Einleitung

Foto von Paar (altrendo images / Thinkstock) Der Graue Star (die Katarakt) ist eine Augenerkrankung, bei der sich die Augenlinse eintrübt. Dadurch lässt das Sehvermögen nach, und vor allem feine Einzelheiten können nicht mehr klar gesehen werden. Manche Menschen haben nur leichte Seheinschränkungen, bei anderen geht das Sehvermögen dagegen rasch verloren. Der Krankheitsverlauf hängt unter anderem davon ab, welche Form des Grauen Stars man hat. Der griechische Begriff „Katarakt" bedeutet „Wasserfall“. Die Bezeichnung kommt daher, dass man früher glaubte, eine Flüssigkeit im Auge sei für die Trübung verantwortlich. Der Name „Grauer Star“ bezieht sich auf die Graufärbung der Linse und den „starren“ Blick, den Menschen mit fortgeschrittener Sehbehinderung oft haben.

Der Graue Star ist eine Krankheit der zweiten Lebenshälfte. Die meisten betroffenen Menschen sind über 50 Jahre alt. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter: Etwa 20 von 100 Menschen zwischen 65 und 74 Jahren haben einen Grauen Star. Bei den über 74-Jährigen sind es mehr als 50 von 100.

In Entwicklungsländern ist der Graue Star der Hauptgrund für Erblindungen. In den Industriestaaten erblinden wesentlich weniger Menschen durch einen Grauen Star, da ihnen wirksame Operationsverfahren zur Verfügung stehen. Bei der Operation des Grauen Stars wird die trübe Linse entfernt und durch eine künstliche Linse ersetzt. Dieser Eingriff zählt zu den häufigsten in Deutschland. Er wird etwa 800.000-mal pro Jahr durchgeführt.

Symptome

Beim Grauen Star geht die Sehkraft meist schleichend verloren. Dabei ist der allmähliche Sehverlust das einzige Symptom. Es treten keine Schmerzen, kein Augenbrennen oder ähnliche Beschwerden auf. Betroffene sehen zunehmend verschwommen und unscharf: Es ist, als würden sie durch einen Schleier oder Nebel schauen. Mit der Zeit verschwimmen die Kontraste und die Farben immer mehr. Manche Menschen werden sehr empfindlich gegenüber Blendungen durch die Sonne oder andere Lichtquellen. Das Autofahren wird anstrengender, besonders nachts. Wenn man schlechter sieht, steigt das Risiko, dass man stürzt und sich verletzt. Zudem ist das räumliche Sehen beeinträchtigt.

Ein Grauer Star kann auch unerwartete Folgen haben: So können manche Menschen, die eine Brille getragen haben, plötzlich ohne Brille besser sehen. Dies liegt daran, dass sich die Brechkraft des Auges verändert – und damit die Fähigkeit, Objekte in unterschiedlichen Entfernungen scharf zu sehen. Das verbesserte Sehen ohne Brille hält jedoch nicht lange an.

Ursachen und Risikofaktoren

Etwa 90 % aller Betroffenen haben den sogenannten Grauen Altersstar (die senile Katarakt). Bei ihnen trübt sich die Augenlinse aufgrund des Alterungsprozesses langsam ein. Die Linse sorgt normalerweise dafür, dass das einfallende Licht gebündelt wird und ein klares Bild auf der Netzhaut erscheint. Dies ermöglicht es, sowohl nahe als auch ferne Gegenstände scharf zu sehen. Bei einem Grauen Star wird diese Funktion gestört.

Manche Menschen haben anlagebedingt ein erhöhtes Risiko für einen Grauen Star. Es wird vermutet, dass ultraviolettes Licht (UV-Licht) und Rauchen das Risiko erhöhen. Zudem sind Menschen mit Diabetes häufiger betroffen. In Entwicklungsländern sind Unterernährung und schlechte Lebensbedingungen häufige Ursachen für Grauen Star. Dort erkranken auch viele Menschen bereits in frühem Alter.

Ein Grauer Star kann außerdem infolge von Entzündungen oder Verletzungen des Auges entstehen. Auch Augenoperationen und bestimmte kortisonhaltige Medikamente können zu einem Grauen Star führen.

Verlauf

Bei einem Grauen Star nimmt die Sehfähigkeit nach und nach ab. Zunächst wird man kurzsichtiger. Wie schon erwähnt, können zuvor weitsichtige Menschen dann für kurze Zeit ohne Brille besser sehen. Allmählich wird das Sehen immer trüber und verschwommener. Wird der Graue Star nicht behandelt, kann eine Erblindung die Folge sein, muss es aber nicht. Meistens sind beide Augen betroffen. Die Erkrankung kann auf einem Auge jedoch schneller voranschreiten als auf dem anderen.

Die Krankheit verläuft unterschiedlich. Manche Menschen verlieren relativ schnell an Sehkraft, bei anderen bewirkt der Graue Star kaum Seheinschränkungen. Welche Beschwerden auftreten und wie sie sich entwickeln, hängt unter anderem davon ab, wo in der Linse die Trübung auftritt. Man unterscheidet folgende Formen:

  • Rindenkatarakt: Diese Form führt neben verschwommenem Sehen vor allem zu einer erhöhten Blendungsempfindlichkeit, beispielsweise beim nächtlichen Autofahren.
  • hintere subkapsuläre Katarakt: Diese Form kommt häufiger bei jüngeren Menschen vor und schreitet relativ schnell voran.
  • Kernkatarakt: Diese Form beeinträchtigt das Sehen in der Ferne mehr als das nahe Sehen. Das Sehvermögen ist manchmal auch nur leicht eingeschränkt, und die Erkrankung verläuft in der Regel relativ langsam.

Diagnose

Es kann viele Gründe geben, warum Menschen mit der Zeit schlechter sehen. Vor der Diagnose eines Grauen Stars werden deshalb zuerst andere mögliche Ursachen ausgeschlossen. Dazu erfragt die Augenärztin oder der Augenarzt zunächst die Symptome und die Krankheitsgeschichte. Verschiedene Augentests und -untersuchungen geben Aufschluss darüber, wie stark das Sehvermögen beeinträchtigt ist und was die Ursache sein könnte.

Die Augenlinse wird mit einer Spaltlampe untersucht, einem speziellen Lichtmikroskop. Dabei blickt die Ärztin oder der Arzt durch das Mikroskop in das Auge, das mit einem spaltförmigen Lichtstrahl ausgeleuchtet wird. Dadurch können die Linse und die dahinter liegenden Abschnitte des Auges beurteilt werden. Die Untersuchung ist schmerzfrei.

Zur Untersuchung der hinteren Augenabschnitte werden in der Regel Medikamente zur Pupillenerweiterung eingesetzt. Diese Medikamente führen dazu, dass man für einige Stunden unscharf sieht und anfälliger für Blendungen ist. Deshalb darf man nach der Untersuchung für etwa vier bis zu fünf Stunden kein Auto fahren. Bei manchen hält die Wirkung noch länger an. Im Zweifelsfall ist es besser, das Auto stehen zu lassen.

Vorbeugung

Es sind keine wissenschaftlichen Studien bekannt, die belegen, dass bestimmte vorbeugende Maßnahmen das Risiko für einen Grauen Star senken.

Man vermutet, dass Rauchen das Risiko erhöht und ein Rauchverzicht es entsprechend senken könnte. Aufs Rauchen zu verzichten, hat aber ohnehin viele gesundheitliche Vorteile. Menschen, die sich viel UV-Licht aussetzen, können auf einen guten Sonnenschutz achten und die Augen vor Sonneneinstrahlung schützen, zum Beispiel mit einer Sonnenbrille.

Bestimmte kortisonhaltige Medikamente können eine Katarakt begünstigen. Vielleicht ist ein Umstieg auf ein anderes Medikament möglich.

Nahrungsergänzungsmittel werden zwar häufig damit beworben, dass sie auch Augenkrankheiten vorbeugen sollen. Studien zeigen jedoch, dass dies beim Grauen Star nicht der Fall ist.

Was Studien sagen

Behandlung

Manche Menschen können den Sehverlust vorübergehend oder sogar längerfristig mit einer Brille oder Kontaktlinsen ausgleichen. Es gibt keine Medikamente, um einen Grauen Star zu behandeln.

Die einzige wirksame Behandlungsmöglichkeit ist eine Operation. Dabei wird die trübe Linse entfernt und durch eine neue, künstliche Linse ersetzt. Bei der Operation bleibt die Linsenkapsel, die die Linse umschließt, im Auge. Nur der Kern und die Rinde der Linse werden per Ultraschall zerkleinert und dann durch einen kleinen Schnitt abgesaugt. Dieses Verfahren wird Phakoemulsifikation genannt und ist in Deutschland das Standardverfahren. In die Kapsel wird dann eine Linse aus Kunststoff implantiert.

Ob und wann eine Operation sinnvoll ist, ist eine Frage der persönlichen Abwägung. Sie hängt sehr davon ab, wie stark der Sehverlust das Leben beeinträchtigt. Außerdem spielt eine Rolle, ob weitere (Augen-)Erkrankungen bestehen, die das Ergebnis der Operation beeinflussen könnten.

Mehr Wissen

Was möchten Sie uns mitteilen?

Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Bewertungen und Kommentare werden von uns ausgewertet, aber nicht veröffentlicht. Ihre Angaben werden von uns vertraulich behandelt. Pflichtfelder sind mit einem Sternchen (*) markiert.

Bitte beachten Sie, dass wir Sie nicht persönlich beraten können. Hinweise auf Beratungsangebote finden Sie in unserem Text "Wie finde ich Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen?"

Auf der IQWiG-Plattform „ThemenCheck Medizin“ können Bürgerinnen und Bürger Forschungsfragen stellen. Fachleute werten dann das Wissen zu ausgewählten Themen aus. Die Ergebnisse sollen in künftige Entscheidungen über die Gesundheitsversorgung einfließen.

Empfehlen Sie diesen Artikel

Hier können Sie einen Button dauerhaft aktivieren. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zum Datenschutz.