Einleitung

Foto von Großmutter und Enkel (Stockbyte / Stockbyte / Thinkstock) Kleine Verletzungen im Alltag heilen meist schnell von selbst wieder ab. Bei größeren Wunden kann das Abheilen länger dauern, einige müssen auch genäht werden.

Manche Wunden verschließen sich jedoch nur sehr langsam, gehen immer wieder auf oder heilen gar nicht. Ursache ist meist eine gestörte Durchblutung oder ein Diabetes. Solche schlecht heilenden Wunden entwickeln sich häufig an den Unterschenkeln oder Füßen.

Wenn eine Wunde dauerhaft nicht abheilt, sprechen Fachleute von einer chronischen offenen Wunde. Ihre Behandlung ist oft langwierig und mit Schmerzen verbunden. Wichtig ist, dass die Wunde gut versorgt wird – und nicht zuletzt, die Grunderkrankung zu behandeln, die zur Entstehung der Wunde beigetragen hat.

Symptome

Nicht alle chronischen Wunden verursachen ständige Schmerzen. Je nach Größe und Tiefe können sie aber auch sehr schmerzhaft sein. Oft jucken dauerhaft offene Wunden, nässen oder riechen unangenehm. Die Haut um die Wunde kann gerötet bis bräunlich verfärbt sein.

Die Schmerzen verstärken sich, wenn sich die Wunde infiziert; auch bei Bewegung können sie stärker werden. Viele Menschen spüren Schmerzen und Juckreiz besonders nachts, können dann nur schlecht schlafen und sind müde.

Ursachen und Risikofaktoren

Normalerweise werden Wunden durch eine akute Verletzung wie einen Schnitt oder heftigen Stoß verursacht. Menschen mit chronisch offenen Wunden haben oft eine Grunderkrankung, die dazu führt, dass Wunden auch schon durch leichteren Druck entstehen und dann nicht heilen wollen. Faktoren, die eine wichtige Rolle spielen, sind:

  • Durchblutungsstörungen: Bei Menschen mit Durchblutungsstörungen – etwa infolge einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (paVK) – sind die Arterien verengt. Das sind die Blutgefäße, die das Gewebe mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Bei schlechter Durchblutung heilen Wunden generell langsamer als bei normaler Durchblutung. Besonders am Unterschenkel oder am Fuß können sie sich dann zu Geschwüren entwickeln. Sie werden oft auch „offenes Bein“ genannt (Fachbegriff: Ulcus cruris).
  • Venenschwäche: Auch Krankheiten der Beinvenen, die das Blut zurück zum Herzen transportieren, können die Bildung eines Geschwürs am Unterschenkel oder Fuß fördern. Bei einer Schwäche der Venenklappen sind die Venen erweitert, meist bilden sich Krampfadern. Es kommt zu einem Rückstau des Blutes in den Beinen, die anschwellen können. Der dadurch entstehende Druck erschwert die Durchblutung und damit die Sauerstoffversorgung des Gewebes zusätzlich. Aus einer kleinen Verletzung kann dann ein Geschwür entstehen.
  • Diabetes: Zu viel Zucker im Blut kann auf Dauer die Blutgefäße und Nerven schädigen, die die Füße versorgen. Menschen mit Diabetes spüren Schmerzen an den Füßen deshalb oft nicht und übersehen zum Beispiel kleine Verletzungen oder Druckstellen durch zu enge Schuhe. Die schlechte Durchblutung schränkt zudem die Versorgung des Gewebes ein und erhöht die Gefahr, dass sich chronische Wunden entwickeln.
  • Schwaches Immunsystem: Ist das Immunsystem geschwächt, zum Beispiel durch eine Krebserkrankung, kann sich die Wundheilung ebenfalls verzögern oder die Wunde entzünden. Auch bei älteren Menschen oder bei Personen, die sich nicht ausreichend ernähren, heilen Wunden oft langsamer.
  • Unfallverletzung und Gewebszerstörung: Bei einer schweren Verletzung oder Verbrennung mit großen und tiefen Wunden können die Selbstheilungskräfte an ihre Grenzen kommen.
  • mechanischer Druck: Bei Menschen, die lange im Bett liegen müssen oder im Rollstuhl sitzen, kann durch den ständigen Druck des eigenen Körpergewichts auf bestimmte Hautbereiche ein Druckgeschwür (Dekubitus) entstehen. Damit sich ein Druckgeschwür schließen kann, muss die betreffende Körperstelle entlastet werden.

Folgen

Eine chronische Wunde belastet den Körper und das Immunsystem. Dies kann dazu führen, dass man sich oft müde und abgeschlagen fühlt. Die Schmerzen schränken zudem die Beweglichkeit ein.

Gelangen Bakterien in die Wunde, kann sie sich entzünden und Gewebe absterben. Ohne Behandlung können sich die Krankheitserreger weiter ausbreiten und es besteht die Gefahr einer Blutvergiftung (Sepsis).

Im ungünstigsten Fall kann eine Amputation des betroffenen Bereichs nötig sein.

Diagnose

Nicht jede Hautverletzung oder schlecht heilende Wunde entwickelt sich zu einer chronischen Wunde. Deshalb wird die Ärztin oder Arzt zunächst danach fragen, wie lange die Wunde bereits offen ist und unter Umständen untersuchen, ob Risikofaktoren wie ein Diabetes, eine Immunschwäche oder Durchblutungsstörungen bestehen.

Der Zustand der Wunde wird unter anderem nach folgenden Kriterien beurteilt:

  • ihrer Größe und Tiefe
  • dem Zustand des Wundrands und der umgebenden Haut
  • austretender Flüssigkeit
  • dem Geruch
  • der Stärke der Schmerzen und des Juckreizes.

Vorbeugung

Bei einem Diabetes mellitus ist es für eine normale Wundheilung wichtig, dass der Blutzucker gut eingestellt ist. Schuhe müssen groß und weit genug sein, um Druckstellen zu vermeiden. Eine regelmäßige Fußpflege hilft ebenfalls, das Entstehen von Wunden zu vermeiden oder rechtzeitig zu bemerken.

Bei Venenschwäche und Krampfadern können Kompressionsstrümpfe oder elastische Binden (Druckverbände) helfen, Wunden vorzubeugen. Der Druck entlastet die Venen und verbessert die Durchblutung, dadurch können vorhandene Wunden eher wieder abheilen.

Es gibt auch Geräte mit aufblasbaren Luftkissen, die um die Beine gelegt werden. Die Kissen werden dann am Knöchel beginnend bis zur Leiste nach und nach aufgepumpt. Der so entstehende Druck soll das Blut aus den tiefen Beinvenen pressen – dies wird „intermittierende pneumatische Kompression“ genannt. Das Verfahren ist bisher aber noch nicht ausreichend untersucht.

Bei einer mit Bakterien infizierten Wunde werden manchmal Antibiotika angewendet, um die Entzündung zu bekämpfen und einer chronischen Wunde vorzubeugen.

Behandlung

Chronische Wunden werden mit einer Auflage abgedeckt und geschützt. Neben einem regelmäßigen Wechsel des Verbands kommen verschiedene weitere Möglichkeiten der Behandlung infrage:

Wundreinigung

Die Verbände werden von medizinischem Fachpersonal regelmäßig gewechselt und die Wunde dabei gereinigt. Bei der „einfachen Wundreinigung“ wird die Wunde mit einer Kochsalz- oder Elektrolytlösung oder mit Leitungswasser ausgespült. Anschließend werden bei der sogenannten Wundtoilette (Débridement) zum Beispiel mit einer Pinzette abgestorbene Zellen oder entzündetes Gewebe entfernt.

Die Wundreinigung ist häufig schmerzhaft. Eine lokale Betäubung des Wundgebiets, etwa mit einer Salbe, kann Schmerzen vorbeugen. Größere Wunden können auch unter Narkose gereinigt werden.

Wundauflagen

Nach der Wundreinigung legt die Ärztin, der Arzt oder die Pflegekraft einen neuen Verband an. Als Wundauflage eignen sich feuchte Kompressen, Folien oder sogenannte Hydrogele. Sie sollen die Wunde feucht halten, überschüssige Flüssigkeit aus der Wunde aufsaugen und vor Infektionen schützen.

Technische Hilfsmittel

Manche Kliniken setzen bei schwierigen Wunden technische Geräte ein, die die Wundheilung fördern sollen:

  • Bei der hyperbaren Sauerstofftherapie sitzen die Patientinnen oder Patienten in einer speziellen Kammer und atmen dort unter erhöhtem Luftdruck Sauerstoff ein.
  • Bei der Vakuumversiegelungstherapie wird das Wundsekret laufend mit einer Pumpe abgesaugt.
  • Bei der Ultraschalltherapie werden chronische Wunden mit Schallwellen behandelt.
  • Bei der Magnetfeldtherapie werden über magnetische Kissen oder Matten schwache elektrische Spannungen im Wundbereich erzeugt.

Hauttransplantate

Wenn eine Wunde so groß ist, dass sie sich nicht mehr von selbst schließt, kann ein Hauttransplantat infrage kommen. Dabei verpflanzt der Chirurg oder die Chirurgin Haut von einer anderen Körperstelle, meistens dem Oberschenkel, auf die Wunde. Es gibt auch Transplantate, die aus menschlichen Zellprodukten und künstlichen Materialien hergestellt werden.

Medikamente

Bei jeder Wundbehandlung ist es wichtig, dass die Schmerzen gut behandelt werden. Durch chronische Wunden verursachte Schmerzen werden oft unterschätzt.

Schmerzmittel zum Einnehmen wie Paracetamol oder Ibuprofen können leichte bis mittelstarke Schmerzen lindern. Reicht ihre Wirkung nicht aus, kann die Ärztin oder der Arzt ein stärker wirksames Schmerzmittel verschreiben. Es gibt auch Wundauflagen, die Ibuprofen enthalten.

Wenn eine Wunde mit Bakterien infiziert ist, kann sie mit Antibiotika behandelt werden.

Mehr Wissen

Leben und Alltag

Schmerzen oder Juckreiz können bei einer chronisch offenen Wunde den Alltag beeinträchtigen und den Schlaf stören. Der Verbandswechsel ist ebenfalls oft mit Schmerzen verbunden. Viele Menschen machen sich Sorgen, dass die Wunde riecht und von anderen als unangenehm empfunden wird. Einschränkungen bei der Körperpflege, etwa beim Duschen, kommen hinzu. Dauernde Schmerzen und eingeschränkte körperliche Belastbarkeit erschweren das Berufs- und Privatleben und können zu depressiven Gedanken führen.

Menschen mit einer chronischen Wunde können sich sehr unwohl in ihrer Haut fühlen, empfinden oft Scham und ziehen sich zurück. Gerade deshalb ist eine gute persönliche und medizinische Unterstützung wichtig. Neben der Betreuung und Unterstützung durch Familie und Freunde sind Hausärztinnen und Hausärzte, auf Wundbehandlung spezialisierte Fachleute und ambulante Pflegedienste wichtige Ansprechpartner.

Besonders wichtig wird die Unterstützung durch Angehörige, Freunde, aber auch Pflegekräfte und Ärzte sein, wenn die Behandlung kaum Erfolge zeigt. Dann geht es darum, Wege zu finden, mit der offenen Wunde und ihren Folgen langfristig umzugehen. Hilfreich kann auch eine psychotherapeutische Unterstützung bei der Bewältigung der Schmerzen sein.

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