgelenk kann Arthrosebeschwerden bei den meisten Menschen sehr wirksam lindern. Es handelt sich aber um eine große Operation, die mit verschiedenen Risiken verbunden ist. Je früher man sich operieren lässt, desto wahrscheinlicher ist es außerdem, dass die Prothese irgendwann ausgetauscht werden muss. Daher ist es sinnvoll, andere wirksame Behandlungen auszuprobieren, bevor man sich für einen Eingriff entscheidet. Dazu gehören vor allem Bewegungstherapien, Schmerzmittel und bei Übergewicht eine Gewichtsabnahme.

Wie ist eine Hüftprothese aufgebaut?

Eine Hüftprothese soll das natürliche Gelenk so gut wie möglich ersetzen. Sie besteht in der Regel aus 3 bis 4 Teilen:

  • einem Schaft, der im Oberschenkelknochen verankert wird,
  • einem Kopf, der auf den Schaft aufgesteckt wird und den natürlichen Hüftkopf ersetzt,
  • einer halbkugelförmigen Pfanne, die in die natürliche Hüftpfanne eingesetzt wird sowie
  • einem Pfanneneinsatz, auch Inlay genannt, der in die Hüftpfanne eingebracht wird. Der Pfanneneinsatz nimmt den Prothesenkopf auf. Bei zementierten Hüftprothesen werden kombinierte Pfannen verwendet, bei denen Pfanne und Pfanneneinsatz aus einem Guss sind. Ein separater Pfanneneinsatz ist deshalb nicht nötig.

Für Kopf und Pfanneneinsatz werden unterschiedliche Materialien verwendet. In Deutschland wird am häufigsten ein Pfanneneinsatz aus Polyethylen, einem sehr harten Kunststoff, und ein Kopf aus Keramik verwendet. Diese Kombination wird Polyethylen-Keramik-Gleitpaarung genannt.

 

Grafik: Geradschaft-Gelenkprothese, unzementiert: links Sitz nach Operation, rechts Einzelteile - wie im Text beschriebenGeradschaft-Gelenkprothese, unzementiert: links Sitz nach Operation, rechts Einzelteile

Es gibt zwei unterschiedliche Arten, den Schaft im Oberschenkel und die Pfanne im Beckenknochen zu befestigen:

  • Zementfreie Prothesenteile werden fest in den Knochen gepresst. Eine spezielle raue Oberfläche oder Beschichtung sorgt dafür, dass die Prothese direkt nach dem Einsetzen bereits fest sitzt und sich der Knochen dann allmählich mit ihr verbindet.
  • Zementierte Prothesenteile werden mit einem speziellen Zwei-Komponenten-Kleber befestigt. Er wird oft auch Knochenzement genannt. Streng genommen handelt es sich aber nicht um Zement, sondern um einen sehr schnell härtenden Kunststoff-Kleber, ähnlich wie bei der Befestigung einer Zahnkrone. Zementierte Prothesen werden heute eher Menschen im höheren Alter eingesetzt.

In Deutschland werden zu fast 80 % zementfreie Hüftprothesen verwendet. Bei etwa 15 % der Operationen wird der Schaft zementiert und die Pfanne in die natürliche Hüftpfanne gepresst. Dann spricht man von einem Hybrid-Eingriff oder einer teilzementierten Prothese. Andere Arten der Befestigung werden hierzulande nur selten verwendet. Zementfreie Hüftpfannen werden manchmal zusätzlich durch Schrauben verankert.

Welche Prothese bei einem Menschen infrage kommt, hängt von Faktoren wie dem Alter, anderen bestehenden Erkrankungen und der Knochenqualität ab.

Was kann ich langfristig von einem künstlichen Hüftgelenk erwarten?

Studien zeigen, dass etwa 90 % der Menschen auch längerfristig mit ihrem künstlichen Hüftgelenk zufrieden sind. Die Schmerzen gehen in der Regel deutlich zurück und die Gelenkfunktion verbessert sich. Viele Menschen können nach der Operation wieder schmerzfrei gehen und dadurch Tätigkeiten ausüben, die ihnen vorher nicht mehr oder nur eingeschränkt möglich waren. Es gibt aber keine Erfolgsgarantie: Bis zu 10 % der Operierten haben weiterhin mit Problemen wie stärkeren Schmerzen zu tun.

Welche Arten von Hüftprothesen gibt es?

Neben unterschiedlichen Materialien und Größen gibt es im Wesentlichen drei Varianten von Hüftprothesen:

  • Geradschaft-Prothesen: Sie sind die mit Abstand am häufigsten verwendeten Prothesen (siehe Abbildung oben). Mit ihnen gibt es am meisten Erfahrung.
  • Kurzschaft-Prothesen: Hierbei wird ein kürzerer, leicht gebogener Schaft verwendet.
  • Kappen-Prothesen: Hierbei werden Schenkelhals und Hüftkopf erhalten. Der Hüftkopf wird – ähnlich wie bei einer Zahnkrone – mit einer Metallkappe überkront. Ein dünner, kurzer Schaft verankert die Kappe im Hüftkopf. Am Hüftknochen wird eine Hüftpfanne eingesetzt. Kappen-Prothesen werden auch als Oberflächenersatz-Prothesen oder – nach ihrem Erfinder – als McMinn-Prothesen bezeichnet.

In Deutschland erhalten über 85 % der Menschen eine Geradschaft-Prothese und knapp 10 % eine Kurzschaft-Prothese. Kappen-Prothesen werden nur noch selten verwendet, weil sich bei ihrem Einsatz verschiedene Probleme gezeigt haben.

Was weiß man über die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Prothesentypen?

Eine Wissenschaftlergruppe aus England hat die aussagekräftigsten Studien zu verschiedenen Hüftprothesen ausgewertet. Die Daten reichen nicht aus, um eine abschließende Antwort auf die Frage zu geben, welche Hüftprothesen am längsten halten und Beschwerden am besten lindern. Für einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren ließen sich jedoch einige Ergebnisse ableiten:

  • Kappen-Prothesen mussten mehr als zehnmal so oft ausgetauscht werden wie erprobte Geradschaft-Prothesen.
  • Prothesen mit Metall-auf-Metall-Gleitpaarungen mussten viermal so oft ausgetauscht werden wie Kombinationen aus Polyethylen / Keramik.
  • Zwischen Gleitpaarungen aus Polyethylen-Keramik und Polyethylen-Metall fand sich kein Unterschied.
  • Unklar ist, ob Keramik-Keramik-Gleitpaarungen Vorteile gegenüber Polyethylen-Keramik-Gleitpaarungen haben, da es hierzu nur wenige Studien gibt.

Jüngeren Menschen, die ein künstliches Hüftgelenk bekommen, wird manchmal eine Kurzschaft-Prothese empfohlen. Beim Einbau dieser Prothesen geht weniger Knochen im Bereich des Schaftes verloren – dies könnte ein Vorteil sein, wenn später ein Prothesenwechsel nötig sein sollte. Allerdings gibt es bislang kaum Langzeiterfahrungen mit Kurzschaft-Prothesen. Daher ist unklar, ob sie vergleichbar lange halten wie Geradschaft-Prothesen.

Kappen-Prothesen wurden bis vor einigen Jahren noch häufig verwendet, vor allem bei jüngeren Menschen. Ein Vorteil dieser Prothesen ist, dass am Oberschenkel kaum Knochen entfernt werden muss. Außerdem bleibt der natürliche Gelenkaufbau weitestgehend erhalten. Inzwischen weiß man jedoch, dass die Nachteile dieser Prothesen überwiegen: Je nach Modell geht im Beckenbereich mehr Knochen verloren, weil Kappen-Prothesen einen größeren Kopf haben. Wenn die Prothese gewechselt werden muss, kann dies problematischer sein als ein Knochenverlust am Oberschenkel. Zum anderen weiß man aus Studien inzwischen, dass sich diese Prothesen deutlich häufiger lockern und nachoperiert werden müssen. Auch das Risiko für einen Bruch am Oberschenkelhals ist größer.

Wie lange hält ein künstliches Hüftgelenk?

Die Haltbarkeit einer Hüftprothese hängt von vielen Faktoren ab – etwa dem eingesetzten Material, dem Körpergewicht und der Belastung, der sie zum Beispiel durch bestimmte Sportarten ausgesetzt wird. Ein Austausch der Prothese kann nötig sein, wenn sich Teile lockern oder abnutzen. Eine häufige Ursache hierfür sind Abriebpartikel. Der Abrieb ist bei den Materialien der heute eingesetzten Prothesen jedoch geringer als früher. Selten muss die Prothese auch aufgrund einer Infektion oder eines Knochenbruchs gewechselt werden.

Studien zeigen, dass nach zehn Jahren noch mehr als 95 % der heute üblicherweise eingesetzten Prothesen intakt sind. Etwa 85 % der Hüftprothesen halten über 20 Jahre.

Wie hoch das Risiko ist, dass eine Prothese im Laufe des Lebens ausgetauscht werden muss, hängt vor allem vom Alter ab: Je jünger man ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Prothese irgendwann ausgewechselt werden muss. Außerdem ist der Verschleiß bei jüngeren Männern größer als bei jüngeren Frauen. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick.

Tabelle: Wahrscheinlichkeit, dass ein künstliches Hüftgelenk ausgetauscht werden muss
Alter bei Erstoperation Wahrscheinlichkeit bei Männern Wahrscheinlichkeit bei Frauen
50 Jahre 30 % 17 %
60 Jahre 17 % 17 %
70 Jahre 8 % 6 %
80 Jahre 2 bis 3 % 2 bis 3 %

Wie läuft die Operation ab?

Vor der Operation werden Röntgenaufnahmen gemacht, um den Eingriff mit speziellen Schablonen oder Computerprogrammen zu planen. Unter anderem wird die voraussichtlich passende Prothesengröße ausgewählt und die Position im Knochen abgeschätzt. Die Planung dient außerdem dazu, die ursprüngliche Beinlänge möglichst genau zu erreichen.

Operiert wird zum Beispiel durch einen seitlich angebrachten Längsschnitt in der Haut – etwa zwischen dem oberen Ende des Beckenknochens und dem unteren Ende des Gesäßes. Je nach Erfahrung der Operierenden und der Klink gibt es verschiedene Zugangswege. Zunächst wird der Hüftkopf des Oberschenkelknochens abgetrennt und entfernt. Anschließend wird die Hüftpfanne aufgefräst, um die verschlissene Oberfläche zu entfernen und eine glatte Fläche für das Implantat (die neue Pfanne) zu schaffen. Danach wird der Oberschenkelknochen geöffnet und für die Aufnahme der geplanten Schaftgröße vorbereitet. Der Schaft wird in den entstandenen Hohlraum des Knochens eingesetzt und dort befestigt.

Sind Hüftpfanne und Hüftschaft eingesetzt, wird der Kopf auf den Schaft aufgesteckt und mit der neuen Pfanne zusammengeführt. Bevor die Operationswunde verschlossen wird, überprüft die Operateurin oder der Operateur, ob das neue Gelenk stabil und ausreichend beweglich ist. Die Operation dauert in der Regel etwa 1 bis 1,5 Stunden.

Welche Operationsrisiken gibt es?

Beim Einbau einer künstlichen Hüfte kann es zu Rissen oder Brüchen im Oberschenkel kommen. Dieses Risiko ist etwas höher, wenn zementfreie Prothesen verwendet werden. Es kann dann erforderlich sein, den Knochen zusätzlich zu fixieren, zum Beispiel mit Drahtschlingen oder einer mit Schrauben und / oder Drahtschlingen befestigten Metallplatte.

Eine andere seltene Komplikation ist starker Blutverlust während des Eingriffs, der eine Bluttransfusion notwendig macht. Dass während der Operation ein Nerv oder Muskel verletzt wird, kommt ebenfalls selten vor. Daneben bestehen allgemeine Operationsrisiken, unter anderem aufgrund der Narkose. Das Risiko, an der Operation oder ihren Folgen zu sterben, ist aber sehr gering und liegt deutlich unter 1 %.

Nach der Operation kann es zu einer Wundinfektion, einer Venenthrombose oder Lungenembolie kommen. Um Thrombosen vorzubeugen, erhält man in der Regel für 4 bis 5 Wochen gerinnungshemmende Medikamente (Tabletten oder Heparin-Spritzen). Sie können das Risiko für eine Thrombose oder Lungenembolie auf etwa 1 bis 2 % senken.

In den ersten Monaten nach dem Eingriff kann der Hüftkopf aus der Pfanne springen (Luxation). Dies passiert selten, ist aber sehr schmerzhaft. Oft gelingt es, den Hüftkopf ohne Operation – aber mit Betäubung oder Kurznarkose – wieder einzurenken. Je nach Ursache kann aber auch eine weitere Operation nötig werden. In den ersten sechs Wochen nach der Operation ist es deshalb besser, bestimmte Bewegungen zu vermeiden und Hilfsmittel zu verwenden, zum Beispiel zum Anziehen der Strümpfe.

Nach der Operation können sich auch Verknöcherungen bilden, die die Beweglichkeit des künstlichen Hüftgelenks einschränken können. Um dem vorzubeugen, wird bei Bedarf empfohlen, für 2 bis 3 Wochen entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) einzunehmen. Sie wirken, indem sie bestimmte Gewebshormone hemmen, die zu Verknöcherungen beitragen können (sogenannte Prostaglandine).

Schlagwörter: Coxarthrose, Hüftarthrose, M16, Muskeln, Knochen und Gelenke