Wie wird Schwangerschaftsdiabetes behandelt?

Foto von Frau mit Strampelanzug (PantherMedia / Mitar gavric) Erhöhte Blutzuckerwerte lassen sich meist durch eine Ernährungsumstellung ausreichend senken. Eine spezielle Beratung kann dabei helfen. Manche Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes haben über längere Zeit so viel Zucker im Blut, dass sie Insulin spritzen müssen.

Bei einem Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) ist der Blutzuckerspiegel vorübergehend erhöht. Dies ist meist kein Grund zur Beunruhigung. Ein Schwangerschaftsdiabetes kann aber das Risiko für seltene Komplikationen vor und während der Geburt erhöhen. Die Diagnose wird mithilfe eines Blutzuckertests (Glukosetoleranztest) gestellt.

Nach der Diagnose schlagen die Frauenärztin oder der Frauenarzt oft eine Überweisung an eine Diabetologin oder einen Diabetologen vor, um die weitere Behandlung abzustimmen.

Was kann man selbst tun?

Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes wird empfohlen, ihre Ernährung umzustellen und manchmal auch, sich mehr zu bewegen. Dazu sollten sie eine spezielle Beratung erhalten, in der sich besprechen lässt, welche konkreten Maßnahmen sinnvoll sind.

Wenn eine Ernährungsumstellung und mehr Bewegung den Blutzucker nicht ausreichend senken, kann er durch Insulin gesenkt werden.

Um zu prüfen, ob die Maßnahmen helfen, wird über einige Wochen mehrmals täglich der Blutzucker zu gemessen. Dazu gewinnt man mit einer kleinen Lanze einen Tropfen Blut aus der Fingerspitze und trägt ihn auf einen Teststreifen auf. Der Streifen wird in ein elektronisches Messgerät gesteckt, das nach kurzer Zeit die Höhe des Blutzuckers anzeigt.

Wie wird die Ernährung umgestellt?

Die Art der Ernährungsumstellung kann gemeinsam mit der Ärztin, dem Arzt oder bei einer Ernährungsberatung besprochen werden. Was für eine Frau sinnvoll ist, hängt unter anderem davon ab, wie viel sie wiegt, wie viel sie sich bewegt und wie sie sich ernährt. Meist wird empfohlen, weniger Kohlenhydrate zu sich zu nehmen, weil diese den Blutzuckerspiegel erhöhen. Das Essen sollte aber ausreichend Ballaststoffe, Fett und Eiweiße enthalten.

Zudem wird eine Aufteilung auf drei nicht zu große Hauptmahlzeiten und zwei bis drei kleinere Zwischenmahlzeiten empfohlen. Bei Übergewicht oder Fettleibigkeit (Adipositas) wird geraten, die Kalorien pro Tag auf eine bestimmte Menge zu beschränken. Allerdings sollten Schwangere keine strenge Diät halten, weil der Körper während einer Schwangerschaft ausreichend Kalorien benötigt.

Kann Bewegung zusätzlich helfen?

Auch Bewegung kann dazu beitragen, dass der Blutzuckerspiegel sinkt. Welche Art von Bewegung infrage kommt, hängt unter anderem davon ab, wie belastbar eine Frau ist und wie ihre Schwangerschaft verläuft. Es ist sinnvoll, sich dazu in einer Frauenarztpraxis beraten zu lassen. Meist bieten sich Sportarten wie Gymnastik, Walking, Radfahren oder Schwimmen an. Dagegen sind zum Beispiel Kampf- oder Ballsportarten zu belastend oder zu risikoreich für das Ungeborene.

Es kann schon helfen, sich mindestens drei Mal pro Woche für etwa 30 Minuten intensiver zu bewegen. Auch regelmäßiges zügiges Spazierengehen lässt sich gut in den Alltag integrieren.

Welche Rolle spielen Medikamente?

Anhaltend hohe Blutzuckerwerte lassen sich meist nur mit Insulinspritzen ausreichend senken. Andere Diabetesmedikamente (wie Tabletten) sind für schwangere Frauen nicht zugelassen und werden auch nicht empfohlen. Einzig das Medikament Metformin kann in Ausnahmen (und dann als Off-label-Use) eine Alternative zu Insulin sein. Studien zeigen, dass es bei Schwangerschaftsdiabetes ähnlich gut wirkt wie Insulin.    

Myo-Inositol ist ein Nahrungsergänzungsmittel, das unter anderem zur Behandlung von Diabetes beworben wird. Allerdings gibt es bislang keine zuverlässigen Studien, die den Nutzen und Schaden dieses Präparats untersucht haben. Deshalb wird es zur Behandlung eines Schwangerschaftsdiabetes nicht empfohlen.   

Helfen die Behandlungen, Komplikationen zu verhindern?

Einen Schwangerschaftsdiabetes zu behandeln kann helfen, das Risiko für einzelne Komplikationen zu senken.

Geburtsgewicht

Studien zeigen, dass eine Behandlung die Zahl der Kinder mit hohem Geburtsgewicht (über 4000 g) verringert:

  • Ohne Behandlung bekommen etwa 16 von 100 Frauen ein Kind mit hohem Geburtsgewicht.
  • Mit Behandlung bekommen etwa 7 pro 100 Frauen ein Kind mit hohem Geburtsgewicht.

Die Größe des Kindes ist allein jedoch kein Grund, sich Sorgen um dessen Gesundheit zu machen. Die meisten großen Kinder kommen gesund zur Welt. Allerdings kann die Geburt eines großen Kindes schwerer sein.

Schulterdystokien

Durch die Behandlung sinkt das Risiko für eine bestimmte Geburtskomplikation, die sogenannte Schulterdystokie. Dabei verzögert sich der Austritt der Schultern des Kindes, nachdem der Kopf schon geboren ist. Manchmal bleibt das Kind vorübergehend im Geburtskanal stecken, selten jedoch für längere Zeit. Um einem Sauerstoffmangel vorzubeugen, treffen Hebammen, Ärztinnen und Ärzte dann schnelle Gegenmaßnahmen.

In den bisherigen Studien konnte eine Behandlung die Zahl der Schulterdystokien senken:

  • Ohne Behandlung kommt es bei etwa 3 bis 4 von 100 Geburten zu einer Schulterdystokie,
  • mit Behandlung bei etwa 1 bis 2 von 100 Geburten.

Durch Schulterdystokien kommt es häufiger zu kleineren Verletzungen des Kindes und manchmal auch der Mutter. Solche Verletzungen heilen fast immer ohne bleibende körperliche Folgen ab.

Andere Komplikationen

Eine Studie lieferte Hinweise, dass Präeklampsien durch die Behandlung eines Schwangerschaftsdiabetes seltener auftreten. Die Präeklampsie ist eine seltene Schwangerschaftserkrankung, die mit Blutdruckerhöhung bei der Mutter einhergeht. Auf andere mögliche Komplikationen eines Schwangerschaftsdiabetes wie schwere Verletzungen oder das Sterblichkeitsrisiko hatte die Behandlung keinen Einfluss. Auch die Zahl der Kaiserschnitte war vergleichbar.

Keine der Studien gab Auskunft darüber, ob die Behandlung eines Schwangerschaftsdiabetes für die Mutter und / oder das Kind langfristige gesundheitliche Vorteile hat – also beispielsweise das Risiko senkt, an Typ-2-Diabetes zu erkranken.

Hat die Behandlung Nebenwirkungen?

Nachteile oder Schäden durch die Behandlung eines Schwangerschaftsdiabetes wurden in den bisherigen Studien nicht ausdrücklich untersucht.

Die Behandlung kann etwas aufwendig sein: So empfinden manche Frauen das häufige Blutzuckermessen als unangenehm, da sie sich dazu mehrmals täglich in den Finger stechen müssen. Auch die Ernährungsumstellung kann etwas Disziplin erfordern. Viele Frauen machen sich zudem Sorgen, wenn sie die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes erhalten. Umso wichtiger ist die Botschaft, dass die allermeisten Kinder trotz dieser Diagnose gesund zur Welt kommen.

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