Wie wird Schwangerschaftsdiabetes behandelt?

Foto von Frau mit Strampelanzug
PantherMedia / Mitar gavric

Erhöhte Blutzuckerwerte lassen sich meist durch eine Ernährungsumstellung ausreichend senken. Eine spezielle Beratung kann dabei helfen. Manche Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes haben aber über längere Zeit so viel Zucker im Blut, dass sie spritzen müssen.

Bei einem Schwangerschaftsdiabetes () ist der Blutzuckerspiegel vorübergehend erhöht. Dies ist meist kein Grund zur Beunruhigung. Ein Schwangerschaftsdiabetes kann aber das Risiko für seltene Komplikationen vor und während der Geburt erhöhen. Die wird mithilfe eines Blutzuckertests (Glukosetoleranztest) gestellt.

Nach der schlagen die Frauenärztin oder der Frauenarzt oft eine Überweisung an eine Diabetologin oder einen Diabetologen vor, um die weitere Behandlung abzustimmen.

Was kann man selbst tun?

Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes wird empfohlen, ihre Ernährung umzustellen und manchmal auch, sich mehr zu bewegen. Welche konkreten Maßnahmen sinnvoll sind, lässt sich am besten in einer speziellen Beratung klären.

Ob eine Umstellung der Ernährung und mehr Bewegung tatsächlich helfen, kann jede Frau selbst kontrollieren, indem sie über einige Wochen mehrmals täglich ihren Blutzucker misst.

Diese Blutzuckerwerte sollten erreicht werden:

  • Vor dem Frühstück: weniger als 95 mg/dl (5,3 mmol/l)
  • Eine Stunde nach Beginn einer Hauptmahlzeit: weniger als 140 mg/dl (7,8 mmol/l)
  • Zwei Stunden nach Beginn einer Hauptmahlzeit: weniger als 120 mg/dl (6,7 mmol/l)

Die Werte werden in ein Tagebuch notiert und zum Arztbesuch mitgebracht. Sind die Blutzuckerwerte in Ordnung, kann es ausreichen, nur ein- oder zweimal am Tag zu messen.

Wie wird die Ernährung umgestellt?

Die Art der Ernährungsumstellung kann gemeinsam mit der Ärztin, dem Arzt oder bei einer Ernährungsberatung besprochen werden. Was für eine Frau sinnvoll ist, hängt unter anderem davon ab, wie viel sie wiegt, wie viel sie sich bisher bewegt und wie sie sich ernährt hat. Meist wird empfohlen, weniger Kohlenhydrate zu sich zu nehmen, weil diese schnell den Blutzuckerspiegel erhöhen. Das Essen sollte aber ausreichend Ballaststoffe, Fett und Eiweiße enthalten.

Zudem wird eine Aufteilung auf drei nicht zu große Hauptmahlzeiten und 2 bis 3 kleinere Zwischenmahlzeiten empfohlen. Bei Übergewicht oder Fettleibigkeit (Adipositas) wird geraten, täglich nur eine bestimmte Menge Kalorien aufzunehmen. Die Menge wird für jede Frau persönlich festgelegt. Schwangere sollten keine strenge Diät halten, weil der Körper während einer Schwangerschaft ausreichend Kalorien benötigt.

Helfen Nahrungsergänzungsmittel?

Myo-Inositol ist ein , das unter anderem zur Behandlung von Schwangerschaftsdiabetes beworben wird. Allerdings gibt es bislang keine zuverlässigen Studien, die den Nutzen und Schaden dieses Präparats bei der Behandlung eines Schwangerschaftsdiabetes untersucht haben. Es gibt aber Hinweise darauf, dass es helfen kann, ihm vorzubeugen.

Auch Vitamin D wird gelegentlich beworben. Es gibt aber keine Belege dafür, dass eine Vitamin-D-Behandlung hilft.

Kann Bewegung zusätzlich helfen?

Auch regelmäßige Bewegung kann den Blutzuckerspiegel senken. Welche Art von Bewegung infrage kommt, hängt unter anderem davon ab, wie belastbar eine Frau ist und wie ihre Schwangerschaft verläuft. Es ist sinnvoll, sich dazu in einer Frauenarztpraxis beraten zu lassen. Meist bieten sich Sportarten wie Gymnastik, , Radfahren oder Schwimmen an. Dagegen sind zum Beispiel Kampf- oder Ballsportarten zu belastend oder zu risikoreich für das Ungeborene.

Es kann schon helfen, sich mindestens dreimal pro Woche für etwa 30 Minuten intensiver zu bewegen. Regelmäßiges zügiges Gehen lässt sich gut in den Alltag integrieren, indem man zum Beispiel kleinere Einkäufe zu Fuß erledigt.

Welche Rolle spielen Medikamente?

Anhaltend hohe Blutzuckerwerte lassen sich meist nur mit Insulinspritzen ausreichend senken. Andere Diabetesmedikamente (wie Tabletten) sind für schwangere Frauen nicht zugelassen und werden auch nicht empfohlen. Einzig das Medikament Metformin kann in Ausnahmen eine Alternative zu sein. Studien zeigen, dass es bei Schwangerschaftsdiabetes ähnlich gut wirkt wie .

senkt den Blutzuckerspiegel. Es wird täglich unter die Haut gespritzt. Etwa jede vierte Frau mit Schwangerschaftsdiabetes spritzt für die Zeit bis zur Geburt. Wenn die Wehen einsetzen, wird die Behandlung beendet. Nach der Geburt ist in der Regel kein mehr notwendig.

Helfen die Behandlungen, Komplikationen zu verhindern?

Einen Schwangerschaftsdiabetes zu behandeln kann helfen, das Risiko für einzelne Komplikationen zu senken.

Geburtsgewicht

Studien zeigen, dass eine Behandlung die Zahl der Kinder mit hohem Geburtsgewicht (über 4000 g) verringert:

  • Ohne Behandlung bekommen etwa 16 von 100 Frauen ein Kind mit hohem Geburtsgewicht.
  • Mit Behandlung bekommen etwa 7 pro 100 Frauen ein Kind mit hohem Geburtsgewicht.

Größe und Gewicht des Kindes sind allein jedoch kein Grund, sich Sorgen um dessen Gesundheit zu machen. Die meisten großen Kinder kommen gesund zur Welt. Allerdings kann die Geburt eines großen Kindes schwerer sein.

Schulterdystokien

Durch die Behandlung sinkt das Risiko für eine bestimmte Geburtskomplikation, die sogenannte Schulterdystokie. Dabei verzögert sich der Austritt der Schultern des Kindes, nachdem der Kopf schon geboren ist. Manchmal bleibt das Kind vorübergehend im Geburtskanal stecken, selten jedoch für längere Zeit. Um einem Sauerstoffmangel vorzubeugen, treffen Hebammen, Ärztinnen und Ärzte dann schnelle Gegenmaßnahmen.

In den bisherigen Studien konnte eine Behandlung die Zahl der Schulterdystokien senken:

  • Ohne Behandlung kommt es bei etwa 3 bis 4 von 100 Geburten zu einer Schulterdystokie,
  • mit Behandlung bei etwa 1 bis 2 von 100 Geburten.

Durch Schulterdystokien kommt es häufiger zu kleineren Verletzungen des Kindes und manchmal auch der Mutter. Solche Verletzungen heilen fast immer ohne bleibende körperliche Folgen ab.

Andere Komplikationen

In einigen Studien wurde untersucht, ob Präeklampsien durch die Behandlung eines Schwangerschaftsdiabetes seltener auftreten. Dies war jedoch nicht der Fall. Die Präeklampsie ist eine seltene Schwangerschaftserkrankung, die mit Blutdruckerhöhung bei der Mutter einhergeht. Auch auf andere mögliche Komplikationen eines Schwangerschaftsdiabetes wie schwere Verletzungen hatte die Behandlung keinen Einfluss. Die Zahl der Kaiserschnitte war ebenfalls vergleichbar.

Es ist zudem unklar, ob die Behandlung eines Schwangerschaftsdiabetes für die Mutter und / oder das Kind langfristige gesundheitliche Vorteile hat – also beispielsweise das Risiko senkt, an Typ-2-Diabetes zu erkranken.

Hat die Behandlung Nebenwirkungen?

Nachteile oder Schäden durch die Behandlung eines Schwangerschaftsdiabetes wurden in den bisherigen Studien nicht ausdrücklich untersucht.

Die Behandlung kann etwas aufwendig sein: So empfinden manche Frauen das häufige Blutzuckermessen als unangenehm, da sie sich dazu mehrmals täglich in den Finger stechen müssen. Auch die Ernährungsumstellung kann etwas Disziplin erfordern. Viele Frauen machen sich zudem Sorgen, wenn sie die Schwangerschaftsdiabetes erhalten. Umso wichtiger ist die Botschaft, dass die allermeisten Kinder trotz dieser gesund zur Welt kommen.

Wie geht es nach der Geburt weiter?

Neugeborene werden in den ersten Tagen regelmäßig umfangreich untersucht. Dabei wird auch nach Problemen geschaut, die mit dem Schwangerschaftsdiabetes in Zusammenhang stehen können. Dazu gehören beispielsweise Atemprobleme oder Unterzuckerungen. Um diese zu erkennen, wird schon in den ersten Stunden nach der Geburt der Blutzucker des Kindes gemessen. Wichtig ist, das Neugeborene schon etwa 30 Minuten nach der Geburt zu füttern, am besten durchs Stillen.

Wenn eine Frau während der Schwangerschaft gespritzt oder Metformin eingenommen hat, wird in den ersten Tagen nach der Geburt wiederholt ihr Blutzucker gemessen. Meist sind die Blutzuckerwerte nach der Geburt schnell wieder normal. Sind sie weiterhin erhöht, wird die Behandlung in einer diabetischen Praxis fortgesetzt. Bei Frauen, die nur ihre Ernährung umgestellt haben, wird der Blutzucker direkt nach der Geburt meist nicht mehr gemessen.

Allen Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes wird empfohlen, sich nach der Geburt ärztlich beraten zu lassen, ob weitere Untersuchungen oder eine Änderung des Lebensstils sinnvoll sind. Vielen Frauen wird empfohlen, etwa 6 bis 12 Wochen nach der Geburt einen Glukosetoleranztest zu machen, um sicher zu sein, dass sich nicht doch ein behandlungsbedürftiger Diabetes entwickelt hat.

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Aktualisiert am 07. Oktober 2020
Nächste geplante Aktualisierung: 2023

Autoren/Herausgeber:

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