Operationen und Eingriffe zur COPD-Behandlung

Foto von Familienbesuch bei der Großmutter im Krankenhaus

Ein Eingriff an der Lunge kommt nur bei einer weit fortgeschrittenen infrage. Mit verschiedenen Verfahren können erkrankte Teile der Lunge entfernt oder verkleinert werden, um das Atmen zu erleichtern. Bei einer besonders schweren Erkrankung ist unter Umständen eine Lungentransplantation möglich.

Bei einer fortschreitenden chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) kann es zu einem kommen. Dabei werden die Wände der zerstört, wodurch sich größere Blasen bilden, die auch platzen können. Durch diese Überblähung verkleinert sich der gesunde Teil der Lunge und es gelangt weniger Sauerstoff ins Blut. Zudem wird die Atemmuskulatur stärker beansprucht. Betroffene werden dann schneller kurzatmig, sind körperlich weniger belastbar und haben häufiger Husten mit Auswurf.

Wenn sich die Beschwerden nicht mehr mit Maßnahmen wie einem Rauchstopp oder mit Medikamenten lindern lassen, ist unter bestimmten Bedingungen eine Operation oder ein kleinerer Eingriff an der Lunge möglich. Bislang werden die verschiedenen Verfahren eher selten eingesetzt.

Wie funktioniert die Lungenvolumenreduktion (LVR)?

Bei diesem Eingriff werden überblähte Teile der Lunge entfernt oder verkleinert. Dadurch verringert sich das Lungenvolumen zunächst. Die gesunden Lungenabschnitte bekommen jedoch mehr Platz und können das Blut wieder leichter mit Sauerstoff versorgen. Die LVR soll die Atemmuskulatur entlasten, die Atmung verbessern und Atemnot lindern.

Es gibt zwei LVR-Verfahren:

  • Bei der chirurgischen Lungenvolumenreduktion wird über einen großen Schnitt im Bereich des Brustkorbs oder über kleine Schnitte (Schlüssellochtechnik) operiert. Dabei werden überblähte Lungenteile entfernt, die das Atmen erschweren.
  • Bei der bronchoskopischen Lungenvolumenreduktion wird ein über die Luftröhre bis in die Verästelungen der vorgeschoben. Dazu ist keine nötig. Meist reicht ein starkes Beruhigungsmittel, das in einen kurzen Tiefschlaf versetzt. Um das Lungenvolumen zu verringern, werden meist Ventile, seltener Spiralen (Coils) eingesetzt. Ventile verhindern, dass Luft in die überblähten Lungenteile strömt, ermöglichen aber, dass Luft entweicht. Spiralen bewirken, dass sich Lungengewebe zusammenzieht.

Diese Eingriffe eignen sich nur für Menschen mit einer schweren , die:

  • seit mehreren Monaten nicht mehr rauchen
  • keine schweren Begleiterkrankungen haben
  • nicht stark untergewichtig sind
  • alle anderen Behandlungsmöglichkeiten bereits ausgeschöpft haben

Welcher Eingriff infrage kommt, hängt unter anderem von der Art des Lungenemphysems ab.

Wie gut hilft die Lungenvolumenreduktion?

Die Lungenvolumenreduktion kann Menschen mit einer helfen, hat jedoch gewisse Risiken. Die Vor- und Nachteile hängen vom jeweiligen Verfahren ab. Die bronchoskopische LVR wird mittlerweile häufiger eingesetzt als die chirurgische.

Chirurgische Lungenvolumenreduktion

Die Operation kann die Chance erhöhen, länger zu leben. In der größten Studie zu diesem Verfahren zeigte sich fünf Jahre danach:

  • Ohne Operation waren 49 von 100 Menschen gestorben.
  • Mit Operation waren 42 von 100 Menschen gestorben.

Zudem waren die operierten Patientinnen und Patienten körperlich belastbarer, hatten eine bessere Lebensqualität und seltener Atemnot. Sie kamen auch seltener wegen einer akuten Verschlechterung der Atmung () in ein Krankenhaus.

Es gab aber auch Nachteile: So starben im ersten Jahr nach dem Eingriff einige Menschen an den Folgen der Operation. Zudem hat jede Operation Risiken, zum Beispiel Entzündungen oder Wundheilungsstörungen. Unerwünschte Wirkungen wurden in den Studien aber nicht ausreichend untersucht.

Bronchoskopische Lungenvolumenreduktion

Eine bronchoskopische LVR mit Ventilen oder Spiralen (Coils) kann die körperliche Belastbarkeit und die Lebensqualität verbessern. Nach dem Einsetzen von Spiralen kam es zudem seltener zu Atemnot. Ob der Eingriff das Leben verlängern kann, ist jedoch unklar. Die meisten Studien dauerten maximal ein Jahr – das ist zu kurz, um diese Frage zu beantworten.

Ein Nachteil dieses Verfahrens ist, dass es nach dem Eingriff manchmal zu einer akuten Verschlechterung der Atmung kommt. Sie kann durch das Einführen des Endoskops in die ausgelöst werden. Zudem kann ein Lungenflügel zusammenfallen (Pneumothorax). Nach dem Eingriff kommt es oft zu leichtem Bluthusten, zudem bestehen die allgemeinen Operationsrisiken. Werden Spiralen eingesetzt, ist das Risiko für eine Lungenentzündung erhöht.

Andere Verfahren zur Verringerung des Lungenvolumens wie beispielsweise das gezielte Einbringen von Polymerschaum oder heißem Wasserdampf sowie die Einlage von Stents sind kaum untersucht. Daher bleibt die Frage zu den Vor-und Nachteilen dieser Behandlungsmöglichkeiten offen. Sie werden in Deutschland selten angewendet.

Was geschieht bei einer Bullektomie?

Dieser Eingriff ähnelt der Lungenvolumenreduktion. Im Gegensatz zur LVR werden dabei aber nur einzelne große Blasen (lat. = Bulla) entfernt. Eine Bullektomie kommt infrage, wenn einzelne Blasen mehr als ein Drittel eines Lungenflügels ausfüllen und auf das benachbarte Gewebe drücken. Auch bei diesem Eingriff wird in der Regel operiert, also über kleine Schnitte im Brustkorb (Schlüssellochtechnik).

Wann kommt eine Lungentransplantation infrage?

Eine Lungentransplantation kommt nur bei einem fortgeschrittenen infrage, wenn alle anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind. Dabei werden ein oder beide Lungenflügel entfernt und gegen ein gespendetes Organ ausgetauscht. Die Möglichkeit zur ist begrenzt, weil es nur selten Spenderlungen gibt. Mit einer neuen Lunge können Empfängerinnen und Empfänger meist wieder deutlich besser atmen und haben eine höhere Lebensqualität.

Eine ist mit besonderen Risiken verbunden, da die Operation sehr aufwendig ist und der Körper das neue Organ annehmen muss. Um Abstoßungsreaktionen vorzubeugen, müssen nach dem Eingriff dauerhaft Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems eingenommen werden. Sie haben zum Teil ernsthafte Nebenwirkungen wie Organschäden und ein erhöhtes Risiko für Infektionen.

Für eine gibt es bestimmte Voraussetzungen: So muss das Risiko deutlich erhöht sein, in den kommenden Jahren an der zu sterben – zugleich dürfen aber keine schweren Begleiterkrankungen bestehen. Man muss bereits längere Zeit nicht mehr rauchen und bereit sein, aktiv an Reha- und Trainingsmaßnahmen teilzunehmen. Da Menschen über 65 Jahren häufiger schwere Begleiterkrankungen haben, sind die meisten Patientinnen und Patienten bei einer jünger.

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Aktualisiert am 29. April 2026

Nächste geplante Aktualisierung: 2029

Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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