Örtlich begrenzter Prostatakrebs

Auf einen Blick

  • Ein auf die Prostata begrenzter Krebs wächst oft sehr langsam.
  • Er lässt sich meist gut behandeln.
  • Das Risiko für Prostatakrebs steigt mit dem Alter.
  • Für die Früherkennung werden eine Tastuntersuchung und für Selbstzahlende der sogenannte PSA-Test angeboten.
  • Zur Behandlung eines langsam wachsenden Krebses kommen ein „aktives Überwachen“, eine Strahlentherapie oder eine Operation infrage.

Einleitung

Foto von Vater und Sohn im Gespräch

Die Prostatakrebs ist für die meisten Männer und ihre Angehörigen erst einmal ein Schock. Doch so beunruhigend die ist: Prostatakrebs gehört zu den Krebsarten mit den größten Heilungschancen. Denn er wächst oft sehr langsam und lässt sich meist gut behandeln.

Ein örtlich begrenzter Prostatakrebs ist auf die Prostata beschränkt und hat weder Lymphknoten befallen noch Metastasen gebildet.

Die anatomische Grafik zeigt die männlichen Geschlechtsorgane in der Seitenansicht.

Symptome

Örtlich begrenzter Prostatakrebs verursacht keine Beschwerden. Der Krebs löst normalerweise erst Beschwerden aus, wenn er weiter fortgeschritten ist. Dann kann er zu Problemen wie einem verstärkten Harndrang oder einem schwächeren Harnstrahl führen. Probleme beim Wasserlassen werden aber meist nicht durch Krebs, sondern durch eine gutartige Vergrößerung der Prostata verursacht. Sie ist bei Männern über 50 Jahren sehr häufig. Selten deuten auch Blut im Urin oder in der Samenflüssigkeit auf Prostatakrebs hin.

Ein sehr weit fortgeschrittener Krebs kann sich über die Lymphbahnen oder den Blutkreislauf in andere Körperregionen ausbreiten, wie zum Beispiel die Knochen. Dies kann Symptome wie Knochenschmerzen auslösen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen für Prostatakrebs sind nicht bekannt. Bestimmte Faktoren können das Risiko für Prostatakrebs etwas erhöhen. Die wichtigsten sind:

  • das Alter: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Prostatakrebs. Dies ist der größte Risikofaktor. Im Durchschnitt tritt Prostatakrebs bei Männern im Alter von 71 Jahren auf.
  • eine familiäre Veranlagung: Wer einen Vater oder Bruder hat, der an Prostatakrebs erkrankt ist, hat selbst ein höheres Risiko. Sind mehrere nahe Verwandte erkrankt, ist das Risiko stärker erhöht.
  • die Abstammung: Männer mit dunkler Hautfarbe sind etwas häufiger von Prostatakrebs betroffen als Männer mit einer anderen Hautfarbe.
  • Vitamin E: mit hohen Dosen an Vitamin E erhöhen das Risiko für Prostatakrebs, wenn man sie jahrelang einnimmt.

Häufig werden auch bestimmte Lebensmittel wie rotes Fleisch oder Tomaten mit einem höheren oder geringeren Risiko für Krebs in Verbindung gebracht. Es ist jedoch nicht durch aussagekräftige Studien belegt, dass Männer ihr Risiko für Prostatakrebs oder den Krankheitsverlauf durch eine bestimmte Ernährung beeinflussen können.

Häufigkeit

Das Risiko für Prostatakrebs nimmt mit dem Alter zu. Bei Männern unter 50 Jahren ist Prostatakrebs sehr selten.

Die folgenden Tabellen zeigen, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Mann in einem bestimmten Alter in den nächsten zehn Jahren die Prostatakrebs erhält und daran stirbt. Dabei handelt es sich um Durchschnittswerte: Das individuelle Risiko hängt auch davon ab, ob und welche Risikofaktoren man hat.

Tabelle: Risiko, in den nächsten 10 Jahren die Prostatakrebs zu erhalten
heutiges Alter Bei wie vielen Männern wird in den nächsten 10 Jahren Prostatakrebs festgestellt?
45 4 von 1000
55 25 von 1000
65 62 von 1000
75 67 von 1000
Tabelle: Risiko, in den nächsten 10 Jahren an Prostatakrebs zu sterben
heutiges Alter Wie viele Männer sterben in den nächsten 10 Jahren an Prostatakrebs?
45 weniger als 1 von 1000
55 1 von 1000
65 7 von 1000
75 18 von 1000

Verlauf

Prostatakrebs kann unterschiedlich verlaufen. Meistens wächst er langsam und bereitet lange Zeit keine Probleme. Er kann aber auch schnell wachsen und in andere Organe streuen. Wie der Krebs bei einem bestimmten Mann verläuft, lässt sich nicht sicher vorhersagen. Die hängt unter anderem vom Tumorstadium und der Aggressivität des Tumors ab.

Durch die Untersuchung einer Gewebeprobe und andere Tests lässt sich abschätzen, ob ein Tumor eher schnell oder nur sehr langsam wächst. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Krebs wächst, wird Progressionsrisiko genannt.

Diagnose

Bei einem Verdacht auf Prostatakrebs fragt die Ärztin oder der Arzt zunächst nach Beschwerden, um die Symptome grob einzuordnen und Hinweise auf mögliche Ursachen zu bekommen (). Danach kommen verschiedene Untersuchungen infrage:

  • Tastuntersuchung (digital-rektale Untersuchung, DRU): Die Ärztin oder der Arzt tastet die Prostata über den mit einem Finger ab. Dadurch können Größe, Festigkeit und Oberfläche der Prostata beurteilt werden. Die Tastuntersuchung ist allerdings nicht sehr genau und kann auch nichts über die Ursache einer möglichen Vergrößerung aussagen.
  • PSA-Test: Der PSA-Test ist eine Blutuntersuchung auf ein bestimmtes Eiweiß. steht für „Prostata-spezifisches Antigen“ – ein Eiweiß, das in der Prostata gebildet wird und in geringen Mengen ins Blut übertritt. Ein erhöhter PSA-Wert kann, muss aber nicht auf Prostatakrebs hindeuten. Der Wert kann auch aus anderen Gründen erhöht sein.
  • transrektale : Mit einem Ultraschallgerät lassen sich die Form und Größe der Prostata beurteilen. Hierzu wird eine etwa fingerdicke Ultraschallsonde in den eingeführt.
  • Magnetresonanz-Tomografie (): Mit einer lässt sich beurteilen, ob und wo Krebsgewebe sichtbar ist. Dadurch kann gezielt Gewebe entnommen werden. Meist wird eine sogenannte multiparametrische angeboten. Im Unterschied zu anderen MRT-Untersuchungen wird dabei ein Kontrastmittel in eine Vene gespritzt. Dadurch werden die Gefäße und Gewebsstrukturen besser sichtbar. Neben der Prostata lassen sich mit der auch die Lymphknoten in der Nähe betrachten.
  • Gewebeentnahme (Biopsie): Ob sich in der Prostata Krebsgewebe befindet, lässt sich nur durch eine Gewebeentnahme sicher feststellen. In der Regel werden zehn oder mehr Gewebeproben aus der Prostata entnommen und anschließend unter einem Mikroskop untersucht. Das Gewebe wird mit einer feinen Hohlnadel entnommen, die durch die Wand des Enddarms oder die Haut zwischen After und Hoden gestochen wird. Die Untersuchung kann schmerzhaft sein und findet meist unter örtlicher Betäubung statt. Auch nach der Untersuchung können Schmerzen auftreten.

Anhand der Untersuchungen lässt sich einschätzen, ob und wie schnell der Tumor voraussichtlich wachsen wird.

Bei einem Verdacht auf Prostatakrebs übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die genannten Untersuchungen. Eine Ausnahme ist die multiparametrische , die normalerweise nicht von den Krankenkassen bezahlt wird. Der Grund: Es sind noch einige Fragen zum Nutzen und Schaden dieser Form der MRT-Untersuchung offen. Eine multiparametrische kostet mehrere hundert Euro.

Gut zu wissen:

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten für einen PSA-Test oder eine nicht, wenn diese ausschließlich zur Früherkennung von Prostatakrebs bei Männern ohne Beschwerden eingesetzt werden.

Früherkennung

Drei der beschriebenen Untersuchungen werden auch zur Früherkennung von Prostatakrebs angeboten:

  • Die Tastuntersuchung der Prostata wird von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Es ist aber unklar, ob das Abtasten der Prostata zur Früherkennung sinnvoll ist. Denn ein früher Prostatakrebs wird beim Abtasten oft nicht entdeckt. Deshalb wird sie von Fachleuten nicht mehr empfohlen.
  • Der Nutzen des PSA-Tests zur Früherkennung von Prostatakrebs wurde in großen Studien untersucht. Die Ergebnisse zeigen: Durch die Früherkennung sterben weniger Männer an Prostatakrebs. Neben diesem Vorteil bringt die alleinige PSA-Testung aber auch ernste Nachteile mit sich – wie Überdiagnosen oder Fehlalarme. Vor einer Entscheidung für oder gegen einen PSA-Test lohnt es sich, das Für und Wider abzuwägen. Der PSA-Test zur Früherkennung ist keine Kassenleistung.
  • Die medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland empfehlen eine Kombination aus PSA-Test und . Die der Prostata wird gemacht, wenn der PSA-Wert wiederholt auffällig ist. Sie soll die Nachteile der PSA-Testung vermeiden. Es ist aber noch fraglich, ob dieses Vorgehen besser ist als keine Prostatakrebs-Früherkennung. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen diese Kombination in der Regel nicht. Derzeit wird aber geprüft, ob sie als Kassenleistung eingeführt werden sollte.

Die transrektale ist zur Früherkennung von Prostatakrebs nicht geeignet. Daher raten die medizinischen Fachgesellschaften zur Früherkennung davon ab.

Behandlung

Welche Behandlungen bei Prostatakrebs infrage kommen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören:

  • die Ausbreitung des Tumors (Tumorstadium)
  • der wahrscheinliche Verlauf der Krebserkrankung (Progressionsrisiko)
  • persönliche Aspekte wie das Alter und der Gesundheitszustand
  • wie man die Vor- und Nachteile bewertet

Je nach Situation kann man sich für eine der folgenden Möglichkeiten entscheiden:

  • aktive Überwachung („active surveillance“): Die Prostata wird in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Nur wenn der Tumor wächst oder Beschwerden macht, wird er behandelt. Diese Strategie kommt beim sogenannten Niedrig-Risiko-Prostatakrebs infrage – also einem Krebs, der meist nur sehr langsam oder gar nicht wächst. Oft schreitet die Erkrankung auch Jahre nach der noch nicht fort. Der Vorteil dieser Strategie: Vielen Männern werden die Nebenwirkungen einer Behandlung erspart. Der Nachteil: Manchmal wird erst spät festgestellt, dass ein Krebs fortschreitet. Zudem finden viele Männer die Kontrolluntersuchungen belastend. Einen Niedrig-Risiko-Prostatakrebs zunächst aktiv zu überwachen, wird von den medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland empfohlen.
  • äußere Strahlentherapie: Der Krebs wird von außen durch die Haut bestrahlt, um die Krebszellen zu zerstören. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Erektionsstörungen und Darmprobleme wie Durchfall, ungewollter Stuhlabgang und Blut im Stuhl.
  • innere Strahlentherapie (Brachytherapie): Der Krebs wird mithilfe von schwach radioaktiven Stiften von innen bestrahlt. Die Nebenwirkungen ähneln denen der äußeren Bestrahlung. Darmprobleme sind etwas seltener. In den ersten 1 bis 2 Jahren kann es zu Beschwerden beim Wasserlassen kommen.
  • Entfernung der Prostata (Prostatektomie): Die Prostata wird mit dem Krebs operativ entfernt. Häufige Folgen sind Harninkontinenz, Erektionsstörungen und Impotenz.

Wenn Prostatakrebs weiter fortgeschritten ist, kommen verschiedene Varianten der Hormon- und infrage. Außerdem gibt es radioaktive Medikamente, die das Krebswachstum hemmen. Es können verschiedene Behandlungen kombiniert werden.

Bei älteren Männern, die vielleicht noch andere Erkrankungen haben, können die Risiken und Belastungen durch Operation oder schwerer wiegen als der mögliche Nutzen dieser Behandlungen. Dann kommt ein sogenanntes abwartendes Beobachten („watchful waiting“) infrage. Hierbei behandelt man nicht den Krebs, sondern nur mögliche Beschwerden (lindernde oder „palliative“ Behandlung). Im Gegensatz zur aktiven Überwachung kann dabei auf belastende Kontrolluntersuchungen verzichtet werden.

Entscheiden

Bei einem Niedrig-Risiko-Prostatakrebs ist die Behandlungsstrategie zum großen Teil eine Frage der persönlichen Abwägung: Für den einen ist es wichtiger, Nebenwirkungen wie Impotenz oder möglichst zu vermeiden. Der andere will so sicher wie möglich sein, dass der Krebs entfernt wurde, und nimmt dafür die Risiken der Behandlung in Kauf.

Die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Behandlung fällt leichter, wenn man gut über alle Möglichkeiten informiert ist. Man kann sich auch noch einmal mit einer Spezialistin oder einem Spezialisten beraten. Ärztinnen und Ärzte müssen auf das Recht auf eine kostenlose Zweitmeinung hinweisen.

Niedrig-Risiko-Prostatakrebs: Wie soll er behandelt werden?

Vor der Entscheidung für oder gegen eine Behandlung ist es sinnvoll, sich gut über die Vor- und Nachteile zu informieren. Diese Entscheidungshilfe unterstützt dabei.

Weitere Informationen

Weitere Informationen über Prostatakrebs und verschiedene Behandlungsmöglichkeiten finden sich beim Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums.

Informationen zur Gesundheitsversorgung in Deutschland helfen dabei, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden und eine passende Arztpraxis zu finden. Mit dieser Frageliste kann man sich auf den Arztbesuch vorbereiten.

Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Bei Problemen mit der Prostata sind auch Urologinnen und Urologen geeignete Anlaufstellen.

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IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

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Aktualisiert am 21. Januar 2026

Nächste geplante Aktualisierung: 2029

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Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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