Was hilft gegen Übelkeit in der Schwangerschaft?

Foto von einer schwangeren Frau mit Übelkeit (PantherMedia / Wavebreakmedia ltd) Gängige Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen werden oft auch in der Schwangerschaft eingesetzt, ebenso Ingwer. Die Wirksamkeit der meisten Mittel ist jedoch bei Schwangeren kaum untersucht.

In der Frühschwangerschaft sind Übelkeit und Erbrechen häufig: Mindestens die Hälfte aller Frauen hat in den ersten Monaten der Schwangerschaft damit zu tun. Man spricht von Morgenübelkeit, weil die Beschwerden morgens oft am stärksten sind. Manchmal dauern sie aber auch den ganzen Tag an. Übelkeit und Erbrechen können für einige Wochen stark belastend sein, haben aber normalerweise keine Folgen für Mutter und Kind. Meist ist es sogar ein Zeichen dafür, dass sich das Ungeborene gut entwickelt.

Warum eine Schwangerschaft so oft mit Übelkeit einhergeht, ist nicht sicher geklärt. Man vermutet, dass die hormonelle Umstellung eine wichtige Rolle spielt. Ob Stress oder seelische Probleme die Beschwerden auslösen oder verstärken können, ist unklar.

Gewöhnlich beginnt die Übelkeit zwischen der sechsten und achten Schwangerschaftswoche und klingt um die 16. Woche ab. Bei manchen Frauen hält sie auch länger an. Übelkeit und Erbrechen werden vor allem dann zum Problem, wenn man sich extrem unwohl fühlt und es schwerfällt, sich ausreichend und ausgewogen zu ernähren. Starke Übelkeit kann aber auch auf Erkrankungen wie Magen-Darm-Infekte, Migräne oder Erkrankungen der Gallenblase oder Bauchspeicheldrüse hinweisen.

Etwa eine von 100 Frauen erlebt eine besonders starke Form der Schwangerschaftsübelkeit mit häufigem und heftigem Erbrechen. Die sogenannte Hyperemesis gravidarum kann zu Gewichts- und Flüssigkeitsverlusten führen, die auch das Kind gefährden können. Deshalb ist meist eine Behandlung im Krankenhaus nötig.

Welche nicht medikamentösen Maßnahmen helfen?

Viele Frauen versuchen, ihre Übelkeit ohne die Einnahme von Medikamenten in den Griff zu bekommen. Viele reagieren besonders auf spezielle Auslöser wie bestimmte Gerüche und Nahrungsmittel, stressige Situationen, Hitze oder Geräusche. Es kann helfen, darauf zu achten, wann Probleme auftreten und ob Auslöser erkennbar sind – und diese dann zu meiden.

Manchen Frauen hilft es, mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich zu nehmen, viel zu trinken und fettarm zu essen. Zur Frage, ob bestimmte Ernährungsweisen oder Änderungen des Lebensstils Übelkeit und Erbrechen in der Frühschwangerschaft lindern können, gibt es aber noch keine sicheren Erkenntnisse.

Um den Flüssigkeitsverlust bei einer starken Schwangerschaftsübelkeit (Hyperemesis gravidarum) auszugleichen, werden im Krankenhaus Infusionen gegeben. Betroffene Frauen verzichten dann meist für einige Tage auf feste Nahrung. Ob eine bestimmte Diät oder andere Lebensstiländerungen speziell bei starker Schwangerschaftsübelkeit helfen könnten, ist kaum untersucht.

Wie gut helfen Medikamente und pflanzliche Präparate?

Es gibt nur wenige Studien, die die Wirksamkeit von Medikamenten gegen Übelkeit und Erbrechen bei Schwangeren untersucht haben. Das liegt unter anderem daran, dass aus Vorsicht kaum klinische Studien mit Schwangeren durchgeführt werden, um dem Kind nicht zu schaden.

Gängige Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen sind:

  • Dimenhydrinat: Dieser Wirkstoff wird häufig bei Übelkeit und Erbrechen angewendet. Ob er auch in der Schwangerschaft hilft, ist kaum untersucht.
  • Metoclopramid: Dieser Wirkstoff regt die Magen-Darm-Bewegung an und ist ein gängiges Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen. Ob das Medikament auch gegen Übelkeit in der Schwangerschaft hilft, wurde bisher nicht ausreichend untersucht.
  • Vitamin B6: kann die Übelkeit etwas lindern. Ob es auch Erbrechen vorbeugt, ist unklar.
  • Doxylamin: ein älteres Medikament gegen Allergien (Antihistaminikum). Da es müde macht, wird es vor allem als Schlafmittel verwendet. Studien zeigen, dass es in Kombination mit anderen Wirkstoffen wie Vitamin B6 Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft lindern kann. In Deutschland sind diese Kombinationen jedoch derzeit nicht auf dem Markt. Erhältlich sind aber Präparate, die nur Doxylamin enthalten. Ob diese Präparate ebenfalls die Beschwerden lindern, ist nicht untersucht.
  • Promethazin: Dieser Wirkstoff wird in erster Linie zur Behandlung von Unruhe- und Erregungszuständen verwendet, ist aber auch gegen Übelkeit und Erbrechen zugelassen. Bei Schwangeren ist die Wirksamkeit jedoch nicht ausreichend untersucht.

Keines dieser Medikamente ist ausdrücklich zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft zugelassen. Sie können aber im Rahmen des sogenannten „Off-Label-Use“ verschrieben werden. Dann ist es besonders wichtig, sich zu den Wirkungen und Nebenwirkungen ärztlich beraten zu lassen.

Eine Alternative sind pflanzliche Mittel mit Ingwer. Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Ingwerprodukte die Beschwerden bei Schwangeren lindern können. Dazu zählen Ingwerkapseln und Ingwersirup (mit 250 mg Ingwer pro Dosis), die drei- oder viermal am Tag eingenommen werden. Ob die Anwendung von Ingwertee oder größeren Mengen Ingwer in der Nahrung eine Wirkung hat, ist unklar.

Es gibt keinen Beleg, dass pflanzliche Präparate mit Kamille, Himbeerblättern oder Pfefferminze die Beschwerden bessern.

Es gibt nur wenige Studien, die geprüft haben, wie gut einige der oben genannten Medikamente speziell bei starker Schwangerschaftsübelkeit helfen. Deshalb lässt sich ihre Wirkung schlecht beurteilen. Pflanzliche Mittel wie Ingwer wurden bislang gar nicht in Studien untersucht.

Wie sicher sind die Mittel?

In einigen Studien wurde untersucht, ob Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen das Risiko für Fehlgeburten oder Fehlbildungen der Kinder erhöhen. Bisher gibt es dafür aber keine Hinweise, solange die Mittel vorübergehend in der empfohlenen Dosis eingenommen werden.

Je nach Präparat können unterschiedliche Nebenwirkungen auftreten. Ingwer kann zu Sodbrennen führen, ist aber meist gut verträglich. Die älteren Antihistaminika wie Doxylamin machen sehr müde und können auch Benommenheit oder Schwindel auslösen. Metoclopramid wirkt auf das Nervensystem und kann unter Umständen zu Bewegungsstörungen führen. Aus diesem Grund wurden im Jahr 2014 Präparate mit einer höheren Metoclopramid-Dosis vom Markt genommen. Vitamin B6 wird meist gut vertragen.

Wie gut helfen Behandlungen der „Alternativmedizin“?

Viele schwangere Frauen probieren auch Behandlungen der sogenannten Alternativ- oder Komplementärmedizin aus. Häufig wird zum Beispiel Akupressur empfohlen, etwa in Form von „Akupressurbändern“ für das Handgelenk, die sanften Druck auf bestimmte Punkte ausüben sollen. Zur Wirkung von Akupressur gibt es bislang nur widersprüchliche Studienergebnisse – manche sprechen für eine Wirkung, andere nicht. Für die Akupunktur fehlen Belege dafür, dass sie hilft. Das gilt auch für homöopathische Mittel. Zum Nutzen alternativmedizinischer Verfahren bei starker Schwangerschaftsübelkeit fehlen Studien.

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