Einleitung

Foto von Mann beim Inhalieren (Medioimages / Photodisc / Thinkstock) Bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) ist die Lunge dauerhaft geschädigt und die Atemwege (Bronchien) sind verengt. Dadurch bekommt man bei fortgeschrittener COPD nur schwer genügend Luft. Schon Alltagstätigkeiten können dann ausreichen, um außer Atem zu geraten – wie Treppensteigen, Gartenarbeit oder ein Spaziergang.

Eine COPD entsteht nicht plötzlich, sondern entwickelt sich langsam über Jahre hinweg. Beschwerden wie hartnäckiger Husten werden anfangs oft für „normalen" Raucherhusten, eine Bronchitis oder Asthma gehalten. Dass eine fortschreitende Erkrankung dahinter steckt, wird häufig erst erkannt, wenn bereits stärkere Beschwerden spürbar sind. Viele Betroffene sind dann älter als 60 Jahre. Die Behandlung der COPD zielt darauf ab, das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten oder zumindest zu bremsen. Wichtig ist vor allem, aufs Rauchen zu verzichten. Medikamente können die Beschwerden lindern und Atemnot-Anfällen vorbeugen. Patientenschulungen helfen, mit der Erkrankung umzugehen.

Symptome

Die Lunge hat sehr große Reserven. In Ruhe wird meist nur weniger als ein Zehntel der Luftmenge benötigt, die die Atmung bei starker Anstrengung bewältigen kann. Dieser enorme Spielraum ist der Grund dafür, dass sich die Funktion der Lunge über Jahre hinweg langsam verschlechtern kann, ohne dass im Alltag viel davon zu spüren ist. Erst wenn bereits ein großer Teil der Reserven verlorengegangen ist, macht sich eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung durch Atemnot bemerkbar. Typische Symptome einer COPD sind:

  • Atemnot bei körperlicher Belastung; bei fortgeschrittener COPD bereits in Ruhe
  • täglicher Husten über eine längere Zeit
  • Auswurf
  • Geräusche beim Atmen wie Pfeifen und Brummen
  • verstärkte Beschwerden bei Erkältungen oder Grippeerkrankungen

Typisch sind auch sogenannte Exazerbationen, plötzliche und deutliche Verschlechterungen der Krankheit. Meist äußern sie sich durch Atemnot-Anfälle und verstärkten Husten mit Auswurf.

Ursachen

Bei der Entstehung einer COPD spielen mehrere Faktoren eine Rolle: Zum einen sind die Bronchien dauerhaft entzündet. Zum anderen können die Lungenbläschen überbläht sein, was als Lungenemphysem bezeichnet wird.

Eine chronische Bronchitis kann sich entwickeln, wenn die Atemwege häufig Schadstoffen wie Tabakrauch, Staub oder Gasen ausgesetzt sind. Durch die Entzündung werden die Flimmerhärchen zerstört, die die Innenwand der Bronchien wie ein Teppich auskleiden. Die Flimmerhärchen sind beweglich und von einer dünnen Schleimschicht bedeckt. Staub und Krankheitskeime aus der Atemluft bleiben meist irgendwo in diesem Schleimfilm kleben und gelangen so nicht in die Lunge. Die Flimmerhärchen transportieren den Schleim dann aus den Bronchien heraus. Diese Selbstreinigung ist für die Gesundheit der Lunge sehr wichtig. Sind die Flimmerhärchen zerstört, kann der Schleim nicht mehr richtig abtransportiert werden und die Bronchien verstopfen.

 

Grafik: Zerstörte Lungenbläschen (Alveolen)Zerstörte Lungenbläschen (Alveolen)

 

Bei einem Lungenemphysem werden die Wände der Lungenbläschen zerstört. Statt der vielen kleinen Bläschen bilden sich größere Blasen, was die Oberfläche der Lunge insgesamt verkleinert. Dies hat zur Folge, dass weniger Sauerstoff ins Blut gelangt. Bei einer COPD treffen entzündete, verengte Bronchien und ein Emphysem zusammen, so dass sich die Folgen gegenseitig verstärken.

 

Grafik: Verengter Atemweg (Bronchus)Verengter Atemweg (Bronchus)

Risikofaktoren

Es gibt einen starken Zusammenhang zwischen Rauchen und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung: Es erkrankt zwar nicht jeder Raucher, aber die meisten Menschen mit COPD rauchen oder haben früher geraucht.

Auch andere, längere Zeit andauernde Reizungen der Lunge begünstigen die Krankheit. Dazu gehören zum Beispiel starke Belastungen mit bestimmten Staubarten am Arbeitsplatz.

Es gibt auch Hinweise, dass bestimmte angeborene Eigenschaften mit dafür verantwortlich sind, dass manche Menschen leichter an einer COPD erkranken als andere. Beispiele hierfür sind Störungen der Lungenentwicklung im Mutterleib und der seltene „Alpha-1-Antitrypsin-Mangel". Er betrifft etwa 1 bis 2 von 100 Erkrankten.

Häufigkeit

Nach groben Schätzungen haben etwa 5 bis 10 von 100 Menschen über 40 Jahre eine COPD. Sie ist damit weit häufiger als Asthma. Männer erkranken noch deutlich häufiger als Frauen.

Verlauf

Anfangs sind die Symptome nicht eindeutig, doch meistens haben auch Menschen mit einer leichten COPD häufiger Husten mit Auswurf. Ihre Atemwege sind zunächst nur wenig verengt, sodass sie den allmählichen Verlust der Lungenfunktion kaum bemerken. Mit der Zeit kommt es aber bei körperlicher Anstrengung immer mehr zu Atemproblemen. Auch die Beschwerden durch Husten und Auswurf werden stärker.

Im fortgeschrittenen Stadium schränkt die Erkrankung die Lebensqualität sehr ein. Menschen mit schwerer COPD haben so stark verengte Atemwege, dass sie auch bei Alltagstätigkeiten oder sogar in Ruhe unter Atemnot leiden.

Folgen

Im fortgeschrittenen Erkrankungsstadium kann die Lunge den Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgen. Das hat dann auch Veränderungen an anderen Organen zur Folge. So muss das Herz mehr Blut durch die Lunge pumpen. Durch die stärkere Belastung verdickt sich der zuständige rechte Teil des Herzmuskels, Mediziner sprechen von einem „Cor pulmonale". In der Folge verliert das Herz an Schlagkraft. Es kann dann zum Beispiel zu Wassereinlagerungen in den Beinen und im Körper kommen.

Da körperliche Anstrengungen bei Menschen mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung Beschwerden verursachen, bewegen sie sich weniger. Die Folge ist ein Abbau von Muskelmasse, der die körperliche Leistungsfähigkeit noch weiter verringert.

Bei Menschen mit COPD können normalerweise harmlose Infektionen der Atemwege dazu führen, dass sich die Lungenfunktion akut verschlechtert und die Beschwerden stark zunehmen. Diese Anfälle werden medizinisch Exazerbation genannt. Oft ist dann eine Behandlung im Krankenhaus notwendig. Exazerbationen können aber auch durch Rauch, Abgase und bestimmte Wetterlagen wie Hitze, Kälte und hohe Luftfeuchtigkeit ausgelöst werden. Typische Warnzeichen für eine solche akute Verschlechterung sind:

  • mehr Auswurf
  • verfärbter Auswurf, eitriger Auswurf, Auswurf ist zäher als üblich
  • mehr Atemnot als üblich
  • mehr Husten als üblich
  • höherer Bedarf an Medikamenten
  • Fieber, verminderte Leistungsfähigkeit, größere Müdigkeit oder andere unspezifische Beschwerden

Eine Verstärkung der Atemnot löst bei den meisten Menschen Angst aus, was wiederum die Atemnot verstärken kann. Es ist deshalb gut, in solchen Situationen zu wissen, was zu tun ist. Dafür gibt es sogenannte Notfallpläne. Sie listen typische Symptome auf und beschreiben unter anderem, wann es günstig ist, die Einnahme oder Dosierung von Medikamenten zu verändern und zum Arzt oder ins Krankenhaus zu gehen.

Diagnose

Zu Anfang wird die Erkrankung häufig nicht erkannt. Insbesondere Menschen, die rauchen, halten ihre Beschwerden oft lange für einen vermeintlich harmlosen „Raucherhusten“. Symptome wie anhaltender Husten und häufige Atemnot können aber auf eine COPD hinweisen.

Erste Untersuchungen sind oft in der Hausarztpraxis möglich. Für spezielle Untersuchungen ist ein Besuch bei einer Fachärztin oder einem Facharzt für Lungenheilkunde (Pneumologie) nötig.

Die Ärztin oder der Arzt nimmt zuerst eine allgemeine Untersuchung des Körpers vor, fragt nach anderen Erkrankungen und nimmt Blut ab. Es folgen Untersuchungen, die Auskunft über die Leistungsfähigkeit der Lunge geben (Lungenfunktionstests, Spirometrie). Je nach Ergebnis kommen dann weitere Untersuchungen hinzu, auch um andere Erkrankungen wie Asthma, Herzschwäche oder Lungenkrebs auszuschließen.

Abgesehen von der Sicherung der Diagnose ist es das Ziel der Untersuchungen, herauszufinden, wie weit die COPD fortgeschritten ist und welches Risiko für Folgekomplikationen besteht. Auf Basis der Ergebnisse wird dann die Behandlung geplant.

Vorbeugung

Die wirksamste Möglichkeit, einer COPD vorzubeugen ist es, nicht zu rauchen oder das Rauchen aufzugeben. Das ist oft leichter gesagt als getan. Zu den Strategien, die bei der Rauchentwöhnung helfen können, gehört zum Beispiel eine Kombination aus Entwöhnungsprogramm und Nikotinersatztherapie.

Da auch Schadstoffe in der Umwelt oder am Arbeitsplatz eine COPD begünstigen können, ist es sinnvoll, sie möglichst zu meiden. Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz können dafür sorgen, dass man solchen Stoffen nicht dauerhaft ausgesetzt ist.

Ein häufiger Auslöser von Exazerbationen sind Atemwegsinfekte, die die Bronchien zusätzlich angreifen. Typische Erkältungs- und Grippesymptome wie Halsschmerzen, Schweißausbrüche und Fieber schwächen bei einer COPD zusätzlich. Während der Erkältungs- und Grippesaison ist es deshalb wichtig, sich vor einer Ansteckung zu schützen. Dazu gehört, den Kontakt zu erkälteten Menschen oder größere Menschenmengen zu meiden. Es kann auch sinnvoll sein, sich gegen Grippe impfen zu lassen.

Behandlung

Die Behandlung einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung hat zum einen das Ziel, die Symptome und Beschwerden zu lindern, das Alltagsleben zu erleichtern und die Lebensqualität zu verbessern. Zum anderen soll sie das Fortschreiten der COPD verlangsamen und Exazerbationen vorbeugen.

Ein wesentlicher Bestandteil der täglichen COPD-Behandlung sind Medikamente. Je nach Erkrankungsstadium sind Kombinationen verschiedener Medikamente üblich. Dabei werden vor allem Medikamente eingesetzt, die die Atemwege erweitern und dadurch das Atmen erleichtern sollen. Sie werden Bronchodilatatoren genannt. Es gibt auch kortisonhaltige Medikamente, die die Entzündung der Atemwege hemmen sollen. Sie spielen bei der Behandlung der COPD jedoch eine geringere Rolle als etwa bei der von Asthma. Wenn die COPD sehr weit fortgeschritten ist, wird zusätzlich oft eine Behandlung mit Sauerstoff notwendig. In welcher Form, richtet sich nach der Schwere der Erkrankung.

Unterstützende Maßnahmen sind unter anderem körperliche Aktivitäten, Atemtraining, Inhalationen oder Ernährungsumstellungen. Zudem bieten Krankenkassen sogenannte Disease-Management-Programme (DMPs) für Menschen mit COPD an. Ihr Ziel ist es, durch eine konsequente, planvolle und gut begleitete Behandlung die Zahl der schweren Atemnot-Anfälle zu verringern und das Fortschreiten der COPD abzubremsen.

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Rehabilitation

Eine pulmonale Rehabilitation hilft Menschen mit einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, die eigene Erkrankung besser in den Griff zu bekommen und ein möglichst normales Leben zu führen. Hierfür wird ein Behandlungsplan zusammengestellt, der auf den persönlichen Bedarf zugeschnitten ist. Der Behandlungsplan ist eine Kombination aus körperlichem Training, Schulung im Umgang mit der Erkrankung und Therapie sowie sozialer und psychischer Unterstützung.

Die pulmonale Rehabilitation ist ein wichtiger Bestandteil des Disease-Management-Programms COPD. Sie kann ambulant oder stationär in Anspruch genommen werden.

Leben und Alltag

Wie sich eine COPD auswirkt, hängt sehr vom Stadium der Krankheit ab. Sie kann jahrelang nur mit kleineren Einschränkungen des Lebens verbunden sein. Mit der Zeit nehmen die Beschwerden aber zu. Bei einer schweren COPD ist schließlich kein normales Alltagsleben mehr möglich, später wird meist eine umfassende Unterstützung und Pflege durch andere nötig.

Vielen Menschen hilft es, ihren Lebensstil und Tagesablauf möglichst gut an die Bedürfnisse und Reaktionen ihres Körpers anzupassen. Manche konzentrieren sich mehr auf die Dinge, die ihnen besonders wichtig sind. Einige Menschen wenden bestimmte Atem- und Entspannungstechniken an, gönnen sich Ruhe, treiben je nach Tagesform ein wenig Sport.

Je mehr die COPD fortschreitet, desto wichtiger wird die praktische, aber auch emotionale Unterstützung durch Familie und Freunde.

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Weitere Informationen

Neben der Möglichkeit, an einem Disease-Management-Programm (DMP) teilzunehmen, gibt es in Deutschland ein breites Angebot zur persönlichen Beratung und Unterstützung von Patientinnen und Patienten mit COPD. Viele dieser Angebote sind aber vor Ort unterschiedlich organisiert und nicht immer direkt zu finden. Eine Liste von Anlaufstellen hilft, Angebote in der Nähe zu finden und zu nutzen.

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