Wie wird ein Hirnaneurysma behandelt?

Foto von Paar beim Wandern

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit einem Hirnaneurysma umzugehen. Oft reicht es, das Aneurysma regelmäßig kontrollieren zu lassen. Manchmal ist es aber sinnvoll, es mittels Katheter-Eingriff oder mikrochirurgischer Operation zu verschließen, damit es nicht irgendwann reißt.

Die meisten Menschen mit einem Hirnaneurysma merken davon ein Leben lang nichts: Häufig bereitet es keine Probleme und wird, wenn überhaupt, nur zufällig entdeckt. Zu wissen, dass man ein Hirnaneurysma hat, kann aber belastend sein. Außerdem kann es Beschwerden verursachen oder reißen.

Ein Riss führt zu einer bestimmten Form der Hirnblutung, einer sogenannten Subarachnoidal-Blutung. Dies ist ein lebensbedrohlicher Notfall. Mit einem operativen Eingriff lässt sich einem Riss vorbeugen. Vorbeugende Eingriffe können aber selbst schwere Komplikationen wie Schlaganfälle auslösen.

Es gibt verschiedene OP- oder Katheter-Verfahren, um das Aneurysma zu verschließen. Hierzu gehören die mikrochirurgische Operation (Clipping) und die endovaskuläre Behandlung mit einem (Coiling). Neuere Verfahren funktionieren nach einem vergleichbaren Prinzip.

Welches Verfahren geeignet ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Das sind etwa die Lage, Form und Größe des Aneurysmas – aber auch das eigene Alter und der allgemeine Gesundheitszustand.

Hirnaneurysma: Welche Behandlungsmöglichkeiten habe ich?

Vor der Entscheidung für oder gegen einen Eingriff ist es sinnvoll, sich gut über die Vor- und Nachteile zu informieren. Diese Entscheidungshilfe unterstützt dabei.

Was passiert, wenn nicht operiert wird?

Wenn ein Aneurysma nicht operiert wird, empfehlen Ärztinnen und Ärzte Kontrolluntersuchungen, um zu beobachten, ob es sich verändert. Wird es beispielsweise größer, steigt das Risiko für einen Riss und eine Hirnblutung. Dann kann erneut abgewogen werden, ob ein vorbeugender Eingriff sinnvoll ist.

Mit wird überprüft, ob sich Form oder Größe des Aneurysmas ändert. So lässt sich das Risiko für eine Blutung abschätzen. Zur besseren Darstellung der Hirngefäße kann über eine Hand- oder Armvene ein Kontrastmittel (Gadolinium) verabreicht werden. Diese Untersuchung findet in der Regel einmal pro Jahr statt. Verändert sich das Aneurysma nicht, können die Abstände zwischen den Kontrollen oft verlängert werden. Es können aber auch eine CT-Angiografie (CTA) oder eine digitale Substraktions-Angiografie (DSA) notwendig sein. CTA und DSA gehen mit einer Strahlenbelastung einher.

Um das Risiko für einen Riss gering zu halten, ist es außerdem sinnvoll, einen zu hohen Blutdruck zu senken – zum Beispiel durch eine Ernährungsumstellung und Gewichtsabnahme, regelmäßige Bewegung oder Medikamente. Wenn man raucht, wird dazu geraten, damit aufzuhören.

Was passiert bei einer mikrochirurgischen Operation (Clipping)?

Bei einer Aneurysma-Operation öffnen Neurochirurginnen oder -chirurgen den Schädel: Sie entfernen ein wenige Zentimeter großes Stück Schädelknochen und legen das Blutgefäß frei, an dem sich das Aneurysma befindet. Dann klemmen sie das Aneurysma mit einem kleinen Metall-Clip vom Blutgefäß ab. Das Verfahren wird deshalb „Clipping“ genannt. Es kommt vor allem dann infrage, wenn das Aneurysma so im Schädel liegt, dass es sich leicht freilegen und abklemmen lässt. Am Ende der Operation wird der entnommene Schädelknochen wieder eingefügt und befestigt. Im Anschluss wird man in der Regel zunächst auf der Intensivstation weiterbetreut.

Für die offene Operation ist eine erforderlich. Im Anschluss an den Eingriff wird mit einer überprüft, ob das Aneurysma erfolgreich verschlossen wurde.

Der Clip bleibt im Körper. Das Blut im abgeklemmten Aneurysma gerinnt und wird vom Körper mit der Zeit zu Bindegewebe umgebaut. Das soll eine Hirnblutung verhindern.

Allerdings kann der Eingriff selbst zu schweren Komplikationen führen und beispielsweise Schlaganfälle oder schwere Blutungen auslösen sowie Gehirngewebe und Nerven schädigen. Eine mögliche Folge sind Lähmungen, Gefühls-, Seh- oder Sprachstörungen. In einer Studie hatten etwa 20 von 100 Menschen nach dem Clipping mit solchen Problemen zu tun. Etwa 1 von 100 Menschen war nach der Operation pflegebedürftig oder starb infolge des Eingriffs. Da die Studie Mängel aufweist, sind die Zahlen nur eine grobe Schätzung. Dazu kommen weitere, allgemeine Operationsrisiken wie Blutungen, Kreislaufprobleme oder Entzündungen.

Eine mikrochirurgische Aneurysma-Operation ist für den Körper eine große Belastung. Deshalb eignet sie sich eher für Menschen, die keine schweren Erkrankungen oder schwere gesundheitliche Probleme haben. Sie können die Operation besser verkraften und erholen sich schneller wieder davon.

Wie funktioniert eine Katheter-Behandlung (Coiling)?

Für die endovaskuläre Behandlung wird der Schädel nicht geöffnet. Stattdessen wird unter ein in eine Arm- oder Leistenarterie eingeführt und bis ins betroffene Blutgefäß im Gehirn vorgeschoben. Über den kann die Ärztin oder der Arzt dann kleine Platin-Spiralen (englisch: coils) im Aneurysma platzieren. Deshalb nennt man diesen Eingriff auch „Coiling“. Die Spiralen sollen dafür sorgen, dass das Blut im Aneurysma gerinnt und kein Blut mehr einströmen kann.

Manchmal werden zusätzlich oder stattdessen sogenannte Stents oder Flow-Diverter eingesetzt. Diese feinen Röhrchen aus Metallgeflecht sollen das Coiling entweder unterstützen oder wie eine innere Schiene in dem Blutgefäß wirken, an dem das Aneurysma sitzt. Das Blut fließt dann durch den Stent und wird so am Aneurysma vorbeigelenkt.

Nach dem Eingriff wird mit einer geprüft, ob der Eingriff erfolgreich war. Man bleibt nach der Operation noch im Krankenhaus, manchmal auf der Intensivstation. Fachleute empfehlen im Anschluss lebenslange Kontrolluntersuchungen, meist mit einer . Je nach Verfahren kann eine lebenslange Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten erforderlich sein.

Ein endovaskulärer Eingriff per kommt eher für Menschen infrage, für die die mikrochirurgische Operation aus gesundheitlichen Gründen zu belastend wäre. Außerdem eignet sich der Katheter-Eingriff nicht für jedes Aneurysma.

Ein Nachteil des endovaskulären Verfahrens ist: Manchmal gerinnt das Blut im Aneurysma nicht vollständig und es fließt weiterhin Blut hinein. Dann wird ein weiterer operativer Eingriff nötig. Nach einem Katheter-Eingriff wird die behandelte Stelle deshalb regelmäßig kontrolliert.

Auch eine Katheter-Behandlung hat Risiken: So kann der das Blutgefäß von innen verletzen, was ebenfalls zu Blutungen, Durchblutungsstörungen und Gehirnschäden führen kann. In einer Studie hatten etwa 10 von 100 Menschen nach dem Coiling mit schweren Komplikationen zu tun. Etwa 1 von 100 Menschen war nach dem Eingriff pflegebedürftig oder starb. Da die Studie Mängel aufweist, sind die Zahlen nur eine grobe Schätzung. Wie bei jedem Eingriff sind außerdem Komplikationen wie Wundinfektionen oder Kreislaufprobleme möglich.

Wichtig ist:

Man sollte bei der Fachärztin oder dem Facharzt nachfragen, welche persönlichen Risiken mit einem vorbeugenden operativen Eingriff einhergehen. Die Ärztin oder der Arzt sollte sich auf Aneurysmen spezialisiert haben.

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IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

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Aktualisiert am 18. März 2026

Nächste geplante Aktualisierung: 2029

Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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