Prostatakrebs: Wie wird der Verlauf abgeschätzt?

Foto von einer Gruppe älterer Männer
PantherMedia / Diego Cervo

Prostatakrebs kann unterschiedlich verlaufen: Manche Tumore sind klein und wachsen nur langsam oder gar nicht. Andere Tumore sind groß und breiten sich schnell aus. Durch verschiedene Untersuchungen lässt sich abschätzen, zu welcher Gruppe ein Krebs gehört.

Für die Wahl einer Behandlung ist es wichtig zu wissen, wie eine Krebserkrankung voraussichtlich verlaufen wird. Welche Therapien infrage kommen, hängt davon ab

  • wie groß der Tumor ist (Tumorstadium) und
  • wie wahrscheinlich es ist, dass er wächst (Progressionsrisiko).

Das Tumorstadium und das Progressionsrisiko können durch verschiedene Untersuchungen bestimmt werden. Dazu gehören:

  • das Abtasten der Prostata
  • bildgebende Untersuchungen (Ultraschall und )
  • ein Bluttest zur Bestimmung des „Prostata-spezifischen Antigen“ (PSA-Wert)
  • eine Gewebeentnahme (Stanzbiopsie).

Bei einem fortgeschrittenen Krebs können weitere bildgebende Verfahren wie eine () folgen, um im Körper nach möglichen Krebsabsiedlungen () zu suchen. Im Folgenden geht es um örtlich begrenzten Prostatakrebs. Damit ist gemeint, dass der Krebs keine Lymphknoten befallen und keine gebildet hat.

Wie wird das Tumorstadium bestimmt?

Das Tumorstadium gibt an, wie groß der Tumor ist und ob er sich bereits ausgebreitet hat. Notiert wird es mit der sogenannten TNM-Klassifikation:

  • Das T beschreibt die Ausbreitung des Tumors,
  • das N, ob Lymphknoten betroffen sind und
  • das M, ob sich Metastasen gebildet haben.

Die folgende Tabelle stellt die Tumorstadien dar.

Tabelle: Einteilung und Bedeutung der TNM-Klassifikation bei Prostatakrebs
Merkmal Kategorie Unterkategorie
Ursprungstumor (Primärtumor) T1:
Durch Ertasten oder Ultraschall ist kein Tumor feststellbar
T1a:
Zufallsbefund, weniger als 5 % des Gewebes enthält Krebszellen
T1b:
Zufallsbefund, mehr als 5 % des Gewebes enthält Krebszellen
T1c:

Nach einem erhöhten PSA-Wert wurden in der Biopsie Krebszellen gefunden
T2:
Der Tumor ist tastbar oder im Ultraschall sichtbar, aber noch auf die Prostata begrenzt
T2a:
Der Tumor ist auf weniger als die Hälfe eines Prostatalappens begrenzt
T2b:
Der Tumor nimmt mehr als die Hälfte eines Prostatalappens ein
T2c:
Der Tumor ist in beide Prostatalappen eingewachsen
T3:
Der Tumor ist außerhalb der Prostata bis in das Bindegewebe um die Prostata oder die Samenblase gewachsen
 
T4:
Der Tumor hat sich noch weiter in benachbarte Organe ausgebreitet, wie Harnblase oder Darm
 
Lymphknoten N0:
Die benachbarten Lymphknoten sind tumorfrei
N1:
Es sind benachbarte Lymphknoten befallen
 
M0:
Es sind keine vorhanden
M1:
Es sind vorhanden
 

Von einem örtlich begrenzten Prostatakrebs spricht man bei Tumoren der Kategorie T1 und T2, die weder Lymphknoten befallen (N0), noch (M0) gebildet haben. Eine TNM-Klassifikation für einen örtlich begrenzten Prostatakrebs wäre zum Beispiel T2a N0 M0.

Wie wird das Progressionsrisiko bestimmt?

Örtlich begrenzte Tumore werden nach ihrem wahrscheinlichen Verlauf in verschiedene Risikogruppen eingeteilt (Progressionsrisiko). Um das Progressionsrisiko zu bestimmen, benötigt man folgende Angaben:

  • das genaue Tumorstadium (TNM-Klassifikation)
  • den PSA-Wert
  • den Gleason-Score

Der Gleason-Score ist das Ergebnis der mikroskopischen Untersuchung der entnommenen Gewebeproben. Er gibt Aufschluss darüber, wie stark sich die Prostatazellen verändert haben. Der niedrigste Gleason-Score für einen Prostatakrebs liegt bei 6, der höchste bei 10. Tumore mit einem niedrigen Score-Wert wachsen langsamer als Tumore mit einem höheren Wert. Um ihn zu bestimmen, werden die beiden am stärksten veränderten Gewebeproben nach ihrer Aggressivität beurteilt (Gleason-Grad). Wenn beispielsweise die erste Probe einen Gleason-Grad von 4 und die zweite einen Gleason-Grad von 3 hat, liegt der Gleason-Score bei 7.

Anhand von Tumorstadium, PSA-Wert und Gleason-Score wird das Progressionsrisiko eines Prostatakrebses einer von vier Gruppen zugeordnet:

  • sehr niedriges Risiko
  • niedriges Risiko
  • mittleres Risiko (auch intermediäres Risiko genannt)
  • hohes Risiko

Häufig werden Tumore mit einem sehr niedrigen Risiko und einem niedrigen Risiko zum Niedrig-Risiko-Prostatakrebs zusammengefasst.

Die folgende Tabelle stellt die Kriterien für die vier Risikogruppen dar sowie die Behandlungsmöglichkeiten, die für diese Gruppen in der Regel infrage kommen.

Tabelle: Risikogruppen beim örtlich begrenzten Prostatakrebs
Risiko Kriterien Behandlungsmöglichkeiten
Sehr niedriges Risiko
  • Tumor-Kategorie: bis T2a und
  • PSA-Wert: bis 10 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) und
  • Gleason-Score: 6
Zusätzlich:
  • Anzahl der betroffenen Gewebeproben: Von den 10 bis 12 Gewebeproben enthalten nicht mehr als zwei Proben Krebszellen.
  • Tumoranteil in den auffälligen Gewebeproben: In diesen ein oder zwei auffälligen Proben besteht nicht mehr als 50 % des Gewebes aus Krebszellen.
  • Aktive Überwachung
  • Äußere
  • Innere (Brachytherapie)
  • Entfernung der Prostata
Niedriges Risiko
  • Tumor-Kategorie: bis T2a und
  • PSA-Wert: bis 10 ng/ml und
  • Gleason-Score: 6
  • Aktive Überwachung
  • Äußere
  • Innere (Brachytherapie)
  • Entfernung der Prostata
Mittleres Risiko Es trifft mindestens eins dieser Kriterien zu:
  • Tumor-Kategorie: T2b oder
  • PSA-Wert: zwischen 10 und 20 ng/ml oder
  • Gleason-Score: 7
  • Äußere
  • Kombination aus innerer und äußerer
  • Entfernung der Prostata
Hohes Risiko Es trifft mindestens eins dieser Kriterien zu:
  • Tumor-Kategorie: T2c oder
  • PSA-Wert: höher als 20 ng/ml oder
  • Gleason-Score: 8 oder höher
  • Äußere
  • Kombination aus innerer und äußerer
  • Entfernung der Prostata

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), Deutsche Krebshilfe (DKH). Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. AWMF-Registernr.: 043-022OL. 05.2019.

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Aktualisiert am 26. Februar 2020
Nächste geplante Aktualisierung: 2023

Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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