Einleitung

Foto von älterem Mann (lisafx / iStock / Thinkstock) Mit dem Alter lässt bei vielen Menschen das Sehvermögen nach. Neben dieser normalen Entwicklung können jedoch auch Augenerkrankungen auftreten, die das Sehen erschweren und sogar eine Erblindung zur Folge haben können. Eine häufige Augenerkrankung ist der Grüne Star (Glaukom). Nach Schätzungen haben rund 2 von 100 Menschen über 40 Jahre in den Industrienationen ein Glaukom.

Der Begriff Glaukom fasst verschiedene Augenerkrankungen zusammen, bei denen der Sehnerv geschädigt wird. Dies führt dazu, dass das Gesichtsfeld zunächst meist unbemerkt immer größere Lücken aufweist. Das Gesichtsfeld ist der Sehbereich, den man wahrnehmen kann, ohne die Augen zu bewegen. In den fortgeschrittenen Stadien nimmt auch die Sehschärfe ab.

Dieser Überblick informiert hauptsächlich über die häufigste Form, das sogenannte primäre Offenwinkelglaukom (manchmal noch Weitwinkelglaukom genannt). Es schreitet langsam voran, und die Schäden am Sehnerv führen erst nach vielen Jahren zu Sehstörungen. Meist wird es mit Augentropfen oder einem operativen Eingriff behandelt.

Symptome

Menschen mit einem Glaukom können bestimmte Sehbereiche nicht mehr oder nur noch eingeschränkt wahrnehmen. Es entstehen „blinde Flecken“, meist neben der Stelle des schärfsten Sehens (Makula) und bis zu den Rändern des Gesichtsfelds. Da das zentrale Sehen zunächst nicht beeinträchtigt ist, fallen die Einschränkungen des Gesichtsfelds häufig nicht gleich auf.

Die blinden Stellen können es im Laufe der Jahre aber zunehmend erschweren, sich im Alltag zu orientieren. Beim Geradeaussehen, etwa beim Autofahren, kann man zwar die Straße vor sich klar erkennen, die Personen und Dinge rechts und links auf den Gehwegen jedoch nicht. Auch die Anpassung an unterschiedliche Lichtverhältnisse kann schwierig sein, zum Beispiel wenn man von draußen kommt und in einen dunklen Hausflur eintritt. Oft fällt es auch immer schwerer, Hindernisse wie Stufen oder Bordsteine richtig einzuschätzen.

Selten tritt ein akuter Glaukomanfall auf, auch Winkelblockglaukom genannt. Dabei kommt es zu einer raschen und starken Erhöhung des Augeninnendrucks. Typische Beschwerden sind akute Sehstörungen, Augenrötungen, heftige Kopf- und Augenschmerzen oder Übelkeit. Ein Winkelblockglaukom muss schnell behandelt werden, um Schäden am Sehnerv zu vermeiden.

Ursachen

Die Ursache für ein Glaukom ist häufig ein zu hoher Augeninnendruck. Der Augeninnendruck entsteht in den Augenkammern zwischen Hornhaut und Linse. In ihnen befindet sich eine Flüssigkeit, das sogenannte Kammerwasser, das im Auge selbst gebildet wird. Es fließt kontinuierlich von der hinteren in die vordere Augenkammer und von dort durch ein sehr feines Kanälchen (Schlemmscher Kanal) wieder heraus. Dieser Kreislauf sorgt für einen konstanten Druck im gesunden Auge. Außerdem versorgt das Kammerwasser die Hornhaut, die Regenbogenhaut (Iris) und die Linse mit Nährstoffen.

 

Grafik: GlaukomGlaukom

Wenn der Abfluss des Kammerwassers behindert ist, staut es sich auf, und der Druck im Auge erhöht sich. Dies belastet den Sehnerv und es besteht die Gefahr, dass Nervenzellen absterben. Ob ein erhöhter Augeninnendruck Schäden verursacht, hängt unter anderem davon ab, wie widerstandsfähig der Sehnerv ist: Nur bei einem Teil der Menschen mit erhöhtem Augeninnendruck ist er so anfällig, dass er Schaden nimmt. Der Augeninnendruck wird in mmHg (Millimeter-Quecksilbersäule) gemessen, der gleichen Messeinheit wie bei der Blutdruckmessung. Als normal werden Werte zwischen 10 und 21 mmHg angesehen.

Nicht immer liegt der Augeninnendruck bei einem Glaukom jedoch oberhalb der Normalwerte. So hat fast die Hälfte der erkrankten Menschen zwar Schäden am Sehnerv, aber keinen erhöhten Augeninnendruck. Möglicherweise ist für diese Menschen bereits der normale Druck zu hoch. Diese Glaukomform wird deshalb auch „Normaldruckglaukom“ genannt.

Als weitere Ursache wird eine schlechte Durchblutung des Sehnervs diskutiert. In diesem Fall werden die Nervenzellen nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Ein Glaukom kann auch eine Folge von Entzündungen, Verletzungen und Gefäßerkrankungen sein. Dann spricht man von einem sekundären Glaukom. Sehr selten ist ein Glaukom angeboren.

Da noch nicht alle Ursachen der Erkrankung bekannt sind, kann der Auslöser für ein Glaukom nicht immer gefunden werden. Wahrscheinlich beeinflussen sich die verschiedenen Faktoren außerdem gegenseitig.

Risikofaktoren

Etwa 4 von 100 Menschen über 40 Jahre haben einen erhöhten Augeninnendruck. Aber nur wenige von ihnen entwickeln ein Glaukom: Bei etwa 10 von 100 Menschen mit einem erhöhten Augeninnendruck kommt es innerhalb von fünf Jahren zu Sehverlusten. Das Risiko dafür hängt unter anderem von der Hornhautdicke und der Höhe des Augeninnendrucks ab: Menschen mit einem sehr hohen Augeninnendruck haben ein deutlich höheres Risiko als Menschen mit einem leicht erhöhten Augeninnendruck.

Aber auch das Lebensalter (Menschen über 50 sind häufiger betroffen), eine familiäre Vorbelastung, starke Kurzsichtigkeit sowie Diabetes können das Risiko erhöhen. Auch Menschen mit schwarzer Hautfarbe erkranken häufiger an einem Glaukom.

Verlauf

Ein Glaukom entsteht meist langsam und zunächst unbemerkt, kann sich manchmal aber auch sehr rasch ausbilden. Die blinden Stellen können sich mit der Zeit immer mehr ausdehnen, bis nur noch das Sehen im ganz zentralen Bereich möglich ist. Einige Menschen werden vollständig blind – Schätzungen zufolge erblinden in Deutschland jährlich rund 1100 Menschen durch ein Glaukom (alle Formen).

Darstellung möglicher Einschränkungen des GesichtsfeldsSehstörungen bei Glaukom  

Diagnose

Auch bevor sich die ersten Symptome bemerkbar machen, können Augenärztinnen und -ärzte ein Glaukom feststellen. Die Ärztin oder der Arzt fragt zunächst nach vorhandenen Symptomen und untersucht das Auge. Mit einem speziellen Instrument, dem Ophthalmoskop, kann sie oder er das Augeninnere prüfen und dabei mögliche Schäden am Sehnerv entdecken. Außerdem wird auch der Augeninnendruck gemessen, meist mit der sogenannten Applanations-Tonometrie. Bei dieser Untersuchung wird das Auge mit einem Tropfen Flüssigkeit betäubt und anschließend ein kleiner Messkolben auf die Hornhaut aufgesetzt.

Besteht ein Verdacht auf ein Glaukom, wird die Ärztin oder der Arzt zusätzlich das Gesichtsfeld messen. Dabei lässt sich feststellen, ob bestimmte Sehbereiche eingeschränkt und bereits blinde Stellen entstanden sind.

Früherkennung

Um frühzeitig einen erhöhten Augeninnendruck oder ein Glaukom festzustellen, bieten viele Augenärztinnen und -ärzte eine Früherkennungsuntersuchung an, die man privat bezahlen muss. Sie besteht aus der Untersuchung des Sehnervs, der Messung des Augeninnendrucks und der Untersuchung des Auges mit dem Spaltlampenmikroskop. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen diese Untersuchungen nur bei einem begründeten Verdacht auf ein Glaukom oder bei bestimmten Risiken.

Ob eine allgemeine Früherkennungsuntersuchung (Screening) ab einem bestimmten Alter oder für bestimmte Risikogruppen sinnvoll ist, wurde bisher noch nicht ausreichend untersucht.

Was Studien sagen

Behandlung

Einen erhöhten Augeninnendruck zu senken kann helfen, den schleichenden Sehverlust zu verzögern oder aufzuhalten. Heilen lässt sich ein Glaukom jedoch nicht, da bereits entstandene Schäden am Sehnerv nicht mehr rückgängig zu machen sind. Meist wird ein erhöhter Augeninnendruck bei einem Glaukom mithilfe von Augentropfen behandelt. Je nach Präparat wendet man sie einmal oder mehrmals täglich an.

Wenn die Medikamente nicht (mehr) ausreichen oder schlecht vertragen werden, kommt auch eine Operation oder ein Lasereingriff infrage.

Mehr Wissen

Leben und Alltag

Wenn bei einer Untersuchung ein erhöhter Augeninnendruck gemessen wird, löst das bei vielen eine bleibende Verunsicherung aus, auch wenn ihr Sehvermögen noch völlig in Ordnung ist. Allein das Wissen, einen hohen Augeninnendruck und somit ein erhöhtes Risiko für ein Glaukom zu haben, kann dazu führen, dass man sich schon bei kleinen Sehproblemen Sorgen macht, obwohl sie nichts mit einem Glaukom zu tun haben.

Menschen mit einem Glaukom haben oft große Angst davor, irgendwann zu erblinden. Viele wünschen sich gerade zu Anfang ausführliche Informationen über die Behandlung und darüber, was die Diagnose für das eigene Leben bedeuten kann.

Früher oder später zwingt der Sehverlust dazu, den Alltag an die neuen Bedingungen anzupassen, zum Beispiel die Wohnung so umzugestalten, dass die Orientierung leichter fällt. Möglich sind auch Auswirkungen auf das Berufsleben und auf Alltagsaktivitäten wie Sport, Einkaufen oder Lesen. Sich Unterstützung zu holen und über Hilfsmittel zu informieren – zum Beispiel beim Arzt oder bei der Krankenversicherung – kann den Alltag erleichtern. An einem Glaukom erkrankte Menschen berichten auch, dass es ihnen hilft, sich gut über die Krankheit und Bewältigungsmöglichkeiten zu informieren oder sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, etwa in einer Selbsthilfegruppe oder einem Internetforum.

Vielen Menschen fällt es schwer, den richtigen Zeitpunkt zu erkennen, ab dem die Krankheit das Autofahren nicht mehr zulässt. Zunächst ändern sie oft ihre Fahrweise und fahren nicht mehr nachts oder nur noch in gewohnter Umgebung. Es ist wichtig, dass Angehörige und Freunde hier aufmerksam sind und mit darauf achten, wann die Einschränkungen zu stark werden und man sich selbst und andere Personen möglicherweise gefährdet. Ab einer bestimmten Einschränkung des Gesichtsfelds ist das Autofahren gesetzlich nicht mehr erlaubt. Konkrete Informationen und Beratung dazu geben Augenärzte.

Für viele Menschen ist es nicht leicht, damit umzugehen, dass sie durch ihre Sehprobleme verstärkt auf die Hilfe anderer angewiesen sind. Die Kontrolle in manchen Punkten abzugeben und anderen Menschen anzuvertrauen, wird aber möglicherweise nötig sein.

Sorgen und Ängste mit Angehörigen und Freunden frühzeitig zu besprechen, kann entlastend sein. Gemeinsam lassen sich Strategien entwickeln, mit dem Verlauf der Erkrankung umzugehen. Menschen um sich herum zu haben, die einen verstehen und unterstützen, ist in allen Lebenslagen eine große Erleichterung – vor allem, wenn es darum geht, mit einer belastenden Erkrankung umzugehen und weiterhin so aktiv wie möglich zu bleiben.

Weitere Informationen

Für Menschen mit Grünem Star gibt es in Deutschland zahlreiche Angebote zur Unterstützung. Dazu gehören Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen. Viele dieser Einrichtungen sind aber vor Ort unterschiedlich organisiert. Eine Liste von Anlaufstellen hilft, passende Angebote zu finden und zu nutzen.

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