Wie wirkt Alkohol – und wie schnell wird er abgebaut?

Viele Menschen empfinden die Wirkung von etwas Alkohol als angenehm. Wenn der Alkoholpegel steigt, kann die Wirkung jedoch schnell ins Negative umschlagen – vor allem, wenn man ohnehin aufgewühlt, traurig oder wütend ist. Aus „angenehm“ kann außerdem „übel“ werden: Den meisten Menschen wird nach zu viel Alkohol schlecht. Mit zunehmender Trunkenheit steigt zudem das Risiko für Unfälle und Verhaltensweisen, die man später bereuen könnte. Langfristig schadet Alkohol den Organen, weil er als Zellgift wirkt.

Wie wirkt Alkohol kurzfristig?

Je nach Alkoholpegel lassen sich unterschiedliche Phasen der Trunkenheit unterscheiden.

Promillepegel Wirkung auf Stimmung und Verhalten Risiken und körperliche Folgen
Bis 0,3 Promille
  • Gefühl der Entspannung
  • falsche Einschätzung von Entfernungen, zum Beispiel im Straßenverkehr
  • leichte Einschränkung der Urteilsfähigkeit möglich
Ab 0,3 Promille (beschwipst)
  • heitere Stimmung
  • Redseligkeit und Kontaktfreudigkeit
  • zunehmende Beeinträchtigung der Urteilsfähigkeit
Ab 0,5 Promille (angetrunken)
  • euphorische Stimmung
  • gesenkte Hemmschwelle
  • unangemessenes Verhalten
  • Konzentrationsprobleme
  • zunehmende Reizbarkeit
  • Gefahr durch beginnende Koordinationsstörungen, verminderte Seh- und Hörleistung
  • Gefahr durch zunehmende Streitlust und fehlende Einsicht
Ab 0,8 Promille (betrunken)
  • starke Konzentrationsprobleme
  • Gleichgewichtsstörungen
  • zunehmende Enthemmtheit und Selbstüberschätzung
  • Gefahren werden nicht richtig erkannt, eingeschätzt oder ignoriert
  • Unfallrisiko durch Gleichgewichtsstörungen, deutlich verringerte Reaktionsfähigkeit und betäubte Sinne (Tunnelblick, Hörverlust)
Ab 1 bis 2 Promille (Alkoholrausch)
  • lallende Sprache
  • Hemmungslosigkeit
  • Stimmungsschwankungen
  • stark eingeschränkte Reaktionszeit
  • stark eingeschränkte Sinne
Ab 2 bis 3 Promille (Betäubungsstadium)
  • Körper ist stark betäubt
  • unkontrollierte Bewegungen
  • Reaktionslosigkeit
  • einsetzende Alkoholvergiftung mit Übelkeit und Erbrechen
  • Erinnerungsverlust
Über 3 Promille
  • Bewusstlosigkeit
  • keine Reflexe
  • Koma und Atemlähmungen
  • lebensbedrohlicher Zustand

Wie Alkohol akut wirkt, hängt neben dem Alkoholpegel auch von persönlichen Faktoren ab, wie der Gewöhnung und der Stimmung, in der man sich befindet. Insbesondere Jugendliche reagieren sensibler auf Alkohol, da sie sich noch im Wachstum befinden. Außerdem kann Alkohol die Organe von Jugendlichen leichter schädigen und ihre Entwicklung dadurch nachhaltig beeinträchtigen. Auch bei älteren Menschen kann Alkohol stärker wirken – etwa wenn sie Medikamente einnehmen oder chronische Erkrankungen haben.

Wie schadet Alkohol dem Körper langfristig?

Alkohol gelangt über die Blutbahn bis in die Organe und das Gewebe. Dort erhöht er das Risiko für verschiedene Erkrankungen. Dazu gehören unter anderem Krebserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Erkrankungen des Stoffwechsels und der Verdauung, wie zum Beispiel Gicht und Entzündungen der Magenschleimhaut, Bauchspeicheldrüse und Leber.

Zu den biochemischen Prozessen, durch die Alkohol schadet, gehören zum Beispiel:

  • die Umwandlung von Alkohol in Acetaldehyd – einer Substanz, die das Erbgut schädigen und krebserregend wirken kann
  • die vermehrte Bildung von „freien Radikalen“ – Substanzen, die bei Oxidationsprozessen entstehen und Zellen schädigen können
  • eine Hemmung der Aufnahme verschiedener für die Gesundheit wichtiger Nährstoffe, wie Vitaminen oder

Außerdem können bei der Herstellung von alkoholischen Getränken durch und Destillation schädliche Substanzen entstehen, wie zum Beispiel Nitrosamine oder Phenol. Dies sind Chemikalien, die auch beim Verbrennen von Tabak entstehen, und unter anderem für die schädliche Wirkung des Rauchens verantwortlich sind.

Wie wird der Alkoholpegel bestimmt?

Der Alkoholgehalt im Körper wird als „Promille“-Wert angegeben:

  • 1 Promille = 1 Milliliter Alkohol auf 1000 Milliliter Blut

Wie viel Promille jemand zum Beispiel nach einem halben Liter Bier im Blut hat, lässt sich nicht pauschal sagen. Dies hängt unter anderem davon ab, wie hoch der Wasseranteil am Körper ist – und damit vor allem vom Geschlecht und Körpergewicht.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat einen Promillerechner entwickelt, mit dem man seinen Alkoholpegel ungefähr einschätzen kann.

Wie schnell nimmt der Körper Alkohol auf?

Alkohol wird zum größten Teil über den Magen aufgenommen. Es dauert 3 bis 5 Minuten, bis der Alkohol über die Blutbahn in das Gehirn gelangt, wo er seine Wirkung entfaltet. Nach etwa 30 bis 60 Minuten hat er sich über die Blutbahn vollständig im Körper verteilt. Die Wirkung tritt schneller ein, wenn man auf leeren Magen oder nach dem Sport trinkt, zügig trinkt oder krank ist. Auch bestimmte Medikamente können einen Einfluss haben.

Wann ist man wieder nüchtern?

Der Körper baut Alkohol nur langsam ab, nämlich pro Stunde

  • ungefähr 0,1 Promille bei Frauen,
  • zwischen 0,1 und 0,2 Promille bei Männern.

Neben der getrunkenen Alkoholmenge beeinflussen vor allem das Gewicht und Geschlecht die Dauer des Alkoholabbaus:

  • Bei einer 55 Kilogramm schweren Frau dauert es etwa zwei bis drei Stunden, bis ein kleines Glas Wein (0,125 Liter) abgebaut ist.
  • Ein 80 Kilogramm schwerer Mann benötigt ein bis zwei Stunden, um ein kleines Glas Wein (0,125 Liter) abzubauen.

Beschleunigen lässt sich dieser Vorgang nicht. Wichtig ist allerdings, viel Wasser oder andere nicht alkoholische Getränke zu trinken, da Alkohol dem Körper Flüssigkeit entzieht.

Warum wirkt Alkohol bei Frauen stärker als bei Männern?

Frauen haben einen höheren Körperfettanteil als Männer, gleichzeitig enthält ihr Körper weniger Wasser. Weil sich Alkohol in Wasser besser löst als in Fett, konzentriert sich der Alkohol im Blut bei Männern etwas weniger als bei Frauen. Dieselbe Menge Alkohol macht Frauen daher schneller betrunken als Männer.

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie (DG-Sucht). S3-Leitlinie: Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen. AWMF-Registernr.: 076-001. 28.02.2016.

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Erstellt am 06. November 2019
Nächste geplante Aktualisierung: 2022

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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