Einleitung

Prostatakrebs ist ein bösartiger Tumor der Prostata, einer Drüse, die zu den inneren Geschlechtsorganen des Mannes gehört. Sie wird auch Vorsteherdrüse genannt. Die Prostata hat ungefähr die Größe einer Kastanie und sitzt zwischen Blase und Beckenbodenmuskulatur. Direkt dahinter liegt der Enddarm. Weil die Prostata die Harnröhre umschließt, kann es zu Problemen beim Wasserlassen führen, wenn sie wächst.

Lage der Prostata im Körper eines Mannes

Die Prostata bildet eine Flüssigkeit, die zusammen mit den Samenzellen aus den Hoden und dem Sekret aus den Bläschendrüsen das Sperma ergibt.

Prostatakrebs entsteht, wenn Zellen in der Prostata beginnen, sich unkontrolliert zu teilen. Dies kann passieren, wenn das Erbgut der Zellen verändert ist. Wenige so geschädigte Zellen verursachen aber noch keinen Krebs, wenn das körpereigene Abwehrsystem sie in Schach hält. Erst wenn sich zu viele solcher Zellen unkontrolliert teilen und sich so verändert haben, dass sie in andere Organe einwachsen können, spricht man von Krebs.

Symptome

Ungefähr 20 von 100 Männern über 50 haben Probleme beim Wasserlassen. Dies liegt aber fast immer an einer gutartigen Vergrößerung der Prostata und hat nichts mit Krebs zu tun. Prostatakrebs löst normalerweise erst Beschwerden aus, wenn er weiter fortgeschritten ist. Dann kann auch Krebs zu Problemen beim Wasserlassen führen, zum Beispiel zu verstärktem Harndrang oder einem schwächeren Harnstrahl.

Selten kann auch Blut im Urin oder in der Samenflüssigkeit auf Prostatakrebs hindeuten. Wenn der Krebs sehr weit fortgeschritten ist, kann er sich über die Lymphbahnen oder den Blutkreislauf in andere Körperregionen ausbreiten, wie zum Beispiel die Knochen. Dann können auch andere Symptome auftreten wie Knochenschmerzen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen für Prostatakrebs sind nicht bekannt. Es gibt jedoch bestimmte Faktoren, von denen man weiß, dass sie das Krebsrisiko erhöhen. Die wichtigsten Risikofaktoren sind:

  • Das Alter: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Prostatakrebs.
  • Die Abstammung: Männer mit schwarzer Hautfarbe sind etwas häufiger von Prostatakrebs betroffen als Männer mit einer anderen Hautfarbe.
  • Verwandte ersten Grades: Wer einen Vater oder Bruder hat, der an Prostatakrebs erkrankt ist, hat selbst ein etwas höheres Risiko. Sind Vater und mehrere Brüder erkrankt, ist das Risiko stärker erhöht.
  • Hohe Dosen an Vitamin E: Nahrungsergänzungsmittel mit hohen Mengen von Vitamin E erhöhen nachweislich das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken.

Häufig werden auch bestimmte Ernährungsweisen mit Krebs in Verbindung gebracht – mal als Ursache und mal als Möglichkeit der Vorbeugung. Dass Männer ihr Risiko für Prostatakrebs durch eine bestimmte Ernährung senken können, ist jedoch nicht durch wissenschaftliche Studien belegt.

Häufigkeit

Die Zahl der Prostatakrebs-Diagnosen hat in den letzten Jahren in Deutschland stark zugenommen. Ein Grunde dafür ist die steigende Lebenserwartung: Das Risiko an Prostatakrebs zu erkranken, nimmt mit dem Alter zu. Bei Männern unter 50 Jahren tritt Prostatakrebs sehr selten auf.

Der zweite Grund hat damit zu tun, dass mehr Männer an Untersuchungen zur Früherkennung von Prostatakrebs teilnehmen. Bei diesen Untersuchungen werden heute vermehrt kleine Krebsknoten gefunden, die früher nicht diagnostiziert wurden, weil sie bei vielen Männern zeitlebens keine Beschwerden auslösen. Die Früherkennung erhöht so also die Zahl der Diagnosen. Die meisten Männer, bei denen heute ein Prostatakrebs festgestellt wurde, sterben nicht an dem Tumor.

Die folgenden Tabellen zeigen, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Mann in einem bestimmten Alter in den folgenden zehn Jahren seines Lebens an Prostatakrebs stirbt oder eine Diagnose erhält. Dabei handelt es sich um Durchschnittswerte. Das individuelle Risiko eines Mannes hängt auch von persönlichen Risikofaktoren ab wie zum Beispiel der Hautfarbe, der familiären Veranlagung – und davon, ob er eine Früherkennungs-Untersuchung wie den PSA-Test machen lässt.

 

Tabelle: Risiko eines Mannes, in den nächsten 10 Jahren die Diagnose Prostatakrebs zu erhalten:
Heutiges Alter Anteil der Männer, bei denen in den nächsten 10 Jahren Prostatakrebs festgestellt wird
50 12 von 1000
60 46 von 1000
70 66 von 1000

Quelle: RKI 2012

Tabelle: Risiko eines Mannes, in den nächsten 10 Jahren an Prostatakrebs zu sterben
Heutiges Alter Anteil der Männer, die in den nächsten 10 Jahren an Prostatakrebs sterben
50 weniger als 1 von 1000
60 4 von 1000
70 13 von 1000

Quelle: RKI 2012

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Verlauf

Prostatakrebs kann ganz unterschiedlich verlaufen. In den letzten Jahrzehnten haben mehrere Studien nachgewiesen, dass sich bei vielen Männern, die an anderen Todesursachen gestorben sind, kleine Krebsknoten in der Prostata finden lassen. Solche unauffälligen Tumore, die keine Beschwerden verursachen, sind bei Männern ab 50 Jahren gar nicht so selten: Schätzungen zufolge ließe sich etwa bei 30 bis 70 von 100 älteren Männern ein sogenannter latenter Prostatakrebs finden.

Die meisten dieser kleinen Tumore haben aber keine gesundheitliche Bedeutung, weil sie so langsam wachsen, dass sie zu Lebzeiten eines Mannes nie zu Beschwerden führen. Es gibt allerdings auch aggressive Krebsformen, die schnell wachsen und das Leben verkürzen können. In Deutschland sterben 3 bis 4 von 100 Männern an Prostatakrebs, im Durchschnitt sind sie dann etwa 79 Jahre alt.

Wenn ein Krebs festgestellt wird, lässt sich nicht sicher vorhersagen, wie er sich entwickeln wird. Anhand von entnommenen Gewebeproben lässt sich aber abschätzen, ob ein Tumor eher aggressiv ist (Hoch-Risiko-Tumor) oder nur sehr langsam wächst (Niedrig-Risiko-Tumor). Dies ist – neben anderen Faktoren wie zum Beispiel dem Alter des Mannes – wichtig für die Entscheidung, welche Behandlungen infrage kommen.

Diagnose

Bei einem Verdacht auf Prostatakrebs veranlassen Ärztinnen und Ärzte verschiedene Untersuchungen:

  • Krankheitsgeschichte: Die Ärztin oder der Arzt fragt zunächst nach vorhandenen Beschwerden, um die Symptome grob einzuordnen und Hinweise auf mögliche Ursachen zu bekommen.
  • Tastuntersuchung: Die Ärztin oder der Arzt tastet die Prostata über den Enddarm mit einem Finger ab, um ihre Größe, Festigkeit und Oberfläche beurteilen zu können. Diese Untersuchung wird auch als digital-rektale Untersuchung bezeichnet (vom lateinischen „digitus“ = Finger). Manche Männer empfinden die Untersuchung als unangenehm, schmerzhaft ist sie aber normalerweise nicht.
  • PSA-Test: Der PSA-Test ist ein Bluttest. PSA steht für „Prostata-spezifisches Antigen“. Dabei handelt es sich um ein Eiweiß, das in der Prostata gebildet wird und in geringen Mengen ins Blut übertritt. Ein erhöhter PSA-Wert kann, muss aber nicht auf Prostatakrebs hindeuten. Der Wert kann auch aus anderen Gründen erhöht sein.
  • Transrektale Ultraschalluntersuchung (TRUS): Mit einem Ultraschallgerät lässt sich die Form und Größe der Prostata beurteilen. Hierzu wird eine etwa fingerdicke Ultraschallsonde in den Enddarm eingeführt.
  • Gewebeentnahme (Biopsie): Ob sich in der Prostata Krebsgewebe befindet, lässt sich nur durch eine Gewebeentnahme feststellen. In der Regel werden zehn bis zwölf Gewebeproben aus der Prostata entnommen und anschließend unter einem Mikroskop auf Krebszellen untersucht. Dazu werden feine Hohlnadeln durch die Wand des Enddarms in die Prostata gestochen. Um die Nadeln an die richtigen Stellen in der Prostata zu steuern, wird ein Ultraschallgerät eingesetzt. Die Untersuchung findet unter lokaler Betäubung statt, in Ausnahmefällen ist auch eine kurze Narkose möglich.

Früherkennung

Drei der beschriebenen Diagnosemethoden werden auch zur Früherkennung von Prostatakrebs angeboten: die Tastuntersuchung, der PSA-Test und die transrektale Ultraschalluntersuchung.

Sie werden oft auch als Untersuchungen zur Vorsorge bezeichnet. Der Begriff Vorsorge erweckt den Eindruck, dass eine Untersuchung verhindern kann, dass ein Krebs entsteht. Das kann aber keine der heute angebotenen Untersuchungen. Das Ziel der Früherkennung ist vielmehr, einen Prostatakrebs früher zu entdecken, damit er dann besser behandelt werden kann.

Die Tastuntersuchung ist als Früherkennungsuntersuchung Leistung der gesetzlichen Krankenkassen: Alle Männer ab 45 Jahre haben einmal jährlich Anspruch darauf. Ein Nutzen ist aber nicht nachgewiesen. Es gibt zum Beispiel keine Belege, dass Männer seltener an Prostatakrebs sterben, wenn sie regelmäßig an der Tastuntersuchung teilnehmen.

Die transrektale Ultraschalluntersuchung dient vor allem zur Größenbestimmung der Prostata. Außerdem wird sie eingesetzt, um die Nadeln bei einer Gewebeentnahme zu steuern. Ihr Nutzen zur Früherkennung von Prostatakrebs ist kaum untersucht. Vermutlich ist sie zur Früherkennung von Prostatakrebs allein aber nicht geeignet. Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen die Ultraschalluntersuchung auch nur bei Beschwerden oder Verdacht auf eine Erkrankung der Prostata, zum Beispiel aufgrund eines erhöhten PSA-Werts.

Der Nutzen des PSA-Tests zur Früherkennung von Prostatakrebs ist in großen Studien untersucht worden. Die Ergebnisse zeigen, dass möglichen Vorteilen auch ernstzunehmende Nachteile gegenüberstehen. Vor einer Entscheidung für oder gegen einen PSA-Test lohnt es sich, das Für und Wider abzuwägen.

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Behandlung

Welche Behandlung für einen Mann mit Prostatakrebs infrage kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören vor allem die Aggressivität, die Größe und das Stadium des Tumors, der PSA-Wert, das Alter des Mannes und sein sonstiger Gesundheitszustand.

Bei Männern mit einem Hoch-Risiko-Prostatakrebs wird die Prostata normalerweise operativ entfernt oder bestrahlt. Es gibt zwei Möglichkeiten der Bestrahlung: von außen (externe Strahlentherapie) oder innen (interne Strahlentherapie, Brachytherapie).

Die häufigsten Nebenwirkungen von Bestrahlung und Entfernung der Prostata sind ungewollter Urinabgang (Harninkontinenz) und Impotenz. Insbesondere die externe Bestrahlung führt zudem oft zu Durchfall, teilweise auch zu Entzündungen des Mastdarms, die mit Blutungen und Krämpfen verbunden sein können.

Solange der Krebs klein, auf die Prostata begrenzt und nicht aggressiv ist (Niedrig-Risiko-Prostatakrebs), kann sich ein Mann auch für folgende Behandlungsalternativen entscheiden:

  • Aktive Überwachung („active surveillance“): Bei dieser Strategie wird der Prostatakrebs zunächst nur beobachtet und nicht direkt behandelt. Sie berücksichtigt, dass ein nicht aggressives Prostatakarzinom meist nur sehr langsam oder gar nicht wächst. Oft zeigt sich auch Jahre nach einer Diagnose noch kein Fortschreiten der Erkrankung. Statt einer Behandlung wird die Prostata in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Nur wenn der Tumor doch wächst, wird „heilend“ (kurativ) behandelt. Diese Strategie hat den Vorteil, dass den Männern, bei denen der Krebs nicht wächst, die Nebenwirkungen einer Operation oder Strahlentherapie erspart bleiben.
  • Aufmerksames Beobachten („watchful waiting“): Auch bei dieser Strategie wird der Prostatakrebs zunächst nur beobachtet. Falls der Tumor wächst, werden jedoch nur die Beschwerden behandelt, nicht der Tumor selbst (lindernde oder „palliative“ Behandlung). Diese Strategie kommt vor allem für ältere Männer infrage, die vielleicht noch andere Erkrankungen haben. Denn bei ihnen könnten die Risiken und Belastungen durch Operation oder Strahlentherapie schwerer wiegen als der mögliche Nutzen dieser Behandlungen.

Die Vor- und Nachteile verschiedener Behandlungsstrategien für Männer mit einem Niedrig-Risiko-Prostatakrebs sind bislang nicht gut untersucht. Für sie gibt es keine allgemein gültige "richtige" oder "falsche" Therapieentscheidung. Welche Behandlungsstrategie ein Mann wählt, ist neben Faktoren wie seinem Alter auch eine Frage der persönlichen Abwägung: Für den einen ist es wichtiger, Nebenwirkungen wie Impotenz oder Inkontinenz möglichst zu vermeiden. Der andere will so sicher wie möglich sein, dass der Krebs entfernt wurde und nimmt dafür die Risiken der Behandlung in Kauf.

Wenn Prostatakrebs weiter fortgeschritten ist, kommen verschiedene Varianten der Hormon- und Chemotherapie infrage, die sein Wachstum abbremsen sollen.

Weitere Informationen

Weitere Informationen über Prostatakrebs, zum Beispiel über die Kriterien, mit denen die Aggressivität von Tumoren beurteilt wird, und über Behandlungsmöglichkeiten finden sich beim Krebsinformationsdienst des deutschen Krebsforschungszentrums.

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