Behandlung von Beschwerden bei Vorhofflimmern

Foto von Paar

Bei einem ist der Herzrhythmus gestört, und das Herz schlägt meist schneller als normal. Der erhöhte Puls lässt sich wenn nötig durch Medikamente senken. Zudem kann man versuchen, den Herzrhythmus zu normalisieren. Dies ist zum Beispiel bei ausgeprägten Symptomen sinnvoll.

Zur Behandlung von Beschwerden beim gibt es zwei Ansätze:

  • die Frequenzkontrolle (Herzfrequenz kontrollierende Behandlung)
  • die Rhythmuskontrolle (Herzrhythmus stabilisierende Behandlung)

Bei der Frequenzkontrolle wird der erhöhte Puls mit Medikamenten gesenkt. Man versucht nicht, den normalen Herzrhythmus (Sinusrhythmus) wiederherzustellen. Manchmal reicht dies schon aus, um die Beschwerden in den Griff zu bekommen.

Bei der Rhythmuskontrolle wird der Sinusrhythmus wiederhergestellt. Rückfälle sind aber möglich. Eine Behandlung mit Medikamenten oder ein Eingriff kann das Risiko für Rückfälle senken.

Beide Behandlungsstrategien haben Vor- und Nachteile. Daher lohnt es sich, sie gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt gut abzuwägen. Mit welcher Behandlung man beginnt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören unter anderem die Stärke der Beschwerden, Begleiterkrankungen, das Alter und ob das zum ersten Mal aufgetreten ist oder schon länger besteht. Auch die persönlichen Wünsche spielen eine Rolle.

Was ist eine Frequenzkontrolle?

Bei dieser Behandlung wird der erhöhte Puls mit Medikamenten gesenkt. Das entlastet das Herz und hilft gegen Beschwerden wie Herzrasen. Der Ruhepuls wird zunächst auf unter 110 Schläge pro Minute gesenkt, meist mit Betablockern. Bei Bedarf kann der Puls durch eine höhere Dosis oder weitere Medikamente stärker gesenkt werden. Es wird erst einmal nicht versucht, das zu beseitigen.

Eine Pulssenkung kann bereits ausreichen, um die Beschwerden zu lindern. Wenn trotz der Pulssenkung weiter Beschwerden bestehen, kann eine sogenannte Rhythmuskontrolle sinnvoll sein.

Was ist eine Rhythmuskontrolle?

Bei dieser Behandlung wird der normale Herzschlag (Sinusrhythmus) durch Medikamente oder gezielte elektrische Impulse wiederhergestellt (Kardioversion). Weil es danach zu Rückfällen kommen kann, schließt sich manchmal eine Behandlung mit Medikamenten an, die den Herzrhythmus stabil halten sollen (Antiarrhythmika). Unter Umständen kommt auch ein Katheter-Eingriff am Herzen infrage, der zu einem stabilen Herzschlag beitragen soll (Katheterablation).

Ganz verhindern lassen sich Rückfälle aber nicht. Bei etwa 50 bis 70 von 100 Menschen tritt das trotz stabilisierender Behandlung innerhalb von drei Jahren erneut auf.

Welche Behandlung wählen?

Wenn es gelingt, die Beschwerden durch eine Pulssenkung ausreichend zu lindern, kann das die erste Wahl sein. Studien zeigen, dass es dann oft keine Vorteile hat, den normalen Herzrhythmus wiederherzustellen: Sowohl in Bezug auf die Lebenserwartung als auch das Schlaganfall-Risiko gab es keinen Unterschied zwischen den Behandlungen.

Wichtig ist: Keine der beiden Behandlungen kann das ganz verhindern. Wenn neue Episoden auftreten, können sich Blutgerinnsel bilden. Daher sind bei beiden Behandlungen meist gerinnungshemmende Medikamente zur Vorbeugung von Schlaganfällen erforderlich.

Für eine alleinige Pulssenkung sprechen vor allem zwei Gründe:

  • Es sind weniger Kontrolluntersuchungen nötig, weil man nicht so viele Medikamente nehmen muss.
  • Das Risiko für Nebenwirkungen ist geringer.

Eine Rhythmuskontrolle kann Beschwerden etwas besser lindern. Sie kommt daher für Menschen infrage, bei denen trotz Pulssenkung weiterhin störende Beschwerden bestehen. Der Nachteil ist, dass die Rhythmuskontrolle häufiger zu Nebenwirkungen führt.

Viele medizinische Fachgesellschaften empfehlen eine Rhythmuskontrolle deshalb nur dann, wenn sich die Beschwerden anders nicht ausreichend lindern lassen.

Die Entscheidung für oder gegen eine Rhythmuskontrolle ist nicht „endgültig“: Im Laufe der Zeit können andere Gründe hinzukommen, die Behandlung zu wechseln.

Kirchhof P, Benussi S, Kotecha D, Ahlsson A, Atar D, Casadei B et al. 2016 ESC Guidelines for the management of atrial fibrillation developed in collaboration with EACTS. Eur J Cardiothorac Surg 2016; 50(5): e1-e88.

Packer DL, Mark DB, Robb RA, Monahan KH, Bahnson TD, Poole JE et al. Effect of Catheter Ablation vs Antiarrhythmic Drug Therapy on Mortality, Stroke, Bleeding, and Cardiac Arrest Among Patients With Atrial Fibrillation: The CABANA Randomized Clinical Trial. JAMA 2019; 321(13): 1261-1274.

Sethi NJ, Feinberg J, Nielsen EE, Safi S, Gluud C, Jakobsen JC. The effects of rhythm control strategies versus rate control strategies for atrial fibrillation and atrial flutter: A systematic review with meta-analysis and Trial Sequential Analysis. PLoS One 2017; 12(10): e0186856.

Valembois L, Audureau E, Takeda A, Jarzebowski W, Belmin J, Lafuente-Lafuente C. Antiarrhythmics for maintaining sinus rhythm after cardioversion of atrial fibrillation. Cochrane Database Syst Rev 2019; (9): CD005049.

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Ärzten und anderen Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

Seite kommentieren

Was möchten Sie uns mitteilen?

Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Bewertungen und Kommentare werden von uns ausgewertet, aber nicht veröffentlicht. Ihre Angaben werden von uns vertraulich behandelt.

Bitte beachten Sie, dass wir Sie nicht persönlich beraten können. Hinweise zu Beratungsangeboten finden Sie hier.

Aktualisiert am 18. November 2020
Nächste geplante Aktualisierung: 2023

Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

So halten wir Sie auf dem Laufenden

Folgen Sie uns auf Twitter oder abonnieren Sie unseren Newsletter oder Newsfeed. Auf YouTube finden Sie unsere wachsende Videosammlung.