Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs

Foto von Mann im Freien

Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs hat Vor- und Nachteile: Einerseits kann er 3 von 1000 Männern davor bewahren, an Prostatakrebs zu sterben. Andererseits erhalten bis zu 60 von 1000 Männern eine unnötige Prostatakrebs-Diagnose – und damit oft eine unnötige Krebsbehandlung. Ob man sich testen lassen möchte oder nicht, ist eine Frage der persönlichen Abwägung.

Vielen Männern wird zur Früherkennung von Prostatakrebs ein sogenannter PSA-Test angeboten. Durch den Test soll Krebs entdeckt werden, bevor er Beschwerden verursacht. Eine frühe und Behandlung kann die Heilungschancen verbessern und das Risiko für senken.

Die Früherkennung hat aber auch klare Nachteile: Es werden viele kleine Tumoren entdeckt, die keinen Krankheitswert haben. Denn bei den meisten Männern wächst Prostatakrebs sehr langsam, und vielen bereitet er zu Lebzeiten gar keine Probleme. Männer, bei denen ein solcher Krebs im Rahmen der Früherkennung entdeckt wird, werden unnötig den Belastungen und Nebenwirkungen von und Behandlung ausgesetzt. Die einer Erkrankung, die sich ohne Untersuchung nie bemerkbar gemacht hätte, nennt man Überdiagnose.

Was ist der PSA-Test?

Der PSA-Test ist die bisher einzige Früherkennungs-Untersuchung auf Prostatakrebs, die in großen Studien erforscht wurde. Zur Früherkennung ist der PSA-Test allerdings keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Viele Arztpraxen bieten ihn als „individuelle Gesundheitsleistung“ () an, die man selbst bezahlen muss. Die Kosten für den Test betragen zwischen 25 und 35 Euro. Wenn noch ein aufklärendes Gespräch und ergänzende Untersuchungen hinzukommen, ist mit etwa 60 Euro zu rechnen. Auch die Kombination mit einer Magnetresonanz-Tomografie () der Prostata wird von den gesetzlichen Krankenkassen normalerweise nicht bezahlt.

Mit dem Test wird die Menge an „Prostata-spezifischem Antigen“ () im Blut bestimmt. Dies ist ein Eiweiß, das in der Prostata gebildet und in die Samenflüssigkeit abgegeben wird. Es dient dazu, die Samenflüssigkeit zu verdünnen, damit sich die Spermien besser bewegen können.

Um den PSA-Wert zu bestimmen, wird in der Arztpraxis eine Blutprobe aus einer Armvene entnommen und an ein Labor geschickt. Bis die Testergebnisse zurückkommen, kann es ein paar Tage dauern. Der PSA-Wert wird in Nanogramm pro Milliliter Blut angegeben (ng/ml).

Was sagt der PSA-Wert aus?

Da die Prostata sehr gut durchblutet ist, gelangen bei jedem Mann ständig kleine Mengen ins Blut. Ein PSA-Wert unter 3 ng/ml gilt als unauffällig. Die Grauzone ist jedoch groß.

Ein erhöhter PSA-Wert kann auf Prostatakrebs hindeuten – er kann aber auch viele andere Ursachen haben. Denn wenn sich die Prostata verändert oder das Gewebe gereizt wird, gelangt automatisch etwas mehr ins Blut. Deshalb empfehlen Ärztinnen und Ärzte, den PSA-Test innerhalb von 3 Monaten zu wiederholen, wenn der Wert 3 ng/ml oder mehr beträgt. Außerdem ist es sinnvoll, den PSA-Wert gemeinsam mit anderen Risikofaktoren wie dem Alter, der Krankengeschichte, der familiären Veranlagung und weiteren Untersuchungsergebnissen zu betrachten.

Der PSA-Wert kann zum Beispiel in den folgenden Situationen erhöht sein:

Es ist sinnvoll, die Ärztin oder den Arzt über solche Einflüsse zu informieren, damit sie oder er das Testergebnis richtig bewerten oder den Test verschieben kann.

Auf der anderen Seite garantiert ein unauffälliger PSA-Test nicht, dass man keinen Krebs hat: In seltenen Fällen liegt der PSA-Wert trotz Prostatakrebs im normalen Bereich.

Bei einem sehr hohen PSA-Wert, zum Beispiel über 10 ng/ml, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit für Prostatakrebs. So hohe Werte sind aber selten.

Wann wird eine Biopsie gemacht?

Weil ein erhöhter PSA-Wert viele Ursachen haben kann, ist ein auffälliges Testergebnis noch keine Krebsdiagnose. Um festzustellen, ob ein Krebs der Grund für den erhöhten Wert ist, empfehlen die medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland ein mehrstufiges Verfahren: Zunächst wird der PSA-Test innerhalb von drei Monaten wiederholt. Ist das Testergebnis erneut auffällig, werden weitere Untersuchungen empfohlen. Hierzu gehören eine urologische Untersuchung und die Bewertung vorhandener Risikofaktoren für Prostatakrebs. Mit einer Magnetresonanz-Tomografie () wird geprüft, ob in der Prostata Gewebeveränderungen sichtbar sind. Nur bei einem auffälligen MRT-Ergebnis schließt sich in einer nächsten Stufe eine Gewebeentnahme (Biopsie) an.

Wie läuft eine Biopsie ab?

Um Gewebe aus der Prostata zu entnehmen, führt die Ärztin oder der Arzt in der Regel zuerst eine etwa fingerdicke Sonde in den Darm ein. Von dort wird mit feinen Hohlnadeln durch die Darmwand in die Prostata gestochen, um dort mehrere Gewebeproben zu entnehmen. Eine andere Möglichkeit ist, durch den Damm zwischen Hoden und After zu stechen. Während der Biopsie wird per Ultraschall oder kontrolliert, ob die Nadeln an die richtige Stelle geführt werden.

Bei einer systematischen Biopsie werden in der Regel 10 bis 12 Proben nach einem festgelegten Muster entnommen. Bei einer gezielten Biopsie werden die Informationen aller bildgebenden Verfahren genutzt, um genau dort Gewebe zu entnehmen, wo sich auffällige Stellen zeigten. Wenn das erste Mal Gewebe aus der Prostata entnommen wird, empfehlen die medizinischen Fachgesellschaften, sowohl eine systematische als auch eine gezielte Biopsie zu machen.

Vor der Untersuchung erhält man ein Antibiotikum, um Infektionen möglichst zu vermeiden. Eine örtliche Betäubung hilft gegen die Schmerzen.

Welche Probleme können bei einer Biopsie auftreten?

Nach der Biopsie ist oft noch einige Tage Blut im Urin oder Sperma sichtbar. Außerdem kann es zu vorübergehenden Beschwerden beim Wasserlassen und Erektionsproblemen kommen.

Bei etwa 2 von 100 Biopsien kommt es zu einer Komplikation, zum Beispiel einer . Manche Männer müssen deswegen in ein Krankenhaus.

Der PSA-Test in Zahlen: Welche Ergebnisse sind zu erwarten?

Was ein Mann von der Früherkennung erwarten kann, lässt sich auf Basis einer großen europäischen Studie abschätzen. Die Ergebnisse können allerdings nur als ungefähre Orientierung dafür dienen, was Männer in Deutschland vom PSA-Test erwarten können. Das hat unter anderem damit zu tun, dass in der Studie andere PSA-Grenzwerte verwendet wurden als in Deutschland üblich.

Wenn 1000 Männer, die zwischen 55 und 69 Jahre alt sind, über 16 Jahre an der PSA-Früherkennung teilnehmen, sind folgende Ergebnisse zu erwarten:

  • Bei etwa 620 Männern sind die Werte unauffällig.
  • Bei etwa 380 Männern wird ein erhöhter PSA-Wert gefunden. Die meisten dieser Männer lassen sich dann Gewebe aus der Prostata entnehmen, um das Organ auf Krebszellen zu untersuchen.
  • Bei etwa 250 dieser Männer wird in der Biopsie doch kein Prostatakrebs gefunden. Der PSA-Test hat falschen Alarm geschlagen.
  • Bei etwa 130 Männern mit auffälligem PSA-Wert werden Krebszellen gefunden. Je nach Größe und Aggressivität des Tumors kommen verschiedene Behandlungen infrage: in der Regel „aktive Überwachung“, oder Operation.
  • Bei bis zu 60 dieser Männer wäre der Krebs ohne Früherkennung nie aufgefallen – und hätte zu Lebzeiten nie Probleme verursacht.

    Welche Vor- und Nachteile hat die PSA-Früherkennung?

    • Vorteil: Etwa 3 von 1000 Männern, die am PSA-Screening teilnehmen, werden davor bewahrt, Metastasen zu entwickeln und am Prostatakarzinom zu sterben.
    • Nachteil: Es werden auch Tumoren und Zellveränderungen entdeckt, die sich sonst nie bemerkbar gemacht hätten. Bis zu 60 von 1000 Männern, die an der Früherkennung teilnehmen, erhalten eine Überdiagnose und vielleicht eine unnötige Behandlung. Der Nachteil der PSA-Früherkennung fällt vermutlich geringer aus, wenn vor der Biopsie eine MRT-Untersuchung stattfindet – so wie es die deutschen Fachgesellschaften empfehlen.

    Die folgende Grafik zeigt die Vor- und Nachteile der PSA-Früherkennung auf einen Blick.

    Das Flussdiagramm zeigt auf einen Blick, was geschieht, wenn 1000 Männer 16 Jahre lang an der PSA-Früherkennung teilnehmen.

    Diese Zahlen sind – wie erwähnt – Schätzungen. Zum einen werden in Deutschland etwas andere PSA-Werte empfohlen. Zum anderen wurden die Männer in der Studie im Durchschnitt 16 Jahre lang nachbeobachtet. Eine längere Nachbeobachtung könnte zu etwas anderen Ergebnissen führen.

    PSA-Früherkennung: teilnehmen oder nicht?

    Einige Männer können durch die Früherkennung mit dem PSA-Test davor bewahrt werden, an Prostatakrebs zu sterben. Anderen schadet die Früherkennung, weil sie zu Überdiagnosen führt – und damit zu unnötigen Krebsbehandlungen. Bevor man sich entscheidet, lohnt es sich also, das Für und Wider der Früherkennung gut abzuwägen. Die Vor- und Nachteile sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst.

    Gründe für die Früherkennung Gründe gegen die Früherkennung
    • senkt das Risiko, an Prostatakrebs zu sterben
    • senkt das Risiko für fortgeschrittenen Krebs ()
    • führt häufig zu Überdiagnosen und unnötigen Krebsbehandlungen
    • Mögliche Folgen solcher unnötigen Behandlungen sind und Erektionsstörungen.
    • Früherkennung kann Prostatakrebs nicht vorbeugen oder verhindern.

    Bei der Entscheidung sollte man berücksichtigen, dass mögliche Nachteile infolge unnötiger Krebsbehandlungen unmittelbar eintreten. Dazu gehören und Erektionsstörungen. Die möglichen Vorteile der Früherkennung zeigen sich hingegen in der Regel erst Jahre später.

    Wichtig ist: Die Früherkennung zu nutzen, ist eine Frage der persönlichen Abwägung. Ob man daran teilnehmen möchte oder nicht, kann man in Ruhe entscheiden. Niemand muss sich zur Früherkennung von Prostatakrebs gedrängt fühlen.

    Borghesi M, Ahmed H, Nam R et al. Complications After Systematic, Random, and Image-guided Prostate Biopsy. Eur Urol 2017; 71(3): 353-365.

    Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU). S3-Leitlinie Prostatakarzinom (Leitlinienprogramm Onkologie). AWMF-Registernr.: 043-022OL. 2025.

    Hugosson J, Roobol MJ, Månsson M et al. A 16-yr Follow-up of the European Randomized study of Screening for Prostate Cancer. Eur Urol 2019; 76(1): 43-51.

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Prostatakrebsscreening mittels PSA-Test: Abschlussbericht; Auftrag S19-01. 2020.

    Schröder FH, Hugosson J, Roobol MJ et al. Screening and prostate cancer mortality: results of the European Randomised Study of Screening for Prostate Cancer (ERSPC) at 13 years of follow-up. Lancet 2014; 384(9959): 2027-2035.

    IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

    Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

    Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

    Seite kommentieren

    Was möchten Sie uns mitteilen?

    Wir freuen uns über jede Rückmeldung entweder über das Formular oder über gi-kontakt@iqwig.de. Ihre Bewertungen und Kommentare werden von uns ausgewertet, aber nicht veröffentlicht. Ihre Angaben werden von uns vertraulich behandelt.

    Bitte beachten Sie, dass wir Sie nicht persönlich beraten können. Wir haben Hinweise zu Beratungsangeboten für Sie zusammengestellt.

    Über diese Seite

    Aktualisiert am 21. Januar 2026

    Nächste geplante Aktualisierung: 2029

    Herausgeber:

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

    So halten wir Sie auf dem Laufenden

    Abonnieren Sie unseren Newsletter oder Newsfeed. Auf YouTube finden Sie unsere wachsende Videosammlung.