Einleitung

Foto von Vater und Sohn im Gespräch (Medioimages / Photodisc / Thinkstock) Prostatakrebs entsteht, wenn Zellen in der Prostata beginnen, sich unkontrolliert zu teilen. Dies kann passieren, wenn das Erbgut der Zellen verändert ist. Normalerweise hält das körpereigene Abwehrsystem solche Zellen in Schach. Krebs entsteht, wenn sich zu viele veränderte Zellen vermehren und zu einem Tumor heranwachsen.

Die Diagnose Prostatakrebs ist für die meisten Männer und ihre Angehörigen erst einmal ein Schock. Die beruhigende Nachricht ist aber, dass Prostatakrebs zu den Krebsarten mit den größten Heilungschancen gehört. Denn er wächst oft sehr langsam und lässt sich daher meist gut behandeln.

Symptome

Prostatakrebs löst normalerweise erst Beschwerden aus, wenn er weiter fortgeschritten ist. Dann kann er zu Problemen wie einem verstärkten Harndrang oder einem schwächeren Harnstrahl führen. Meist werden Probleme beim Wasserlassen aber nicht durch Krebs, sondern durch eine gutartige Vergrößerung der Prostata verursacht. Sie ist bei Männern über 50 sehr häufig.

Selten kann auch Blut im Urin oder in der Samenflüssigkeit auf Prostatakrebs hindeuten. Wenn der Krebs sehr weit fortgeschritten ist, kann er sich über die Lymphbahnen oder den Blutkreislauf in andere Körperregionen ausbreiten, wie zum Beispiel die Knochen. Dies kann Symptome wie Knochenschmerzen auslösen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen für Prostatakrebs sind nicht bekannt. Es gibt jedoch bestimmte Faktoren, von denen man weiß, dass sie das Krebsrisiko erhöhen. Die wichtigsten sind:

  • das Alter: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Prostatakrebs.
  • die Abstammung: Männer mit schwarzer Hautfarbe sind etwas häufiger von Prostatakrebs betroffen als Männer mit einer anderen Hautfarbe.
  • Verwandte ersten Grades: Wer einen Vater oder Bruder hat, der an Prostatakrebs erkrankt ist, hat selbst ein etwas höheres Risiko. Sind Vater und mehrere Brüder erkrankt, ist das Risiko stärker erhöht.
  • hohe Dosen an Vitamin E: Nahrungsergänzungsmittel mit viel Vitamin E erhöhen nachweislich das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, wenn man sie jahrelang einnimmt.

Häufig werden auch bestimmte Lebensmittel wir rotes Fleisch oder Tomaten mit Krebs in Verbindung gebracht – mal als Ursache und mal als Möglichkeit der Vorbeugung. Dass Männer ihr Risiko für Prostatakrebs durch eine bestimmte Ernährung senken können, ist jedoch nicht durch aussagekräftige Studien belegt.

Häufigkeit

Die Zahl der Prostatakrebs-Diagnosen hat in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen, ist aber mittlerweile wieder leicht rückläufig. Ein Grund für den Anstieg war die steigende Lebenserwartung: Denn das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, nimmt mit dem Alter zu. Bei Männern unter 50 Jahren tritt Prostatakrebs sehr selten auf.

Der zweite Grund hat damit zu tun, dass mehr Männer an Untersuchungen zur Früherkennung von Prostatakrebs teilnehmen. Bei diesen Untersuchungen werden heute vermehrt kleine Krebsknoten gefunden, die früher nicht entdeckt wurden, weil sie bei vielen Männern zeitlebens keine Beschwerden auslösen. Die Früherkennung erhöht somit die Zahl der Diagnosen.

Die folgenden Tabellen zeigen, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Mann in einem bestimmten Alter in den nächsten zehn Jahren seines Lebens die Diagnose Prostatakrebs erhält und ob er daran stirbt. Dabei handelt es sich um Durchschnittswerte. Das individuelle Risiko eines Mannes hängt auch davon ab, ob und welche Risikofaktoren er hat.

 

Tabelle: Risiko eines Mannes, in den nächsten 10 Jahren die Diagnose Prostatakrebs zu erhalten:
Heutiges Alter Anteil der Männer, bei denen in den nächsten 10 Jahren Prostatakrebs festgestellt wird
45 4 von 1000
55 25 von 1000
65 59 von 1000
75 59 von 1000

Quelle: RKI 2015

Tabelle: Risiko eines Mannes, in den nächsten 10 Jahren an Prostatakrebs zu sterben
Heutiges Alter Anteil der Männer, die in den nächsten 10 Jahren an Prostatakrebs sterben
45 weniger als 1 von 1000
55 2 von 1000
65 7 von 1000
75 19 von 1000

Quelle: RKI 2015

Verlauf

Prostatakrebs kann unterschiedlich verlaufen. Die meisten Männer mit dieser Diagnose haben gute Heilungschancen. Denn oft ist der Prostatakrebs örtlich (lokal) begrenzt und hat noch keine Absiedlungen (Metastasen) gebildet. Über 90 % der Männer, bei denen ein Prostatakrebs entdeckt wird, leben fünf Jahre danach noch. Betrachtet man nur Männer mit örtlich begrenztem Prostatakrebs, sind es sogar 99 %.

In den letzten Jahrzehnten haben mehrere Studien gezeigt, dass viele Männer kleine Krebsknoten in der Prostata haben, die keine Beschwerden verursachen. In diesen Studien wurden Männer untersucht, die an anderen Ursachen gestorben sind. Mit anderen Worten: Sie starben nicht an, sondern mit Prostatakrebs. Solche Knoten werden auch als latente Tumore bezeichnet und sind bei Männern über 50 relativ häufig: Schätzungen zufolge haben 30 bis 70 % von ihnen einen latenten Prostatakrebs.

Es gibt allerdings auch aggressive Krebsformen, die schnell wachsen und die Lebenszeit verkürzen können. Wenn ein Krebs festgestellt wird, lässt sich nicht sicher vorhersagen, wie er sich in Zukunft entwickelt. Durch eine Gewebeprobe und andere Tests lässt sich aber abschätzen, ob ein Tumor eher aggressiv ist (Hoch-Risiko-Krebs) oder nur sehr langsam wächst (Niedrig-Risiko-Krebs). Dies ist – neben anderen Faktoren wie zum Beispiel dem Alter des Mannes – wichtig für die Behandlungsentscheidung.

Diagnose

Bei einem Verdacht auf Prostatakrebs fragt die Ärztin oder der Arzt zunächst nach vorhandenen Beschwerden, um die Symptome grob einzuordnen und Hinweise auf mögliche Ursachen zu bekommen (Anamnese). Danach kommen verschiedene Untersuchungen infrage:

  • Tastuntersuchung: Durch das Abtasten der Prostata über den Enddarm mit einem Finger kann die Größe, Festigkeit und Oberfläche der Prostata beurteilt werden. Diese Untersuchung wird als digital-rektale Untersuchung bezeichnet (vom lateinischen „digitus“ = Finger). Manche Männer empfinden die Untersuchung als unangenehm, schmerzhaft ist sie aber normalerweise nicht.
  • PSA-Test: Der PSA-Test ist eine Blutuntersuchung auf ein bestimmtes Eiweiß. PSA steht für „Prostata-spezifisches Antigen“, ein Eiweiß, das in der Prostata gebildet wird und in geringen Mengen ins Blut übertritt. Ein erhöhter PSA-Wert kann, muss aber nicht auf Prostatakrebs hindeuten. Der Wert kann auch aus anderen Gründen erhöht sein.
  • transrektale Ultraschalluntersuchung (TRUS): Mit einem Ultraschallgerät lässt sich die Form und Größe der Prostata beurteilen. Hierzu wird eine etwa fingerdicke Ultraschallsonde in den Enddarm eingeführt.
  • Gewebeentnahme (Biopsie): Ob sich in der Prostata Krebsgewebe befindet, lässt sich nur durch eine Gewebeentnahme sicher feststellen. In der Regel werden zehn bis zwölf Gewebeproben aus der Prostata entnommen und anschließend unter einem Mikroskop auf Krebszellen untersucht. Üblicherweise wird eine Stanzbiopsie gemacht. Dazu wird wie bei der TRUS ein Ultraschallgerät in den Enddarm eingeführt, in das eine feine Hohlnadel integriert ist. Mit der Nadel wird durch die Wand des Enddarms in die Prostata gestochen, um die Gewebeproben zu entnehmen. Der Ultraschall hilft dabei, die Nadel an die richtigen Stellen zu führen. Die Untersuchung findet unter lokaler Betäubung statt, in Ausnahmefällen ist auch eine kurze Narkose möglich.

Anhand der Gewebeproben lässt sich die „Aggressivität“ des Tumors einschätzen. Damit ist gemeint, wie stark sich das Gewebe verändert hat, wie wahrscheinlich es ist, dass der Krebs wächst und wie schnell er sich im Körper ausbreitet. Dazu wird von einem Facharzt für Pathologie der sogenannte Gleason-Score bestimmt. Bei Prostatakrebs liegt der Gleason-Score zwischen 6 und 10. Bei einem Wert von 6 ist die Aggressivität des Tumors gering, ab einem Wert von 8 hoch.

Früherkennung

Drei der beschriebenen Diagnosemethoden werden auch zur Früherkennung von Prostatakrebs angeboten: die Tastuntersuchung, der PSA-Test und die transrektale Ultraschalluntersuchung.

Sie werden oft auch als Untersuchungen zur Vorsorge bezeichnet. Der Begriff Vorsorge erweckt den Eindruck, dass eine Untersuchung verhindern kann, dass ein Krebs entsteht. Das kann aber keine der Untersuchungen. Ihr Ziel ist vielmehr, einen Prostatakrebs früher zu entdecken, damit er besser behandelt werden kann.

Die Tastuntersuchung ist als Früherkennungsuntersuchung Leistung der gesetzlichen Krankenkassen: Alle Männer ab 45 Jahre haben einmal jährlich Anspruch darauf. Ein Nutzen ist aber nicht nachgewiesen. Es gibt zum Beispiel keine Belege, dass Männer seltener an Prostatakrebs sterben, wenn sie regelmäßig an der Tastuntersuchung teilnehmen.

Der transrektale Ultraschall ist zur Früherkennung von Prostatakrebs nicht geeignet. Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen die Ultraschalluntersuchung nur bei Beschwerden oder Verdacht auf eine Erkrankung der Prostata, zum Beispiel bei einer gutartigen Vergrößerung der Prostata.

Der Nutzen des PSA-Tests zur Früherkennung von Prostatakrebs wurde in großen Studien untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass möglichen Vorteilen auch ernstzunehmende Nachteile wie Überdiagnosen gegenüberstehen. Vor einer Entscheidung für oder gegen einen PSA-Test lohnt es sich, das Für und Wider abzuwägen.

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Behandlung

Welche Behandlung für einen Mann mit Prostatakrebs infrage kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören:

  • das Ausmaß der Zellveränderungen (Aggressivität des Tumors)
  • die Ausbreitung (Stadium) des Tumors
  • der PSA-Wert
  • persönliche Aspekte wie das Alter des Mannes, sein sonstiger Gesundheitszustand und seine persönliche Abwägung der Vor- und Nachteile

Bei Männern mit einem Hoch-Risiko-Prostatakrebs wird die Prostata normalerweise operativ entfernt oder bestrahlt. Es gibt zwei Möglichkeiten der Bestrahlung: von außen (externe Strahlentherapie) oder innen (interne Strahlentherapie, Brachytherapie).

Die häufigsten Nebenwirkungen von Bestrahlung und Entfernung der Prostata sind ungewollter Urinabgang (Harninkontinenz) und Erektionsstörungen. Insbesondere die externe Bestrahlung kann zu Durchfall führen, teilweise auch zu Darmentzündungen, die mit Blut im Stuhl und Krämpfen verbunden sein können.

Solange der Krebs klein, auf die Prostata begrenzt und nicht aggressiv ist (Niedrig-Risiko-Prostatakrebs), kann sich ein Mann auch für folgende Behandlungsalternativen entscheiden:

  • aktive Überwachung („active surveillance“): Bei dieser Strategie wird der Prostatakrebs zunächst nur beobachtet und nicht direkt behandelt. Sie berücksichtigt, dass ein Niedrig-Risiko-Prostatakrebs meist nur sehr langsam oder gar nicht wächst. Oft zeigt sich auch Jahre nach der Diagnose noch kein Fortschreiten der Erkrankung. Statt einer Behandlung wird die Prostata in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Nur wenn der Tumor doch wächst, wird „heilend“ (kurativ) behandelt. Diese Strategie hat den Vorteil, dass den Männern, bei denen der Krebs nicht wächst, die Nebenwirkungen einer Operation oder Strahlentherapie erspart bleiben. Der mögliche Nachteil: Manchmal wird zu spät festgestellt, dass ein Krebs fortschreitet. Er kann dann bereits Metastasen gebildet haben. Außerdem kann es psychisch belastend sein, mit dem Wissen zu leben, dass man Krebs im Körper hat.
  • abwartendes Beobachten („watchful waiting“): Auch bei dieser Strategie wird der Prostatakrebs zunächst nur beobachtet. Falls der Tumor wächst, werden jedoch nur die Beschwerden behandelt, nicht der Tumor selbst (lindernde oder „palliative“ Behandlung). Diese Strategie kommt vor allem für ältere Männer infrage, die vielleicht noch andere Erkrankungen haben. Denn bei ihnen könnten die Risiken und Belastungen durch Operation oder Strahlentherapie schwerer wiegen als der mögliche Nutzen dieser Behandlungen.

Für Männer mit einem Niedrig-Risiko-Prostatakrebs gibt es keine „richtige“ oder „falsche“ Entscheidung. Welche Behandlungsstrategie ein Mann wählt, ist zum großen Teil eine Frage der persönlichen Abwägung: Für den einen ist es wichtiger, Nebenwirkungen wie Impotenz oder Inkontinenz möglichst zu vermeiden. Der andere will so sicher wie möglich sein, dass der Krebs entfernt wurde und nimmt dafür die Risiken der Behandlung in Kauf.

Wenn Prostatakrebs weiter fortgeschritten ist, kommen verschiedene Varianten der Hormon- und Chemotherapie infrage, die sein Wachstum abbremsen sollen.

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Weitere Informationen

Die Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

Weitere Informationen über Prostatakrebs, zum Beispiel über die Kriterien, mit denen die Aggressivität von Tumoren beurteilt wird, und über Behandlungsmöglichkeiten finden sich beim Krebsinformationsdienst des deutschen Krebsforschungszentrums.

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